»Medea«

Der Politik‐Redakteur von ZEIT ONLINE, Gero von Randow, fragt sich: »Warum wird ihr Mythos so oft auf die Bühne gebracht, was erzählt er uns heute?« Hierzu kann ich eine kleine Anekdote erzählen. Vor rund 20 Jahren, als ich in Berlin‐Kreuzberg mein Abitur gemacht hatte, war die griechische Tragödie »Medea« von Euripides ein prüfungsrelevantes Thema. »Medea«, die ihre Kinder sowie die Frau, mit der ihr Mann fremdgegangen war, vergiftet und ermordet hat, wird und wurde schon vor Jahrzehnten von Feministinnen ideologisch instrumentalisiert.

Meine Oberschulleiterin lobte die Tragödie damals mit den Worten: »Schon rund 400 Jahre vor Christus war Medea eine starke Frau! Eine Feministin!« Als ich dann mit meinen knapp 20 Jahren, die Figur als mordlüsterne Irre bezeichnet hatte, erntete ich dafür gnadenlos Punktabzüge. Christa Wolf erhebt sie beispielsweise in »Medea. Stimmen.« (1996) zur unschuldigen und zugleich heiligen Lichtgestalt. Wenn radikale Feministinnen »Medea« als ihre Ikone betrachten, dann ist ihnen Rache weit wichtiger als Versöhnung.


»Romantische Krawallchaotinnen«
»Die Spaltung der Geschlechter«
»Gender. Sex. Bullshit.«

5 Gedanken zu “»Medea«

  1. Feministinnen sehen sich als Kriegerinnen, die die bestehenden Verhältnisse umkehren wollen. Natürlich nicht selbst — das Umkehren sollen dann schon die Männer planen und umsetzen. ;)

  2. Das hat einfach einen auch sehr religiösen und klerikalen Hintergrund indem die Ehe auf jedenfall gerettet werden muss.
    Und dafür eignen sich derartige gestalten wie Medea ganz hervorragend.
    Geschichtsklitterung oder zumindest Fehlinterprätation vom Feinsten je nach Gusto natürlich...

  3. @Gero von Randow. Ok, mein Fehler. Die Zeit‐Angabe stand in ihrem ZEIT‐Profil nicht dabei. Dann eben aktuell »Redakteur im Ressort Politik«. Derzeitiger Chefredakteur laut Impressum ist Jochen Wegner. Schön, dann wäre das geklärt. Haben Sie auch inhaltlich etwas zum Beitrag zu sagen? ;)

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