Freiheit im Gefängnis

»Ein leistungsfähiges Individuum ist jemand, dessen Verhalten nur insofern  Aktion ist, als es die richtige Re‐Aktion auf die objektiven Anforderungen des Apparates ist und dessen Freiheit sich beschränkt auf die Wahl des angemessensten Mittels, um den Zweck zu erreichen, den es selbst nicht gesetzt hat.«

 — Herbert Marcuse. (Dieses Zitat ist nicht aus »Der eindimensionale Mensch«, sondern aus »Einige gesellschaftliche Folgen moderner Technologie‹, in: Schriften Bd. 3. »Dem User »Blub« war das wichtig.)

Anmerkung: Oder auch: Selbstentfremdung durch den Lohnarbeitszwang. Heute wird euphemistisch behauptet (auch in linken Kreisen), dass der sozioökonomische Druck zum Lohnarbeits‐Fetisch, nicht entfremden, sondern die Menschen an der Gesellschaft teilhaben lassen würde. Das Leben in Lohnarbeits‐Knechtschaft und  finanzieller Abhängigkeit mache also aus Menschen freie Persönlichkeiten?

Die systemgewordene Paranoia

Weil mich zurzeit (wieder einmal) dieser Arbeitsfetischismus vieler Menschen, gepaart mit Resignation, Egoismus und einer Ignoranz, die Welt zum besseren verändern oder gestalten zu wollen, ankotzt und traurig macht, suche ich Kraft bei ein paar Gedankenhäppchen:

»Wer widersteht muss es sich heute und wohl noch eine ganze Weile gefallen lassen, als Träumer diffamiert zu werden, als jemand, der, vielleicht ja von guten Absichten geleitet, eine Flucht aus der Wirklichkeit angetreten habe. Doch das ist nicht wahr. Der Begriff Wirklichkeit wird, wie kein anderer, falsch gebraucht. Wir müssen erst aus der systemgewordenen Paranoia unserer Alltagswelten in die Wirklichkeit fliehen.«

- Peter Sloterdijk aus seiner »Kritik der zynischen Vernunft«, Band 2, S. 420

»Es ist daher kein Wunder, dass die sozialen Kontrollen in den fortgeschrittensten Bereichen dieser Zivilisation derart introjiziert worden sind, dass selbst individueller Protest in seinen Wurzeln beeinträchtigt wird. Die geistige und gefühlsmäßige Weigerung »mitzumachen« erscheint als neurotisch und ohnmächtig.«

- Herbert Marcuse, Schriften 7: Der eindimensionale Mensch, S. 29