Die Inszenierung des Krieges

Ich gehöre zur glücklichen Generation, die persönlich noch keinen Krieg miterlebt hat. Dennoch reicht meine Fantasie aus, um mir vorzustellen, wie unfassbar schrecklich, brutal und grausam ein Krieg sein muss. Es scheint fast unmöglich, diese totale Zerstörung menschlichen Geistes und menschlicher Emotionen in Bildern, Gedichten, Büchern oder Filmen zu dokumentieren und festzuhalten. Es gibt zahlreiche Werke, die diesen Versuch unternommen haben. Darunter empfehlenswerte Filme wie »der schmale Grat«, »Apocalypse Now« oder »the deer hunter«.

Trotzdem fällt auf, dass gerade die besonders absurden, wahnwitzigen und höllischen Folgen eines Krieges, immer wieder -auch bei den sehr kritischen Werken‐ häufig ausgeklammert werden. Beispielsweise das Phänomen des »Friendly Fire«, der Eigenbeschuss von Soldaten und Kriegsgerät (»Im Vietnamkrieg starben 18 % der 58.220 in Vietnam getöteten US‐Soldaten durch friendly fire«.). Massenvergewaltigungen, Plünderungen, Zivilisten‐Morde und -Massaker sowie das massenhafte Desertieren von Soldaten. Diese Phänomene werden selten in Büchern und Filmen thematisiert. Sie passen in keine poetisch‐verklärende Helden-(Kriegs-)Geschichten und würden die Rezipienten nur unnötig verstören.

Wann gibt es den nächsten US‐Blockbuster über das Desertieren oder das »friendly fire« von US‐Soldaten im Zweiten Weltkrieg?


»Und plötzlich war er da: der Krieg«
Kriegssprache
Kriegsfolgen

10 Gedanken zu “Die Inszenierung des Krieges

  1. Und wenn auch das gezeigt wird, landen die Filme hierzulande im offiziellen Giftschrank und werden verboten... Weil zu brutal, zu viel Gewalt, zu viel alles für deutsche Gesetze.

  2. Zum Thema Friendly Fire gibt es einen sehr eindrücklichen Film: »Hamburger Hill« (1987, John Irvin). Es geht um die Erstürmung eines Hügels (Höhe 937), die zum blutigen Desaster wurde. Dieser Film hat bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen.
    :DAGEGEN:

  3. Wir schreiben das Jahr 2019, in dem jeder wissen sollte, daß die »Realität« einzig durch Sprechakte konstruiert ist, und wie »Gender« dekonstruiert werden kann.
    Worüber man also nicht spricht, das gibt es nicht.
    Fürwahr, wir leben in großartigen Zeiten. Der Wunsch aller Dreijährigen, durch Zuhalten der eigenen Augen beim Versteckspiel nicht mehr gesehen zu werden, ist umgekehrt in Erfüllung gegangen.
    Und das Beispiel »Friendly Fire« zeigt sehr nachdrücklich, warum der Schwachsinn so nachhaltig von Oben gefördert wird.

  4. Das Thema »friendly fire« wird schon regelmäßig thematisiert. Bei »Band of Brothers« zum Beispiel gibt es so eine Szene und auch in »Stalingrad«

    Es gab auch lange eine beliebte VT bei deutschen Militär-»historikern« (=revanchistische Kriegsverherrlicher und »Helden«-verehrer). Das nämlich bei dem (gescheiterten) Unternehmen Bodenplatte am 01.01.45 massenhaft eigene Flugzeuge durch die deutsche Flak abgeschossen worden sind.

  5. Das Foto oben ist das Diorama eines Modellbauers, ein imaginäres Luftfahrtmuseum. Die dort vertretenen Modelle entstammen verschiedenen Vorkriegsepochen. Was nun hat das mit Kriegsinszenierung zu tun?

  6. Nachtrag: Quelle könnte das Großdiorama des MVT Berlin sein – aber da geht es um eine Ausstellung historischer Flugzeugmodelle und nicht um Kriegsinszenierung (etwa des Battle of Britain) …

  7. @ert_ertrus

    »Was nun hat das mit Kriegsinszenierung zu tun?«

    Alles (»Top Gun«) und Nichts. Darüber hinaus ist es ein Bild, dass zum Thema »Krieg« im weitesten Sinne passt.

    @BerndH60

    »Wir schreiben das Jahr 2019, in dem jeder wissen sollte, daß die »Realität« einzig durch Sprechakte konstruiert ist, und wie »Gender« dekonstruiert werden kann.
    Worüber man also nicht spricht, das gibt es nicht.«

    Danke für die tolle Ergänzung!

  8. ...Jungs...die entwaffnete Wehrmacht in Norddeutschland zum Kriegsende ist doch ein uralter Hut...das hab´ ich schon als Kind vom Vater gehört, der über Ostpreussen nach Dänemark km und dort gefangen wurde....

  9. Krieg ist wenn alte Männer*innen junge Männer*innen in den Tod schicken!
    Ich hoffe die Problematik einigermassen ausführlich erfasst zuhaben...

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