Demokratie

In unserem gesamten westlichen Bildungssystem jubeln wir die Demokratie hoch. Sie sei die Beste aller Welten und alle Welt müsse sich an uns orientieren. Neben Pressefreiheit und Gewaltenteilung, soll es vor allem das Wählen seien, das unsere Freiheit bestimmt. Nur, was wählen wir eigentlich?

Wir wählen keine Richter.
Wir wählen keine Manager.
Wir wählen keine Vorstände.
Wir wählen keine Journalisten.
Wir wählen keine Regierungen.
Wir wählen keine Geheimdenste.
Wir wählen keine Bundespräsidenten.
Wir wählen keine Industrie‐Lobbyisten.
Wir wählen keine Kriege (sie finden aber trotzdem statt!).

Wir wählen Parteien.

»Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt wurden, haben nichts zu entscheiden.«

(Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in der Sendung »Pelzig unterhält sich«, Zitat bei etwa 4:46)


Nichtwähler sind politisch

4 Gedanken zu “Demokratie

  1. Das Verweisen auf das Wählen als Möglichkeit seiner Entscheidungsfreiheit nachzugehen ist irgendwie so ein amerikanisches Ding. (Umsonst kam das nicht wiederholt über die Jahre in South Park vor und gipfelte in der Darstellung »Douche or turd sandwich?«.)
    Hat man hier nur allzu gerne übernommen um die Leute einzulullen.

  2. Wählen ist ein irrationaler Akt
    Einer der prominentesten Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts, der österreichische Joseph A. Schumpeter (1883−1950), hat bereits 1942, in seinem Buch „Kapitalismus Sozialismus und Demokratie“, letztere zum lediglich nützlichen Mittel für die Auswahl von Führern und Führungsgarnituren degradiert: „Die demokratische Methode ist diejenige Ordnung der Institutionen zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher einzelne die Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfes um die Stimmen des Volkes erwerben. Unfähig, selbst ein Ziel zu sein, bedeute Demokratie (. ..) nur, dass das Volk (das sowieso keiner anderen Handlung als der Panik fähig ist) die Möglichkeit hat, die Männer, die es beherrschen sollen, zu akzeptieren oder abzulehnen“.
    Weiter schreibt er: „Das Volk herrscht in Tat und Wahrheit nie, aber durch Definition kann es immer dazu gebracht werden“. Oder: „Demokratie in der bürgerlichen Gesellschaft fungiert als „Regulator für die Befriedigung von Privatinteressen“ und also gegen eine effizientere Methode auszuwechseln ist, wenn sie diesen Zweck nicht mehr zufriedenstellend erfüllt.

  3. Es gibt zuviele nicht oder kaum legitimierte Gruppen, die die wahre Richtung der Politik bestimmen, richtig. Ob Wählen immer das beste Mittel dagegen ist, sei dahingestellt.
    So ist das Wählen von Richtern strikt abzulehnen, das öffnet dem Populismus Tür und Tor, nirgendwo eindrucksvoller zu beobachten als in den USA.

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