Individualität

Die erhabene Selbstverfaltung
vermenschelt sich
in einer marktgerechten Impfung

Die gefrorene Sinnlichkeit
verfestigt sich
in einer marktgerechten Habenliebe

Die neidbasierten Kollektivideale
verwurzeln sich
in einer marktgerechten Unterwerfung

Die schöpferische Selbstverschwendung
verlebt sich
in einer marktgerechten Nutzklugheit

Der vorzeigbare Zwangsoptimismus
entfaltet sich
in einem marktgerechten Nichtdenken

Verwurzelte Verstörung

Angemenschelte Verschwenderblender
zermürben die Gedanken

Marktintelligente Leistungsleider
zermahlen die Selbstentfaltung

Verbrauchte Herrschaftsgestalter
zerspalten die Gerechtigkeit

Vorauseilende Biederdiener
zersetzen die Nächstenliebe

Entliebte Weltverleugner
zerleben das Leben

Felicia Langer über Grass

Wir bewundern Ihre Zivilcourage gegen die allgemeine Verlogenheit, was die israelische Politik betrifft. Wir haben die israelische und die deutsche Staatsbürgerschaft und leben seit 22 Jahren in Deutschland. Ich bin eine Trägerin des Alternativen Nobelpreises, 1990 für mein Lebenswerk, als israelische Anwältin, die palästinensische Gefangene in den Besetzten Gebieten vertreten hat. Im Jahre 2009 habe ich das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse bekommen. Ich habe eine schreckliche Verleumdungskampagne gegen mich gerichtet durch die israelische Lobby in Deutschland und teilweise in Israel, erlebt. Ich kann mir gut vorstellen mit aller Bescheidenheit, was Sie jetzt empfinden und es tut mir sehr, sehr Leid. Mieciu, mein Mann, ist Holocaustüberlebender, der in 5 Nazilager inhaftiert war und der als einziger der Familie überlebt hat. Wir sind empört über die Verleumdungskampagne, die gegen Sie zur Zeit geführt wird. Wir solidarisieren uns völlig mit Ihnen und wünschen Ihnen das Beste! Soll diese Ihre gesegnete Tinte nie austrocknen!

- Felicia und Mieciu Langer, freie-radios.net, 6. April 2012

Anmerkung: Wenn mich jemand fragen sollte, auf welcher »Seite« ich im Nahostkonflikt stehe, dann antworte ich, dass ich im Zweifel stets auf der Seite der Schwachen bin. Und dort sollte jeder vermeintlich Linke stehen.

Nichtgesichter

Kaltgeifernde Giergesichter
verbreiten das menschlose Glück
der Tothüllen

Spiegelbleiche Leergesichter
verbeißen sich in den Fetisch
der Gleichmacherei

Aufgepfropfte Nutzgesichter
verbrauchen die seelenfreien Bilder
der Lieblosmaschine

Schmalzvergoldete Lammgesichter
verlieben sich in die Fratze
der Ich‐Welt

Geschichte der Herrschenden

Die Geheimrätin hat in Ihrem Blog die Abschiedsrede von Oskar Lafontaine als Parteivorsitzender der Linken reingestellt. Lafontaines Rede war wie immer grandios und auf den Punkt gebracht. Er erwähnt das Gedicht von Bertolt Brecht »Fragen eines lesenden Arbeiters«. Die ersten drei Zeilen des Gedichtes lauten:

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?

Bertolt Brecht zeigt damit auf, dass unsere Geschichtsschreibung stets auf die Herrschenden ausgerichtet war, ist und wird. Wenn heute in den bürgerlichen Medien von großen Konzernen und ihren Vorstandsvorsitzenden gesprochen wird, werden die Menschen die sich für das Unternehmen kaputt geschuftet haben -die also den Reichtum des Konzerns erarbeitet haben‐ schlichtweg ignoriert. Viele vergessen diesen Zusammenhang und denken immer noch, sie würden für sich selbst lohnarbeiten. Selbstbestimmung als Zwang zur Selbstverwurstung. Lohnarbeiter sind doch für viele Manager   einzig und allein dafür da, den Reichtum des Konzerns zu mehren.