Die große Säuberung

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Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Totalitäres und binäres Lagerdenken hat in Deutschland wieder Hochkonjunktur. Wir preisen zwar überall die heterogenen Lebensentwürfe, den Pluralismus und die bunte Vielfalt, fordern aber gleichzeitig eine homogene und autoritäre Moral, der sich jeder unterzuordnen hat. Bunte Diversität, aber moralische Gleichschaltung? Wie soll das gehen?

Seit der Corona-Pandemie müssen alle Menschen, bei den vermeintlich großen Themen, unbedingt auf Linie sein. Jede kleinste Abweichung, jede Differenzierung und jeder Versuch, alternative Analysen einzubringen, wird von Politik, Medien und Gesellschaft hart bestraft. Ja, noch wird in Deutschland Niemand erschossen, aber man sollte den sozial-ökonomischen Tod nicht verharmlosen.

Es gibt zahlreiche dokumentierte Repressionen gegen Corona-Maßnahmen-Kritiker, die nun auf NATO-Kritiker übertragen werden. Rufmord-Kampagnen. Soziale Ächtung. Gesellschaftlicher Ausschluss. Bankkonto-Kündigungen. Oder sogar Jobverlust. Die zweijährige Ausgrenzungsübung wird nun nahtlos fortgesetzt. Nur die Zielgruppe hat sich (vorübergehend) geändert. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (42)

An unserer Grundschule existieren zwei Willkommenklassen mit jeweils rund 15 Kindern. Die erste Klasse wurde vor fünf Jahren eröffnet, die Zweite letztes Jahr. In Ihnen befinden sich hauptsächlich Kinder aus Syrien, Afghanistan, Afrika, Osteuropa und aus dem arabischen Raum. Bevor die Kinder dort primär deutsch lernen (Deutsch als Zweitsprache: DaZ), findet hier vor allem Traumabewältigung und Soziales Lernen statt.

Nun haben wir mittlerweile rund 10 Flüchtlingskinder aus der Ukraine an unserer Schule. Im Gegensatz zu den Flüchtlingskindern aus den beiden Willkommensklassen, werden sie nicht nur, von Kindern, Eltern und Schulpersonal, viel herzlicher und empathischer empfangen — sondern auch direkt, von Anfang an, in reguläre Klassen gesteckt. Da lernen sie viel schneller die deutsche Sprache und der soziale Anschluss wird dadurch enorm erleichtert. Viele Pädagogen fordern das auch schon seit Jahren für die geflüchteten Kinder aus Syrien, Afghanistan, Afrika usw., was jedoch bei vielen Lehrern auf Widerstand stößt.

»In Deutschland wird ein Unterschied gemacht zwischen ukrainischen und anderen Flüchtlingen. Sozialverbände fordern, dass die neuen Regeln für alle gelten sollen.«

Bernd Müller. Telepolis vom 11. Spril 2022

Es gibt, für die Flüchtlingskinder aus der Ukraine, einen regelmäßigen Kuchenverkauf, bei der die Erlöse Hilfsorganisationen gespendet werden sowie generell eine große Hilfsbereitschaft von Lehrern und Eltern. Das war und ist bei den Willkommensklassen überhaupt nicht so. Der schale Beigeschmack von »guten Flüchtlingen« und »schlechten Flüchtlingen« erhärtet sich zusehends. Die Massenmedien mit ihrem täglichen Dauerfeuer von Moral und Haltung, tragen ihren Teil zur subjektiven Bewertung von geflüchteten Menschen (und insbesondere auch Kindern) bei.

Wenn dann noch der Spiegel vom »Arbeitsmarktwunder« spricht (20.03.2022, Spiegel, Ausgabe 12/2022), weil viele ukrainische geflüchtete Frauen gut qualifiziert seien sowie die Kultusministerkonferenz (KMK), »hochwertige Sprachangebote« und eine »schnelle Integration« fördern will — sieht man, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Kinder aus den Willkommensklassen spüren das.


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen (1−41)

Frieden!

Wie schafft man eigentlich Frieden? Mit Waffen, Drohungen und Sanktionen? Was bedeutet echte Diplomatie? Forderungen stellen, erpressen und die Bedürfnisse des Anderen komplett ignorieren? In der Ukraine gibt es Krieg. Offiziell hat Russland »angefangen«. Die wirklichen Hintergründe, Motive und Gründe erfahren wir nicht. Die NATO sagt, Putin wolle das Sowjetreich wieder haben und sei einfach »böse«. Putin sagt, er wolle die Ukraine »befrieden«, entnazifizieren und die Ausweitung der NATO verhindern. Da die Wahrheit in jedem Krieg zuerst stirbt, weiß ich nicht, was stimmt. Statt aber nach Lösungen zu suchen, begnügt man sich mit ständigen infantilen Schuldzuweisungen.

Ohne Stellung zu beziehen, will ich einmal aufzeigen, dass Politik und Medien in Deutschland absolut gar nichts dafür tun, um echten Frieden zu schaffen. Ganz im Gegenteil. Es wird eskaliert, diffamiert und gedroht. Es werden keine Brücken gebaut, sondern mit aller Gewalt zertrümmert. Die eingeübten Hetzjagden gegen Ungeimpfte, werden nun auf Russen und Putin-Sympathisanten übertragen. Große Teile von Politik und Medien bemühen sich nicht einmal mehr, den Streit beizulegen. Stattdessen erleben wir eine große Kriegsbegeisterung und Kriegslüsternheit. Weiterlesen

»Ein Akt der Solidarität«

»Der Fußball-Weltverband Fifa und die Uefa schließen Russland wegen der Invasion in die Ukraine von allen Wettbewerben aus.«

»Russland und Belarus von Paralympics ausgeschlossen.«

»Nach Netto verbannen auch Aldi, Rewe und Edeka russische Waren aus den Regalen.«

»Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) schränkt den wissenschaftlichen Austausch mit Russland ein.«

»EA entfernt alle russischen Teams aus FIFA 22 und anderen EA-Sports-Titel.«

»Russland darf nicht am Eurovision Song Contest (ESC) 2022 in Turin teilnehmen.«

Wollt Ihr den totalen Krieg? Sippenhaft. Symbolpolitik. Gesinnungsethik. Distanzierungszwang. Haltung zeigen! Stellung beziehen! Was können die russische Zivilbevölkerung, russische Künstler, Schauspieler, Wissenschaftler und Sportler für den Krieg? Wenn alle einer Meinung sind, werde ich skeptisch. Mediale Gleichschaltung und proklamierte Alternativlosigkeit waren noch nie ein Zeichen von Demokratie, Pluralität und Freiheit. Jetzt heißt es wieder: »Im Gleischschritt, Marsch!«

Der Begriff der »Solidarität« ist nun endgültig zum rhetorischen Herrschaftsinstrument verkommen. Folgt der Regierung! Folgt den Massenmedien! Straft jede Gegenmeinung ab! Seid moralisch erhaben! Das ist »Solidarität«. In Zeiten von Corona genauso, wie in Zeiten des Ukraine-Krieges. Wer dem nicht nachkommt, gehört geächtet. Das ist totalitäre Denke.

Die Waffenindustrie freut sich: »Nach der Ankündigung eines 100-Milliarden-Euro-Pakets für die Bundeswehr drängt Rheinmetall auf schnelle Entscheidungen.« (focus.de) Gleichzeitig: »Öffentliche Schulen müssen sich vorerst auf drastische Kürzungen einstellen.«

Nein, ich werde keine »Stellung beziehen«. Denn in einem Krieg gibt es keine »Gerechtigkeit« und erst Recht keine »Wahrheit«. Nur Leid und Elend. Es gibt jedoch Geschichte, Kontext und Zusammenhänge. Wer stets nur Schuldige, statt Lösungen sucht, bleibt ewig im infantilen Denken gefangen.

Würdet Ihr einen ungeimpften Russen verstecken?


Waffenhandel
Neusprech: Solidarität

Gleichschaltungsleugner (3)

»Putin auf Kriegskurs.« (faz.net)

»Wladimir Putins Amokfahrt.« (zeit.de)

»Putin hat seine eigene Realität.« (taz.de)

»Putins hybride Kriegsführung.« (tagesschau.de)

»Putins Völkerrechtsschauspiel.« (sueddeutsche.de)

»Kriegstreiber Putin ignoriert den Kanzler.« (focus.de)

»Wie der Westen Putin bestrafen will.« (tagesspiegel.de)

»Der Punkt in Putins Plan, der für einen großen Krieg spricht.« (welt.de)

»Russland-Ukraine-Konflikt: Der Desinformationskrieg ist in vollem Gang.« (spiegel.de)

Nein, es gibt keine Gleichschaltung in Deutschland. Das darf man nicht sagen. Das ist doch Nazi-Sprech! Aber unsere Presse ist sich komplett einig: Putin ist böse. Putin will den Krieg. Putin ist der neue Hitler. Das darf und muss man genau so sagen. Das ist weder Kriegshetze, noch Gleichschaltung. Das nennt man: transatlantische NATO-Partnerschaft. Wieder zeigen sich unsere Mainstream-Medien als komplett einseitig, tendenziös und mit ganz viel Haltung. Brücken bauen und deeskalieren geht anders.


Gleichschaltungsleugner (1)
Gleichschaltungsleugner (2)

Breaking News

Thomas Röper, Blogger und Osteuropa-Experte vom Anti-Spiegel, hatte die einmalige Gelegenheit Alexander Onischenko, ehemaliger Vertrauter von Petro Poroschenko (Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019), zu interviewen. Herausgekommen ist, unter anderem, dass der Maidan sowie Vitali Klitschko von ukrainischen Oligarchen und den USA finanziert wurde. Onischenko: „Black Lives Matter wurde mit Schwarzgeld aus der Ukraine finanziert.“ Man darf gespannt sein, »wie« oder »ob« darüber berichtet werden wird. Erinnert Ihr euch noch an den Müller-Report? Auch das passte unseren NATO-Medien nicht in das Narrativ  und wurde deshalb sehr klein gehalten.

Der Jahresbericht von Lobbycontrol 2019/2020 betont, dass gerade Krisenzeiten von einflußreichen Gruppen ausgenutzt wird, um ihre Herrschaft zu festigen. Die Macht großer (Digital-)Konzerne und Milliardäre auf die Bundesregierung und die EU ist weiterhin enorm groß: »Wir fanden heraus, dass tatsächlich Monsanto die Studien beauftragt und finanziert hatte.« Bezahlte Auftragsstudien wird es aber bei Covid-19 natürlich nie niemals geben.

»Fall Epstein: Vorsitzende Richterin angegriffen, Sohn erschossen [...] Epstein selbst wurde Monate zuvor in seiner Gefängniszelle getötet. Überwachungskameras funktionierten „versehentlich“ nicht [...] Jeffrey Epstein hatte einen elitären Kinderschänderring betrieben, der von Mitgliedern der Reichen und Mächtigen genutzt wurde. Auf den Passagierlisten seines „Lolita-Express“-Fliegers findet sich beispielsweise mehrere Male der Name Bill Clinton.«

- Blauer Bote Magazin und RT Deutsch

Der Tagesspiegel fragt: »Achtet die deutsche Wirtschaft die Menschenrechte nicht?«, und thematisiert die Haftung sowie die Kontrolle von Lieferketten. Man setze, wie üblich, auf die Selbstverpflichtung von Unternehmen, denn man wolle sie nicht finanziell »belasten«. Kinderarbeit und soziale Ausbeutung in Südostasien werden dabei billigend in Kauf genommen. Den Vogel schießt der Kommentar von »Spreesurfer« ab: »Menschenrechte sind keine globale Angelegenheit.« So geht Neoliberalismus!

Es gibt keine Lügen mehr

Niemand sagt heute mehr die Unwahrheit. Wie auch, wenn die Wahrheit von allen nur als relativ und subjektiv angesehen wird? Es gibt Meinungen, Ansichten, Geschmäcker — aber weder Lüge noch Wahrheit. Es gibt »Vermittlungsprobleme« (Agenda 2010) beim Sozialabbau und bei Kürzungen im Bereich Kultur, Sport und Bildung. Es gibt schlechtes Marketing sowie erfolglose PR-Kampagnen (Hamburg Olympia), die ihr Ziel verfehlen und keine Meinungs- und Deutungshoheit erlangen. Es gibt »handwerkliche Fehler« (Ukraine-Krise), wie beispielsweise bei der Öffentlich-Rechtlichen Berichterstattung zu Syrien und zu Putin-Russland. Es gibt »politische Kompromisse« (Gabriel: Fracking), die eine Kehrtwende der eigenen Position und anderslautender Ankündigungen erfordern. Aber Lügen? Nein, die gibt es heute nicht mehr. Vor allem gibt es keine System‑, Hof‑, Kauf- oder Lügenpresse.

»Die Lüge, einmal ein liberales Mittel der Kommunikation, ist heute zu einer der Techniken der Unverschämtheit geworden, mit deren Hilfe jeder Einzelne die Kälte um sich verbreitet, in deren Schutz er gedeihen kann.«

- Theodor W. Adorno. »Minima Moralia«. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S. 32

Presseblick (41)

Die NATO und die USA bereiten sich auf einen Krieg mit Russland vor. Große US-Truppenverbände werden nach Osteuropa verlegt und in Polen werden Großmanöver geflogen: »Diese Woche hat US-Verteidigungsminister Ashton Carter bekannt gegeben, dass die USA dauerhaft Panzer, Militärfahrzeuge und anderes Kriegsmaterial in Ländern stationieren werden, die an Russland grenzen.« Gleichzeitig arbeitet man fleißig daran den Parlamentsvorbehalt bei Bundeswehreinsätzen abzuschaffen. Uns Konsumzombies interessiert das alles nicht. Wir verteilen lieber Facebook-Likes bei Katzen-Videos und schauen Germanys Next Kotzmodel. Weiterlesen

Ukraine-Propaganda

Ich habe lange nichts oder nur sehr wenig zum Ukraine-Konflikt und der deutschen Medienpropaganda gesagt. Nicht nur, weil es für jeden halbwegs denkenden Menschen eine offensichtlich einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien gibt, sondern auch, weil ich über dieses Thema gar nicht ausgewogen schreiben kann, weil wir von allen Seiten, sei aus russischer oder eben aus der NATO-Perspektive, mit Halbwahrheiten und Lügen zugebombt werden. Und wer nicht vor Ort ist, kann dazu sowieso nichts wirklich sagen. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.

Nur langsam wird es absurd. Zuerst veröffentlichen rund 60 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien einen Friedens-Aufruf auf zeit.de (über 1.500 Kommentare), der von vielen Medien komplett ignoriert wird (einschließlich der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, die Propagandaschau hat hierüber berichtet) und eine Woche später gibt es ein öffentliches Manifest von angeblich über 100 Osteuropaexperten (wer da auf einmal alles ein »Experte« ist) im Tagesspiegel, die dem widersprechen. Putin sei der Aggressor und wir müssten uns verteidigen. Friedenssicherung statt Frieden. Hauptsache es sind 40 Unterzeichner mehr. Ist dann wohl glaubwürdiger, oder wie? Gibt es jetzt bald den Aufruf gegen den Aufruf gegen den Aufruf?