Die Schmutzverteidiger

»Im übrigen gilt ja derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.«

Kurt Tucholsky

Die Kriminalisierung und Diffamierung aller (in der Öffentlichkeit stehenden) Industrie‐, Banken‐, Konzern‐ und Regierungskritiker ist ein antidemokratisches, aber leider übliches Herrschaftsinstrument. Auch und gerade in Deutschland: Putinversteher, Verschwörungstheoretiker, Populist, Antisemit, Extremist, Geheimnisverräter oder Aluhut, sind nur einige der Bezeichnungen, die Kritiker mundtot machen sollen, bevor man sie (strafrechtlich) verfolgt oder gegebenenfalls anderweitig ausschaltet. Ein paar prägnante Beispiele:

  • Gustl Mollath macht auf kriminelle Bankgeschäfte aufmerksam: Einweisung in die Psychiatrie.
  • Steuerfahnder in Hessen arbeiten »zu erfolgreich«: sie werden für paranoid erklärt.
  • Der Whistleblower Julian Assange (»wikileaks«) macht auf US‐Menschenrechts‐ und Kriegsverbrechen aufmerksam: er wird international gesucht, muss sich jahrelang in der ecuadorianischen Botschaft verstecken, wird schließlich verhaftet und vermutlich bald verurteilt.
  • Der Chefredakteur von correctiv.org, Oliver Schröm, berichtet ausführlich über kriminelle Cum‐Ex‐Geschäfte, bei denen Banken den europäischen Steuerzahler um mehr als 50 Milliarden Euro (!!) betrogen haben sollen: die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gegen Oliver Schröm.
  • Will man die Foltervorwürfe von US‐Soldaten und CIA‐Mitarbeitern in Afghanistan untersuchen, wie beispielsweise der internationale Gerichtshof in Den Haag (ICC), dem wird vom US‐Außenminister öffentlich gedroht: »Wenn der ICC es wagen sollte, Ermittlungen einzuleiten, werde zurückgekämpft.«
  • Wer US‐Lobbyverbindungen von Journalisten (»Atlantikbrücke«) öffentlich aufzeigen will, der darf mit einer Klage rechnen.

Wer hinterfragt, kritisch ist oder Ursachen beleuchtet, gilt zudem in fast jeder (Diskussions-)Runde als Miesmacher, Pessimist, Schwarzseher, Zyniker oder einfach als: negativ‐denkender Mensch. Nicht die Ursachen und Zustände sind verantwortlich für Skandale, Massenverarmung, Korruption und Menschenverachtung, sondern diejenigen, die ständig schlechte Laune verbreiten, indem sie darüber reden oder diskutieren wollen. :JAJA:

Diejenigen, die den Schmutz verursachen, erfahren im globalen Neoliberalistan nicht einmal den Hauch der Verachtung, als diejenigen, die auf die Drecksverursacher aufmerksam machen wollen. Nicht die Verbrecher gegen die Menschlichkeit werden verfolgt, sondern die Aufklärer. Kriegsverbrechen der USA aufzudecken, gilt seit Jahrzehnten als Verschwörungstheorie und/oder als Verbrechen. Was sagt das eigentlich über den Grad unserer westlichen Zivilisation (und über den Zustand, der öffentlich so gefeierten Demokratie) aus?


Affären. Lügen. Skandale.
Kritik ist positives Denken

2 Gedanken zu “Die Schmutzverteidiger

  1. Nicht zu vergessen: Der Hinweis, dass man vielleicht etwas gegen (ökonomische) Fluchtursachen tun sollte, bringt einem mit Garantie den Vorwurf des (Rechts)Populismus ein (Warum eigentlich? Wo ist dabei die Vereinfachung?). DIE offene Wunde für das kosmopolitische, progressive, liberale Bürgertum.

  2. @Musil

    DIE offene Wunde für das kosmopolitische, progressive, liberale Bürgertum.

    Tja... Die sich als DER Fortschritt Verstehenden hört nun mal nicht gerne etwas darüber wie sie eigentlich Nutznießer einer Sache sind.
    Lieber veranstalten sie Charity‐Galas, spenden oder machen andere Dinge, um sich vor der Welt als »Retter« zu inszenieren.

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