Jenseits der Stille

Stille. Ruhe. Einsamkeit. Langeweile. Das sind die Übel der Wachstums‐ und Fortschrittsgläubigkeit. Unser neoliberales Wirtschaftssystem ist ohne ohrenbetäubendes Aufmerksamkeits‐Geheische (Smombies, Werbe‐Industrie, Social‐Media, TV, Radio, Web etc.) und den tosenden Lärm um Nichts, kaum denkbar. Alles ist immer und überall und sofort neu, frisch, cool, toll, lustig und muss gekauft und/oder verkonsumiert werden. Bedürfnisaufschub, Nachdenken oder mal kurz in sich ruhen, stören den reibungslosen Betriebsablauf.

Gerade in den Großstädten gibt es aktuell keine Rücksicht mehr auf das Lärm‐Empfinden oder das Stille‐Bedürfnis der Mitmenschen. Es wird gebrüllt, geschrien, getobt. Auf der Straße, aber vor allem auch in den Wohnungen. Smartphones werden laut gestellt, Baulärm tobt auf den Straßen, Musik auf allen Kanälen. Es scheint eine regelrechte Panik vor der Stille zu geben. Ständige mediale Berieselung oder das Dauer‐Gelaber um die sprichwörtliche heiße Luft sind die nervtötenden Begleiter unserer Zeit. Sie nennen es: Unterhaltung. Ich nenne es: Angst vor sich selbst.


Stille Selbstverfremdung
Mut zur Stille

2 Gedanken zu “Jenseits der Stille

  1. Wie wahr, wie wahr! Mein schönstes Erlebnis der vergangenen Jahre war ein mehrstündiger Spaziergang an einem vollkommen verlassenen Strand. Kein noch so fernes Motorbrummen störte mich und ich war völlig alleine mit mir, den Wellen, dem Wind, dem Strand und den Seevögeln. Es war wundervoll.

  2. In der jüngeren Zeit, was nervig wird, ist, wenn ca. 2–4 Jugendliche mit portablen Lautsprechern am Handy die Straße entlang ziehen und mindestens drei Häuserblocks öffentlich beschallen. Die gibt es auch in der Provinz...
    Wenn sie manchmal dabei noch was kultiviertes zu laufen hätten (bin ja schon immer froh, wenn ich da so was wie Goa/Psy‐Trance erkenne), aber so brüllt einem doch nur täglich dieselbe Playlist entgegen und das hört sich dann auch noch an wie unkordiniertes Herumgejammer ohne Reim und Struktur oder Gangster‐Rap (es wundert einen, dass das immer noch beliebt genug ist), bei dem man herzlich sagen will »Du, Junge, gegen blaue Eier hilft was anderes als laut rumzumotzen...«.
    ...Verstehe man’s nich falsch, die Lautsprecher sind, im Vergleich zu früher sogar schon eine Klangverbesserung, früher kamen da nur schmerzhafte Höhen aus den Handys heraus und man verstand nichts, aber in der Lautstärke, in denen die Kids überall aufschlagen, davon fühlen sich so ziemlich die meisten gestört — gerade Leute, die dabei noch arbeiten sollen, nervt es.
    (Das mit der Klangverbesserung sei mal explizit erwähnt, denn vorher war das — für mein Emfpinden — ›ne noch viel größere Körperverletzung, als das genauso laut die Gegend beschallt hat, da aber immer nur quietschende und zischende Höhen wie ein Arrangement aus Open Hi‐Hats aus den Dingern herauskam. Heute ist das nur noch die Lautstärke.)

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