Rucksack‐Terroristen

rp-online.de vom 21. August 2016

rp-online.de vom 21. August 2016

Unser menschenfreundliche Innenminister nutzt die Terror‐Angst, um schärfere Kontrollen durch zu drücken. Unter anderem: Gesicht‐Scanner und Rucksack‐Verbote auf Großveranstaltungen. Gerade zu letzterem könnte ich so einige Anekdoten erzählen. Es ärgert mich immer wieder, dass bei Konzerten, Clubs, Theater‐Vorstellungen oder anderen Veranstaltungen der Zwang vorherrscht, Jacken und Rucksäcke abgeben zu müssen. Dahinter steckt in aller Regel auch nicht die Angst, es könne jemand Sprengstoff im Rucksack lagern oder ein Messer unter der Jacke verstecken (das kann ich im Übrigen auch in der Socke oder Unterhose verwahren, da man ohnehin nur selten ordentlich gefilzt wird). Nein, es geht den Veranstaltern meist nur darum, dass die Leute kein Essen und Trinken mit in die jeweiligen Veranstaltungen nehmen.

Wie oft wurde schon mein Rucksack intensiv durchsucht, während ich selbst überhaupt nicht abgetastet wurde. Ich hätte an meinem Leib einen Sprengstoff‐Gürtel oder auch mehrere Messer haben können und ich wäre damit in fast jede Veranstaltung gekommen. Aber Wasser‐Tetra‐Verpackungen hingegen, wurden auch auf meinen Protest hin, sofort entsorgt, Dosen und Plastikflaschen sowieso. Als ich einmal einen Security‐Mitarbeiter fragte, wie ich mit einer Verpackung aus Pappe jemanden ernsthaft verletzen könnte, hatte er natürlich keine Argumente und meinte nur: »Aus Sicherheitsgründen!«. Na klar! Es geht in aller Regel nur -und zwar wirklich nur‐ darum, dass die Leute gefälligst die völlig überteuerten Drinks und Snacks im Inneren der jeweiligen Veranstaltung kaufen sollen, damit der Veranstalter mehr Umsatz macht. In diesem Sinne sind alle Rucksack‐Träger auch Terroristen, weil sie mit ihren mitgebrachten Speisen und Getränken der Binnenwirtschaft erheblichen Schaden zufügen! :BULLE:

Realitätsverweigerung

»Die Bundeskanzlerin mag Recht oder Unrecht haben. Kein Mitglied der Bundesregierung ist freilich ein von der Industrie vorgespanntes Sprachorgan«.

- Innenpolitischer Sprecher der SPD‐Fraktion, Dr. Dieter Wiefelspütz, auf Abgeordnetenwatch

Anmerkung: Die Finanzmarktkrise hat eindeutig gezeigt unter welchem Scheffel die Bundesregierung stand und auch heute noch steht. Der Großteil aller politischen Reformen in den letzten Jahren waren zum Wohle großer Unternehmen und Konzernen sowie des internationalen Finanzmarktes. Auch der seit langem berechtigte Vorwurf von LobbyControl, dass in vielen Ministerien Lobbyisten von Großunternehmen sitzen und an der Formulierung von Gesetzen maßgeblich beteiligt sind, wird von Wiefelspütz ignoriert. Wenn beispielsweise ein Lobbyist von BASF im Umweltministerium sitzt, eine Mitarbeiterin der Bertelsmann‐Stiftung, die sich für die Privatisierung des Gesundheitssektors engagiert im Gesundheitsministerium an Gesetzen feilt und ein Mitarbeiter des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenkassen im Finanzministerium sich mit »Grundsatzfragen des Finanzplatzes Deutschlands« befasst — kann Herr Wiefelspütz nur unter einer Realitätsverweigerung leiden.