Individualität ist Konformität

Wenn ich mein Profilbild auf Facebook ändere, dann, weil ich dringend Komplimente und Likes über mein Aussehen brauche. Schließlich definiere ich mich über mein Äußeres und bin sehr verunsichert, wenn mir nicht ständig jemand sagt, dass ich gut aussehen würde.

Wenn ich Fotos von meiner Familie, meinen Kindern oder meinen Haustieren (Katzen!) veröffentliche, will ich allen zeigen, dass ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin und eine vorbildliche Familie habe.

Wenn ich die Timeline abarbeite, will ich vor allen Dingen private Fotos, interessante Bilder und lustige Videos sehen. Alles andere ist mir zu anstrengend. Besonders Postings, die mehr als drei Sätze beinhalten und Sachverhalte differenziert analysieren.

Generell will ich keine Kritik für irgendetwas von mir lesen. Nie. Niemals. Was ich will, ist Zustimmung, Bestätigung und Aufmerksamkeit in Form von gaaaaanz vielen Likes und »ist das aber toll/süß/witzig« — Kommentaren. Schließlich bin ich Individualist!

Erwartungshaltung

ErwartungPassiv sein. Abwarten. Sitzen. Fordern. Kaum etwas ist so energieraubend, wie Menschen, die nicht sagen können (oder wollen), was sie wirklich möchten. Die auf das Glück und ihr Leben warten, statt es anzupacken. Gleichzeitig sind sie aber sofort mit Vorwürfen zur Stelle, wenn man nicht das sagt oder macht, was sie sich von einem erhoffen. Selbst bei einer direkten (Nach-)Frage wird häufig nicht mit der Sprache rausgerückt. Dennoch wird gejammert, gemosert und genörgelt, ohne einen ehrlichen Willen dahinter, den Status Quo zu verlassen oder seinen Horizont zu erweitern. Weiterlesen

»Was ist denn jetzt wieder los?«

weihnachten 2014...ist eine Frage, die genau dann kommt, wenn man gesellschaftliche Normen und Konventionen in Frage stellt, beispielsweise zu Weihnachten. Wenn man eine andere Perspektive einnehmen oder die Normalität des Alltags durchbrechen will. Wer sich abseits der standardisierten Gedanken, der gleichgeschalteten Kommunikation und der infantilen Emotionen bewegt, mit dem muss etwas nicht stimmen. Wer Interessen hat, die den eigenen kleinen Dunstkreis, die eigene Familie und den eigenen Arbeitsplatz nicht betreffen, der ist ein unbequemer Nerd. Ein Wichtigtuer, Klugscheißer und Möchtegern. So einer ist nicht nur komisch, sondern auch furchtbar anstrengend. Das Beste ist, sich mit so einem nicht einzulassen und ihn bestmöglich zu ignorieren. Weiterlesen

Zugetackert und vollgeschmiert

Rund 6,3 Millionen Menschen in Deutschland sind laut einer im Mai vorgestellten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) tätowiert. Der Bundesverband der Tätowierer (BVT) spricht sogar von bis zu acht Millionen

- dpa-Meldung vom 1. Juli 2014

Anmerkung: Als ich vor einigen Wochen im Freibad war, ist mir das zum ersten Mal so extrem aufgefallen, wie viele eigentlich angemalt sind. Ob Tribals, chinesische Zeichen, Tiere, Fantasy-Bilder oder der Name des eigenen Kindes – jeder will sich seine ganz persönliche (Massen-)Individualität auf den Körper klatschen, um allen seine Einzigartigkeit zu präsentieren. Auch bei der WM 2014 konnte man viele tätowierte Fußball-Spieler sehen. Individualität ist jedoch nicht etwas, dass man besitzen und vorzeigen kann, sondern eine Lebenseinstellung, ein Charakterzug, etwas, das man lebt und nicht kaufen kann.

Massenindividualität

Täglich werden uns Ideale, Dogmen, Normen und Werte eingeimpft. Unsere Vorstellung von einem »guten und gelingenden Leben«, hängt stark davon ab wie und was wir über bestimmte Dinge denken. Zu glauben, unsere Denkweise und Einstellung zum Leben würde in einem individuellen, luftleeren Raum entstehen, der nach außen hin abgeschirmt sei, ist naiv. Wir werden ständig beeinflusst und in unserem Denken geformt und genormt, auch wenn wir das verdrängen und so gerne an den Selbstbetrug der Einzigartigkeit glauben wollen. Weiterlesen

Individualität

Die erhabene Selbstverfaltung
vermenschelt sich
in einer marktgerechten Impfung

Die gefrorene Sinnlichkeit
verfestigt sich
in einer marktgerechten Habenliebe

Die neidbasierten Kollektivideale
verwurzeln sich
in einer marktgerechten Unterwerfung

Die schöpferische Selbstverschwendung
verlebt sich
in einer marktgerechten Nutzklugheit

Der vorzeigbare Zwangsoptimismus
entfaltet sich
in einem marktgerechten Nichtdenken

Massenkonformes Wohnen

Das Thema der medialen Gleichschaltung in Deutschland habe ich hier schon öfters angesprochen. Wer sich wochenlang täglich verschiedene Tageszeitungen kauft oder sich einfach die Schlagzeilen der Online-Ausgaben anschaut, bekommt schnell ein massenkonformes Denken um die Ohren geknallt. Wie immer ist es einfach, auf andere zu schauen und ihnen eine Konformität vorzuwerfen. Wie sieht es aber z.B. mit unserer aller Wohnungsgestaltung aus? Weiterlesen