Familienkonflikte

Der Großteil aller familiären Konflikte entstehen, weil die Eltern ihre Kinder nicht selbst entscheiden lassen. Weil sie den Sprung von der Erziehung zur Beziehung nicht geschafft haben oder ihn bewusst nicht machen wollten. An der familiären Hierarchie will man unbedingt festhalten. Wir (Eltern) hier oben und Ihr (Kinder) dort unten. Die Kinder haben womöglich andere Vorstellungen von der Partner‐, Berufs‐, oder Lebensmittelpunktwahl, als die Eltern. Sie haben eventuell eine andere Vorstellung davon, was ihnen Spaß macht, was sie als wichtig und erstrebenswert erachten. Sie haben vielleicht eine andere sexuelle Orientierung. Oder sehen einen anderen Sinn in ihrem Leben. Dabei wäre es so einfach, sämtliche Konflikte und Missverständnisse in allen Familien auf ein Minimum zu reduzieren. Weiterlesen

Trash‐Dating

Es war einmal...

Es begann mit Helmut Kohl, Leo Kirch und RTL: die ersten Kulturpessimisten beschworen den Untergang des kulturellen Abendlandes. Dann folgten »Tutti Frutti« und später »Big Brother«. Danach wurden wir mit »Dschungelcamp«, Casting‐Formaten sowie inszenierten Nachmittags‐Talk‐Shows beglückt. Heidi Klum punktete zwischendurch mit »Germanys Next Kotzmodel«. Jedes Mal arbeiteten sich sog. »Medienexperten« an den Phänomenen der massenmedialen Verblödung ab und waren sich sicher: noch niedriger kann das Niveau nicht mehr sinken. Sie alle wurden eines Besseren belehrt. Billig produzierte »Pseudo‐Dokusozialsoaps« fluteten die Nachmittags‐ und Abendprogramme der privaten TV‐Sender. Der Fremdschämfaktor hat aktuell einen neuen Höhepunkt erreicht: »Trash‐Dating‐Shows«. Inszenierte Formate bei denen man nicht nur viel nackte Haut sieht (geil, geil, geil, sabber! :SICK: ), sondern wo sich die Protagonisten auch -in aller Öffentlichkeit‐ angraben und miteinander rum machen sollen:

»Naked Attraction«
»Adam sucht Eva«
»Bauer sucht Frau«
»Love Island«
»The Bachelor«
»Undressed«

Ich freu mich schon auf die kommenden TV‐Highlights: »Natursekt und Kaviar«, Pimmel‐Battle« sowie »Rent a Slut«. :SHOCK:

Presseblick (77)

Fake‐News des Tages: »Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt auf Rekordwert.« Seit Jahren, ja seit Jahrzehnten (lange bevor es den Begriff »Fake News« gab) belügen uns die Hofberichterstatter mit ihren Statistik‐Spielchen. Aber echte Fake News machen natürlich nur die Anderen! Die Bösen! Diese VT‐Blogger!

Lacher des Tages: »Jobcenter helfen Behinderten und Kranken zu wenig.« Helfen Sie überhaupt irgendjemanden? Außer den Statistikfälschern, Niedriglohn‐Unternehmen und Leiharbeitsfirmen?

Normalität des Tages: »Wall Street Profite steigen um 13 Prozent, Löhne der Arbeiter stagnieren.« Und interessiert das irgendjemanden? Solange Facebook, WhatsApp, Instagram, RTL, BILD und die Konsole laufen, ist doch alles in Butter. Weitermachen! Hier gibt es nichts zu sehen! Weiterlesen

Interessen

Im ersten Semester »Politikwissenschaft« lernt man, dass jeder Akteur, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Interessen hat. Diese Erkenntnis mag auf den ersten Blick banal wirken, wird aber in der Analyse und Bewertung von Entscheidungen und Sachverhalten immer wieder -bewusst oder unbewusst‐ nicht mit einbezogen. Diese Interessen folgen leider eher selten übergeordneten oder zivilgesellschaftlichen Zielen, sondern sind häufiger mit persönlichen Vorteilen verbunden. Um diesen schnöden Sachverhalt zu vertuschen, wird getäuscht, getrickst -und ja‐ auch gelogen. Das ist weder Populismus, noch Verschwörungstheorie, sondern ganz normaler Alltag.

Kein Politiker wird jemals zugeben, dass er primär seine berufliche Karriere im Sinn hat, Entscheidungen nach persönlichen Vorteilen trifft und die Demokratieförderung bzw. der Wille des Volkes eher selten sein Entscheidungs‐Kriterium sein wird. Journalisten werden selten zugeben, dass sie Selbstzensur betreiben müssen, wenn sie ihren Job behalten wollen. Auch Arbeiter und Angestellte werden aus ganz persönlicher Existenzangst, selten zugeben, dass sie bei Fällen von Betrug und Menschenverachtung auf ihrem Arbeitsplatz regelmäßig schweigen und wegschauen.

Interessen mögen per se ganz persönlicher und individueller Natur sein. Gleichzeitig sind sie es auch nicht. Denn jeder hat das Interesse nach Existenzsicherung, Anerkennung, Liebe, Wertschätzung und nach der Befriedigung aller Grundbedürfnisse. Darüber hinaus werden die Interessen der neoliberalen Machtelite, regelmäßig im Nebel des akademischen Wissenschaftsdiskurses, unsichtbar gemacht: »Wir leben in einer komplizierten Welt!«, heißt es dann. Nein, manchmal ist es auch ganz einfach.

»Arbeitsplätze!«

»Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.»
Jean Jaurès (1859−1914)

  • Wir beliefern Steinzeit‐Diktaturen mit hochmodernen Waffen, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!
  • Wir zerstören die Umwelt und vernichten unsere Existenzgrundlagen, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!
  • Wir produzieren systematisch depressive und ausgebrannte Menschen, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!
  • Wir produzieren auf der ganzen Welt Müllberge, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!
  • Wir verkaufen auf der ganzen Welt Gift, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!
  • Wir verdienen an Krankheit und Tod, aber wir schaffen doch Arbeitsplätze!

A‐R‐B‐E‐I‐T‐S‐P‐L‐Ä‐T‐Z‐E.

Protest ist...

Das Jugend‐ und Ausbildungsmagazin »Spiesser« richtet sich an junge Erwachsene (16−24 Jahre) und erscheint bundesweit mit einer Druckauflage von 400.000 Exemplaren. Herausgegeben wird die Zeitschrift von der Orange YC GmbH, die von sich behauptet:

»...vereint unsere Agentur komplexe Themenfelder, wie z.B. Employer Branding, Ausbildungsmarketing und Personalwerbung. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung wissen wir, wie wir gute Kampagnen lancieren.«

Anzeigen schalten hier unter anderem die Deutsche Bahn, die Allianz‐Versicherung, DM und Metro. Die aktuelle Ausgabe vom Jugend‐ und Ausbildungsmagazin widmet sich ganz dem Thema »Protest«. Folgende inhaltliche Aussagen werden hier beispielsweise getroffen:

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Integrität

»Integrität ist eine ethische Forderung des philosophischen Humanismus nach möglichst weitgehender Übereinstimmung zwischen den eigenen Idealen und Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis« (wikipedia)

Ich bin ja für Flüchtlinge! Refugees Welcome! Aber an der Schule meiner Tochter soll der Migrationsanteil bitte nicht so hoch sein!

Ich bin ja gegen zu viele mediale Einflüsse meines Kindes, gegen Computer‐ und Konsolen‐Zockerei. Aber ich brauche ständig das neueste smartphone und es muss überall dabei sein!

Ich bin ja gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung. Auch die Wettbewerbs‐ und Leistungsgesellschaft gefällt mir nicht. Aber eine 3 in Mathe ist nicht gut und mein Kind sollte schon studieren!

Menschen ausquetschen

»So verfolgen Arbeitsverwaltung wie Rentenversicherung vorrangig das Ziel, gesundheitlich Beeinträchtigte möglichst lange in Beschäftigung zu halten.«

(»Wenn die Kräfte nicht bis 67 reichen«. Böckler Impuls Ausgabe 13_2018.)

Anmerkung: Bis sie nicht mehr können. Zusammenbrechen. Unnütz sind. Als überflüssig gelten. Als gesellschaftlicher Ballast oder Schmarotzer bezeichnet werden. In einer merkelschen  marktkonformen Demokratie gibt es Menschenwürde, Empathie und Nächstenliebe nur für diejenigen, die als Lohnarbeiter funktionieren oder Eigentum besitzen. Ständig wird über Toleranz, Teilhabe und Diskriminierung geschrieben und gesprochen. Dabei verdeutlicht dieses Zitat, dass deutsche Behörden, Ausgrenzung längst institutionalisiert haben. Aber scheinbar finden das viele auch ganz toll so. :JAJA:

Merkel‐Versteher

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte nicht erneut für den CDU‐Vorsitz kandidieren und sie wird nach dieser Legislaturperiode nicht mehr als Kanzlerin zur Verfügung stehen. Die Kommentare unserer LeiDmedien verdeutlichen, dass wir Inhalte längst überwunden haben, wie es die PARTEI so schön ausdrückt. Wichtiger ist, wie sie wirkt, was wir von ihr als Mensch halten (weil wir sie ja auch alle persönlich kennen) und was wir in ihr gerne sehen wollen. Einige Beispiele. Weiterlesen