Warten auf Erlösung

erloesung_titelDie Geschichtsvergessenheit und -Verklärung vieler politisch interessierter Menschen ist nicht tot zu kriegen. Insbesondere wenn es darum geht, Politiker und Parteien zu Hoffnungsträgern zu stilisieren. Was wurde da in der Vergangenheit nicht alles gejauchzt, gelobt und gejubelt (auch in linken Publikationen und in Kleinbloggersdorf!). Die Illusion, dass im parlamentarischen Betrieb ein Abgeordneter, eine Regierung und/oder eine Partei, dafür sorgen könnte, dass sich die Lebensverhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung verbessern könnten, hält sich hartnäckig. Und das obwohl wir, die Wähler, Zuschauer und Interessierten, immer und immer und immer und immer wieder enttäuscht bzw. eines Besseren belehrt wurden. Einige Beispiele.

  • Bernie Sanders (Ein echter Linker! Für die »einfachen Leute«! Unterstützt nun Wallstreet‐Waffenindustrie‐Hillary‐Clinton.)
  • Joschka Fischer (Ein pazifistischer, grüner, joggender Außenminister! Drei Kriegsbeteiligungen: Kosovo, Afghanistan, Irak: Geheimdienst‐Aufklärung, Rammstein‐Basis, logistische Unterstützung der »coalition of the willing«.)
  • Die Piratenpartei (Den Betrieb aufmischen! Heute angepasst –Christopher Lauer‐ und/oder belanglos.)
  • Die SPD (Sie brauche nur neues Personal, dann wäre alles wieder gut. Nur, woher nehmen?)
  • Barack Obama (»Yes, we can!« Ein schwarzer US‐Präsident! Alles wird sich zum Besseren verändern! Bisher hat der Friedensnobelpreisträger mehr als 4.000 Menschen durch Drohnen ermorden lassen.)
  • Angela Merkel (Eine Frau als Bundeskanzlerin! Und: die perfekte Status‐Quo‐Marionette für das Großkapital.)
  • Die Linkspartei (Wenn sie doch nur mit 50 Prozent an der Macht wäre. In Koalition: Sozialabbau in Berlin lässt grüßen!)
  • Gerhard Schröder (SPD‐Kanzler aus armen Verhältnissen! Mit der ersten rot‐grünen Bundesregierung! Kriegsbeteiligungen, Arbeiter‐Verräter, Genosse der Bosse, Agenda 2010 etc. etc.)
  • Alexis Tsipras (Syriza: eine »linke« Regierung knechtet im Auftrag der Troika die eigene Bevölkerung.)
  • Die Grünen (Pazifismus. Anti‐Atomkraft. Für die Umwelt. Heute: schlimmer als die FDP. Kriegstreiber. Transatlantiker.)
  • Francois Hollande (Ein echter Sozialist! Mit Kriegsbeteiligung in Syrien, Arbeitsrechte‐Abbau und Ausnahmezustand!)
  • Die AfD (wird noch eine Enttäuschung für die Rechten werden, da die völkische AfD irgendwann mit der CDU koalieren wird. Wetten? Auch diese braune »Alternative« ist eben keine, sondern im Kern neoliberaler Konsens mit Faschismus‐Einschlag!)

Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen. Dennoch gibt es immer wieder himmelhochjauchzende Jubelartikel über neue und aktuelle Hoffnungsträger auch und gerade in linken Publikationen (aktuell: Jeremy Corbyn, Sahra Wagenknecht, Podemos in Spanien). Sind wir lernresistent? Woher kommt dieser naive Optimismus? Wie oft wollen wir Linke eigentlich noch verarscht werden?

»...mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Barack Obama. Dieser befand sich als Oberbefehlshaber länger -nämlich permanent‐ im Kriegszustand als jeder seiner Amtsvorgänger, und das in sieben Staaten gleichzeitig: Afghanistan, Irak, Syrien, Pakistan, Libyen, Jemen und Somalia.«

Claus Leggewie. »Yes, we couldn’t«. Blätter für deutsche und internationale Politik. Ausgabe November 2016. S. 54

Während der eine Teil schon resigniert hat, fatalistisch und ohnmächtig geworden ist, hört der andere Teil der Bevölkerung nicht auf zu hoffen, dass irgendwann, irgendwer, irgendwie alles besser machen könnte. Und der Rest rennt den braunen Rattenfängern und Salon‐Faschisten hinterher. Es ist ein Trauerspiel.

51 Gedanken zu “Warten auf Erlösung

  1. Immerhin wird in den USA mit Trump an einem spannenden Gegenmodell gearbeitet. Der Wähler beschleunigt den zu erwartenden Zusammenbruch des Systems und rückt so einen echten Neuanfang in erlebbare Nähe. Mal sehen, wer das bei uns schaffen könnte... hm — Thomas de Maizière als Kanzler dürfte kaum zu unterbieten sein. Wir sollten schnellstens mit lobenden Beiträgen in den Blogs loslegen!

  2. Und wenn die geradezu programmierte Enttäuschung eintritt,
    finden die Enttäuschten wieder eine Erklärung, eine Ausrede warum
    es denn wieder nicht geklappt hat mit all den Verheißungen.

    Und diese Erklärungen haben dann wieder nichts mit dem System
    zu tun.

    Und sie warten wieder auf den nächsten Heilsbringer.

    Den Anhängern der Blauen sage ich das auch immer wieder gerne,
    wenn sie mal ran dürfen die Blauen, dann erlebt ihr die entsprechende Enttäuschung.Nichts, gar nichts werden sie für Euch tun.(Dankenswerterweise).Auch die Blauen sind nur für sich selbst da.
    Ihrer Wähler schlicht Verfügungsmasse für die Funktionäre, wie bei allen anderen Wahlvereinen auch.

    Wenn es doch nur mal Allgemeingut werden würde, daß Frau Merkel
    der Exekutor des Großkapitals ist.Und nicht die an allem Schuldige, wie es allzu viele immer noch meinen.

    Ich kenne übrigens Leute, die bedauern hier in Hessen zu wohnen,
    und nicht in Bayern.Da könnten sie die CSU wählen, und nicht weiter die Merkel.

    lg

  3. Gääääähn...! :P

    Wo sind in deiner Liste Leute wie Allende, Morales, Bolivar, Chavez etc.!? Und wo der Hinweis auf die regelmäßige hysterische Aufregung von Seiten der Mächtigen und ihrer Schreibhuren, als viele dieser »Hoffnungsträger« noch genau Solche waren? Was sollen solche selektiven Listen? Leuten die (deiner Meinung nach »falsche«) Hoffnung rauben? Yeah — Hoffnungslosigkeit: das brauchen wir! Davon ab, dass du da bei den meisten Beispielen die Realität in Sachen »falscher Hoffnungen« schon arg weit verbiegen musstest, um da deine »Botschaft« einmal mehr unterzubringen... Was da ein ein J. Fischer, Obama, Schröder, Merkel, Grüne und AfD drin verloren haben, erschließt sich wohl nur dir persönlich... Schon interessant, worauf du offenbar Hoffnungen verschwendest! :)

    Im Übrigen verspüre ich eine Erhöhung der »Frequenz«, in der solche »Lichtgestalten« auftauchen. Bewahre, dass davon irgendwann mal jemand nicht umfallen würde...! Aber für ein »Ich habs ja gesagt« würde es sicher immer noch langen! :P

    Was »Geschichtsvergessenheit« grade vieler Linker, die auf die alles umwälzende »Erlösung« warten (ohwei, seh ich da religiöse Tendenzen), hatte ich dir ja schon unter deinem damaligen Blogbeitrag entsprechend Contra gegeben. Das ignorierst du natürlich wieder vollkommen — und spielst mal wieder das fatalistische Lied der Alternativlosigkeit, dieses Mal nur mit linkem Dialekt...!

    Die Illusion, dass im parlamentarischen Betrieb ein Abgeordneter, eine Regierung und/oder eine Partei, dafür sorgen könnte, dass sich die Lebensverhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung verbessern könnten, hält sich hartnäckig.

    Die Illusion, dass außerhalb des parlamentarischen Betriebs ein Blogger, eine NGO, ein linker Philosoph, Frodo Beutlin oder sonst eine deus ex machina, dafür sorgen könnte, dass sich die Lebensverhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung verbessern könnten, hält sich hartnäckig.

    Auch weil viele Linke nicht raffen wollen, dass das Parlament nur ein Spiegel der Gesellschaft ist; die »große Mehrheit«, quasi die gesamte Gesellschaft nicht minder verkommen ist als das, was da regelm. in die Parlamente gewählt wird. Das sieht man doch grade am Erfolg der AfD — und sowas wie Pegida kam doch auch aus »der Mitte« der Gesellschaft; entstand außerhalb des »Parlamentarischen Betriebs« — Tolle Sache!

    irgendwann, irgendwer, irgendwie

    Dann sag doch mal konkret, wie du diese große Masse an Idioten umstimmen willst? Wie deine »Erlösung« konkret aussehen soll? Du bist doch wie ich auch um die 30 — warum glaubst du, (ausgehend von dem gegenwärtigen Zustand) in deiner Lebensspanne so etwas erleben zu können? Warum kuckst du lieber fatalistisch taten‐ und wehrlos zu, wie man dich weiter Stück für Stück entrechtet und entwertet?

    Und: warum das ausgerechnet überhaupt niemalsnie über das Parlament geschehen dürfen soll? Weil Parlament = Politik = pöhse?!

    Politik »macht« jeder von uns hier, der sich an Diskussionen über gesellschaftliche Fragen beteiligt. Und da sind wir: In einer kleinen Minderheit — da die große Mehrheit sich einen Scheiß interessiert; lieber nach oben buckeln und unten tritt; frühzeitig das »warum abtrainiert«. Aus abgeschlossenen Filterblasen wird sich aber garantiert niemals so etwas wie eine »Revolution« oder auch nur ein geringes Maß an Umdenken entwickeln!

  4. @Hagnum

    »Und wenn die geradezu programmierte Enttäuschung eintritt,
    finden die Enttäuschten wieder eine Erklärung, eine Ausrede warum
    es denn wieder nicht geklappt hat mit all den Verheißungen.«

    Jup! In den aktuellen Blättern für deutsche und internationale Politik (November 2016) gibt es gleich zwei Artikel die Rechtfertigungen und Ausreden dafür präsentieren, warum denn Barack Obama doch nicht die ersehnte Veränderung gebracht hat. Aber auch hier werden weder der militärisch‐industrielle Komplex, die Dienste oder Großkonzern‐Wirtschaftsinteressen genannt. Der politische Gegner war schuld, weil er blockiert hat. Obama hat also sein Bestes gegeben. :NENE:

    EDIT:

    @Dennis82

    »Wo sind in deiner Liste Leute wie Allende, Morales, Bolivar, Chavez etc.!?«

    Ich zitiere mich mal selbst: »Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen.« ;)

  5. Der Wähler beschleunigt den zu erwartenden Zusammenbruch des Systems und rückt so einen echten Neuanfang in erlebbare Nähe.

    Das hab ich ja auch schon das ein oder andere Mal gefordert; wer »den Zusammenbruch des Systems®™« wirklich will, sollte konsequenterweise in die AfD eintreten und den totalen Kapitalismus fordern. Alles andere (also auch linke Opposition im Netz) ist doch am Ende nur im Sinne des gegenwärtigen Systems...! :P

    Manch einem würde ich es ja wünschen, diesen grandiosen Neuanfang®™ noch persönlich zu erleben. Zumindest für ein paar Tage... Wenn nach dem »Zusammenbruch« dann in den rauchenden Ruinen jeder ums nackte Überleben kämpft — ja, GRADE dann werden alle (ein Leben lang »kapitalistisch« indoktrinierte) Menschen auf einen Schlag intelligent, gebildet und humanistisch, setzen sich hin, halten am Lagerfeuer Händchen und knobeln ein neues Gesellschaftssystem aus...! Aber viele Linke haben in ihrer kindischen Naivität offenbar eine helle Freude daran, mit dem Feuer zu spielen...

    @epikur: Na dann hoffen wir mal, dass du dich nicht irgendwann selbst auf diese Liste setzen musst...! :P ;)

    »Alle anderen sind Verräter« — ich persönlich seh da nichts anderes als Projektion. Auch DU verrätst innerhalb »des Systems« viele deiner Ideale, jeden Tag. Und das muss natürlich irgendwie verarbeitet werden; mit dem Finger auf andere Zeigen ist da eine gute Wahl...

    Was falsche Hoffnungen bzgl. Obama betrifft, konntest du schon lange vor seiner Wahl kritische Stimmen vernehmen. Aber auch hier greift wieder die selektive Wahrnehmung. Hier wimmelt es ja eh nur so vor Strohmännern...

  6. Also ich denke es wird keine Erlösung geben!
    Denn gerade auch linke können keine vom sozialen Status her unterschiedslosen Menschen ertragen. Also das was die FDP Typen immer als Gleichmacherei anprangern. Gerade auch linke Intellektuelle gefallen sich in Form eines Professors der Gesellschaft. Ich bin der schlaueste und alle anderen sind die doofen!
    Das kann man gerade auch sehr schön in vielen linken Blogs beobachten, wie die Blogbetreiber im vorauseilendem gehorsam Selbstzensur betreiben und unliebsame Kommentare durch Moderation aussortieren. Ich kann ja verstehen das man Moderieren muss um sich Rechtlich nicht angreifbar zu machen. Aber die derzeitige Praxis geht weit darüber hinaus.
    Weshalb ich persönlich dazu übergegangen bin diese Blog aus meinem Feedreader zu löschen und auch die Lesezeichen zu entfernen, denn sie schreiben nur noch um sich selbst zu gefallen.

    Darüber hinaus stimme ich den Kommentaren von Dennis82 zu!

    Wer wirklich etwas in der Gesellschaft verändern wollte müsste schon etwas gegen die Armut tun! Und damit meine ich nicht Armut Zementierende und oder verstärkende Organisationen zu unterstützen wie die Tafeln. Aber schon bei dem Thema Armut und deren Definition tun sich alle schwer. Wer von der Armut betroffen ist dessen Lebensrealität unterscheidet sich drastisch von denen die nicht davon betroffen sind. Und hier findet eine Ausgrenzung und Entfremdung statt die ihres gleichen sucht.

    Auch die Linken applaudieren dem Schulhofschläger weil er der stärkere ist und sie keine aufs Maul haben wollen, wenn ich das mal so salopp sagen darf!

    Und wenn man sich nun einmal die wirkliche Realität der Armen anschaut so sieht man deutlich das die Politische Linke Europa weit nicht nur versagt hat sondern sich auch gegen ihr eigenes Klientel gewandt hat. Somit wurden aus linken Pseudolinke, denn sie arbeiten an Rechten Positionen und benennen sich selbst und ihre Sache als links. Für mich und viele andere sind das nichts weiter als Verräter. Und genau das wird von den pseudo‐ linken als Nazi‐Sprech diskreditiert und so jede Auseinandersetzung damit unmöglich gemacht. Und hier setzt dann erneut eine Entfremdung ein.

    Schaut euch mal die Sendung die Anstalt von Oktober an und dort genau den Teil „Staatsbürgerkunde“. Und dann sagt mir mal wenn ich nächstes Jahr wählen sollte wer vertritt denn noch die Interessen der Armen?
    Und weil hier schon die Mitmacherei der linken beim Sozialabbau angeführt wurde ich kenne das aus Mecklenburg noch ein bisschen krasser!

    Und nein ich habe keine Angst vor der Zukunft denn ich habe keine, wenn die Politik so weitergeht wie sie von Schröder angefangen wurde! Und wenn ich so betrachte wo die Gesellschaft in der ich vor mich hin vegetieren muss so hin gelangt ist durch das wirken der Besten der Besten und der am bestens Ausgebildeten dann kann einem nur noch schlecht werden vor soviel Inkompetenz und versagen.

  7. Dann hau ich mir hier auch mal einen raus: »Wenn wir die Revolution nicht vorantreiben, kommt der Faschismus als Strafe!«
    Kleiner Tipp: Das Zitat ist nicht von Ulrike Meyfarth.

    Reformusmus ist am Ende Faschismus. — Analog dazu, »wer von Kapitalismus (derzeit im Kleid der parlamentarischen Demokratie) redet, darf vom Faschismus nicht schweigen«. Olle Kamellen. Klar, weiss ich doch. Haben aber ihr Verfallsdatum noch nicht überschritten.

    In der Auflistung oben fehlt noch der GRÜNE (wir erinnern uns: Das ist so etwas wie die CDU mit Insektenschutzprogramm.) Verräter Winfried Kretschmann (früher glühender KBW‐ler). Ein System, dass solche Leute »mit Opportunisten‐Gen« nach oben spült, ist nicht reformierbar.

  8. Im Sommer 1998 saßen wir unter Freunden (mehrere Familien) auf einer Gartenparty. Wie üblich kam man im Laufe des Abends auch zum Thema Politik. Viele verschiedene Meinungen trafen aufeinander, aber friedlich. Eine Lösung für unsere Probleme fanden wir nicht. Eines war jedenfalls klar geworden: Obwohl alle unterschiedliche Parteien wählen wollten (es war kurz vor einer Bundestagswahl), war niemand mit seiner Wahl wirklich zufrieden.

    Dann kam jemand auf eine interessante Idee. Jeder sollte aus dem Wahlprogramm seiner Favoritenpartei herausschreiben, was ihm an deren Programmatik gefällt und wir werden uns dann wieder treffen. Am nächsten Wochenende trafen nahezu alle, mit Kind und Kegel, wieder zusammen. Wir verglichen die Punkte und versuchten daraus ein neues Programm zu schreiben. Mit einigen Änderungen und Ergänzungen gelang dies. Wir hatten ein Programm und hätten uns alle selbst gewählt.
    Es war für alle ein tolles und lebensänderndes Erlebnis. Die Konsequenz war, dass schon ein paar Wochen später niemand von uns an der Wahl teilnahm und es bis heute nicht tut. Das hat verschiedene, tiefere Gründe, die wir während unseres Dialoges feststellten und welche an dieser Stelle zu weit führen würden.

    Wir haben an zwei Wochenenden gelernt, wie Demokratie funktionieren kann und wollen uns diese schöne Erfahrung nicht nehmen lassen und wieder in den alten Trott verfallen. Es gibt im Alltag viele Möglichkeiten, manchmal ganz kleine, scheinbar unsichtbare, seinem Leben einen Sinn zu geben, sich nützlich zu machen.

  9. Sogar die Hofpostille der Partei DIE LINKE zeigte gestern, wohin die Reise mit R2G geht.

    Welche »Reise«? Wurde die etwa schon gebucht?

    Es wird im Bund bis zum Auftauen der Hölle kein Rot‐Rot‐Grün geben, verdammt nochmal! Warum ist es so schwer zu verstehen, dass man grade SPD und Grüne (besonders deren Wähler) kaum besser an ihre ständigen falschen Versprechungen und Lügen erinnern kann, als durch ständiges Anbieten einer »Zusammenarbeit« mit den Schmuddelkindern. Andere wollen darin wieder Anzeichen des kommenden Verrates sehen...

    Warum zum Geier sollten SPD und Grüne auf einmal ganz oder nur teilweise auf die Bedingungen der Linken eingehen? Und warum sollte Letztere davon abweichen...? Weil es da im Osten weiterhin ›ne Handvoll »Realos« und einen seine Kompetenzen betreffend weitgehend machtlosen linken Ministerpräsidenten gibt, verdammen wir die ganze Partei einmal mehr in Bausch und Bogen...!? Grade noch im Bund — am einzigen Stellrad, an dem man überhaupt was Relevantes verändern könnte!

    Im Grunde wäre diese Mehrheit im Bundestag doch schon seit 2013 gegeben, kommt aber nicht zustande — aus den gleichen Gründen, die auch nach 2017 fortbestehen werden! Weil SPD und Grüne eben marktradikal‐neoliberale Drecksvereine sind und es für die Linke keinen Sinn machen würde, da mitzumachen. Abgeordnetenbezüge reichen doch so oder so aus, um zu überleben! Trotz aller Kassandra‐Rufe vieler ganz linker Linker, die einmal mehr den unaufhörlichen und ganz großen »Verrat« wittern...!

    @Carlo: In welchem regelrechten Paradies lebtest du denn da? ;) Wenn ich mit anderen über »Politik« reden wollte, wurden immer nur die Augen verdreht...

  10. @ Dennis82
    Wie gelesen hast, liegt die Sache fast 20 Jahre zurück. Die Gesellschaft hat sich verändert.
    Zum anderen kommt es darauf an, was man unter Politik versteht. In meinem Freundes‐ und Bekanntenkreis versteht man darunter das Leben. Darin unterscheiden wir uns von Parteien, Parlamenten und Regierungen, die sich von den Menschen weit enfernt haben. Für uns ist nicht wichtig, was diese/r oder jene/r von sich gibt. Das ist ihre/seine persönliche Meinung. Niemand kann für uns sprechen, außer wir selbst.
    Opensource, Linux, gesunde Ernährung, Natur, Literatur, Cradle to Cradle aber auch Geld, Krankheit, Erwerbslosigkeit, Rente, Liebe, Geburt und Tod und noch vieles mehr, sind unsere Themen. Paradiesisch? Du kannst es Politik nennen, wenn Du magst. »Links«, »rechts« (beides könnte ich nicht einmal definieren), philosophische und ökonomische Ismen (bis auf wenige), selbst die sogenannte Tagespolitik (weitestgehend) sind aus unseren »Themenkatalog« verschwunden. Vermutlich wirst Du sie auch in meinen Kommentaren nicht entdecken.

  11. Sind wir lernresistent? Woher kommt dieser naive Optimismus? Wie oft wollen wir Linke eigentlich noch verarscht werden?

    Weil niemand daran glauben will, dass das Unvermeidliche Tatsache ist — bis zum letzten Tag.
    Das Unvermeidliche wäre »Es gibt keine Hoffnung. Es gibt keine Lösung. Es wird niemals besser werden.«

    »Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht “das wird schon”, aber das wird es nicht.« — RX

  12. Tja, Epikur, einen geradezu genretypischen Vertreter der lernresistenten Erlösungshoffenden hast Du mit dem strammen, treuen Parteisoldaten Dennis82 ja vor Dir. ;)

    Es ist Dir im Übrigen hoch anzurechnen, dass Du gerade jetzt einen solchen Text herausgehauen hast — Respekt! Leider wird aber auch der nichts an der Lernresistenz ändern, die übrigens nicht nur Linke oder solche, die sich dafür halten, betrifft, sondern den Großteil der narkotisierten und bewusst im täglichen Existenzkampf gehaltenen Bevölkerung. Da sind »Lichtgestalten« wie Wagenknecht, Corbyn et al. sehr beliebt, um den eventuell aufkeimenden Unmut brav zu kanalisieren, damit sich gewiss nichts ändert.

    Die Alternativen zum korrupten Sumpf des »freiheitlich‐demokratischen« Parteiensystems sind allerdings nicht zwangsweise in der Resignation zu finden, wie Systemgläubige wie Dennis semi‐religiös immer wieder behaupten. Ein (möglichst langer) Blick in die Geschichtsbücher hilft da schon erheblich weiter.

    Liebe Grüße!

  13. @Charlie

    Mich anschließ, denn »Erlöser« haben nie was gebracht, und wohin der Glaube an »Erlöser« führen kann, das kann man ja jetzt eindrucksvoll im Nahen Osten besichtigen — von wegen Mohammed, IS und so.

    Sag aber jetzt keiner die christlichen »Erlöser« wären besser gewesen.

    Eine interessante These las ich mal bei »Das Manifest des evolutionären Humanismus« von Michael Schmidt‐Salomon — Dieser Philosoph schreibt etwas von »In‐Group« und »Out‐Group«, d.h. die »Erlöser« sind für ihre eigene Gruppe durchaus »Erlöser«, aber jeder der nicht dazugehört wird, eben der »Out‐Group« wird gnadenlos völlig anders behandelt als die jeweiligen »Erlöser« (auch die politischen, nicht nur die religiösen) für die eigene Gruppe wollen. So erklärt sich z.B. eindrucksvoll warum Jesus zu seinen Anhängern und Bewunderern (=»In‐Group«) von Nächstenliebe und Güte predigte seine Feinden, »Heiden« und Kritikern (=»Out‐Group«) ewige Feindschaft und Höllenqualen wünschte, ja diese sogar, im Gegensatz zu seiner In‐Group, völlig anders behandelte als die 10 Gebote der Bibel vorschreiben.

    Glaubt ihr nicht?

    Lest die Bibel, und macht euch eigene Gedanken dazu — so erklärt sich die Kriminalgeschichte, nicht allein der christlichen Religion, von allein, und wie bereits erwähnt, ich schweife nicht ab, auch weltliche Religionen (eben die unserer (neoliberalen) Politiker als auch Wirtschafts»weise« bzw. -»bosse«) handeln genauso — alles was dazugehört, und bewundert, ist gut und recht, die Feinde aber und Kritiker sollen verrecken, dürften betrogen, ausgenutzt, ermordet (ja, auch dies), verleumdet und bestohlen werden.....kurz: da ist jedes Verbrechen erlaubt....Marx hatte schon recht....

    Es gilt immer noch das alte biblische Wort »Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen«....

    Übrigens, im Spanischen Bürgerkrieg wurde einmal eine Welt ohne »Erlöser« ausprobiert, aber leider wurde die von allen damaligen »Erlösern« gnadenlos, und mörderisch‐brutal‐militärisch‐verbrecherisch, niedergeschlagen.

    Ich schreibe von der Anarchie, die heute in Geschichtsbüchern immer wieder, völlig einseitig, als Chaos und Terrorismus bezeichnet wird, aber, bei den Russen Kropotkin sowie Bakunin steht schon, dass Anarchie etwas völlig anderes ist als die Gegner diese Gesellschaftsalternative diffamieren wollen:

    Eben eine Gesellschaft ohne Herrscher, staatliche Gewalt, oder »Erlöser«....

    ...kein Wunder übrigens, dass diese Gesellschaftsform auch heute noch so verhaßt ist, dass die erstens von allen Parteien, nicht nur militärisch, bekämpft wird — Kobane z.B. im kurdischen Syrien — oder Geschichtsfälschung betrieben wird — so am Beispiel zum Spanischen Bürgerkrieg, wo dieses Kapitel heute beispielsweise einfach medial totgeschwiegen wird...zum 70jährigen Jubiläum...

    ja, leider auch in Spanisch Katalonien, heute,....und bei uns in Deutschland....

    Gruß
    Bernie

  14. genretypischen / lernresistenten / Erlösungshoffenden / Lernresistenz / nur Linke oder solche, die sich dafür halten / Systemgläubige / semi‐religiös

    Das war es dann mal wieder mit dem Niveau...!

    @Charlie: Ich bin kein »Parteisoldat« (weder Mitglied noch in irgendeiner Form für jene Partei aktiv) — und auch nicht »Systemgläubig«; ich kann aber damit leben, wenn ein radikaler Spinner wie deine Wenigkeit das in seiner ach so revolutionären Wahnwelt halt so sieht. Schon eine lustige »Retourkutsche«: da warten Leute quasi‐religiös auf »Erlösung« (und gehen dabei jedes(!) mal der Frage aus dem Weg, woher diese denn konkret kommen soll) — und machen dann einfach jemanden, der in diversen Blogs seine kritische Meinung zum »System« (oder was manch einer dafür hält) in den letzten Jahren detailliert geäußert hat, mal eben wieder zum »Systemgläubigen«... Meine Güte — so ein einfaches Weltbild wie du möchte ich niemals haben...! Dein »Antikapitalismus« und deine Hoffnung auf »Erlösung« zeigt dagegen wahrlich religiös‐wahnhafte Züge.

    Wie kann man als vermeintlich »linker« Mensch derart stereotyp nur in schwarz‐weiß denken und andere in »Freund« und »Feind« einteilen...!? Du zeigst doch mit deinen ausschließlich ad‐hominem‐ oder ad‐personam‐Angriffen auf Andere (dein »Blog« besteht ja fast nur daraus), dass es mit »linker« »Menschenliebe«, Solidarität, Akzeptanz, Toleranz — und dem ganzen anderen altmodischen Schmonzes ja auch bei den »ultimativen, einzig wahren Megalinken« wie dir nicht so weit her sein kann...!? Ich stell mir (aggressive) Typen wie dich in irgendeiner verantwortungsvollen, mächtigen Position vor — und mir läuft es eiskalt den Rücken runter; die Inquisition lässt grüßen! Wie immer bei dir an der Sache vorbei; jedes Gegenargument ignorierend. Hauptsache, andere Diskutanten beleidigen, mehr hast du kaum drauf!

    Typisch für dich, anderen, die auch nur ansatzweise eine andere (»grauere«) als deine einzig wahre (»weiße«) Meinung zu vertreten, gleich »Lernresistenz« zu unterstellen und sie persönlich anzugehen. Es spricht natürlich für dich und deine Offenheit, auf keines meiner Argumente einzugehen. Lieber weiter an der Gebetsmühle drehen und auf alles einknüppeln, was sich da in deine Nähe traut.

    Wie immer nach dem alten Motto: »Die einzigen, die wir von der VVJ noch mehr hassen als die verdammten Römer sind die Schweine von der Judäischen Volksfront!«

    Aber bleiben wir doch mal beim Thema: Von wem kriegst du denn eigentlich deinen »Sold«? Vom Verfassungsschutz...!? Von den Eltern reicher Plagen, denen du »Musikunterricht« gibst...? Für wen oder was »marschierst« du denn eigentlich? Ich hab da nämlich auch schon eine Weile lang meine Zweifel...! :P

    Wie ich bereits oben schrieb — DU sorgst doch am Ende mit deiner »Kritik« doch auch für »Systemstabilisierung«; du solltest dich am Besten ganz vorne in den derzeit auf die Wand zurasenden Wagen setzen und das Gaspedal voll durchtreten. Kann es denn ein besseres Ende für Menschen deines Schlages geben, als den Märtyrertod...!?

  15. @ Dennis:

    Mein lieber Parteisoldat, selbstverständlich erhalte ich mein monatliches Gehalt von der Konrad‐Adenauer‐Stiftung, das hast Du — wie so vieles andere — sehr hellsichtig erkannt. Deinem wachen, aufgeklärten, links‐toleranten Geist kann man wirklich nichts vormachen. :d

    Glucksende Grüße!

  16. Hoffnung, Glaube, Illusion, sich etwas vormachen, sich etwas vormachen lassen, das ist ein Teil des menschlichen Lebens und menschlicher Verhaltensweisen.

    Bei Einigen wenig ausgeprägt, das sind die Macher, die Gewinner, die Sieger, die Besitzenden, die Führer, die „Sucht‐euch‐was‐aus‐Gestalten“.

    Den Anderen und das sind die allermeisten Menschen, bleibt nichts anderes übrig, als zu den Verlierern zu gehören, zu den Glaubenden, den Gläubigen, den Armen, den Geführten, den Angeführten, den Verführten, den Opfern, den Gefangenen.
    Weil sie nicht in der Lage sind, selbst „zu Machen“.

    Aus den Reihen der „Einigen“ kommen u.a., die Priester, Mullahs, Mönche, Voodoo‐Priester, Medizinmänner, Psychologen, Berater, Wirtschaftsgrößen, Werbefuzzis, Dorfvorsteher, Clanchefs, Stammesfürsten, Bosse, Chefs, Vorstände, Anwälte, Richter, leitende Beamte, Banker, Lobbyisten, Verbandspräsidenten, Politiker, Abgeordnete und all denen ist die Eigenschaft gemeinsam, den Glauben, das damit automatisch verbundene Nichtwissen, die Hoffnung, der großen Masse, der „nicht zur Führung fähigen“ für ihre Zwecke zu nutzen, zu benutzen, ausnutzen zu können.

    Religionen, Spirituelle Aktivitäten, Ernährungsratgeber, Lebensratgeber, Selbstoptimierungsgeschwurbel, als Bücher, CD’s, auf YT, Politik, Parteiprogramme, politische Reden – manche zündend – manche einschläfernd, politische Versprechungen und politische Forderungen, fast jede Medienveröffentlichung sind die Werkzeuge der „Macher“, mit denen die „Nicht‐Macher“ geführt, verführt, angeführt werden.

    Und vor allem: Ruhig gehalten werden.

    Dazu gehört ein weiteres wichtiges Instrument: von Zeit zu Zeit, die öffentliche Präsentation von „Heilsbringern in Menschengestalt“.

    Obama war so einer, Tsipras und Varoufakis für die Griechen, Podemos für die fast 50% arbeitslosen jungen Spanier, Frau Wagenknecht als deutsche „linke Jeanne d’Arc“ (was sie sicherlich nicht sein will, aber auch sie muss gewisse Regeln des „Systems“ befolgen, will sie gehört werden).

    All diese »Einsichten« resultieren aus mehr als 30 verbrachten Jahren in Lateinamerika, Afrika und Asien.

    Zur Systemveränderung::
    Soziale Ideen und Vorstellungen, die Durchsetzung grundlegender Menschenrechte auf nationaler und internationaler Ebene sind bei der herrschenden Klasse der Besitzenden nicht durchzusetzen.

    Dieser Kreis will heute, seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes erst recht nicht mehr, einfach nichts ändern, nicht teilen, nicht abgeben. Nicht auf freiwilliger Basis oder aus der Einsicht zur Notwendigkeit, denn die besteht nicht.

    Niemand kann die Macht des Geldes, der Besitzenden brechen, beschneiden, minimieren, stutzen, zumindest nicht mit demokratisch legitimierten Mitteln, auf einer tatsächlich rechtsstaatlichen Basis, ohne grundlegende Menschenrechte für die Gruppe der Besitzenden ganz oder zeitlich begrenzt, außer Kraft zu setzen.

    Ohne die Bereitschaft, die berechtigten und notwendigen Veränderungen durch unmittelbare Gewalt und Zwang herbeizuführen.

    Deutschland war schon immer ein schlechter Acker, für Leute wie Castro, Che, Onkel Ho.

    Manche Blogger und Kommentatoren lassen das immer wieder anklingen, sprechen aber nicht deutlich und klar aus, was ihnen vorschwebt. Die Gründe kann ich durchaus nachvollziehen und auch ich werde mich hüten, den einschlägigen Gesetzen und deren Vollstrecker in die Hände spielen zu wollen. Dazu bin ich zu alt und zu krank.

    Die meisten linken Blogger, wie Epikur und meine Unwichtigkeit, haben sicherlich mehrere Gemeinsamkeiten, eine Gemeinsamkeit ist uns aber gewiss (glaube ich):

    Die Erkenntnis unserer absoluten Ohnmacht, den notwendigen sozialen Ausgleich und die politischen Veränderungen für die Menschen herbeiführen zu können.

    Uns bleibt das Schreiben, die Hoffnung, andere Menschen zum Nachdenken, zum Überdenken der bisherigen Einstellungen bewegen zu können.

    Manche tun das extremer, in Wortwahl und Themenbearbeitung. Manche Kommentatoren ebenfalls. Andere wählen gemäßigtere Darstellungsformen.

    Weil auch letztendlich wir (ich ganz sicher) keine „Macher“ sind, uns aber auch nicht völlig führen lassen wollen. Erkannt haben, das viele Dinge nicht stimmen, dafür werben, das möglichst viele Menschen ebenfalls diese Erkenntnis erlangen mögen.
    Den allumfassenden Betrug der Besitzenden endlich verstehen und sich davon befreien.

    Aber wie?

  17. @Dennis82 @Charlie

    Ich finde, die Revoluzer‐Linken und die Reformer‐Linken trennt gar nicht so viel, wie man vielleicht denkt. Beide Gruppen hoffen letztendlich auf »Erlösung«. Die Eine hofft auf eine parlamentarische/politische Veränderung und die andere Gruppe auf eine nicht‐parlamentarische, aus der Bevölkerung hervorgehende Bewegung, die alles zum Umsturz bringt (oder auf den totalen selbstverschuldeteten kapitalistischen Zusammenbruch). Vermutlich sind beide Hoffnungen zum Scheitern verurteilt, was aber nicht bedeuten soll, den Kopf in den Sand zu stecken.

    @Alles nur Satire

    Sehr schön zusammengefasst!

  18. Pingback: Sonntag | die Schrottpresse

  19. @ Alles nur Satire
    Ich bin soweit ganz Deiner Meinung. Nur diesen Passus sehe ich anders:
    »Niemand kann die Macht des Geldes, der Besitzenden brechen, beschneiden, minimieren, stutzen, zumindest nicht mit demokratisch legitimierten Mitteln, auf einer tatsächlich rechtsstaatlichen Basis, ohne grundlegende Menschenrechte für die Gruppe der Besitzenden ganz oder zeitlich begrenzt, außer Kraft zu setzen.«

    Nicht die Macht des Geldes, sondern die Macht der Gesetzgebung ist das Problem. Das moderne Geld entsteht durch eine Bilanzverlängerung und auf der Grundlage von Bewertungsregeln. Für Bilanzrecht und Bewertungsregeln sind Gesetzgeber (Parlamente) verantwortlich.
    Alle im Parlament vertretenen Parteien stöhnen wegen der »ach sooo großen« Probleme. Sie finden einfach keine »Lösungen« (unfähig oder böswillig) und enden immer wieder damit, dass sie den einen etwas wegnehmen, um es den anderen zu geben. Selbst bei der Rettung von Banken, sind deren »Lösungen« völlig unbrauchbar und schädlich für das Gemeinwohl. Obwohl man das Problem kostenneutral beheben könnte, sogar mit einem positiven Effekt für das Gemeinwesen.
    Es ist doch schon sehr merkwürdig, dass sich niemand im Parlament tatsächlich für die Interessen des Volkes einsetzt, dafür aber alle die Interessen der wohlhabendsten Bürger verteidigen.

    Man hätte also selbst mit einer parlamentarischen Demokratie, die nur wie Demokratie aussieht, aber keine ist, die Möglichkeit Einfluss zu nehmen und das Geld zu regeln. Das würde sogar funktionieren, ohne die Menschenrechte der »Gruppe der Besitzenden« zu beschneiden. Das Problem ist, dass der politische Wille und/oder der Sachverstand nicht vorhanden sind.

  20. Wirklich guter Text. Ich für meinen Teil gebe das Warten auf die Erlösung aber gerne zu. Was aber nichts mit Personalien oder gar Helden zu tun hat. Eine Erlösung von allen welche die Zukunft ja bereits schon kennen, wäre z.B. erfreulich. Das könnte das Problem der selbst‐erfüllenden Prophezeiungen eventuell wieder auf einen Punkt bringen, wo das Warten darauf, vielleicht nicht ganz so selbstsicher die Welt erklärt. Wobei die Erlösung vom Warten auf die Lösung des eindeutig bestimmbarem Problems natürlich auch ein Ding des Wartens ist, weil mir die Erlösung davon auch wie ein Problem erscheint. Auch das Warten auf die Erlösung durch Lösung der Wahl der richtigen Linken, hat etwas verflixt rekursives an sich, wo ich dann doch mal lieber darauf warte, bis sich da wenigstens was löst. Muss ja jetzt nicht unbedingt eine Erlösung davon sein.

  21. Die Eine hofft auf eine parlamentarische/politische Veränderung und die andere Gruppe auf eine nicht‐parlamentarische, aus der Bevölkerung hervorgehende Bewegung, die alles zum Umsturz bringt.

    Das ist so aber nicht richtig — und genau dieser konstruierte(!) Gegensatz ist es auch, der mich regelm. auf die Palme bringt! Ich bin sehr wohl der Ansicht, dass sich inner‐ als eben auch(!) »außerparlamentarisch« etwas ändern muss. Dass das eine dem anderen helfen kann, hab ich in unzähligen Kommentaren grade bzgl. des Zustands unserer (»außerparlamentarischen«) Gesellschaft grade in diesem Blog mehr als deutlich gemacht. Ansonsten könnte ich mir nämlich z. B. auch das Kommentieren in Blogs sparen — oder die frustrierenden Versuche, mit anderen Menschen ein politisches Gespräch zu führen.

    ICH dagegen werfe aber nicht eine(!) von vielen(!) Möglichkeiten ungenutzt in den Mülleimer. Und es ist leider nun Mal auch was die Auswirkungen betrifft eine deutlich gewichtigere als mich in Blogs über den Scheißkapitalismus auszuheulen und Däumchendrehend und mit dem Rotwein in der Hand auf »Erlösung« zu warten. Gesetze, nach denen sich auch Charlie, epikur, Bernie und wie sie alle heißen richten müssen, werden im Parlament beschlossen. Das kann man dann auch alles in den Sack mit der Aufschrift »Kapitalismus« packen und Scheiße finden — ändert aber nichts daran, dass es zumindest nicht verkehrt wäre, auch im Parlament eine Partei sitzen zu haben, die nicht dem neoliberalen Einheitsblock angehört. Was bitte hat man denn zu verlieren? Entweder die Kassandra‐Rufer haben recht, wir werden einmal mehr »verraten« — und es bleibt alles wie es ist. Was aber, wenn die Linke dann doch linke Politik machen und auf Konfrontation gehen würde...!? Syriza hat es immerhin versucht. Und wenn man sich an das hysterische Gegeifer zurückerinnert, hatten da welche schon enorme Angst, da könne evtl. eine linksdrehende Büchse der Pandora geöffnet werden...!

    Und dafür muss man sich dann von Dogmatikern wie einem Charlie regelm. als »eingebildeter Linker«, »Parteisoldat«, »Systemgläubig« (d. h. als Vollidiot) und was weiß sonst noch Alles hinstellen lassen!

    Mal ernsthaft: wie können Menschen wie ihr, die anderen (grade Politikern / Abgeordneten) Menschen schlicht keinerlei Vertrauen entgegenbringen wollen, sondern jenen immer nur »Verrat« vorwerfen dann grade darauf »vertrauen«, dass die große Masse (die dieses »System« ja verkörpert, stützt, verteidigt) irgendwann die Schnauze voll und euch eure »Revolution« liefern wird...!? DIE sind es, die euch jeden Tag »verraten«. Denen ihr vollkommen egal seid. Die euch als Spinner und Sozialromantiker betrachten... Aber neeee, anstatt uns mal tiefgründiger mit der Masse zu befassen sind wir froh, dass wir ein paar Politiker haben, auf die wir dann regelm. einknüppeln können. Da isses dann doch wieder gut, dass es sie gibt, nicht wahr...!?

    Aaaach, was mach ich hier eigentlich wieder...!? Perlen vor die Säue...! :P

  22. Hallo Carlo, schön wieder von Dir zu lesen.
    Deine Einwände sind berechtigt, weil nachvollziehbar. Sie beschreiben das derzeitige System der Macht, welches auf Geld und Besitz in der Hand weniger, skrupellos agierender Menschen basiert.

    Ich schrieb: „... die Macht des Geldes, der Besitzenden...“

    Und meinte damit, das was Du beschrieben hast, den Unwillen der überwiegenden Mehrheit der Abgeordneten des Kapitals, nicht nur in Deutschland. Das ist durchgängig, in fast jedem Land dieser Welt betoniert.

    Weil es durch das Geld und die Möglichkeiten der Besitzenden gekauft und eingerichtet wurde. Jens Spahn (CDU-“Rentenexperte“) und so viele andere Beispiele aus allen Parteien beweisen die Existenz der „marktkonformen Demokratie“.

    Marktkonform“ bedeutet für mich, da sich alles und jeder den Erfordernissen und Bedürfnissen der Besitzenden (des Geldes, des Geldmachens) unterordnen muss. Auch und ganz besonders das deutsche Grundgesetz.

    Demokratie“ bedeutet für mich: Das Volk kann wählen gehen, oder es unterlassen. Es hat die „Wahl“ zwischen dem, was die Besitzenden an „politischen Parteien“ und „Politikern“ gekauft hat bzw. ganz oder teilweise kontrolliert, oder zuläßt (siehe AfD).
    Das diese „Abgeordneten“, besser: „Kapital‐Lobbyisten“ nichts gegen ihre tatsächlichen Finanziers und Mentoren tun wollen und können, zeigt seit 1998 der Bundestag.

    Selbst wenn ein Abgeordneter aus der Reihe tanzen wollte, durch einem Anfall von Empathie oder des „sich Schämens“, er käme nicht weit.

    Das gilt auch für eine Gruppe von Abgeordneten. Die Mittel, um Ausreißer zur Räson zu bringen, sind vielfältig und werden eingesetzt. Selbst der Austausch „renitenter Abgeordneter“ ist mühelos machbar, denn es stehen „qualifizierte Bewerber“ en masse bereit, um ihre Mission erfüllen zu dürfen.

    Diese Leute in Berlin und anderen Parlamentsorten wissen sehr wohl um die Möglichkeiten, die „Macht des Geldes“ gesetzlich zu reglementieren. Es ist aber keine Option, aus karrieretechnischen Gründen, die letztendlich die politische Überzeugung dieser Abgeordneten formte.
    Deshalb haben Arme und Durchschnittsbürger auch keine Lobby.

    Sie können den Lobbyismus nicht bezahlen. Und haben sich auch nicht dementsprechend organisiert.

    Dieses System wird durch 80% der deutschen Wähler gestützt, regelmäßig alle 4 Jahre, seit 1949.

    Etwa 25% der Wahlberechtigten haben sich vom System abgewandt, ich verstehe die berechtigten Beweggründe durchaus. Das Teile dieser 25%-Gruppe in 2017 wiederkehren und AfD wählen, befürchte ich ganz konkret.

    Auf Gesetze zu hoffen, die möglich wären, die aber gegenwärtig aus den Reihen von CxU, spd, Grünen (FDP und AfD sowieso) niemand erlassen will und wird, würde bedeuten, die Realität zu verweigern. Das tust Du ganz sicher nicht.

    Was bliebe? Nicht nur in Deutschland. Soziale Politik wählen!
    Wollen die meisten der Angeschissen nicht. Siehe u.a. Spaniens letztes Wahlergebnis.

    Wahlen bringen uns, den völlig zu Recht Unzufriedenen, also nicht die notwendigen Veränderungen

    Was noch? Das System kaputt machen, Revolution, Aufstand, Volkes Zorn auf den Straßen. Ob durch das GG legitimiert, oder nicht. Wobei ich mich ernsthaft frage, was ist das für ein „Revolutionär“, der eine „grundgesetzliche Carte blanche“ für sein Handeln benötigt.
    In solchen Fällen haben immer nur die Sieger recht, werden gefeiert. Die Verlierer verlieren ihr Leben, werden inhaftiert, gejagt wie Tiere, etc.

    Angenommen, die Deutschen schaffen es, irgendwie diesen kompletten politischen und wirtschaftlichen Paradigmenwechsel hinzubekommen. Durch Wahlen, durch Revolution, egal!
    Und fangen an, die Agenda 2010 komplett rückgängig zu machen, alle Gesetze aus Merkel I, II und III‐Zeiten zu kippen.

    Weder die deutschen Besitzenden, noch die Besitzenden aus der ganzen Welt, Scheichs, Asset‐Manager, Anteilseigner, kurz all diejenigen die durch Neoliberal zu Geld, Besitz und Macht kamen, werden zunächst ihr Geld innerhalb von Sekunden abziehen.
    Die Glasfaserkabel in Frankfurt werden glühen. Die werden noch nicht einmal abwarten, bis der neue Bundestag sich konstituiert hat. Bevor eine neue Regierung handlungsfähig sein wird, den Strom abschalten kann, die Notaggregate außer Betrieb setzen kann, das Internet lahmlegen kann, Kapitalflucht wirksam verhindern kann.

    Und werden von außerhalb damit beginnen, das neue, bürgernahe Deutschland zu zerschießen, zu behindern. Wirtschaftlich, finanziell und vielleicht sogar militärisch. Federführend: USA/NATO, GB – ich sehe sogar die frz. Regierung auf dieser Seite

    Ohne in Details zu verfallen, dieses Deutschland würde ohne einen richtig guten Master‐Plan, ohne starke Unterstützung, zumindest aus Europa, auch und vor allem den ärmeren Ländern der EURO‐Zone, aus Russland, aus Asien, aus Lateinamerika zunächst mächtig in die Knie gehen.

    Und wird die Besitzenden, die bei uns vormals abgesahnt hatten, nur ein klein wenig ankratzen. Warum? Wir haben ihnen doch zumindest die Produktionsmittel weggenommen, vielleicht auch Teile ihres Vermögens, Immobilien etc.!

    Ja, aber die Damen und Herren sind international tätig. Solange nicht viel mehr Länder das „System Neoliberal“ kippen, bereit zu Veränderungen sind, würde ein Alleingang des „Export‐Weltmeisters“ Deutschland in Sachen „Sozial“ für die allermeisten Bürger auf lange Sicht erst einmal viel mehr Unbequemlichkeiten bringen, die dieses Volk auf gar keinen Fall will.

    Ich behaupte hier keinesfalls, das die „soziale Revolution“ nicht möglich wäre.

    Sie muss nur sorgfältig geplant sein, orchestriert und mit anderen Ländern abgestimmt sein. Varoufakis hat das erkannt und versucht eine Antwort, eine Lösung mit „DiEM25“ aufzuzeigen. Denn nationale Alleingänge machen es der Macht des Geldes, der Macht der Besitzenden nur viel einfacher, wirksam zu verhindern, zu blockieren, von Beginn an auszuhebeln. Deshalb musste Tsipras scheitern und einknicken. Und Dr. Wolfgang wusste das das alles sehr genau.

    Ungleich schwerer wird es für diese Kreise, gegen einen festen, einigen Block antreten zu müssen. Das weiß man dort und wird alles unternehmen, um „DiEM25“ zu sabotieren.

    Denn diese Kreise sind mit jeder Faser ihres Dasein davon überzeugt, das uneingeschränkte Recht zu haben, die Welt zu beherrschen.

    Sie haben die Welt bereits gekauft, Gesetze zu ihrem Vorteil wurden und werden fast überall in ihrem Sinne erlassen und durchgesetzt. Sie werden nicht aufgeben, sie werden sich nicht durch neue, andere Gesetze einzelner Nationen von ihrem Tun abhalten lassen.

    Und sie werden alle Mittel einsetzen, auch Gewalt. Siehe Cerberus Capital Management, die sich bereits seit Jahren eine Söldnerfirma leisten und auch im Jemen damit Geld verdienen.

    Und deshalb schrieb ich:
    „Niemand kann die Macht des Geldes, der Besitzenden brechen, beschneiden, minimieren, stutzen, zumindest nicht mit demokratisch legitimierten Mitteln, auf einer tatsächlich rechtsstaatlichen Basis, ohne grundlegende Menschenrechte für die Gruppe der Besitzenden ganz oder zeitlich begrenzt, außer Kraft zu setzen.“

    Es wird, so glaube ich, bei einer gesellschaftlichen Veränderung, egal, wie diese herbeigeführt könnte oder würde, ohne Gewalt nicht ablaufen.

    Bitte entschuldige die ausufernde Länge meiner Gedanken, ich will nicht missionieren oder überzeugen, nur erklären, warum ich diesen Satz so geschrieben habe.

  23. @ Epikur: Mit Deiner Einlassung widersprichst Du doch Deiner eigenen Einschätzung aus dem Ausgangsposting. Es geht hier nicht um »Glaube« oder »Hoffnung«. Vielmehr ist es heute wichtiger denn je, eine klare Position zu beziehen und sich von den vernebelnden, kapitalistisch weichgespülten Pseudolinken abzugrenzen, die beispiesweise flatter in seinem aktuellen Text sehr schön umreißt.

    Dennis hat diese Notwendigkeit gerade wieder einmal — wie immer ausführlichst und größtenteils redundant — dick unterstrichen, indem er genau diese so wichtige Abgrenzung von dem, was sich »Sozialdemokratie« schimpft und weiterhin im parlamentarischen, korrupten, kapitalistischen Sumpf herumwatet, allen Ernstes zum »Dogmatismus« erklärt hat, während er gleichzeitig erneut die steile These aufgestellt hat, dass der Großteil der Menschen einfach zu blöd sei, um seinen »Wahrheiten« zu folgen und deshalb weiter SPD und CDU anstelle der erlösenden Linkspartei wählt. Das ist anmaßend, elitär und tendenziell menschenfeindlich.

    Wie oft muss ich meinen Kopf noch auf die Tischplatte knallen, wenn ich sowas lese? ;) Ich kann hier keine Gemeinsamkeiten erkennen — so sehr ich mich auch bemühe.

    Liebe Grüße!

  24. ......anstatt uns mal tiefgründiger mit der Masse zu befassen....
    Schöner Satz @Dennis82
    Zwischen der berechtigten Angst der Reinraumspezialisten vor dem Absumpfen der Realos ins Establishment, (die auch ich teile),- welche aber (im Moment noch nicht eindeutig ersichtlich, aber nimmt man konditioniert das Beispiel der Grünen ...), bei der Masse evtl. besser ankommen, — und der durchaus aber ebenfalls berechtigten Angst der Masse vor potentiellen Dachkammer‐Hygienikern der reinen Lehre, (die auch ich teile), — bewegt sich wohl das, was man als zeitgemäße Pragmatik auch einer Masse bezeichnen könnte, die das je nach Oberhand dem Vorbild gemäß auch lebt. Natürlich ist es angesichts dessen sinnlos, vorhandene parlamentarische Strukturen nicht zu nutzen, denn aufgrund dessen sind die irgendwie auch entstanden. Was aber auf keinen Fall bedeutet, dass die Hardliner jetzt weniger sinnvoll sind. Die werden auch erst gefährlich, wenn sie die Oberhand gewinnen und dementsprechend eben die Pragmatik des Mainstreams in ihrem Sinne ausmachen. Im Moment ist das aber nun mal anders herum und es riecht schwer nach dem üblichen anpassungsfähigem Nebel ans Gewohnte. Hilfreich wäre es natürlich schon, wenn die durchaus nicht unberechtigte Kritikfreude der Dogmatiker (Fundis geht auch) mit ja ebenfalls mitunter vielfältigen Dogmen, sich etwas weniger brüsk und selbstüberzeugt äußern könnte, — was ihre Kritik vielleicht auch beim durchschnittlichem Spektrum eigentlich ganz normaler menschlicher Empfindungen zugunsten des Vertrauens ankommen lassen könnte.

  25. @eb: Über die (oft abschreckende) »Außenwirkung« beim Rezipienten macht sich die »dogmatische Seite« ja grundsätzlich keinerlei Gedanken; das wird ja auch beispielhaft hier deutlich, wenn grade primär gegen Leute gekeilt wird, die die Kritik an den gegenwärtigen Zuständen eigentlich ja in sehr vielen Punkten teilen. Aber wehe, man bekennt sich an bestimmten Stellen mal nicht zum einzig, wahren, richtigen Glauben. Man sehe sich doch viele dieser linken Blogs an — und wie viele im Grunde hohle Mantren da in den Kommentariaten immer und immer wieder nachgebetet werden...! Nehmen wir mal an, ein halbwegs aufgeschlossener Michel verirrt sich genau in diese Diskussion hier; sieht, wie der eine auf den anderen einkloppt. Aus Gründen, die er nicht mal annähernd nachvollziehen kann... der denkt sich seinen Teil und wählt lieber wieder Mutti, SPD oder dann halt AfD... Yeah...!

    In dem Zusammenhang kann man dann auch mal die Frage stellen, ob es grade ganz linken Linken überhaupt recht wäre, wenn die große Masse irgendwann auch links denken und handeln würde? Braucht man jene doch zur elitären Abgrenzung; sie verleiht einem ja im Grunde ja durch Seltenheit erst einen solchen Wert. Dann wär man ja nix Besonderes, kein »besserer« Mensch mehr — und damit käme das ein oder andere aufgeblasene Ego sicher auch nicht so ganz klar...!? :P

    Aber zurück zum Rezipienten: Auch hier fehlt es eben leider an der Erkenntnis der »Aufklärenden«, dass die große Masse sich schlicht nicht für Politik interessiert. Setze z. B. in ner mail einen Link auf eine »Diskussion«, in denen sich zwei Linke über Begrifflichkeiten wie den Unterschied von »Liberalismus« und »Neoliberalismus« streiten. Und denke dann mal an den Kraftfahrer nach seiner 10‐Stunden‐Tour, die Supermarktkassiererin, die Krankenschwester oder den Bauarbeiter, wie groß deren Freude und Begeisterung ist, so etwas beizuwohnen...!

    Was den »Verrat« und die »Korruption« betrifft noch nachgeschoben: Die große Masse verrät »uns« (Kritiker) doch wirklich ständig, jeden Tag, von Morgens bis Abends; allein durch das alltägliche Handeln. Wer bitte hat es denn noch nicht erlebt, dass man im Rahmen von Freunden, Familie, Kollegen etc. nur aufgrund politischen Interesses (gar noch links angehaucht) zum Paria wird? »Das System« kauft Leute; mit Brot, Spielen — und »Smart»phones. Und jene »verraten« für ein wenig »Glück« dann permanent die Menschen, die sich für eine alternative, eine bessere Gesellschaftsform einsetzen; auch indem sie zu zig Millionen weiterhin neoliberale Parteien ankreuzen. Oder zu vielen menschenverachtenden Schweinereien einfach nur ignorant mit der Schulter zucken. Aber wie so oft — wahrgenommen wird es nicht; lieber weiter Gesellschaftskritik üben, ohne sich mit der Gesellschaft (= Masse) an sich zu befassen...!

    Dass dann nur die quasireligiöse Hoffung auf irgendeine »Erlösung« über bleibt, ist ja schon fast nachvollziehbar...

  26. @ Alles nur Satire
    Einer, ders mal verstanden hat...
    Ist auch das, was ich zwischendurch mal eins versuche, rüberzubringen — aber man muss sich ja im öffentlichen Raum immer genau überlegen, wie mans macht, damit man nicht gleich irgendwelche »Leute« ;) auf dem Hals hat, die einem sonstwas unterstellen.

    Ich bringe mal auch ein Beispiel dazu ein: Was meint ihr, warum die DDR scheitern musste?
    Weil es ein Versuch war, diese Hierarchie zu durchbrechen. Die Arbeiter, diejenigen, die die Gesellschaft tragen, die sollten einmal Könige sein, und Denkmäler, Kulturhäuser und Vereine zu ihren Ehren bekommen. Nicht bloß die, die auf dem Geld sitzen und arbeiten lassen!
    Was meint ihr, was passiert wäre, wenn das Modell gelungen wäre?! Das wäre der Anfang vom Untergang einer Masche gewesen, auf der sich ganze Familiendynastien seit Jahrhunderten ausruhen!
    Das MUSSTE weg! Unter allen Umständen!
    Und dementsprechend wurde es vom ersten Tag an von den westlichen Mächten bekämpft, wo es nur ging... Währung nicht anerkennen, unter Wert handeln, somit von den internationalen Kreditmärkten fernhalten, und alles weitere, was daraus erwächst: Waren aus dem westlichen Ausland nicht kaufen können, Rohstoffe nicht kaufen können — das war der eigentliche Hintergrund hinter der viel beschriebenen »Mangelwirtschaft«. Was man nicht selbst in der Erde zu liegen hatte, oder selbst produziert hat, das gab es einfach nicht! Das konnte man sich nicht einfach auf dem Weltmarkt kaufen gehen!
    Und wenn man mal Partnerländer gefunden hatte, die einem nicht zu Wucherpreisen etwas liefern, dann ist in der nächsten Zeit komischerweise dort Krieg ausgebrochen, sodass alles wieder null und nichtig war.
    Mit dem Tod von Strauß hatte speziell die BRD Ende der 80er etwas »Glück« gehabt, weil damit plötzlich ein Quertreiber aus den »eigenen Reihen« wegfiel, der, um Bonn zu torpedieren, dem Feindsystem immer mal wieder auf eigene Faust finanzielle Unterstützung gab, damit sie flüssig blieben und der ganze Finanzboykott durch die Abwertung der DDR Mark nicht seinen vollen Effekt erzielen konnte.

  27. @ Alles nur Satire

    Vielen Dank für Deinen umfangreichen Kommentar. Ich verstehe Dich sehr gut und kann Deine Argumente nachvollziehen. Wenn ich ebenso denken würde, wäre ich ziemlich mutlos und desillusioniert. Ich habe fast deckungsgleich gedacht und mich davon wegbewegt. Auch DHM, Kapital, Manifest, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung..., Zwei Taktiken ... u.s.w. sind keine Fremdworte für mich. Diese Ideen haben mich viele Jahre begleitet. Ich entfernte mich von ihnen, wie auch vom Gedanken einer Revolution.
    Es ist nicht möglich in diesem Rahmen, umfangreich auf Deinen Beitrag einzugehen. Er würde gesprengt. Wenn Du trotzdem in meine Gedankenwelt schauen willst, kannst Du dem Link meines Usernamens folgen. Dort wirst Du auch entdecken, dass ich Demokratie anders definiere.

    Liebe Grüße an Dich

  28. @Dennis: Du hast recht, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht für Politik interessiert, was eines der politischen Ziele des Neoliberalismus war und ist. Hayek sprach von der Entthronung der Politik, weil das politische Feld eventuell gefährlich für die angeblich benevolente Klasse der Besitzenden werden könnte. Der Markt liefert dem Pöbel schließlich alles.

    Wenn man nun eine Rückkehr zum keynesianischen Kapitalismus der Nachkriegszeit bewerkstelligen möchte, einsieht, dass dafür so schnell keine Mehrheiten zu gewinnen wären, müsste man dann nicht eine andere Strategie fahren als die etwa der Linkspartei, die Politik der Sachzwänge einfach mitzutragen? Wie wäre es dann bei Gelegenheit die Sachzwänge öffentlich zu machen, dass sie alle Bürger einsehen können? Sieht es nicht z.B. dumm aus, in Berlin am Verkauf öffentlichen Eigentums mitzuwirken und in Hessen gegen die Privatisierung von Unikrankenhäusern zu mobilisieren?

  29. @Dennis 82

    Nicht jede Begrifflichkeit ist diskussionswürdig, der Unterschied zwischen neoliberal und liberal aber ist es sehr wohl (wie so manch andere Begrifflichkeit) und hat sehr viel mit unseren jetzigen Verhältnissen zu tun, darin steckt sogar einer der Gründe für den linken Dogmatismus, den du selber kritisierst.
    Das kannst du anders sehen, aber du solltest zumindest verstehen, worum es geht.
    Und es ist mir scheißegal, ob irgendein verpisster Kraftfahrer oder sonst ein serviler Untertan das begreift oder ob es ihn interessiert.

    Klassen‐Arroganz, die von Teilen der Akademiker und von Neoliberalen kommt, ist Schrott, aber es gibt auch das genaue Gegenstück, das nicht weniger haßerfüllt und assozial ist.

    Der Arbeiter, der schonmal aus Prinzip alles hasst, was mit Verstand und jedem Interesse zu tun haben könnte, das über den eigenen Gartenzaun hinausgehen könnte, ganz einfach, weil er selber zu bescheuert dafür ist, und nicht selten auch zu besoffen dazu.
    Der ländliche Typus, der jedem mißtraut, der mehr als ein Buch im Jahr liest, dieses ganze anti‐intellektuelle Geschmeiß, das selber schuld ist an den verkommenen Eliten, von denen es regiert wird.

    Der hinterhältige Arbeiter, der nur darauf wartet, denunzieren zu dürfen, bis er merkt, daß das nur einen kurzen Gewinn bringt, um sich dann wieder bei Mutti auszuheulen, wie schlimm das mit den Flüchtlingen doch sei.

    Das alles gibt es sehr viel häufiger als es Linken lieb ist.

    Diese rosarote Arbeiter‐Verliebtheit, die überhaupt nicht differenziert, wen sie vor sich hat, diese Verehrung der »zupackenden Hand«
    ( Thea Dorn) , beides ist widerwärtig und reaktionär, und kein Stück besser als der Neoliberalismus selber.

  30. @Art Vanderley

    Jup, es gibt eine große Intellektuellen‐und‐Akademiker‐Verachtung. Und nein, das liegt nicht immer nur an dem vermeintlichen, überheblichen und/oder arroganten Auftreten von Klugscheißern, sondern auch an dem Hass/der Verachtung von Proleten gegenüber alles und jeden, der vermeintlich mehr über die Welt weiß oder sich einfach für mehr interessiert, als nur für den eigenen kleinen Mikrokosmos. Da kann man noch so diplomatisch, nett und charmant auftreten.

  31. @epikur

    »Da kann man noch so diplomatisch, nett und charmant auftreten«

    Das wird sogar oft noch als Zeichen der Schwäche ausgelegt, was dann wohl die größtmögliche Form der Dummheit ist, die sich finden läßt.
    Hilft wohl nur das, was Rainer Calmund, Fußballphilosoph, mal so ausgedrückt hat:
    »Man muß auch mal in die assoziale Kiste greifen (können) ».

  32. @andi / Art Vanderley / epikur: Schön — genau darauf wollte ich am Ende hinaus! ;)

    Ich hab die Thematik bewusst so verengt, weil ich als dem »White Trash« Entstammender mein ganzes Leben darunter leiden musste; wer in einem klassischen »Arbeitermilieu« aufwächst, in dem der eigene soziale »Status« fast ausschließlich davon abhängig gemacht wird, irgendeiner (meist recht einfachen) Lohnarbeit nachzugehen, spürt grade dort die von dir erwähnte »Verachtung« gegenüber allem, was irgendwie nach Bildung (oder auch nach Politik) riecht quasi tagtäglich. Vor allem dann, wenn man trotz aller permanent eingeprügelter Minderwertigkeitskomplexe versucht, dem in irgendeiner Form zu entkommen... »Hältst dich wohl für was Besseres?« sind da nur die netteren Backpfeifen, die einem da im Laufe der Jahre so verpasst werden!

    Das ist dann ein wesentlicher Grund, warum ich mich eben permanent über die »große Masse«, die »Mitte« aufrege. Weil mir eben grade aus dieser angepassten, unkritischen, nach oben buckelnden und nach unten tretenden Masse das Desinteresse und die Ignoranz förmlich jedes Mal wie ein nasses Handtuch um die Ohren gehauen wurde. Und auch weiterhin wird...! Wenn man sich überhaupt mal darum bemühte, nach Ausreden zu suchen, war es eben primär die »fehlende Zeit«. Und da ist halt nun auch was dran; es gehört ja mit zur nah an der Perfektion stehenden Perfidie dieses »Systems«, dass die klassische 40‐Stunden‐Woche ein wirksames Mittel ist, Menschen durch den »strukturellen Tagesablauf« soweit auszulaugen, dass nach »Feierabend« auch garantiert kein Interesse mehr daran besteht, sich z. B. mit der (durchaus berechtigen) Frage nach den Unterschieden zwischen Liberalismus und Neoliberalismus zu befassen. Wer mal selber drin war in diesem »System« (und da muss man nicht mal mit irgendeiner Form von »Begeisterung« mitmachen...) der wird merken, dass einem Abends dann wirklich die (geistige) Kraft fehlt, sich noch sowas wie »Bildung« anzutun... Wenn man dann noch mit fremden Begrifflichkeiten oder allgemein einem höheren Niveau konfrontiert wird, ist erst Recht Schicht im Schacht... Zumal ja durch Fehlen jegliches Interesses ja nichts da ist, wo man überhaupt ansetzen könnte; im Grunde müsstest du bei gefühlt 80 % der Bevölkerung bei »Adam und Eva« anfangen.

    Das ist halt ein wesentliches Dilemma linker, humanistischer, anthroposophischer Aufklärung: Wie findet man einen Draht genau zu jener großen Masse, die dieses System insgesamt ja durch ihr alltägliches Handeln, ihre stets mit Bildung verwechselte Fachidiotie, ihr Desinteresse, ihren Opportunismus ja im Grunde selbst ja erst bildet...!? Und an dem Punkt versteh ich dann viele nach »Erlösung« Suchende nicht; denn genau dieser Frage wird kaum nachgegangen — und stattdessen grade in diese (bildungsresistente und Intellektuellenfeindliche) Masse Hoffnungen gesetzt werden... Es ist wie in »Matrix« (der Film hat mich halt philosophisch sehr geprägt): wollen die Menschen, die so lange in einer »Traumwelt« lebten überhaupt »befreit« werden...?

    Letzten Endes »braucht« man diese Leute / Masse ja dann aber doch irgendwie, um irgendeine andere Gesellschaftsform zu entwickeln. Muss sie irgendwie überzeugen; also dann wohl auch irgendwie auf sie zugehen, »die Leute da abholen, wo sie sind«; das ist dann halt auch die »Pflicht« desjenigen, der mehr Grips im Schädel hat...! Und auch da muss man sich bewusst sein, durch den harten Granit nicht durchzukommen. Was habe ich da z. B. bei einzelnen Personen Kraft vergeudet. Andererseits bleibt man halt auf ewig allein und ausgegrenzt am (linken) gesellschaftlichen Rand; und träumt weiter von »Erlösung«... die aber SO niemals kommen wird!

    Sysiphos lässt grüßen...

    @andi: Was die Linke in Bundesländern betrifft — mir wäre es strategisch auch lieber, sie würde in der Opposition bleiben. Auf der anderen Seite haben Landesregierungen im Grunde keinerlei nennenswerte Kompetenzen und können den im Bund beschlossenen (grade steuer‐ und finanzpolitischen) Mangel auch nur mehr oder weniger verwalten! Wie im wahren Leben bedeutet dies dann auch, beschissene Kompromisse eingehen zu müssen...!

  33. Wenn die Kompromisse so gestrickt sind, dass die wesentlichen Inhalte der eigenen Position getilgt werden, dann sind sie eben alternativlos oder wie? Mich erinnert das so ein bissschen an Bill Clintons Frage an seinen Wahlkampfmanager, nachdem ihm die Wall‐Street‐Vertreter seinen Spielraum als Präsident mitgeteilt hatten: »What’s the point being elected?«

    Das System wird in den nächsten Jahrzehnten immer weniger Menschen brauchen, auch wenn die Nachfragetheoretiker sagen, dabei handele es sich um Arbeitgeberpropaganda. Nehmen wir an letztere hätten recht, Arbeitslosigkeit wäre nur ein konjunkturelles Phänomen, dann stehen sie vor demselben Problem wie Leute, die über den Tellerrand der Marktwirtschaft hinausdenken, nämlich dass ihre Adressaten entpolitisiert sind bzw. für Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen stimmen...

  34. @Dennis82 @andi

    Mich überzeugt das Argument »die Bundesebene ist schuld/ohne Kompromisse gehts nicht« auch nicht. Auf Bundesebene wäre dann die EU für Sozialkürzungen schuld, in der EU dann die Weltpolitk/Globalisierung. Immer heißt der Tenor: Verantwortung abschieben/Schuld sind die Andern. Das kenne ich schon zur Genüge aus meinem Privatleben ;)

    Sicher, es gibt Vorgaben und strukturelle Unmöglichkeiten (z.B. Kommunen müssen sparen, weil pleite), aber dann sollte man im Wahlkampf (und auch sonst) eben nicht so tun, als hätte man (in diesem Fall die Linkspartei) große Möglichkeiten der alternativen Politik‐Gestaltung. Womit wir am Ende eben doch wieder bei der Frage wären, ob die Linkspartei überhaupt in der Lage wäre, den »Betrieb auf zu mischen«?

    Davon abgesehen bin ich dennoch froh, dass es die Linkspartei gibt. Ihre »Anfragen an die Bundesregierung« bringen beispielsweise viel Dreck ans Licht. Und sie sind in elementaren sozialen, politischen und militärischen Fragen eben nicht neoliberale Mitte.

  35. Naja. Oft wird von den linken Fatalisten auch mal der »Horsti« zitiert, als er bei Erwin Pelzig meinte, »die, die gewählt werden, haben nix zu sagen — und die, die das Sagen haben, werden nicht gewählt«.

    Warum regt man sich den regelm. über solche transnationalen Sachen wie EU‐Verfassung, Lissabon‐Vertrag, ESM, EFSF oder TTIP denn so groß auf, wenn es im Grunde ja dann doch keine Rolle spielt...!? Das ist doch der scheindemokratische Schleier hinter dem Transnationale Konzerne ihre Interessen durchdrücken. Und viele (Linke) halten die EU (oder Internationalismus allgemein) ja im Kern immer noch für ne gute Sache...

    Darüber sieht man dann aber nur gerne hinweg, wenn man der einzigen Oppostionspartei (schon zwanghaft...) wieder mal ans Bein pissen — und sie des »Verrats« bezichtigen will. Dabei haben grade auch jene eine Mitverantwortung dafür, die zweifelnde Menschen permanent durch ihr Kassandrageschrei davon abhalten, der Linken ihre Stimme zu geben. Ich will nicht wissen, wie viele Leute deshalb AfD gewählt haben — aber das ist euch ja dann irgendwie lieber. Dann bekommt die Linke vielleicht mal 15 oder 20 %, koaliert irgendwo als Juniorpartner mit — und dann fordern Leute wie ihr von ihr dann politische Taten, als hätte sie (im Bund, nicht irgendeinem popligen ostdeutschen Bundesland) die absolute Mehrheit erlangt und würde eine Alleinregierung stellen! Und natürlich schaut man dann auch immer NUR selektiv auf das Negative und ignoriert, wo die Linke an anderer Stelle wenigstens noch auf der Bremse gestanden hat...

    Und dann spielt es sehr wohl eine Rolle, welcher Rahmen im Bund gesetzt wird — das kann man auf Landes‐ oder gar Kommunalebene nicht einfach mit der Pipi‐Langstrumpf‐Methode ignorieren, weil man sein vorurteilsbeladenes Weltbild nicht in Gefahr bringen will! Was die EU fordert, könnte einer linken Regierung in der Tat »emanzipatorisch« am Arsch vorbeigehen, da die finale Gewalt und Souveränität immer noch bei den Staaten liegt; die EU kann sich dann aufplustern, wie sie will. Man denke an M. Thatcher und »i want my money back!« Ein Ministerpräsident eines Bundeslandes im Rahmen einer Dreierkoalition mit zwei neoliberalen Koalitionspartnern hat vom Bund (GG) her KEINE Möglichkeiten, an den finanzpolitischen Gegebenheiten etwas zu verändern! Er muss mit dem haushalten, was von oben »downtricklet«.

    Das ist halt in meinen Augen alles immer ziemlich beliebig, willkürlich, wohlfeil... Nicht umsonst sprach ich die oftmals eben beschissenen Kompromisse an, die man im Leben so machen muss. Mich würde da ja schon einmal interessieren, wie viele, die den Mund da immer ganz weit in Sachen »Verrat« aufreißen dann vor ihrem Chef, dem Personaler oder dem Fallmanager so agieren...!? Anstatt da konsequent auf ihren unverrückbaren und unbestechlichen Prinzipien zu beharren...! Die eigentlich innerhalb dieses »Systems« doch am Ende nur Obdachlosigkeit als authentisches Schicksal zulassen, oder...!? Man ist ja aber sehr gerne päpstlicher als der Papst! :P

  36. @Dennis 82
    Jetzt ist mir klarer, worauf du raus wolltest.

    Zum Absatz »Das ist dann ein wesentlicher Grund«

    Zustimmung.

    Darüberhinaus kann ich jetzt nur von mir sprechen, mir geht es weder um Erlösung noch darum, die Masse zu überzeugen.
    Diskutieren tu ich zuerst für mich selber,weil mich Themen interessieren. Ich glaube auch nicht, daß es möglich ist, die »Masse« zu überzeugen, ich glaube aber auch nicht, daß es nötig ist.
    Im Gegenteil, die blinde Mobilisierung führt zu unerwünschten Ergebnissen, wie aktuell zu beobachten (in the land of the free, and the home of the brave..).

    Es gibt nichts Überzeugenderes als einen guten Gedanken, man muß niemandem hinterherrennen, »der Erfolg kommt zu dem, der warten kann« (chinesisches Sprichwort).

    Ein Angebot an alle? Auf jeden Fall ja.

    Aber auch die Reaktion auf die Reaktion, will heißen, wer einem blöd kommt, darf und muß bekämpft werden.

  37. @Dennis: Also, ich habe bloß sich widerstreitende ziemlich zeitgleich stattfindende politische Aktivitäten der Linkspartei aus der jüngeren Vergangenheit aus dem Gedächtnis hervorgekramt und mir erlaubt darauf hinzuweisen, dass das ziemlich dumm aussah. Mit irgendeinem festgefügten Weltbild hat diese Bemerkung nicht viel zu tun, denn diese Kritik kann man sehr wohl aus linkssozialdemokratischer bzw. linkskeynesianischer Perspektive äußern.

    Deinen letzten Absatz läse sich als Zusatz zu einem Wahlprogramm in meinen Augen ungefähr so: Wenn wir irgendeine Möglichkeit zur Regierungsbeteiligung haben, werden wir sie wahrnehmen. Da auch wir irgendwie in diesem System überleben müssen, müssen wir die Gelegenheiten beim Schopfe packen, wenn sich Koalitionsmöglichkeiten ergeben. Die paar Kröten an Diäten allein, reichen nicht hin, Regierungsposten sind einträglicher. Wir werden in einer Koalition womöglich nicht viel von unserem übrigen Wahlprogramm umsetzen können, aber ihr würdet Eurem Chef gegenüber auch nicht einfach so das Maul aufreißen und sagen: »Das mach ich nicht.« Seht Ihr, wir sind nicht anders. Das Leben ist kein Ponyhof! Dennoch sind wir das kleinste der kleineren Übel. ;)

  38. @andi: Mir ist klar, dass man den Inhalt des letzten Absatzes in dieser Hinsicht natürlich besonders gerne ignoriert. Denn da überschreiten wir durchaus ja mal die Schwelle von der schönen, reinen Theorie zur alltäglichen, persönlichen, individuellen Praxis...! ;) Dabei würde es mich wirklich schon mal interessieren, wie die besonders sturen und unnachgiebigen Vertreter reiner, unkompromitierter Lehre halbwegs aufrecht so durchs klassische Leben kommen...!? Scheinbar auch nicht so rein und kompromisslos — sonst würde man projizierenderweise grade bei anderen nicht so intensiv auf den Punkten »Verrat« und »Korruption« rumreiten...!? :P

    Das, was du da so aus der Erinnerung hervorkramst, hört man 1:1 doch genau so von Seiten der Mainstrampresse, SPD und Grünen (oder anderer Etablierter; letztens gar in der Anstalt). »Da schaut her — die Linken sind genauso wie die / wir!« Cui bono? Wenn man meint, ins gleiche Horn tuten zu müssen wie taz, FAZ, Bild, Zeit und Co. — bitte! Ich schrieb, dass ich die »Regierungs»beteiligungen der Linken auf Landesebene für einen Fehler halte. Allerdings nicht primär wegen der nötigen »Kompromisse«, sondern weil man damit den »Verratspropheten« nur unnötige »Nahrung« liefert. Ich persönlich erwarte jedenfalls nicht von der Linken in Castrop‐Rauxel die Beseitigung des globalen Kapitalismus — und bin dann (künstlich) sauer, wenn ich »verraten« werde...! Womit wir eigentlich bei des Pudels Kern angelangt werden — nämlich der Frage, was man innerhalb des gegenwärtigen »Systems« denn »realistisch« erwarten kann. Dann wähne ich mich manchmal oft in einer Fantasywelt im Stile von G. R. R. Martin oder Tolkien. Aber vielleicht kommen ja doch noch die Riesenadler — und erlösen uns vom »Kapitalismus«... :)

    Belassen wir es dabei, ich hab jetzt grad keine Lust, mich zum wiederholten Male zu wiederholen... :P

  39. @Dennis82

    »Aber vielleicht kommen ja doch noch die Riesenadler – und erlösen uns vom „Kapitalismus“… :) «

    Ich befürchte, vorher verwandeln Saurons Orkhorden (aka Hedge‐Fonds‐Manager, Bankster, Konzerne, Mafia, Waffenindustrie etc.) unsere schöne (Mittel-)Erde in eine sumpfige Brachlandschaft. :P

  40. @epikur: Das ist in der Tat die derzeit wahrscheinlichere Variante. Aber vielleicht kommt es ja doch irgendwie noch zur »Rückkehr des Königs«... Hach, ist Hollywood nicht schön; nahezu immer gewinnen am Ende »die Guten«! ;)

  41. @ Dennis82

    »„Da schaut her – die Linken sind genauso wie die / wir!“ Cui bono?«

    Die Aussage ist ein Ergebnis der sogenannten »Konkurrenzdemokratie«. Damit liegt man im Gleichklang mit den Unternehmen. Man hat die gleichen Zielgruppen. Letztlich unterliegen alle Parteien den gleichen Sachzwängen. Keine schreibt sich die Aufhebung der Sachzwänge auf die Fahne. Alle buhlen um die »Wähler«, indem sie Marketing für ihre Parteiprogramme betreiben, welche nur unterschiedliche Verteilungen der Kuchenkrümel beinhalten. Es wird davon abgelenkt und verschwiegen, dass den Bürgern der ganze Kuchen zusteht. Wer sich nur auf die Verteilung der Krümel konzentriert ist systemkonform und nicht in der Lage Probleme zu lösen. Es bleibt immer nur der »faule« Kompromiss.

  42. @Carlo: Ich habe nicht den Eindruck, dass es bei der Linken (sollte sie denn wirklich mal mit absoluter Mehrheit *trauriglach* gewählt werden...) nur auf »Kuchenkrümelverteilen« hinausliefe; besonders nicht unter einer Kanzlerin Wagenknecht.

    Zumal jeder »Krümel« (Gesetz des Grenznutzens) umso wertvoller wird, je weniger man davon hat. Das lernt man im Zweifel erst dann, wenn man mal ganz unten angekommen ist; eine Erfahrung, die meiner Meinung nach vielen Salon‐Linken völlig fehlt...! Das ist dann ja auch der Irrsinn, den ich nicht nachvollziehen kann: Über jeden Krümel, den man mir stetig wegnimmt, darf ich mich gerne aufregen. Aber ggf. auch Krümel für Krümel zurückzufordern — ist dann auch wieder verkehrt, weil nicht »weit genug gehend«. Aha...! Inzwischen hat sich der ein oder andere »Krümelsucher« halt eine (scheinbare) »Alternative« im Parteienspektrum gesucht. Die würde ihm zwar auch noch mehr Krümel wegnehmen — aber wenigstens bekämen die pöhsen Flüchtlinge gar keine mehr...! Das macht den eigenen Krümel wieder wertvoller...

    Auch ein interessanter Punkt — welche »Zielgruppe« haben denn eigentlich »außerparlamentarische« Linke und Hobby‐Traum‐Revolutionäre...? Ich hab oft den Eindruck: niemanden. Das »Angebot« wie z. B. linke Blogs wird von der großen Masse nicht angenommen, also zuckt man mit den Schultern und meint sich »ist halt so«. Das erklärt dann auch, warum sich niemand die Frage stellt, warum weiterhin zig Millionen Menschen Parteien wie die SPD und Union ankreuzen. Mit der Einstellung, dann halt einfach nicht allen (oder zumindest vielen) gefallen zu müssen, wird man in »revolutionärer« Hinsicht auch nicht weit kommen!

    Den Bürgern gehört der ganze Kuchen! Hört sich toll an! Da stimme ich durchaus zu. Aber: Wie teilen wir ihn denn dann auf...? Wer ist ein Bürger? Wie konkret nehmen wir dem oberen Zehntel, die sich gegenwärtig 23 davon in den Hals stopfen, ihre Stücke weg...!? Wer bekommt wieviel? Und wer muss ihn eigentlich wie backen...!? Und geht die Größe der einzelnen Stücke dann am Ende noch über Krümelgröße hinaus? Fragen über Fragen...! ;)

  43. @Dennis: Um mich ebenfalls ein letztes Mal in dieser Diskussion zu wiederholen, insistiere ich darauf, dass die von mir geäußerte Kritik, sofern sich dies in etwa so zutrug, wie von mir angedeutet, völlig mit einer traditionellen nachfragetheoretischen bzw. linkssozialdemokratischen Position vereinbar ist. (Zumindest nach meinem Verständnis gehört die öffentliche Daseinsvorsoge dazu, deren Einrichtungen nicht in die Hände privater Investoren gelangen sollten.) Wenn das schon zu theorielastig oder zu links ist, dann verstünde ich wenigstens Dein Einprügeln auf die ach so weltfremden Theoretiker bzw. linken Dogmatiker. Ansonsten baust Du einen Strohmann auf, auf den Du dann fröhlich einschlägst.

  44. Naja,wir Menschen neigen ja irgendwie dazu,auf irgendeinen anderen Menschen zu warten,der uns und vielleicht sogar die ganze Welt rettet!
    Das sieht man doch überall.Unter anderem auch an den ganzen Superhelden‐Filmen...

  45. Noch etwas zum Thema Verklärung:ich habe mich letztens mit einer Frau in einer Beratungsstelle unterhalten und mich auch über viele Ungerechtigkeiten und Misstände aufgeregt (sowohl mein Privatleben betreffend als auch im Großen) und sie wollte mir auch allen Ernstes erzählen,ich würde das alles nur so wahrnehmen...In Wirklichkeit wäre doch alles gar nicht so schlimm.Ich bin also einfach nur durchgeknallt ^^
    Diese Art von Manipulation ist ja was alltägliches,trotzdem hat mich das an diesem Tag sehr beschäftigt.Ich habe schon einen kurzen Moment gezweifelt...Da muss man wirklich sehr aufpassen.

    Wie reagiert Ihr denn so darauf,wenn Euch jemand weismachen will,dass Ihr einfach nur durchgeknallt wärt?

  46. @Verena

    Der Punkt mit den Superhelden‐Filmen ist interessant! Ich glaube ja, die sind eben auch deshalb so beliebt, weil sie eine schnelle, einfache und direkte Antwort aus der Ohnmacht, der Ausgrenzung und Ausbeutung liefern, die millionenfach vorhanden ist.

    Die Eigenverantwortungs‐Rhetorik ist ebenfalls beliebt und wird überall angewendet. Du bist arm? Selbst schuld, geh schuften! Du bist depressiv? Selbst schuld, such Dir Freunde und ein Hobby! Du fühlst Dich ungerecht behandelt und/oder siehst überall soziale Missstände? Änder mal Deine Einstellung! Sei optimistisch! Du findest keine Lohnarbeit? Selbst schuld, bilde Dich besser! Und so weiter und so fort.

    Ich lass diese Masche nicht mehr an mich ran und verweise dann darauf, dass die Eigenverantwortungs‐Rhetorik bei mir nicht zieht! Und es eben Strukturen/Gesetze/Rahmenbedingungen gibt, die für vieles Übel in der Welt verantwortlich sind.

  47. @ Dennis82
    Du musst mir nichts über »Linke« erzählen. Ich bin es ausdrücklich nicht. Ich habe nicht einmal eine kleine Ahnung, was das sein soll.
    Für mich gibt es Menschen, die viele Interessen und damit viele mögliche »Andockstellen« haben. Ähnlich einem Neuron. Als Mensch bin ich mein eigener Politiker, meine eigene Partei und mein eigener Interessenvertreter. Was eine Frau Wagenknecht sagt interessiert mich nur insofern, ob man mit ihr einen Konsens erzielen kann. Sonst nicht.

    »Fragen über Fragen…!«
    Ja, interessante Fragen. Aber ich werde hier nicht den Erklärbären spielen und Dir das Denken abnehmen.

  48. @epikur:
    Das mit der Eigenverantwortung ist ja an sich erstmal eine notwendige Sache.Aber wie das irgendwie oft so ist,wissen viele anscheinend gar nicht,was damit überhaupt gemeint ist.Es kommt immer darauf an,was man darunter versteht.Wenn die,die einem vorwerfen,dass man ja an allem selbst »schuld« ist,wirklich eigenverantwortlich WÄREN,dann würden sie sowas gar nicht sagen und andere nicht so hängen lassen.
    Wüssten die wirklich,was Eigenverantwortung ist,würden die nicht auf andere scheißen und mit zweierlei Maß messen,weil ihnen dann klar wäre,dass es nicht nur um ihr eigenes Wohl geht sie nicht wichtiger sind als andere...

    Ich denke,dass die davon ausgehen,dass jeder auf sich selbst gestellt ist und man deswegen auch selbst zusehen soll,wie man klarkommt (man muss sich doch nur genug anstrengen...)Das meinen die mit ›ihrer‹ Eigenverantwortung,worauf dann auch die blöden Sprüche abzielen..Das ist aber nicht so,weil sich alles gegenseitig beeinflusst und zusammenhängt.
    Man sieht ja auch,wie abhängig die eigentlich von uns sind (zB die Superreichen,die Regierung,Komzerne etc aber auch Menschen,die einen privat ausbeuten wollen ).Die brauchen uns!Aber erzählen einem gleichzeitig,dass man selbst zusehen soll,wie man klarkommt...Für die gilt das aber scheinbar nicht‐nur für die anderen (zumindest in ihrer Vorstellung)
    Also,wer blickt da überhaupt noch wirklich durch?Ich kann da keinen Sinn erkennen..

  49. @andi: Sorry, versteh deine Aufregung nicht. In erster Linie geht es im Rahmen des Beitrags hier um ersehnte »Erlösung«.

    Mag sein, dass ich gelegentlich weit aushole. Ich »prügle« aber auch auf niemanden (besonders nicht persönlich; wer sich den Stiefel anziehen will, sei nicht daran gehindert...) ein; ich kritisiere lediglich eben eine gewisse »Lebensfremde« in bestimmten Kreisen; besonders dann, wenn es um besonders heilige Kühe oder Dogmen geht. Und auch dann, wenn manch einer (offenbar noch halbwegs erträglich eingerichtet) meint, ein Krümel mehr oder weniger ergäbe keinen Unterschied... Doch, tut er — und auch aus diesem Grund sind viele (ganz) linke Thesen für die große Masse und grade auch viele ärmere Menschen vollkommen uninteressant. Man lässt da die Leute lieber leiden, anstatt ihnen zu helfen — denn das wäre ja dann — pufideibel — nur »Sozialdemokratie«! »Strohmänner« bedarf es auch nicht; finden sich doch auch hier Beiträge von Dogmatikern, die ad hominem gegen jeden keifen, der ihrer einzig wahren Definition von Wahrheit auch nur in Nuancen widerspricht...

    @Carlo: Okay. Auf rhetorische Fragen sind Antworten nicht unbedingt notwendig, drüber nachgedacht habe ich jedenfalls schon ausgiebig. Und bin zum Schluss gekommen, dass es mit der »Erlösung« noch ne Weile dauern könnte...! Wer aber andere Menschen überzeugen will, den Laden hier mal eben auf den Kopf (oder umgekehrt vom Kopf auf die Beine) zu stellen, wird um die schlüssige Beantwortung solcher Fragen nicht umhinkommen... Das »kümmer dich selber drum« bei der Masse nicht funktioniert, dürfe ja empirisch ausreichend belegt sein. Die Lücke füllt dann gerne sowas wie die AfD auf...

    @Verena: Das ist so üblich; dieses »du siehst alles nur / zu negativ« und »eigentlich ist doch alles supi‐dupi« ist die für viele die einfachste Lösung, um sich erst gar nicht inhaltlich mit deinen Beobachtungen und Schlussfolgerungen befassen zu müssen. Ne Art »spießbürgerliche« Wand aus massiver Ignoranz, an der alles abprallt, was nicht in das eigene Weltbild des sein Glück allein Schmiedenden passt. Der Deutsche liebt es, anderen ein »Selber Schuld!« vor die Füße zu rotzen. Willkommen in der Michel‐Matrix. ;)

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