Bürgerliche U‐Boote

Heute: die Taz.

Sie reden von Gleichberechtigung, Feminismus, Frauen und Identitätspolitik, aber meinen CDU, Bundeswehr und bürgerliche Werte. Sebastian Carlens fasst es bei der »Jungen Welt« sehr gut zusammen: Hauptsache, es geht irgendwie um Frauen. Da werden Angela Merkel (CDU), Gerda Hasselfeldt (CSU) und Annegret Kramp‐Karrenbauer (CDU) gelobt und hochgeschrieben. Nicht wegen ihrer Inhalte oder Positionen (Haha! Als wenn das irgendjemanden interessieren würde!), sondern allein deshalb, weil sie eben Frauen sind. Das genügt doch! Und als Bonbon schaltet man in der Taz‐Printausgabe auch noch Anzeigen der Bundeswehr. Die Taz ist links. Genau. :KICHER:


Merkel‐Versteher
Was macht eigentlich Kristina Schröder (CDU)?

7 Gedanken zu “Bürgerliche U‐Boote

  1. Der ganze neuere Wirbel ums weibliche Geschlecht wirkt auf den Außenstehenden, als wenn denen plötzlich auffällt, man müsse die Leistung von einer bestimmten Personengruppe hervorheben, gerade weil man diese über lange Zeit sehr, sehr, SEHR vernachlässigt hat.

    Oder: Auch ein Weg, seinen viel beschworenen »Fachkräftemangel« zu beheben. Mit den Flüchtlingen hat es nicht geklappt, Osteuropa ist schon lang leer (wer eben kommen wollte) — nun muss also etwas neues her, um die gewünschte Erlösung zu bringen.
    Und das ist wohl nun Westdeutschlands konservative Geschlechterpolitik seit nach dem Krieg. Nichts mehr mit dem Versprechen »du hast ausgesorgt, sobald du geheiratet hast«... Das verdammte Land Germany braucht auch dich für den Reißwolf der Exportwirtschaft. Auch wenn du weiblich bist.

  2. Bürgerliche Werte sind für mich kapitalistische Werte, beruhend auf einer entsprechenden ökonomischen Basis und Zielstellung. Kapitalistische/bürgerliche Gleichberechtigung bedeutet danach nichts anderes als, dass Männer, Frauen und andere Geschlechter auf allen Stufen der Gesellschaftspyramide gleich akzeptiert werden sollen. Der Obdachlose und die Obdachlose, H4‐Empfänger und H4‐Empfängerin, Klofrauen und Klomänner, Busfahrer und Busfahrerinnen, Pilotinnen und Piloten, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, Präsidentinnen und Präsidenten ... Billiardäre und Billiardärinnen.

    Die bürgerliche Gesellschaftspyramide an sich, welche die menschliche Ungleichwürdigkeit manifestiert, wird nicht in Frage gestellt. Dass der Obdachlose die gleiche Menschenwürde und das gleiche Menschenrecht besitzt wie die Billiardärin, ist nicht der Kern solcher Überlegungen. Denn dann müsste man auch über die Konsequenzen nachdenken und reden.

    Es wäre für mich auch logisch, dass ein Herrscher, welcher ausschließlich weibliche Nachkommen hat, sich für Geschlechtergleichheit einsetzt, wenn es beispielsweise um die Erbfolge geht. Das ändert an den gesellschaftlichen Verhältnissen der Wettbewerbsgesellschaft nichts. Das Patriarchat würde weiterhin bestehen bleiben. Die Gleichbehandlung würde Ausbeutung und Unterdrückung nicht beseitigen. Das System wäre für den Herrscher weiter optimiert. Der Konkurrenzkampf um die Krümel am Boden der Pyramide würde verschärft. Der Kampf jede® gegen jede(n) verhindert zu viel Einigkeit an der Basis, Kooperation und steigert die Gewinne an der Spitze.

    Es ist daher völlig einerlei, ob an der Spitze einer gesellschaftlichen, politischen oder ökonomischen Hierarchie (oder deren Ebenen) eine Frau oder ein Mann steht. Dies kann man heute bereits überall beobachten.

    Das Denken im Rahmen und in Grenzen der bürgerlichen Gesellschaft bleibt immer bürgerliches Denken. Genau dieses Denken wird von Bildungssystem, Medien und Politik transportiert. Menschlich denken, geht anders.

  3. http://www.taz.de/!5573206/
    »Sie reden von Gleichberechtigung, Feminismus, Frauen und Identitätspolitik...«
    Ja wie schön wäre es, den Fokus mal wieder auf wichtige Themen wie Geo‐, Sozial‐, Umwelt‐ und Wirtschaftspolitik zu lenken. In meiner Eigenschaft als Mitglied der Generation X stelle ich fest, dass Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten jedweder Natur Ende der 90er schon abgeschlossen war. Gender Pay Gap, Gender‐Wissenschaften, »Ehe für alle« etc. sind doch alles nur pseudorelevante Themen.

    Ach noch zur Überschrift des Artikels: Das stimmt. Die merken das aber garnicht.

  4. Nach Ansicht von David Gräber ist der Kapitalismus jetzt rund 5000 Jahre alt. Anthropologisch betrachtet, ist das ein Augenzwinkern.
    Viel länger, vermutlich seit der Abspaltung von den Affen, begleitet uns das Denken in Rangfolgen und Hierarchie, mit deutlichen Hinweisen auf genetische Verankerung.
    Das Nachdenken über die Abschaffung des Kapitalismus führt ganz schnell zu der Frage, wie dann eine arbeitsteilige Gesellschaft aussehen soll, denn gegenwärtig gibt es keine Möglichkeit, die vorhandenen Massen an Menschen in Subsistenzwirtschaft am Leben zu halten. Nebenbei wäre auch eine überwältigende Mehrheit nicht bereit, auf Internet und Smartphone zu verzichten.
    Also bliebe dann nur die Anerkennung der Gleichwertigkeit jeder Arbeit, die dann von Allen auch gleichberechtigt ausgeführt werden müsste.
    Und an der Stelle klingelt es dann im Höschen vieler sogenannter Linker.
    Kein Kapitalismus wäre ja noch irgendwie ok, aber keine Untergebenen mehr oder schlimmer, selber fegen, dann doch lieber Green‐Washing.

  5. @BerndH60

    Das ist so ein komplexes Thema. Es würde den Sinn der Kommentarfunktion komplett entstellen, wenn man es hier ausführlich behandeln wollte. Außerdem ist es OT. Ich hoffe, dass es epikur nicht übel nimmt, wenn ich ein paar Gedanken dazu schreibe.

    Der moderne Kapitalismus unterscheidet sich von älteren Ausbeutungsgesellschaften dadurch, dass etwa zum Ende des 18. Jhds. der Boden (langsames und begrenztes wirtschaftliches Wachstum) endgültig als wichtigster Produktionsfaktor durch das Geld (schnelles und theoretisch unbegrenztes wirtschaftliches Wachstum) ersetzt wurde und die industrielle Revolution in Gang kam. Ohne Vorfinanzierung ging und geht nichts.
    Man kann es heute auf der ganzen Welt beobachten. Menschen wissen genau, wo Probleme liegen, wie man sie beheben und woran man forschen könnte. Menschen, die gern aktiv sein würden gibt es ebenfalls genug. Sie können es nicht, weil sie immer auf Geld warten müssen, damit die Tätigkeiten und technische Mittel finanziert werden. Was keinen Gewinn abwirft, wird einfach nicht finanziert.
    Der Kapitalismus ist also nicht so besonders alt. Ausbeutung dagegen schon.

    Wenn man auf die Verbindung des Menschen mit der Natur eingeht und die menschliche Gesellschaft an Naturgesetzen messen möchte, wird man feststellen: Die Natur kennt und produziert keinen Müll. Sie kennt kein Geld. Sie kennt keinen Tauschhandel, keine Märkte. Sie ist zwar effektiv, aber nicht effizient. Sie kennt Führung und Rangordnungen, aber keine Herrschaft. Sie kennt kein materielles Vermögen, das an Nachkommen vererbt wird. Es existiert keine bewusste, leistungslose Bereicherung, auf Kosten der anderen Mitglieder der Gemeinschaft. Gesundes, natürliches Wachstum ist immer begrenzt. Nimmt man zu Darwin auch Kropotkin in die Hand, lernt man, dass wohl einer der wichtigsten Überlebensfaktoren in der Tierwelt die Kooperation war und ist. Ein weiteres schönes Beispiel, für gelebten Wettbewerb und Kooperation und Solidarität in der Natur, ist der Wald.

    In wie weit genetische »Verankerungen« bewusstes Handeln beeinflussen kann ich nicht beurteilen. Menschen stimmen genetisch zu etwa 74% mit Bananen überein. Welche Rolle das spielt, wer weiß das schon?

    Was ich damit aufzeigen wollte ist, dass sich die moderne westliche, menschliche Gesellschaft weit von der Natur entfernt hat. Sie wie auch der Kapitalismus beruhen nicht auf Naturgesetzen. Hierarchien und Rangordnungen in der aktuellen Gesellschaft sind von anderer Qualität als im Naturzustand. Es spricht allerdings nichts gegen Hierarchien beispielsweise im Rahmen von heterarchalen Gesellschaftsstrukturen (der Struktur des Nervensystem entlehnt), bei denen nicht Herrschaft sondern Führung im Mittelpunkt steht. (Anmerkung: In Bezug auf die Geschichte gesellschaftlicher Strukturen lohnt ein Blick in die Matriarchatsforschung.)

    Da Kapitalismus/Ökonomie nicht so naturgesetzmäßig ist, wie der Sonnenaufgang, kann man nicht voraussagen, wodurch er ersetzt wird und ob die Subsistenzwirtschaft eine zwangsläufige Folge sein muss. Ich denke nicht. Nein, Internet und Smartphones müssen nicht verschwinden, wenn es keinen Kapitalismus mehr gibt.
    Arbeitsteilung findet man häufig in der Natur, auch in anderen historischen und aktuellen menschlichen Kulturen. Eine besondere Bedeutung hat dabei der westliche Schuldbegriff, der nicht allen Kulturen geläufig ist. (Viele indigene Bewohner Südamerikas können damit nichts anfangen.) Arbeitsteilung bedeutet nicht zwingend Tauschhandel und Konkurrenz. Kooperation wäre ebenfalls eine Option.

    Eine andere Frage wäre, wie man sich vom Kapitalismus trennt und Ausbeutung endgültig überwindet. An welcher Stelle greift man ins System ein? Ich meine, dass man es mit einer Nacht‐und‐Nebel‐Aktion nicht schafft. Ein nachhaltiger Transformationsprozess wird nötig sein, damit alles friedlich bleibt und keine neuen Unterdrückungsmechanismen entstehen. Dafür gibt es sicherlich verschiedene Möglichkeiten. Ich bevorzuge einen Weg über das Geld und Boden. Das zu erklären, wäre eine andere und lange Geschichte.

    Niemand wird in der Lage sein, ein fertiges Konzept zu erstellen. Dafür sind die Menschen mit ihrem Denken, ihren Wünschen und Zielen und Bedürfnissen zu verschieden. Aber die Gesellschaft muss verändert werden, damit Menschen ihre Verschiedenheit ausleben können. Dann muss niemand für die Anerkennung seines Andersseins kämpfen, denn eigentlich ist die Unterschiedlichkeit die Regel.

    P.S.: Sorry, epikur.

  6. @Carlo

    Alles gut! Wenn Du willst, Zeit und Lust hast, kannst Du über das Thema auch gerne mal einen Gastbeitrag verfassen, den ich dann auf dem Blog veröffentlichen würde? Gerne mit Bildern dann an: info@zeitgeistlos.de und ich schaue mal, wann ich ihn online bringen kann.

  7. @epikur

    Vielen Dank für Dein Angebot. Natürlich war der Ausdruck »komplexes Thema« maßlos untertrieben. Ich bin seit ein paar Jahren dabei, meine Erkenntnisse in Buchform zu packen. Ich muss mal überlegen, wie man einen Gastbeitrag verfassen könnte, weil es nicht so einfach ist, Dinge ohne umfangreichen Kontext zu erläutern. Vor allem, weil man zunächst Begriffe neu oder anders definieren muss, als sie heute genutzt und missbraucht werden. Wie Du schon bemerkt hast, bin ich kein Fan davon, Erklärungen mit 140 Zeichen abzugeben.

    Nochmals danke. Wenn ich eine Idee habe, melde ich mich bei Dir.

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