Fördern. Fördern. Fördern.

Die Leistungs‐ und Wettbewerbsgesellschaft produziert nicht nur systematisch ein ausgegrenztes Prekariat, sie verdient auch an und mit der Angst. Insbesondere Eltern sind stellenweise ganz gezielt massiv verunsichert worden. Jahrzehntelang haben vermeintliche Erziehungsexperten durch allerlei mediale Kanäle (TV, Buch, Web, Radio, Zeitung etc.) die elterliche Intuition nachhaltig beschädigt. Man müsse und solle seine Kinder so und so erziehen, man solle das sagen, das unternehmen, sich so verhalten und so weiter. Dann wird wieder genau das Gegenteil erzählt und propagagiert. Hinzu kommt ein Dschungel an pädagogischen Konzepten, Haltungen und Werten, die sich nicht nur gegenseitig widersprechen, sondern alle von sich behaupten, dass sie die »einzig wahre Erziehungsmethode« betreiben würden.

Das Ergebnis sind pränatale Frühförderung (»Je früher desto besser!«), Kindergarten‐Chinesisch sowie die Auffassung, dass alles Tun pädagogisch wertvoll, also Förderung sein muss. Es ist der Zeitgeist der uns sagt, dass Kinder und Jugendliche arbeitsfähig genormt werden müssen. Ihre ökonomische Verwertbarkeit und Funktionstüchtigkeit sollen hergestellt werden. Oder anders: »Unsere Kinder sind unsere Zukunft«. Eine Ware. Ein Rohstoff. Ein Objekt. Das soll eben bestmöglich optimiert werden.

Was häufig fehlt, ist eine subjektbezogene, ehrliche und authentische Seins‐Haltung zu Kindern und Jugendlichen. Sie in ihrem Wesen so annehmen können, wie sie sein wollen und nicht, wie Unternehmen, Politiker oder Eltern sie nach ihren eigenen Vorstellungen formen wollen. Es ist insofern absolut nicht verwunderlich, dass psychische Kinderkrankheiten zugenommen haben: man behandelt sie allerorten wie Knetmasse.


»Elternängste«
»Familienkonflikte«
»Der pädagogische Happen«

6 Gedanken zu “Fördern. Fördern. Fördern.

  1. Dubios erscheint mir stets daran, dass vieles von diesen »neuen Methoden« irgendwie immer aus Amerika stammt — dem Mutterland des »(auch selbsternannter) Arzt schwatzt dir was nutzloses auf«.
    Die letzte geplatzte Blase in dieser Hinsicht ist doch gar nicht mal so lange her... Lernmethode »Schreiben nach Gehör« als ineffektiv bewiesen. Eigentlich sogar als schädlich, weil diejenigen, die es damit gelernt haben, im fortgeschritteneren Alter immer noch massiv Probleme mit der Rechtschreibung haben.
    Die Methode stammte zwar nicht von einem Amerikaner (sondern von einem Schweizer), aber aus Übersee ist man »den neuesten Schick, der nach Europa kommt, und unhinterfragt übernimmt« seit Jahrzehnten gewohnt.

  2. Eine wichtige Rolle für die Zurichtung der Kinder für den »Arbeitsmarkt« (sic!) sind mittlerweile die Schulen. In meiner Jugend wurde einem in der Schule noch kritisches Hinterfragen beigebracht. So etwas findet heute kaum noch statt.
    Bspw. gab es einen Lehrer in dessen Klassenarbeiten immer u.a. die Aufgabe kam: »Nehmen sie Stellung zu einem aktuellen politischen Thema!«
    So wurde mir die Schwellenangst genommen, mal eine Tageszeitung in die Hand zu nehmen und mich mit Sachverhalten auseinander zusetzen. Schlicht, mir (fundiert) eine eigene Meinung
    Ist natürlich schwerer für den Lehrer zu bewerten, als einfach vermitteltes Wissen abzufragen (»Nennen Sie fünf....«).

  3. Georg Schramm hat es mal sinngemäß so beschrieben:
    »Als 1958 der Sputnik Schock die US Elite erschütterte, ging die Aufforderung an die Vasallen zur Ausbildung aller Bevölkerungsschichten, um nicht dem Kommunismus zu unterliegen. Es folgten jene 10–15 Jahre in denen es auch der Unterschicht erlaubt wurde, nach oben zu kommen. Als durch die Ereignisse des Jahres 1968 klar wurde, daß selbstständiges Denken nicht nur zu erwünschten technischen Erfolgen wie der Mondlandung 1969 führt, sondern geradezu revolutionäre Forderungen wie Partizipation hervorbringt, wurde das Programm rasch wieder abgewickelt. «
    Es ist doch immer wieder schön, in den Biographien unserer »Leistungsträger« nachzulesen, wie aber auch nicht einer von Denen jemals mit einer öffentlichen Einrichtung wie Schule oder Kita in Kontakt kam.

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