Presseblick (52)

tagesspiegel.de vom 23. April 2016

tagesspiegel.de vom 23. April 2016

Wutbürger, Extremist, Protestwähler, Verschwörungstheoretiker, Antiamerikaner, Radikaler, Antisemit, Spinner und immer wieder: Populist! Es gibt mittlerweile ein ganzes Arsenal an verunglimpfenden Wörtern und Begriffen, um diejenigen, die den offiziellen Verlautbarungen von Politik und Presse keinen Glauben schenken (oder sie auch nur in Frage stellen), als nicht ernstzunehmende Gesprächspartner zu diskreditieren. Damit zeigt sich dieser Tage ganz deutlich, dass Politik und Presse an einem echten Meinungsaustausch überhaupt kein Interesse (mehr) haben. Wir sollen schlucken, was sie uns einimpfen und anschließend die Fresse halten. Die Hoffnung von Jürgen Habermas, dass in einem offenen Diskurs, sich die besten Ideen durchsetzen würden, hat sich als absolut naiv erwiesen. Denn eine zensur‐ und propagandafreie (Medien-)Öffentlichkeit kann und wird es niemals geben.

Sexismus
Ob Falschbeschuldigungen, die Verschärfung des Sexualstrafrechts, ständige Sexismusdebatten bei PC‐Spielen, Kachelmann, die #aufschrei‐Debatte oder der universitäre Sprach‐Gender‐Totalitarismus: so langsam reichts! Nun wurde der Musikprofessor Siegfried M. zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilt, weil er angeblich seine Kollegin angegrabscht haben soll. Vor Gericht stand Aussage gegen Aussage und die Richter entschieden hier im Zweifel gegen den Mann. Dr. Alexander Stevens bemerkt treffend auf cuncti.net: »Wollen Sie als Mann einer Frau Avancen machen, warten Sie ab, bis die Angebetete ihre Hand auf die Ihre legt«. Ansonsten könnte Knast drohen. :JAJA:

Rechtsextremismus
Wichtige NSU‐Akten sind vom Hochwasser in Sachsen im Jahre 2010 bedauerlicherweise fortgespült worden, so die Staatsanwaltschaft Chemnitz. Soll das Realsatire sein?

In Dessau wurde eine chinesische Studentin ermordet. Die Eltern der Täter sind Polizisten, die höchtwahrscheinlich Informationen manipuliert und/oder Beweise vernichtet haben. Nach dem Skandal um Oury Jalloh gibt es nun einen weiteren Polizei‐Sumpf‐Skandal in Dessau. Passend hierzu: »Warum Anzeigen gegen Polizisten selten zur Anklage führen .«

Medien
Edward Snowden versteckt sich in Russland. Julian Assange sitzt weiter im Freiluft‐Gefängnis in London, genauer: in der Botschaft von Ecuador. Wikileaks Whistleblowerin Chelsea Manning ist zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Die #LuxLeaks‐Enthüller Antoine Deltour und Raphaël H. stehen nun ebenfalls vor Gericht. Früher bekamen investigative Journalisten noch Preise. Heute werden Aufklärer verfolgt und weggesperrt. Aber wir haben »im Westen« natürlich eine freie Presse und es gibt keine Repression gegenüber Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Das geschieht nur in China, der Türkei oder Nordkorea.

Spiegel Online vom 26. April 2016

Spiegel Online vom 26. April 2016

Und wer immer noch glaubt, die TAZ sei links (haha), der sollte sich fragen, warum sie einen neoliberalen Hohepriester, der in der Vergangenheit schon mal die oft kritisierten Manager mit verfolgten Juden verglichen hatte und für arbeitnehmerfeindliche Positionen bekannt ist, überhaupt interviewt? Es geht um niemand anderen als den neoliberalen Heilsprediger Hans‐Werner‐Sinn. :SICK:

Und auch wenn das Blog Propagandaschau bei einigen Themen nicht zu empfehlen ist (ganz besonders bei der Flüchtlingsfrage), so gibt es einen ganz empfehlenswerten Artikel darüber, wie die russische Medien‐Propaganda abläuft: sie lassen ganz einfach sämtliche Russenbasher, Liberalen und NATO‐Schreibhuren ganz unzensiert in aller Öffentlichkeit ihren blödsinnigen Sermon abgeben. Eine bessere Dekonstruktion kann man sich kaum vorstellen.

Gesundheit
Wenig Gedanken um die Gesundheit von anderen Kindern und Erziehern machen sich Eltern, die ihre Kinder krank in den Kindergarten bringen, weil sie unbedingt lohnarbeiten gehen wollen müssen. Ja, das Krankengeld ist weniger als der Lohn (sofern man das Kind und nicht sich selbst krank schreiben lässt ;) ) und ja, viele Chefs sind absolut kinderfeindliche Unmenschen. Dennoch: Kinder sind keine Maschinen! Gerade in den ersten Jahren muss das Immunsystem erst einmal aufgebaut werden und da werden Kinder nun mal häufiger krank. Damit müssen alle rechnen und sich darauf einstellen! Vielen Eltern ist das aber völlig wuppe und sie bringen ihre Kinder ganz bewusst krank in den Kindergarten, beschweren sich dann aber sofort, wenn auf einmal wieder Erzieher‐Notstand ist, weil sich die halbe Belegschaft (samt Kindern) bei ihren Lütten angesteckt haben. :MAD:

Neoliberalismus
Die deutsche Kolonie Griechenland wird weiter ausgepresst und ausgeblutet. Darüber hinaus ist das Land ein Experiment für die Superreichen, Banken und Konzerne. Wie weit kann man eine Bevölkerung knechten und drangsalieren, bevor sie zu den Waffen greift (also nicht nur harmlose Pappschildchen hochhält)? Nun soll es eine Mehrwertsteuererhöhung von 23 auf 24 Prozent geben. Im Juli 2015 gab es bereits eine Erhöhung von 13 auf 23 Prozent. Außerdem: »Ein neues Super‐Unternehmen vergleichbar mit der deutschen Treuhand, die Hellenic Company of Assets and Participations, soll den Staatsbesitz privatisieren. [...] Die neue Treuhand plant also, nahezu sämtliche öffentliche Einrichtungen und Dienste zu zerschlagen und den Profitinteressen von Privatunternehmen unterzuordnen.« Griechenland ist die neue DDR.

amerika21.de vom 25. Mai 2016

amerika21.de vom 25. Mai 2016

Datenschutz
Daten sind und bleiben das neue Öl. Auch wenn das die smartphone‐Junkies, die WhatsApp‐Jünger und die Facebook‐Suchties immer noch nicht begreifen wollen. Für das Jahr 2016 rechnet der Branchenverband Bitkom in diesem Bereich mit einem Umsatz von 13 Milliarden Euro. Das Thema Datenschutz ist hierbei einfach gar keines. Oder wie es ein Internet‐Unternehmer ausdrückt: »Datenschutz ist einfach eine alte Idee. Die meisten Menschen verstehen noch nicht einmal, was das ist.«

Politik
Der Verfassungsschutz hält die AfD nicht für gefährlich. Eine Beobachtung sei nicht erforderlich. Dafür wird die Linkspartei weiter überwacht. Die rassistische AfD ist den etablierten, neoliberalen Einheitsparteien deutlich lieber, als eine Partei, die für die Interessen der Bevölkerung kämpft. :WTF:

Sozialabbau
Während der protzende Reichtum immer groteskere Ausmaße annimmt (ja, die Superreichen nicht mal mehr wissen, wohin mit dem vielen Geld), leben in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren von Hartz 4. Und weil sie alle selbst schuld, faul und überflüssige Ballastexistenzen sind, soll es bald weitere Sozialkürzungen geben. Die in den Leitmedien jahrelang als »linke« titulierte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) plant weitere Verschärfungen. So soll es für alleinerziehende Bezieher von ALG2, für jeden Tag, an dem das Kind beim Vater ist, Abzüge beim Regelsatz geben. Auch die oft erfolgreichen Klagen vor dem Sozialgericht, wegen falschen Bescheiden, sollen weiter erschwert werden.

9 Gedanken zu “Presseblick (52)

  1. Zum Thema »Sexismus« möchte ich hier eine kleine Anekdote ergänzen, weil ich finde, dass in Blogs, die von Männern betrieben werden, oft nur eine Seite der Medaille gezeigt wird. Das ist mir hier auch schon oft aufgefallen. Ich finde es ist völlig ok, auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen und Männer gehören beim Thema Sexismus auch oft zu den Opfern. Jedoch wird auf solchen Blogs, die sich oft als »aufklärerisch« begreifen, gerne mal sehr subjektiv berichtet. Die Frau ist dann immer die, die falsch beschuldigt und der arme Mann kann nicht mal mehr einen nett anlächeln, ohne gleich in den Knast zu wandern. Und diese Darstellung ist meines Erachtens nach großer Bullshit.

    Ich muss dazu noch sagen, dass ich von diesem Twitter‐Aufschrei damals nicht viel gehalten habe und auch heute nicht tue. Von Gender habe ich keine Ahnung und PC‐Spiele spiele ich nicht, weiß also da auch nichts von Sexismus. Im »echten« Leben interessiert es eh kaum einen und ich denke, dass diese Themen in Blogs und anderen Foren gerne auch mal hochgekocht werden, ohne dass dafür eine wirkliche Relevanz besteht. Auf der anderen Seite kann ich diesen Egomanen Kachelmann auch nicht mehr ertragen, was ihm passiert ist, war ungerecht. Jedoch könnte er sich auch mal langsam aus der Öffentlichkeit zurückziehen, die ihm ja so übel mitgespielt habe, wie er immer wieder betont.

    Nach dem Studium hat eine gute Freundin von mir eine Stelle als Assistenzkraft an ihrem Institut ergattert. Ihr Chef, der Dekan, kannte sie schon vorher und hat ihr diese Stelle damals angeboten. Da sie damals nichts besseres zur Auswahl hatte, nahm sie an. Der Dekan war auch immer sehr nett zu ihr, die Stelle war in Ordnung und die Kollegen waren auch ok. Nun hat sich aber nach einer Weile herausgestellt, wieso der Dekan immer sehr nett zu ihr war. Eines Tages stand sie bei ihm im Büro und hatte irgendwas erklärt, als der alte Sack sie von hinten kommend plötzlich umarmte und anfing, sie von oben bis unten zu betatschen. Als sie mir die Geschichte erzählt hatte, meinte sie nur, dass sie in diesem Moment so perplex war und unter Schock stand, dass sie einfach nichts dagegen machen konnte. Erstens, weil sie damit nicht gerechnet hatte und zweitens, weil sie einfach nur wollte, dass er damit aufhört. Er hat dann irgendwann auch aufgehört, weil er auch gemerkt hatte, dass sie darauf nicht einging und sie das nicht wollte. Er hat es auch nicht ein zweites Mal versucht. Jedoch war die Arbeitssituation zwischen ihnen natürlich zerstört.

    Als sie diese Geschichte den anderen Kollegen erzählt hatte (da herrschte wirklich ein sehr kollegiales Verhältnis zwischen den Mitarbeitern) meinten die nur, dass das schon öfters vorgekommen sei und der Dekan nur junge und hübsche Frauen einstellen würde. Er probiere es dann bei jeder und wenn sie darauf eingehen, mache er weiter. Da er der Dekan sei, könne er sich das auch erlauben. Keine der Frauen hat sich irgendwo über ihn beschwert.

    Meine Freundin hat sich dann auch später eine andere Stelle gesucht, da sie da wegen der Belästigung nicht mehr arbeiten wollte. Den Dekan hat es nicht gestört. Er hat sich neues Frischfleisch geholt.

    Ich bin mir sicher, dass Frauen genauso gut ihre Positionen ausnutzen können. Jedoch bin ich es auch langsam leid immer wieder lesen zu müssen, dass sich Frauen solche Geschichten nur aus den Fingern saugen. Natürlich steht da immer Aussage gegen Aussage. Und natürlich kann man das im Nachhinein nach ein paar Jahren nicht mehr beweisen. Kann man auch so nicht. Aber es ist nun mal Fakt, dass besonders an Unis die meist männlichen Vorgesetzten die Situation oft ausnutzen. Das passiert überall, wo Hierarchien und Abhängigkeiten bestehen. An Unis ist das oft sehr krass.

    Es ist also mitnichten so, dass hier immer nur der Mann das Opfer ist. Wer das behauptet, lügt entweder vorsetzlich, hinterfragt nicht oder lässt die Hälfte weg und interessiert sich somit nicht wirklich für die Fakten.

  2. @MT

    »weil ich finde, dass in Blogs, die von Männern betrieben werden, oft nur eine Seite der Medaille gezeigt wird«

    Und ich finde, dass in Blogs, die von Frauen betrieben werden, oft nur eine Seite der Medaille gezeigt wird. ;)

    »Es ist also mitnichten so, dass hier immer nur der Mann das Opfer ist. Wer das behauptet, lügt entweder vorsetzlich, hinterfragt nicht oder lässt die Hälfte weg und interessiert sich somit nicht wirklich für die Fakten.«

    Behauptet doch niemand! Natürlich gibt es sexuelle Belästigungen, Sexismus, Vergewaltigungen, Missbrauch — die von Männern ausgehen und absolut zu verurteilen sind! Das ist doch gar keine Frage! Die Berichterstattung darüber findet jedoch in den Leitmedien in der Regel ein großes Echo (Silvester 201516). Das auch Männer mal Opfer sind, aber so gut wie gar nicht (oder es wird lächerlich gemacht). Vermutlich betonen es Blogger deshalb auch häufiger.

    @Alles nur Satire

    Bitte! Schön, auch mal wieder keine Ohrfeige zu bekommen. ;)

  3. Es könnte doch durchaus möglich sein, dass die Medien öfter über sexuelle Gewalt an Frauen berichten, weil die öfter vorkommt!?
    Sehr viel öfter. Was öfter passiert, darüber wird öfter berichtet; was weniger vorkommt, darüber wird weniger berichtet. Finde ich eigentlich ganz plausibel und gar nicht erstaunlich.

    Zitat aus dem Gender‐Datenreport des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
    »Gewalthandlungen und Gewaltbetroffenheit von Frauen und Männern:
    — Von den meisten Gewaltdelikten sind Frauen seltener als Männer als Opfer betroffen. Dies gilt nicht für Sexualdelikte, die sich ganz überwiegend gegen weibliche Opfer richten, und auch nicht für Raubdelikte gegenüber Opfern über 60 Jahren. [...]
    — Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Männer, Mädchen und Jungen wird zu 95 bis 99 Prozent von Männern ausgeübt. Opfer sexueller Gewalt werden vor allem Frauen, Mädchen und Jungen, seltener dagegen erwachsene Männer.
    «

    Dass sich durch diese Umstände auch ein größerer Raum öffnet, der Frauen erlaubt, falsche Tatsachen vorzutäuschen, sei unbestritten. Doch so oder so, überwiegt der Missbrauch von Seiten der Männer zahlenmäßig in großem Maße. Hier von einer allgemeinen Ungerechtigkeit für Männer zu sprechen, stellt eine grobe Verzerrung dar. Es handelt sich vielmehr um individuelle Ungerechtigkeiten. In vielen Fällen werden Männer ja auch freigesprochen, weil keine hinreichenden Beweise vorliegen. Wenn sie dennoch schuld sind, ist das für wen dann ungerecht?

  4. Daß es sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt , ist völlig unbetritten. Nur wird damit auch seriös umgegangen?
    Aktuelles Beispiel zur Verschärfung des Sexualstrafrechts :

    Greift ein ihr fremder Mann einer Frau von hinten unter den Rock und steht diese erstmal versteinert da und sagt auch nicht »nein« , dann ist das straffrei , weil sich die Frau nicht gewehrt hat.
    Das , was sehr sinnvoll ist , wenn sich zwei kennen und in einer Situation treffen , in der sexuelle Handlungen plausibel sind , verkehrt sich hier ins Gegenteil.
    Die Politik reagiert darauf mit einer Verschärfung des Sexualstrafrechts , die freiwillige Kontakte erschwert und nichts ausrichtet gegen den beschriebenen Fall u.ä., dabei wäre es sehr einfach , solche Aktionen direkt zu verbieten.

    Beispiel Zwangsprostitution:

    Hier wird zunehmend das Freien kriminalisiert , was nur zu einem tieferen Abtauchen der Szene führen wird , massiv auf Kosten der Opfer.
    Stattdessen wäre es dringend angezeigt , die Polizeistärken zu erhöhen und ein Bleiberecht für aussagewillige Opfer einzuführen.

    Feministische Kreise ziehen es aber vor , das Thema zu nehmen , um jede Chance zu nutzen , Männer zu attackieren , erkennbar aus Prinzip . Ich habe sogar den Eindruck , daß es den Radikaleren ganz recht ist , wenn solche Themen ungelöst bleiben , damit sie ihren Geschlechterkrieg auf die Spitze treiben können.

  5. Den juristischen Umgang mit der sexuellen Gewalt haben wir, aus aktuellem Anlass, im Freundeskreis erörtert. Unser Ergebnis: Der Nachweis ist schwierig, aber in der Realität ist die Anzahl der nicht angezeigten oder nicht verfolgten Delikte um ein hohes Vielfaches größer als die falschen Beschuldigungen. Frauen sind sehr viel häufiger betroffen als Männer, und es gibt ein legislatives Defizit. Richter brauchen das Handwerkszeug, um Einzelfällen gerecht zu werden.
    Das führt uns zum Fall »Gina Lisa«: Ich halte es zumindest für unzweifelhaft, dass beim Vorliegen des geringsten Zweifels, ob der Sex einvernehmlich ist *und* das Einverständnis des Partners nicht eingeholt werden kann (weil sturzbetrunken) keine verantwortbare Alternative dazu besteht, innezuhalten. Hier wurde von den Männern inkaufgenommen, dass die andere Seite vielleicht nicht einverstanden ist, defensive Artikulationsversuche wurden übergangen. Die derzeitige Gesetzeslage lässt dafür keine Sanktionierung zu.
    Findet ihr nicht auch, dass da Nachbesserungsbedarf besteht?

    Herzliche Grüße
    Alex

  6. @Alex

    Es mag weh tun , aber wir werden davon wegkommen müssen , das Ganze über das Strafrecht lösen zu wollen. Es liegt nunmal in der Natur der Sache , daß nur die (in der Regel) zwei Beteiligten in der Situation anwesend sind und daher Aussage gegen Aussage steht.

    Im ein oder anderen Fall sind vielleicht Verbesserungen möglich , aber es wird sich nichts daran ändern , daß der größte Anteil der angezeigten Übergriffe nicht zur Verurteilung führt.
    Wir müssen auch mal akzeptieren , daß es im Leben schlimme Dinge gibt , die den Einzelnen betreffen können. Was wir brauchen , ist eine höhere Fehlerfreundlichkeit , es muß normal werden , daß da auch traumatisierte Leute rumlaufen , die ganz selbstverständlich die Hilfe erhalten , die sie brauchen , ohne dafür auch noch kämpfen und ohne sich dafür schämen zu müssen.
    Die Fixierung aufs Strafrecht trägt dazu bei , daß es weiterhin eine Schande ist , Opfer zu sein , wenn auch weniger als früher , und daß sich Opfer die Schuld selber geben.

  7. @Art Vanderley: Das Strafrecht ist natürlich eine Krücke. Gewalt soll nicht prozessiert, sondern verhindert werden. Was da hilft, ist wohl nur eine konsequente Erziehung zu sexueller (und allgemeiner) Selbstbestimmung und Achtung der Rechte anderer. Sowas lässt sich aber nicht mal eben so etablieren und Erziehung erreicht sowieso nicht jeden, am Ende hat man dann doch nur wieder das Strafrecht.

    Ja, wir brauchen sicherlich mehr Toleranz gegenüber Geschädigten. Ich hoffe aber, das ist nicht der einzige Bereich, in dem du Raum für Verbesserungen siehst ;) Ich glaube, mit einem Ansatz auf breiter Front (Erziehung, Bildung, Medien, Kultur, Strafrecht, Therapie...) lässt sich sexuelle Gewalt reduzieren. Das ist ein hartes Stück Arbeit, aber wenn nur genug Menschen das Problem anerkennen, kann da etwas erreicht werden.

  8. @Der Vielfrager

    Klar ist das Strafrecht wichtig , immerhin gibt es ja ein gewisses Risiko , erwischt zu werden , für diejenigen , denen nicht anders beizukommen ist.
    Dennoch ist es gerade bei den folgenreichsten Taten ungeeignet , dem sexuellen Mißbrauch der eigenen Kinder.
    Daher volle Zustimmung , ein breiter Ansatz ist gefragt .

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