Journalismus ist...

 

...wenn Meldungen von dpa, Reuters oder anderen Nachrichtenagenturen ungeprüft kopiert und übernommen werden.

...wenn SEO‐Nicht‐News -voller Gerüchte und Spekulationen‐ als neuester heißester Scheiß verkauft werden.

...wenn Reddit, Youtube und Twitter als journalistische Quellen verwendet werden.

...wenn »Experten« aus NATO‐Denkfabriken uns die Welt erklären wollen.

...wenn Politiker keine kritischen Nachfragen fürchten müssen und ihren PR‐Bullshit‐Bingo unkommentiert und ungekürzt in den Äther rotzen dürfen.

...wenn von den Journalisten keinerlei Selbstkritik und Selbstreflexion geübt wird und jede inhaltliche Kritik als Populismus, Hatespeech, Fake News oder Verschwörungstheorie abgeschmettert wird.

...wenn gute »Storys« und »Content« wichtiger sind, als Aufklärung und Wahrheit.

...wenn devote Hofberichterstattung -zum Zwecke der eigenen Karriere‐ einer ordentlichen Recherche vorgezogen wird.


Presseblick
Ziegenjournalismus

9 Gedanken zu “Journalismus ist...

  1. Eine Zeitung war nie für den Massenmarkt gedacht. Sie wurde erfunden, damit man in Krisenzeiten schneller auf Baisse wetten konnte.
    Dem kleinen nutzen die Infos nur insofern, das sie sich schon beizeiten einen neuen Job suchen können.
    In Zeiten von Supercomputern, Internet & co. gibt es dafür aber keinen Markt, folglich müssen Stories und Persönlichkeiten her, damit man die Masse abholt. Das klappt halt nur bedingt.

  2. Bemerkenswert auch die fortschreitende Verwahrlosung des Niveaus. Was früher Merkmal schmieriger Revolverblätter war, gehört heute zum guten Ton. So findet man beispielsweise bei »DerWesten.de« in Überschriften von Meldungen (!) Adjektive wie »widerlich«, »ekelhaft« oder Formulierungen wie »...dann wird es asozial« — all das hat dort überhaupt nichts zu suchen. Wirklich tragisch, dass die Vertreter dieser Zunft sich dabei noch für einen Stützpfeiler der Demokratie halten.

  3. An Hand der Rechtschreibung von Artikeln und selbst Kurzmeldungen hat man in dieser Zeit oftmals den Eindruck, als wenn nur noch jugendliche Praktikanten als »Journalisten« bei den etablierten Medien tätig sind. Nichts darf mehr irgendwas kosten und muss am besten schon gestern veröffentlicht worden sein, obwohl das Ereignis erst heute passiert ist.

  4. @matrixmann

    Immer auf die Praktikanten...Ich glaube, gerade viele von den Neuen und Jungen haben viele Ideen und würden vieles »neu« machen oder anders probieren, aber die Geschäftsleitung lässt sie häufig nicht. Innovation ist selten wirklich gefragt. Ich denke, es sind nicht immer die »doofen Praktikanten« schuld, sondern vielmehr die Leitung, die jeden Cent rausquetschen, jede Minute optimieren und jeden Mitarbeiter betriebskonform biegen will.

    Redaktionen setzen mittlerweile auch tools und bots ein, die Nachrichtenagentur‐Meldungen automatisch übernehmen und/oder entsprechend konvertieren. Und wenn ein Journalist 8–10 News/Beiträge pro Tag raushauen muss -sofern er seinen Job behalten will‐ ist es auch nicht verwunderlich, dass die Qualität immer mehr leidet.

    Es ist und bleibt ein strukturelles Problem. Aber wer das anspricht betreibt den Lügenpresse‐Vorwurf, ist ein Verschwörungstheoretiker oder Populist.

  5. @epikur

    »Es ist und bleibt ein strukturelles Problem.«

    Das ist richtig.

    »Aber wer das anspricht betreibt den Lügenpresse?Vorwurf, ist ein Verschwörungstheoretiker oder Populist.«

    Das ist falsch.

    Denn es kommt wieder darauf an, »wie« das angesprochen wird. Wenn man wie Du nur zu gerne die o.a. Schlagworte mit anführst, stellst Du Dich ungewollt selbst in diese Ecke und damit automatisch und ohne Grund auch in den Zwang, sich dafür rechtfertigen zu müssen, wenn man sich diesen Schuh tatsächlich anzieht. Das hast Du doch gar nicht nötig.

    Als eine sehr gute Kritik am Problem des werbefinanzierten und damit tendenziösen Journalismus, in dem statt mit Fakten mit Meinungsmacht Meinung — nicht selten die des Journalisten/Redakteurs selber — gemacht wird, ist Markus B. Klöckners Sabotierte Wirklichkeit.

    Sein Kommentar dazu ist hier zu lesen.

    Es nützt aber nichts, die Nummer »systemkonforme Medien« und Lügenpresse« zu fahren und immer nur in eine Richtung auszuteilen, sondern es gehört der Blick über´s Ganze dazu.

    Es wird eben nicht nur von den angeblich NATO‐oktroyierten ÖR und Zeitungen notfalls über die Person des vermeintlich renommierten und damit glaubwürdigen Journalisten Propaganda betrieben, sondern auch von anderen Seiten und diesen Kernpunkt trifft Klöckner exakt.

    Was hier bereits mehrmals der Streitpunkt war, liegen dabei Mutmassungen, VT und halb‐ bis nichtbewiesene Aussagen oft eng beisammen. Und in gewisser Weise hat jeder eine »Mission«, der Medien als Sendekanal nutzt und die ist eben meist nicht (nur) uneigennützig.

    Einer der Hauptkritikpunkte ist dabei, dass viel zu oft und zu schnell »geschossen« wird, um als Erstverkünder die meisten Klicks/Verkäufe/Einschaltquoten zu bekommen — die Werbemafia lässt grüssen.
    Wenn die Meldung dann Bullshit war, macht man eben eine dann gerne nicht angegebene Korrektur oder entschuldigt sich klein links unten in der Ecke.

    Am Ende bleibt ohnehin die wiedermal nicht ganz so neue Erkenntnis, dass Medien in vielen Fällen Instrument der Herrschenden sind und damit auch deren Inhalt bestimmt wird.
    Ein weiterer Aspekt herkömmlicher Medien ist schlicht der des Geldes. Wer zahlt, der bestimmt. Und ohne Kohle ist ein anspruchsvolles Medium kaum zu machen. Sobald die Anzeigenkunden mit im Boot sitzen, ist´s mit objektiv auch wieder vorbei.

    Beispiel wäre z.B. ein Artikel eines PC‐Portals, in welchem über PC‐Sicherheit referiert wird. Um den Artikel herum klimpern dann Anzeigen über Schlangenöl, Cleaner und ähnlichen Kram.
    Drückt man per Blocker den Mist weg, lassen sich etliche Seiten nicht mehr aufrufen. Vom unnötigen Traffic und den Risiken solcher Inhalte ungeprüfter Drittseiten rede ich da noch gar nicht.

    Welchen Eindruck von Seriosität das hat, muss ich sicher nicht erklären.

    Dank Internet gibt es andererseits glücklicherweise inzwischen viele alternative Kanäle, die die fehlende und vor allem kritische Sicht der vermeintlichen Vierten Gewalt einer Demokratie zu korrigieren versuchen. Diese lassen sich im Gegensatz zu den grossen Medien recht kostengünstig verbreiten.

    Nur ist dort ein Filtern und Prüfen von Quellen und Autoren usw. noch zwingender angesagt als andernorts, eben weil wegen des geringen Aufwands jeder Honk seinen Müll im Netz abladen kann.

    Unabhängig davon hat natürlich ein Blog wie Deiner trotz aller Mühen weniger Reichweite als der Online‐Auftritt eines grossen Mediums mit bekannten Namen. Schon das sorgt für ein verzerrtes Wahrnehmen von »Nachrichten« und leider werden nur zu gern die SM als seriöse Quelle genutzt, was z.B. auch in der Flüchtlingsmisere zu den Blasen an Falschmeldungen geführt hat, die aber einmal verbreitet und gepuscht nur schwer zu widerlegen waren und oft bis heute als Tatsache angenommen und weiter verbreitet werden, unter anderem speziell in rechten und esoterischen Foren und Gruppen. Etwas bleibt dabei eben immer hängen und wenn es noch so erstunken und erlogen ist.

  6. @Siewurdengelesen

    »»Aber wer das anspricht betreibt den Lügenpresse‐Vorwurf, ist ein Verschwörungstheoretiker oder Populist.« Das ist falsch. Denn es kommt wieder darauf an, »wie« das angesprochen wird. Wenn man wie Du nur zu gerne die o.a. Schlagworte mit anführst, stellst Du Dich ungewollt selbst in diese Ecke und damit automatisch und ohne Grund auch in den Zwang, sich dafür rechtfertigen zu müssen, wenn man sich diesen Schuh tatsächlich anzieht. Das hast Du doch gar nicht nötig.«

    Seit über 12 Jahren schreibe und rede ich über das Thema! Beispielsweise hier, hier, hier und hier. Und da bin ich beileibe nicht der Einzige!

    Was Klöckner schreibt, haben schon dutzende vor ihm geschrieben und thematisiert. Alles wahr, aber auch alles nicht neu. Insofern ist es keine Frage des »Wie«, sondern eher des »ob überhaupt«? Die großen Massenmedien, Verlage, Pressekonzerne wollen sich absolut nicht mit Selbstreflexion oder Selbstkritik beschäftigen.

    Ganz im Gegenteil wird immer und immer wieder gegen jedwede Kritik -vor allem mit Diffamierungsvokabeln‐ geschossen. Allein der »Faktenfinder« der Tagesschau ist an Absurdität nicht zu überbieten, nimmt man mal ihre Berichterstattung zur Griechenland‐Krise, Ukraine, Russland, Syrienkrieg etc.

  7. @ epikur
    Deswegen ja auch der letzte Satz »Nichts darf mehr irgendwas kosten und muss am besten schon gestern veröffentlicht worden sein, obwohl das Ereignis erst heute passiert ist.«.
    Alles mit Praktikanten machen ist das Eine, aber wenn man auf jeden so viel Druck ausübt als wollte man Erdöl synthetisch herstellen, dann kann dabei nichts gescheites herauskommen. Meine Hände arbeiten auch am schlechtesten unter Stress oder Druck.
    Generell würde ich im Schnitt aber behaupten, je jünger die Generation jetzt, desto schlimmer wird das allgemein mit der Rechtschreibung. So etwas fällt einem auf, wenn man darauf etwas Wert legt (Hat laut Urban Dictionary sogar einen festen Begriff: Nennt sich »Grammar Nazi«.).
    Ganz vergönnen will man’s ihnen nicht, denn die Rechschreibreform ist ein undurchsichtiger Müllhaufen, aber es scheitert ja manchmal schon an wesentlich einfacherem.

  8. @epikur

    »Was Klöckner schreibt, haben schon dutzende vor ihm geschrieben und thematisiert. Alles wahr, aber auch alles nicht neu.«

    Da hat er ja zumindest bei »nicht neu« mit Mausfeld etwas gemeinsam ;)

    Wie er selbst feststellt, hegt er selber wenig Hoffnung auf ein Ändern. Das ist nun einmal in der Gesellschaft angelegt, das Medien ein Instrument sind und in erster Linie derer, die am Drücker sitzen.
    Ergo wird sich das auch nur mit der Gesellschaft ändern.

    Was diese fehlende Sicht über den Tellerrand betrifft, so hat Klöckner das ebenfalls sehr gut beschrieben, warum das neben der Abhängigkeit vieler Medien an sich auch an dem in sich geschlossenen Bild vieler Journalisten liegt.
    Die »denken« oft gar nicht mehr dran, dass es ausser ihrer Welt eine andere gibt, die vielleicht auch noch mehr betrifft als ihren eigenen Zirkel. Stattdessen wird der eigene Maßstab an alle und alles angelegt und das führt zu einem weiteren Zerrbild.

    Den Faktenfinder halte ich für ein klassisches Eigentor. Dies wird den Machern auch schon aufgefallen sein und die wissen nur nicht, wie sie den möglichst unauffällig wieder versenken können.

    Als Informationsquelle taugt er nicht und von daher ist der für mich ohne Belang und hat eher etwas mit verschwendeter Zeit zu tun, wenn man dort »konsumiert«.

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