Medial verstrahlt

Wer in einer Schule, einem Hort oder in einer Kindertages‐, Jugend‐ oder sozialen Einrichtung arbeitet, erlebt relativ schnell die Folgen der Digitalisierung. Immer mehr Kinder haben eine Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Sie können alle »Fortnite«-Tänze, bauen tolle »Minecraft«-Welten, wissen schon sehr früh wie man mit smartphones und Tablets umgeht, aber können sich mit 6 Jahren nicht mehr die Schuhe zu binden, geschweige denn eine analoge Uhr lesen. Es ist daher völlig unverständlich, dass es von wissenschaftlicher Seite immer wieder heißt, man habe dafür »noch keine Daten« oder man müsse das Phänomen »noch untersuchen«. Die digitale Versumpfung von Millionen von Smartphone‐Junkies ist jeden Tag überall zu beobachten.

Besonders bigott sind viele linksgrüne Bio‐Öko‐Alternativ‐Eltern, die alles Digitale für ihre Kinder verbieten, aber selbst den ganzen Tag an der WhatsApp‐ und Facebook‐Nuckelflasche hängen. An vielen Schulen und Kindertageseinrichtungen sind die Dummphones verboten. Es hängen Verbotsplakate. Es wird überall darüber informiert. Aber was interessiert das die Süchtigen. Bei Kita‐ und Schulveranstaltungen sitzen die Eltern nur noch mit erhobenen Händen da, um alles aufnehmen zu können. Wer Bus und Bahn fährt, glaubt in einem dystopischen Thriller zu sein. Übrigens: der Vergleich mit der Tageszeitung ist nur noch lächerlich. Offline ist das neue Bio!


»Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0.«
»Handystrahlung produziert Zombies«
»Digitale Dystopien«

21 Gedanken zu “Medial verstrahlt

  1. Dummphone. Herrliche Wortschöpfung!

    Ansonsten: Volle Zustimmung. Die Verblödung hat eine rasante Geschwindigkeit aufgenommen. Gerade in Berlin siehst du das jeden Tag.

    Das Leben ist endlich — der einzige Trost.

  2. Es ist haarsträubend, daß ein das Leben so veränderndes Phänomen wie der derzeitige sog. technische Fortschritt völlig fraglos und passiv akzeptiert wird, als wäre er ein Naturgesetz.

    Steile These: dir Probleme der Menschheit auf diesem Planeten werden zunehmend so apokalyptisch, daß viele Menschen strukturell gar nicht mehr in der Lage dazu sind, sich ihnen zu stellen. Daher ist materieller und informationeller Konsum das Betäubungsmittel der Wahl. Uns allen viel Spaß noch...

  3. Ich weiß nicht mal was Fortnite ist …
    Aber ich lebe wohl immer noch viel zu sehr in der analogen Steinzeit (Analogikum?) :d

  4. @L´Andratté

    »Steile These: dir Probleme der Menschheit auf diesem Planeten werden zunehmend so apokalyptisch, daß viele Menschen strukturell gar nicht mehr in der Lage dazu sind, sich ihnen zu stellen. Daher ist materieller und informationeller Konsum das Betäubungsmittel der Wahl. Uns allen viel Spaß noch...«

    Interessante These! Und ja, dass strukturelle Denken und Analysieren wurde und wird uns systematisch abtrainiert. Fast jedes Problem wird personalisiert, Strukturen werden unsichtbar gemacht. Beispielsweise habe ich letztens eine Dokumentation über den weltweiten Plastikmüll gesehen. Und da hat man dann tolle Menschen gezeigt, wie sie weniger Plastik verwenden, anstatt auf das strukturelle Industrieproblem aufmerksam zu machen: Plastik‐Verpackungen sind einfach viel zu kostengünstig.

  5. »Und wenn du kein Fleisch mehr isst, dann hilft das dem Klima.« Während immer mehr Container‐ und Kreuzfahrtschiffe, Cargo‐ und Passagierflugzeuge, KfZ und die produzierende Industrie die Atmosphäre in einem nie da gewesenen Ausmaß verpesten. Aber alles hängt an meinem Fleischkonsum — eh klar.

  6. Ach was, — das ist doch alter Tinnef. Das vollkommen verblödete Ausreizen einer Steinzeit‐Technik auf dem Stagnationslevel. Diese Handys sind ja noch nicht mal implantierbar, können nicht mal chemische Botenstoffe übertragen, (keine Hormone, Endorphine, Gerüche, Aphrodisiakum) Für das Zeugs auf dem Zeugs, braucht man sogar noch Menschen, — meine Güte. Gut, — so gesehen, fördern sie ja sogar die körperliche Betätigung, sind also fast schon pädagogisch wertvoll. Aber so wird das nix mit dem virtuellem Dream. Mit Industrie 40PunktNull und dem Internetz of things, — wird das alles besser. :)

  7. Da fehlt noch der pädagogische Schlusssatz; (Auch sehr beliebt in visionsfreudigen informationstechnischen Kreisen)
    »Ach Kinder, — legt doch mal das Handy beiseite, und hört mir mal zu.«

  8. die ablenkung der schinder/selbstausbeuter von der suche nach der inneren zufriedenheit u.a. in der noch kostenlose natur ist die grundvoraussetzung für maximalen gewinn/ausbeute

  9. Bayer verkaufte sein Heroin u. a. als Kinderhustensaft. An solche Erfolge knüpft man doch gerne an.
    Es ist nur passend, dass auch die heimische Drecksschleuder und das Klugscheißfon verschmelzen.
    Wenn Papas autonomes Auto demnächst das Matchboxauto des Nachbarsjungen platt bügelt und Nachbars Scriptkiddie dann Papi samt Familie mit 180 vor die Wand fahren lässt, wird das natürlich ein bedauerliches Einzelschicksal bleiben.

  10. So ist das halt leider: Technik macht kluge Menschen klüger — und dumme Menschen dümmer. Aber das ist ja gewollt.

    Mir kam letztens in Frankreich auf einer Departement‐Straße (am Ortseingang einer Kleinstadt) mal wieder eine junge Frau in ihrem Auto entgegen, die während der Fahrt sogar eine Textnachricht tippte; der Blick ruhte ausschließlich nur auf diesem Mistding...! Auf meinen Touren seh ich eh jeden Tag Leute, die ohne jede Hemmung telefonieren. Denen ist die eigene Sicherheit schon völlig egal — ob die mit ihrer kranken Sucht andere Verkehrsteilnehmer gefährden, geht den meisten dann völlig am A... vorbei! Leider ist halt auch das Risiko, erwischt zu werden, verschwindend gering!

    Was die hemmungslos filmenden Eltern bei Schulveranstaltungen betrifft — denen könnte man ja vielleicht mal mit der DSGVO Angst machen...!? ;)

  11. Für Vorstadthelden der Hit in Bikes: https://www.wissenschaft.de/scinexx/wissen-aktuell-22504–2018-03–09.html
    Das Fahrrad mal schnell zur Arbeit schicken, sich dann aber wundern, wenn Kollege XY, der neidisch auf Deine Stellung ist, Dein Bike mit Karacho in den Graben steuert. Ob die Genossenschaft das wohl als Wegeunfall zählen wird? Welche Krankenkasse das wohl sonst übernehmen wird?

    »Technik macht kluge Menschen klüger — und dumme Menschen dümmer. « Das kann ich nirgendwo beobachten. Auch Akademiker kümmern sich nicht um Ihre Nachzucht, wenn das Handy ruft.
    Zumindest diese Technik hält vor allem auf — und ab.
    Hängt die Nachzucht mit 5 dann selbt an der Spritze (bzw. dem Klugscheißfon), gibt es erstmal 110 Tacken für In‐App‐Käufe aus, damit sie den plüschigen Puschelpanda mittels erworbener, virtueller Gegenstände, ins Ziel führen kann.
    110 Steine sind ja nicht so viel. Nein? Manch andere Familie hält das knapp 2 Wochen am Kacken. Wenn es dann mit der App nicht so klappt, bleiben ja immer noch die Gewaltexzessvideos für das Brunftergebnis.

    »Leider ist halt auch das Risiko, erwischt zu werden, verschwindend gering!« Man könnte sie ja zu einem Kurztrip nach Polen animieren. Da stehen die Chancen etwas besser, erwischt zu werden. Da wären dann Handy, Auto, FS und Geld weg (und das ganz legal).
    Trend in Deutschland ist es allerdings, mit mehreren Handys und Tablets gleichzeitig während der Fahrt zu daddeln. Übrigens ganz unabhängig vom Grad der Intelligenz.

  12. Leider sind unsere Kinder komplett abhängig von ihrem
    Scheissphon. Nehmt ihnen das Teil weg und sie bekommen
    Anfälle wie ein Suchtkranker auf Entzug. So eine tragbare
    Trackingwanze ist ja auch soooo wichtig.
    Einfach mal aufwachen liebe Eltern und sich selbst um eure
    Kinder kümmern.

  13. Hab mal gelesen, irgend ne amerikanische Großstadt hat durch freies WLAN in den U‐Bahnen die Anzahl der Gewalt‐Delikte drastisch reduziert. Einen guten Zweck scheinen die Dinger also doch zu haben.
    Allerdings muss ich ständig darüber nachdenken, wie viel weniger Sex die Leute wegen der Teile wohl haben müssen. Wenn die ständig da draufglotzen werden die doch ständig von den wichtigen Dingen im Leben abgelenkt. Wie viele mögliche Sexualpartner den Leuten wohl entgehen, weil die ständig nur auf ihre Displays glotzen?
    Kombiniert man beide Teile meines Kommentars, sollten sich Gewalttäter also in naher Zukunft von selbst ausrotten.

  14. @Juri Nello: Akademiker müssen ja nicht unbedingt klug sein. Fachidiotie spricht nicht unbedingt für eine besondere Intelligenz. Das erkennt man grade auch im Straßenverkehr, wo sich die Leute mit den dicksten Einkommen auch die dicksten Karossen kaufen — und sich am heftigsten danebenbenehmen. Und das kann man doch nur, wenn man Jobs ausübt, für die man so richtig »intelligent« sein muss... ;)

    Es ist halt vor allem auch ein gesellschaftlicher Zwang. Und vor diesem kapitulieren dann auch mal wirklich kluge Köpfe.

    @Warum bin ich so fett?: Dir ist schon klar, dass es sowas wie Pornoseiten, tinder, parship und elite‐partner gibt...!? ;) Aber ja, eine gewisse sedierende Wirkung haben die Dinger auf jeden Fall. Das kehrt sich aber wie zurecht angemerkt schnell ins Gegenteil um, wenn du den Leuten ihr Spielzeug wegnimmst.

  15. @Juri Nello

    Verbote sind das Eine, aber Sanktionen das Andere. An vielen Schulen in Berlin sind Handys und smartphones auch verboten. In Deutschland gibt es kein gesetzliches Verbot, wie in Frankreich, die Schulen regeln das selbst. Es bringt aber wenig, wenn man die Verbote nicht auch mit Sanktionen belegt. Und vor allem, wenn die Eltern ihre Kinder ständig mit dem smartphone in der Hand abholen. Tolle Vorbild‐Funktion!

    Der Artikel indessen übertreibt und skandalisiert natürlich:

    »Am Tag, als die Handys verboten wurden, fingen die Schülerinnen und Schüler wieder an, über den Hof zu rennen, Fangen zu spielen, lauthals zu quatschen.«

    Völlig übertrieben! Das machen Kinder auch mit smartphone.

    »Durch das Verbot nehme auch der Druck auf ärmere Familien ab, Geld für das neueste Handy oder das angesagte Spiel auszugeben.«

    Klar doch! Dann wird der »Sozialneid« und das Mobbing eben woanders hin verlagert. Aus dem Blick aus dem Sinn, für den Schul‐Direktor.

    Das Problem ist -wie so oft‐ nicht die Technik selbst, sondern der Umgang damit. Und solange die Eltern selbst alle an der WhatsApp‐ und FB‐Nuckelflasche hängen, bringen solche Verbote nur bedingt etwas. Die Kinder bekommen es täglich Zuhause vorgelebt.

    Übrigens nervt mich das »an den Symptomen herumdoktern« langsam tierisch! Erst verdienen sich Konzerne Milliarden an den Überwachungs‐Dummphones, aber die sozialen und gesellschaftlichen »Kosten« dürfen wir dann alle tragen.

  16. Schon recht, ich habe ja nicht gesagt, dass das die Lösung ist. Ich wollte nur einen weiteren Einblick mit dem Artikel geben.

    »Völlig übertrieben! Das machen Kinder auch mit Smartphone.« Jein, ich wohne gegenüber einer Schule. Da bekommt man schon etwas mit. Die Schule ist indes eine Halbprivate, also sind da ohnehin eher die Kids der Mittelschicht zu finden und die setzen wohl auch auf ein Verbot mit FSK im Unterricht. In der ersten großen Pause hörst Du sie noch toben, in der 2. nicht und vorher und nachher fällt das flach. Man kann jetzt vermuten, woran das liegt.
    Frankreich halte ich da für sehr speziell. Als Teeny durfte ich da im Rahmen eines Schüleraustausches mal teilhaben. Ich habe ja Schule bis zur Erwachsenenbildung schon bei uns immer gehasst. Das dort war schon militärisch und an Tristesse kaum zu überbieten.
    Die einzige Ausnahme war der dortige Englischunterricht. Der war zumindest unfreiwillig komisch (aber vielleicht wollte man die Kids auch bewusst eher auf New Castle, denn auf Oxford vorbereiten).

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