Fahrradfahrer

fahrrad_titelVerkehrsteilnehmer‐Bashing. Ein typisches divide et impera – Thema, bei dem sich jeder auf eine Seite (Fußgänger, Autofahrer, Fahrradfahrer, Bus‐Fahrer etc.) schlagen und dann seine ganze Wut und seinen Frust ablassen kann. Leider muss ich heute auch mal Position beziehen. Ich bin nämlich gute 90 Minuten durch ganz Berlin mit dem Fahrrad gefahren (von Spandau nach Steglitz) und was ich erlebt habe, unterstreicht sämtliche Vorurteile gegenüber Fahrradfahrern in der Stadt. Ich hatte das Gefühl der Einzige zu sein, der die Verkehrsregeln kennt und sich auch an sie hält.

In Berlin gibt es mittlerweile fast überall Fahrradwege. Dennoch beschränken sich diese Menschen nicht darauf. Es wird nach Belieben auf Fußgänger‐, Fahrrad‐ und Auto‐Fahrbahnen gewechselt, präventiv sämtliche Verkehrsteilnehmer weggeklingelt und immer und überall sofort rumgebrüllt. Fahrradfahrer fühlen sich stets im Recht und als Opfer. Rote Ampeln, egal ob auf Fußgänger‐ oder Autofahrer‐Seite werden konsequent ignoriert. Und wer auch nur in die Nähe eines Fahrradweges kommt, wird schon präventiv angeklingelt. „Ja aber Autofahrer«…»Ja, aber Fussgänger“... – Nope sorry! Die Ökoterroristen‐Fahrradfahrer sind echt die Schlimmsten, wenn es um die Einhaltung von Verkehrsregeln geht. Und jetzt ihr! ;)

14 Gedanken zu “Fahrradfahrer

  1. Mein Überleben mit 30 Jahren Bikeerfahrung (sportlich) und zwischen 9.000 und 11.000 km p. a. habe ich dem Umstand zu verdanken, dass ich mich oft nicht an diese Regeln halte. Hydraulische Scheibenbremsen, gute Übersicht, permanente Aufmerksamkeit und schnelle Reflexe sind besser, als z. B. trügerische Sicherheit suggerierende grüne Ampeln für Radfahrer.

    Es gibt Tage, da vermeide ich bis zu 3 Beinahe‐Unfälle mit potenziell katastrophalem Ausgang durch angemessene und vorausschauende Reaktion.

    Einschränkung: Als Langstreckler bin ich selten in den Metropolen unterwegs. Meine Gefahrenquellen sind daher E‐Bikefahrende mit 24‐kg‐Pedelecs„ wildgewordene Möchtegern‐Armstrongs auf Carbonflügeln, Hollandradnutzer und frei laufende Köter.

    Zu den Hunden: Manchmal befindet sich der Fiffi jenseits der Radpiste und man sieht die dünne Flexileine, die die Fahrbahn quert, nicht, so dass die Schnur sich samt Pinscher schon mal um das Tretlager wickelt.

  2. Die Leute werden jetzt nicht automatisch Gesetzestreu wenn sie sich mal auf ein Fahrrad setzen. Ellenbogen raus ist die Devise, egal wo. Sollte dir mittlerweile bekannt vorkommen.

  3. Ich stimme voll und ganz mit dem Altautonomen überein. (witzigerweise gleichen sich sogar alle Zahlen und Fakten...)
    Allerdings bin ich Fahrradkurier und des öfteren muss ich feststellen, dass in weiten Teilen der Bevölkerung Unkenntnis über die tatsächlichen Verkehrsregeln herrscht.

    Wechsle ich z. B. vom Radweg auf die Straße, dann darf ich das ggfs., sofern auf dem Radweg keine Radwegbenutzungspflicht gilt (blaues Schild mit weißem Fahrrad). Alleine hierbei kocht schon die Häfte der Autofahrer hoch.

    Naja, und das Rot an Ampeln ist auch nur eine Farbe. Da ich mich nicht darauf verlassen kann, bei grün nicht durch einen schulterblicklosen Autofahrer abgeschossen zu werden, sinkt das Vertrauen bzw. Bedeutung der Ampelregelung im Allgemeinen... so auch das sinnlose Herumstehen an absolut gut einsehbaren Kreuzungen ohne Verkehrsteilnehmer weit und breit... In dem Maß wie verantwortlicher Umgang mit dem eigenen leiblichen Wohl (bei Grün) verlangt wird (notwendig ist), ist es doch gut nachvollziehbar, dass einige sich dann anmaßen, das bei Rot genau so zu verantworten.

    Die Aggression ist für mich auch immer ein Rätsel. Offensichtlich gelten hier vermeintliche Hoheitsrechte, die in kapitalistischer Manier »präventiv verteidigt« werden müssen....

  4. @Ronin @derda

    Ich denke auch, dass der Verkehr ein Raum ist, wo viele ihre Wut, ihren Frust und ihre Verbitterung ausleben/kanalisieren. Manche lauern ja nur darauf, endlich los schreien zu dürfen.

  5. An Gründen zum schreien mangelt es ja nun wirklich nicht.
    Fahradfahrer sind das Allerletzte, vorallem auf engen innerstädtischen Einbahntraßen wo sie entgegen der Fahrtrichtung fahren dürfen.
    Ich hab das Gefühl die freuen sich wenn sie unter meinen GTI geraten, um dann noch lange herum zu jammern und Schmerzensgeld verlangen zu können.
    So eine art Märtyrertum im Opfermodus für alle Ungerechtigkeiten diese Welt.

  6. Der Straßenverkehr bzw. die Infrastruktur ist am besten auf Autos, am zweitbesten auf Fußgänger und am drittbesten auf Fahrräder zugeschnitten.
    Daraus ergibt sich sozusagen by design, dass Radler am meisten gehasst werden und gleichzeitig selbst hassen.
    Hinzu kommt Unwissenheit über Verkehrsregeln bzw. deren Berücksichtigung.
    Alleine das Thema Radwege:
    — zu schmal
    — zu unscheinbar
    — schlechtes Pflaster
    — nur optisch getrennt von Fußgängerwegen oder Straßen
    — ...
    Bei mir inner Nachbarstraße (30km/h zul. Höchstgeschwindigkeit) treffen alle o.g. Punkte zu. Wenn ich da bergab mit moderaten 30km/h fahren will, wäre ich ja lebensmüde und gefährlich für Fußgänger, wenn ich nicht auf die Straße ausweichen würde.

  7. Ich, der ich jahrelang in und jetzt auch noch in der Nähe der Universitäts‐ und Radfahrer‐Stadt Oldenburg lebe, kann das nur bestätigen!

  8. Stimme mordred zu, zum Teil bleibt Radlern gar nichts anderes übrig, als sich assig zu verhalten, weil es ihnen gegnüber ein aggressives Verhalten gibt, daß es lebensgefährlich werden ließe, wenn sie sich selber brav an die Regeln halten würden.
    Assis gibts natürlich auch, aber was soll das mit den Ökoterroristen?

    Ich bin selber schon öfter von solchen Typen des Radlers angemacht worden, nur waren das fast immer so Leute, die in pseudoprofessionellen Radlerklamotten unterwegs waren, auf Rädern, die eher den eigenen Status zeigen sollen als irgendeine ökologische Intention. Feierabendspießer, wie bei den Bikern auch.

  9. Im Jahr 2016 sind sechs Rad Fahrende beim regelkonformen Fahren auf dem Radweg umgekommen und nur einer bei einem Rotlichtverstoß. Das Radfahren auf der Fahrbahn ist objektiv gesehen sicherer als auf dem Fahrradweg.
    http://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/aktionen/62-geisterraeder/328-getoetete-radfahrende-2016.html

    Das präventive Anklingeln der Fußgänger, die in die Nähe eines Radwegs kommen geschieht nur zu deren eigenen Sicherheit, weil es leider oft vorkommt, dass manche, ohne vorher nachzuschauen, darüber laufen.

    Bei häufigerer Nutzung des Fahrrads wird der alltägliche Kampf eines Bikers vermutlich deutlicher. Eine gute Gelegenheit dafür ist die Teilnahme an der Critical Mass: https://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Mass_(Aktionsform)
    Die Critical Mass Berlin startet an jedem letzten Freitag im Monat (bei jedem Wetter) um 20 Uhr am Mariannenplatz (Kreuzberg).

  10. Ooooh, 90 Minuten — und dieser kurze Einblick reicht dann schon für ein gefühlsbetontes, »postfaktisches« Radfahrerbashing. Die klassischen »Ökoterroristen« sind unter den Radfahrern meine ich auch nicht sonderlich stark vertreten; eher jene Unter‐ und Mittelschichtler, die sich kein Auto (mehr) leisten können (oder wollen).

    @epikur: Man merkt, dass du selbst eher selten mit dem Drahtesel unterwegs bist. :P ;) Wenn du lange genug fährst, wächst dann durch Erfahrungen auch das Verständnis dafür, warum grade in Metropolen der erste Eindruck einer gewissen »Anarchie« doch etwas trügerisch ist. Ist doch auch ne Form von »Widerstand« :d Das festgestellte Aggressionslevel weicht aber insgesamt doch auch nicht vom gesamtgesellschaftlichen ab; da kommt eben das wahre Gesicht des Menschen zum Vorschein. Besonders dann, wenn er ein paar Tonnen Metall mit sich durch die Gegend schleift.

    Das meiste wurde von den Vorpostern ja schon angesprochen; grade über das Thema »Radwege« könnte man dicke Bücher füllen. Wenn eben zum 1784. Mal so ein Smartphone‐Zombie auf deiner Spur rumtorkelt, du dir wegen Glasscherben mal wieder den Reifen kaputtgefahren hast, du anstatt auf der Vorfahrtstraße zügig voranzukommen alle 100 Meter an einer Ampel um Grün betteln sollst, dir Umwege aufgenötigt werden, die Verkehrsführung oft gemein‐ bis lebensgefährlich ist (unübersichtliche Kreuzungen), dein toller Radweg zugeparkt ist, angeleinte Hunde deinen Weg versperren oder der nette Pitbull von nebenan mal ohne Leine unterwegs ist, der Belag metertiefe Schlaglöcher aufweist — oder eins der unzähligen rechtswidrig aufgestellten Schilder, welches dich als Radfahrer mit Fußgängern gemeinsam auf schmale Wege zwingt (und somit Konflikte schürt) — nur, damit die Blechdosenpiloten ihr Menschenrecht auf »freie Fahrt für freie Bürger« möglichst ungehindert und frei von Rücksicht ausleben dürfen...

    Der Radfahrer ist an sich die ärmste Sau im Straßenverkehr; die Autofahrer meinen, die Straßen gehörten ihnen allein — und die Fußgänger meinen, ihnen gehörten die Geh‐ samt so genannter »Radwege«. Zumal bist du grade im Zweikampf mit den Straßenpanzer‐FahrerInnen sowieso gleich tot oder schwerverletzt, wenn dich da eine® mal eben »übersieht«.

    Als in einem Mittelgebirge lebendes Landei kenn ich diese Probleme eigentlich auch gar nicht; Radfahrer kannste hier (grade jetzt im Winter) an einer Hand abzählen. »Radwege« werden von mir auch fast zu 90 Prozent ignoriert; mögen die Hobby‐Schumis noch so sehr, teils an Nötigung grenzend, mich zu »belehren« versuchen — auf der Straße bin ich am sichersten! Ahnung von Verkehrsregeln haben die ja auch nicht; da reicht schon das »Gefühl«, der Radfahrer dürfe doch diese Straße gar nicht benutzen; wie oft wurde ich da schon von irgendwelchen Vollhonks dumm aus dem Autofenster angeranzt — oder gleich geschnitten. »Auf Bundesstraßen darf man mit dem Rad nicht fahren« — äh, doch; darf man! Leider wird das oft durch illegale Beschilderung mit dem großzügig verteilten »blauen Lolly« eben auch noch gefördert; ich hab z. B. drei Monate gebraucht, bis ich es erreicht hatte, dass die zuständige Straßenverkehrsbehörde die benutzungspflichtige Beschilderung eines mal eben schnell umfunktionierten, verdreckten, unasphaltierten Forstweges der geltenden Rechtslage entsprechend zurückgenommen hatte. Und dreimal darfst du raten, wie diese Behörde den nächsten, neuen »Radweg« ausschildern wird...!?

    Für das Überfahren von roten Ampeln hab ich aber auch kein Verständnis, ebensowenig für das Fahren ohne Licht. Das sollte schon im Eigeninteresse desjenigen sein; ansonsten möge es Darwin richten. ;)

    Als ich damals im Rahmen unserer Studien‐Abschlussfahrt eine Tour durch Berlin gemacht habe, hatte ich mich auch schon ein wenig drauf »gefreut«, diese von dir geschilderten Geschichten selbst zu erleben — es war aber auf knapp >100 km von Mitte über die Havelchaussee am Wannsee vorbei nach Potsdam und über den Süden Berlins zurück dann doch extrem unspektakulär.

    Ich bin im letzten Jahr übrigens 29.190 Kilometer Rennrad und MTB gefahren. ;)

  11. @Publicviewer

    Stimmt auch wieder. Meinte natürlich Motorradfahrer, und natürlich nicht alle, nur eine bestimmte Sorte.

  12. Selbst erlebt.

    Einzelner Fussgänger auf breiter Skaterpiste mit Flüsterasphalt vorwurfsvoll: »Der Radweg ist da vorne!«

    Radfahrer auf Skaterpiste: »Danke! Ich gebs weiter.«

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