Presseblick (73)

Der Antirussimus nimmt immer groteskere Züge an. Als getarnter Reportagen‐Bericht mit dem reißerischen Titel »Wir sind unter euch« werden gezielt Assoziationen und Ängste geschürt. Es geht um die sog. »Digger‐Bewegung« in Russland, die in der Kanalisation lebt, feiert und Fotos macht. In dem Beitrag heißt es beispielsweise: »Auf die Straße gehen jetzt nur noch die, die irre mutig sind.« Und weiter: »Wie klaustrophobisch muss sich ihr Leben anfühlen, wenn die Kanalisation im Vergleich dazu ein Schluck Freiheit ist?« Fazit: Putin und die russische Regierung das russische Regime treiben die Menschen in die Kanalisation.

Interessanterweise schreibt wikipedia zum Thema »Russophobie« nur zwei Mini‐Absätze zum Abschnitt  »Kritik an einseitiger aktueller Russlandberichterstattung in Deutschland heute«. Bei »Kritische Einwände gegen Vorwürfe der Russophobie« sind es jedocht acht. Wikipedia ist schon lange von westlicher Gesinnungspolizei unterwandert.

Werbung
Drei Beispiele aus der Bildstar Gamestar  zeigen, wie verseucht unsere Online‐SEO‐Medien mit getarnten PR‐Beiträgen, Advertorials und U‐Boot‐Sponsoring‐Artikelchen mittlerweile sind, um die pöööhsen  Adblocker zu umgehen:

»Ikea — Will Gaming‐ und E‐Sport‐Möbel produzieren«
»Kann man nur per Amazon Prime leben? — Ein Internet‐Experiment«
»Pornhub startet VPNhub — VPN‐Dienst mit Werbung gratis und Premium‐Modell«

Ikea. Amazon Prime. Pornhub. Drei Marken gleich in der Schlagzeile untergebracht. Jucken tut diese aggressive Werbung scheinbar Niemanden. Aber laut rumheulen, wenn Reichweite, Leserzahlen und Marktanteile zurückgehen sowie der Adblocker benutzt wird. Darin sind Redakteure und Journalisten ganz groß. :JAJA:

Arbeitsmarkt
Auf Platz Zwei der sozial ungleichsten Mitgliedsländer der OECD, ist Israel. Davon lesen wir allerdings gar nichts in unserer lieben Presse. Das wäre schließlich antisemitisch:

»Am Sonntag beendeten israelische Hafenarbeiter einen dreitägigen Streik, nachdem sie die Häfen von Eilat, Haifa und Ashdod geschlossen hatten. Im vergangenen Dezember kam es zu einem landesweiten Streik gegen die Entscheidung des Pharmakonzerns Teva, ein Viertel seiner Belegschaft zu entlassen. Die städtischen Arbeiter in Jerusalem führten im Januar wegen drohender Massenentlassungen und Nichtzahlung ihrer Löhne einen Streik durch, bei dem sie den Zugang zur Knesset mit Müllwagen blockierten.«

- wsws.org vom 15. Mai 2018

Rechtsstaat
Kamera‐Überwachung, biometrischer Ausweis, Polizeiwillkür, Online‐Schnüffelei, verfassungswidrige Gesetze, Hartz4‐Menschenverachtung, internationale Kriegsbeteiligungen und und und.

»Staatstrojaner: Polizei soll in Wohnungen einbrechen dürfen.«
»Sächsische Regierung plant Polizeistaat.«
»Polizisten marschierten vermummt im schwarzen Block mit.«
»Verfahren gegen NSU‐Aktenvernichter Lothar Lingen mit Geldauflage eingestellt.«

Aber das alles kümmert uns nicht, solange es Bier und Bratwurst, DSDS, Dschungelcamp, smartphones, die Bundesliga und Facebook gibt. Und wer nur darauf hinweist, gilt bereits als unangenehmer Querulant und Nestbeschmutzer. »Uns geht es doch gut!« :SICK:

Politik
Der Korrespondent Daniel Bauer betont auf tagesschau.de: »Aber solange sich die Linkspartei selbst im Weg steht, kommt sie auch mit guten Ideen und Argumenten nicht durch.« Und wann hat die Tagesschau (oder ein anderes großes bürgerliches Leitmedium) zuletzt über Linkspartei‐Argumente berichtet? Inhalte des Linkspartei‐Programms analysiert und aufbereitet? Stattdessen wird doch gerade nur dann über sie berichtet, wenn es negative Schlagzeilen, Skandale und interne Zerwürfnisse gibt. Ansonsten wird die Linkspartei doch großzügig ignoriert. Die Botschaft für den Rezipienten ist stets: »dieser Chaotenhaufen ist unwählbar!«

Das wir eine NATO‐Presse haben, kann man immer wieder beobachten: »Trump und Kim verständigen sich in Singapur auf die vollständige Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel Aha. Aber die USA dürfen weiterhin Atomwaffen besitzen? Warum eigentlich? Weil sie die »Guten« seien? Schlechter Witz. Kein Land hat in den letzten 20 Jahren mehr Angriffskriege geführt als die US‐Regierung. Interessant ist auch die Sprachnormierung: während Trump als »Präsident« bezeichnet wird, ist Kim Jong‐un ein »Machthaber«.


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» kurz und dreckig

2 Gedanken zu “Presseblick (73)

  1. Die Erosion des Rechtsstaats, in der Tat ein unterschätztes Thema.

    Zu den genannten Punkten kommen noch weitere hinzu:
    Das lärmende Gesindel auf den Straßen, gegen das die Behörden fast nichts unternehmen, anstatt es samt und sonders in den Knast zu verfrachten.
    Die beinahe Unmöglichkeit von Wiederaufnahmeverfahren.
    Die fast völlige Unwilligkeit, Fehler zuzugeben, für die gerade die deutsche Justiz berüchtigt ist.
    Schätzungen, wonach jedes vierte Urteil fehlerhaft ist, ganz oder teilweise (Norbert Blüm geht sogar von jedem dritten aus).
    Politisch korrekte Vorurteile, die zu offener Rechtsbeugung führen.

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