Presseblick (72)

»USA beenden Angriffe auf Chemiewaffenziele
Die USA, Großbritannien und Frankreich haben drei Ziele in Syrien angegriffen. Nach dem gezielten Militäreinsatz in der Nacht kündigte Russland Konsequenzen an.«

- zeit.de vom 14. April 2018

Allein an dieser Headline erkennt man, dass wir eine NATO-Presse haben. Es sind keine »Angriffe«, sondern es sind völkerrechtswidrige Angriffe. Ob es Chemiewaffen bzw. einen Chemiewaffenangriff von Syrien überhaupt gegeben hat, ist bis heute nicht bewiesen. Von Zerstörungen, Toten oder Verletzten ist auch keine Rede, nur von »Zielen«. Und der einzige Akteur, der in diesem Dreizeiler droht, ist natürlich Russland: »Konsequenzen«.

Der copy/paste-Artikel von AFP, dpa, rtr und spo generiert dann auch gleich mehr als 1.000 Kommentare. Jeder kritische wird zensiert. Es seien ja eh alles nur Putintrolle und Putinversteher. Das bei der ZEIT viele Transatlantiker und NATO-Journalisten arbeiten, spielt indessen keine Rolle. :NENE:  

Krieg
»Die große Koalition will den Militärhaushalt auf über 70 Milliarden Euro im Jahr verdoppeln«, schreibt Gustav Kemper auf wsws.org.18 Großaufträge sollen es sein, darunter bewaffnete Drohnen. Für (Armuts-)Rentner, Schulen und Erzieher ist jedoch -wie immer- kein Geld da.

Gesundheit
Foodwatch hat den Coca-Cola-Report veröffentlicht. Es ist kein Geheimnis, dass Cola nicht gesund ist. Aber wie die PR- und Marketing-Kampagnen laufen, wie sie gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen oder das sie -ganz ergebnisoffene- Forschungen in Auftrag gegeben haben, ist schon interessant. Die Studie kommt unter anderem zu dem Fazit: »nicht ungesunde Ernährung, sondern Bewegungsmangel sei das zentrale Problem für Übergewicht.« Also: fleißig Cola saufen! :JAJA:

Gender
Ganze 0,01 Prozent in der deutschen Bevölkerung sind Transgender. Diese Zahl wird natürlich nicht in der Systempresse genannt, denn das würde die ganze Aufmerksamkeitsökonomie zum Thema Transgender Ad Absurdum führen. Und das scheint nicht gewollt zu sein, da Sexismus, Geschlechterfragen und Gender feine Ablenkungsthemen sind. Sollen sich der Pöbel und vermeintlich Linksgrüne doch um Sprachregelungen oder Gender-Normierungen streiten, als sich mit der Eigentums- und Vermögensfrage zu beschäftigen. :JAJA:

Banken
Das Bargeld steht weiter auf der Abschussliste der Finanzindustrie. Nachdem Minuszinsen und teure Kontoführungsgebühren eingeführt wurden, sollen nun Geldautomaten eingespart werden. Offiziell hat das alles natürlich nichts damit zu tun, dass man schrittweise das Bargeld komplett abschaffen will, um so mehr Kontrolle und Überwachung zu installieren, sondern mit »Digitalisierung und Kostendruck«. Schließlich bestehe unsere Finanzwirtschaft aus »notleidenden Banken«.

Sexismus
Das Sexismus-Gender-Geschlechterfragen-Thema bleibt vorerst ein klickstarker Reichweiten-Aufhänger:

»Vier Frauenhintern und eine Pizza: Werberat spricht fünf öffentliche Rügen wegen sexistischer Werbung aus«
»In Vino Verena: Das Geheimnis halbnackter Männer im Bad«
»Linke Hand mitten auf den Po«
»Merkel: CDU kann nur mit höherem Anteil an Frauen überleben«

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich nervt das Ganze nur noch. Soll jeder er/sie/es und mit wem und/oder auch nicht machen, zeigen oder nicht zeigen mit wem er/sie/es will. Gibt es wirklich keine wichtigeren Themen mehr? Die Grenze verläuft immer noch zwischen oben und unten und eben nicht zwischen Männern, Frauen und Sonstwas. :WTF:

Überwachung
Anhand von DNA-Spuren will Bayern die „biogeografische Herkunft“ von Verdächtigen bestimmen und zur Fahndung ausschreiben. Die Überwachungs-Dystopie zieht immer weiter seine Kreise. Aber das löst weder Proteste aus (haha!), noch interessiert es irgendjemanden. Solange Facebook und WhatsApp einwandfrei funktionieren, DSDS, Dschungelcamp und die Bundesliga laufen, kann »1984« kommen.

Medien
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P:S: Wegen der kommenden DSGVO am 25. Mai, wird es beim Presseblick vorerst keine verlinkten Youtube-Videos und Screenshots von Artikeln aus der Lückenpresse mehr geben. Sicher ist sicher. Um der Bleiwüste entgegen zu kommen, werde ich mich bemühen, persönlich aufgenommene Bilder einzufügen.


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2 Gedanken zu “Presseblick (72)

  1. Auch nach Jahren der Empörung und Entrüstung über skandalöse Zustände sollte man nicht resignieren oder sich in den privaten Biedermeier-Bunker verkriechen. Immer wieder das ansprechen, was schmerzt, statt so zu tun, als gäbe es das alles nicht, sollte die Devise sein. Nicht der Kritiker hat die Welt aufgegeben, sondern der Zwangsoptimist, der alles verdrängt.

  2. Pingback: Aufgelesen und kommentiert 2018-05-14 – "Aufgelesen und kommentiert"

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