Presseblick (51)

So langsam sind die »Panama Papers« kein Thema mehr in den Medien (der Böhmermann‐Fall hat es erfolgreich verdrängt). Ein weiterer Skandal, der ohne jegliche Konsequenzen für die Superreichen bleibt. Ähnlich wie bei den Doktor‐Plagiaten, #luxleaks, den Offshore‐Leaks, der Liechtensteiner Steueraffäre sowie den Enthüllungen von Edward Snowden und Julian Assange sind das alles keine »Einzelfälle«, sondern immanente Bestandteile unseres politischen und wirtschaftlichen Systems. Dorothea Siems auf welt.de springt sogar für die korrupten und kriminellen Vermögenden in die Bresche: »Die Hatz auf die Reichen ist anstößig und illiberal.« Finanzminister (und schwarzer Koffer‐Träger) Schäuble will indessen mit Insidern nicht sprechen. Und alle anderen benutzen den Skandal, um -mal wieder‐ gegen Putin zu hetzen. Im Westen also nichts Neues. Wir alle sollten mittlerweile davon ausgehen, dass wir hier nur die absolute Spitze des Eisberges sehen. Vermutlich sind die abgefahrensten Verschwörungstheorien noch harmloser Kindergarten. :PFEIF:  

Geld
Das Thema Bargeldverbot ist immer noch auf der politisch‐medialen Agenda. Nachdem man das zunächst offensiv angegangen, also Bargeld kriminalisiert hat sowie weiterhin etliche Anreizsysteme zum bargeldloses Bezahlen ausbaut (Kundenkarten, Payback, Treuepunkte, via smartphone bezahlen etc.)  — kommt nun der Priming‐Effekt. Es werden Themen gefahren, die dazu animieren sollen, sein Geld zur Bank zu bringen. Beispielsweise die vermehrte Berichterstattung über Einbrüche oder dass Bankschließfächer knapp werden würden. Immer lautet die Botschaft: bringt euer Geld schnell zur Bank! Es ist sonst nicht sicher.

Flüchtlinge
Im Hamburger Nobel‐Stadtteil Blankenese soll ein Flüchtlingsheim gebaut werden. Die Anwohner haben per Eilverfahren verfügt, dass der Bau zunächst gestoppt wird, weil dafür 42 Bäume gefällt werden müssten (als wenn es den Mittelschichts‐Rassisten‐Spießern um die Bäume gehen würde :SICK: ). Nun hat die »interventionistische Linke« angekündigt, die Bäume zu fällen und nennt das ironisch ein »Kettensägenmassaker«. SpiegelOnline macht daraus eine reißerische Headline und die Polizei wolle vor Ort dagegen vorgehen. So sieht sie aus, die deutsche Solidarität mit den Schwächsten. Und was machen die Flüchtlinge?

zeit.de vom 22. März 2016

zeit.de vom 22. März 2016

Sie retten ihre Henker.

Kindheit
Juno Vai fragt sich auf Spiegel Online, ob es böse Kinder geben würde, um im gleichen Atemzug das zu bejahen. Sind wir schon wieder bei Kategorien wie gut und böse angekommen, um Menschen zu beurteilen? Denn ja, auch Kinder sind Menschen. Und gerade die Kleinsten sind in unserer Gesellschaft, den Medien, der Politik und Wirtschaft sowie der Familie ganz besonders ausgeliefert. Von all dem sind sie vor allem ein Sammelsurium von Verhaltensweisen und Ansichten in Kombination mit den eigenen Anlagen. Solche tendenziösen Artikel negieren zudem den kompletten Stand der aktuellen Psychologie‐ und Pädagogik‐Forschung, die völlig plakative Begriffe wie gut und böse niemals verwenden würden.

Medien
Die Frankfurter Rundschau gibt nun kleinlaut zu, dass die Berichterstattung der deutschen Leitmedien über Griechenland und Syriza im ersten Halbjahr 2015, zum überwiegenden Teil negativ war. Dafür braucht man natürlich wieder eine wissenschaftliche Studie, diesmal von der Universität Würzburg. Wenn das Blogger mit ausreichenden Zitaten belegen, ist das natürlich gleich ein »Lügenpresse« — Vorwurf oder gar Verschwörungstheorie. Gleichwohl wird die mediale Aufmerksamkeit über diese Studie nicht mal einen Bruchteil der Reichweite betragen, welche die einseitige Berichterstattung über Syriza von BILD, Welt, TAZ, Spiegel, FAZ und Süddeutscher Zeitung, im Sommer 2015 erreicht hat.

Arbeitsmarkt
Die Deutsche Bahn baut über 2.000 Stellen ab, also entlässt Leute, bringt sie um ihre finanzielle Existenz. In den Leitmedien spricht man von »Sanierungsplänen« oder einem »Umbau«. Gekaufte Gewerkschafter (EVG) und Betriebsräte machen mit. Und wer hat die Bahn beraten? Natürlich McKinsey. Weshalb kommt bei ihren Unternehmungsberatungen am Ende eigentlich immer Arbeitsplatzabbau raus? :NENE:

Junge Welt vom 11. April 2014

Junge Welt vom 11. April 2014

Und während zahlreiche Casting‐Shows und Pseudo‐Doku‐Sozial‐Soaps unsere Gehirne weichkochen, wagen es rund 12.000 Telekom‐Mitarbeiter zu streiken, widerspricht ver.di der Amazon‐Propaganda »von gut bezahlten Jobs« und wollen die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst massive Warnstreiks ankündigen. Außerdem hat der Zoll Verstöße gegen das Mindestlohngesetz im vierstelligen Bereich entdeckt. Was haben die nur alle? Uns geht es doch gut! :JAJA:

Rechtsextremismus
Der deutsche Geist steht -mal wieder‐ ganz weit rechts. Während der gemeine Pöbel die AfD wählt, zu Pegida‐Veranstaltungen fährt, auf Facebook seinen menschenverachtenden Hass verbreitet oder im heimischen Garten über Flüchtlinge und Ausländer hetzt (»Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...«), gibt es in der Bundeswehr über 200 Verdachtsfälle auf Neonazis und der Brandenburger Verfassungsschutz hat in der Vergangenheit die Festnahme des NSU‐Trios verhindert. Konsequenzen? Keine.

8 Gedanken zu “Presseblick (51)

  1. BDI‐Präsident Ulrich Grillo schlug im Mai 2014 die Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre vor. Dafür sollte es einen Bonus geben. Im Oktober 2015 -nach über einem Jahr de politischen Schweigens‐ verschärfte te er seinen Vorschlag auf 85 Jahre, weil die Lebenserwartung doch stetig steige.

    Dann war wieder Ruhe im Karton. Nun, ein weiteres halbes Jahr später -so das System bei dümmlichen Vorschlägen der Kapitalseite — landet der Vorschlag »Rente mit 70 stufenweise ab 2030« im Kabinett. Noch sträubt sich die SPD.

    Ähnlich wird es beim Vorschlag »Einsatz der Bundeswehr (einschl. KSK) im Innern« ablaufen. Noch sträubt sich die SPD. Ich erinnere nur an das Tarifeinheitsgesetz, die Vorratsdatenspeicherung, die Maut und TTIP.

  2. Zu Panama — naja, welche Konsequenzen sollte es denn haben? »Unsere« braven, westlichen Reichen waren dort ja (nach der entsprechenden Filterung) so gut wie gar nicht involviert...! ;)

    Im Zusammenhang mit »Panama« und dem vermeintlichen »Bargeldverbot« — so etwas wird auch deshalb trotz aller Unkenrufe schlicht und einfach: nicht kommen — da es auch bei den Eliten (und ihren wichtigen Zuträgern) weiterhin wichtig ist, gewisse Transaktionen unverbucht und mittels Geldkoffern abzuwickeln. Zumal sich ja zeigt, dass die Finanzüberwachung bei den Großen schon nicht funktioniert — also funktioniert die oft herbeiphantasierte »Massenüberwachung« unter den gegenwärtigen Zuständen in den deutschen Finanzbehörden schon gar nicht!

    Zum Thema Geld / Banken passt vielleicht auch: die örtliche Sparkasse (hatte sich damals in Rahmen der Lehman‐Pleite ordentlich verzockt und in den letzten Jahren unzählige Filialen auf dem Land geschlossen... — wie tönt es so schön aus den TV‐Lautsprechern »der Unterschied beginnt schon beim Namen«...!?) erhöht hier ab 1. Juni die monatliche Grundgebühr um schlappe 50 % auf 4,50 Euro; also läppische 54 Euro im Jahr — nur für ein Girokonto! Dazu verlangt man für jeden eingereichten Überweisungsträger in Zukunft 1 Euro...! Ebenso für Daueraufträge, Scheckeinreichungen, Ein‐ / Ausahlungsvorgänge auf das eigene Konto. Selbst für Gut‐ oder Lastschriften will man 5 Cent. Trotz Nullzinsen (für Spareinlagen erhält man derzeit sagenhafte 0,05 % »Zinsen«) schweben jedoch im Gegenzug die Zinssätze für Kontoüberziehungen weiterhin in gewohnt himmlischen Höhen. Man gibt auch mehr oder weniger zu, die Leute vermehrt zum online‐Banking zwingen zu wollen — aber selbst dort verlangt man für die genannten Punkte in Zukunft Gebühren im Centbereich. Der (politisch vorwiegend schwarz‐rot besetzte) Verwaltungsrat hatte auch keine Einwände. Aber die Mehrheit der doofen Michels ja auch nicht...

  3. Bei den Panama Papers wird es nur langsam interessant, da auch hier und da Hinweise auf Leute aus der westlichen Hemisphäre vermerkt werden. Letztes »Opfer« war Hillary Clinton. Scheint wohl eine Sache zu sein, wer die Papiere durchleuchtet, denn man scheint ja wohl auch Daten über Leute darin zu finden, über die man es nicht in die große Glocke hängen will.
    Aber — wie du schon sagst: Konsequenzen?
    Die müssen nicht mal Steuern nachzahlen.

    Die Sache mit den Bäumen ist wirklich interessant.
    Bei Stuttgart 21 war es ein riesiges Drama, dass im Park ein paar mehrere hundert Jahre einfach abgeholzt wurden, und nun auf einmal wollen ein paar angeblich »Linksorientierte« selber Bäume fällen für ein Flüchtlingsheim? Würde man sagen »Gut gegeneinander ausgespielt — die Ökos und die Flüchtlingsbefürworter«.
    Mal davon abgesehen: Die Gutsituierten sind immer die ersten, die schreien, Deutschland soll Flüchtlinge aufnehmen, »es geht uns allen doch so gut«, wenn es dann aber daran geht, welche in ihrer eigenen Nachbarschaft zu beherbergen, dann machen sie sofort einen Rückzieher und meinen »nein, bitte möglichst weit weg von uns«, nicht mit unseren Kindern. Da müssen ein paar Bäume als Grund dafür herhalten, dass man nich ehrlich sagt, was man meint. Aber naja, vielleicht wollte sich auch jemand die nächste Hetzkampagne von wegen »Nazi« sparen... Muss man ja überall machen, ob man reich ist oder arm. Sind es die Reichen, die keine Flüchtlinge wollen, dann sind es Snobs — sind es die Armen, die keine Flüchtlinge wollen, dann ist es »das Pack«. Wenn die Reichen keine in ihren Villen zwangseinquartiert haben wollen, dann nennt man es »ihr gutes Recht«.

  4. Die Gutsituierten sind immer die ersten, die schreien, Deutschland soll Flüchtlinge aufnehmen, »es geht uns allen doch so gut«, wenn es dann aber daran geht, welche in ihrer eigenen Nachbarschaft zu beherbergen, dann machen sie sofort einen Rückzieher und meinen »nein, bitte möglichst weit weg von uns«, nicht mit unseren Kindern.

    @matrixmann: Halte ich in dieser Pauschalität für nicht sonderlich stichhaltig. Bezeichnen wir sie vielleicht eher als sich selbst als bürgerliche »Gutmenschen« Sehende, aus der (ansonsten gewohnt Menschenverachtenden — jeder ist bekanntlich seines eigenen Glückes...) »Mitte«, die sich auch mittels »Willkommenskultur« von den eher unappetitlicheren Knallchargen weiter »rechts« distanzieren will. Natürlich tun sich da (wie z. B. auch bei der Steuermoral...) dann in der praktischen Umsetzung Widersprüche auf. Außerdem kollidiert die Willkommenskultur dann auch irgendwann wieder mit dem Hass auf Arme und Arbeitslose — Menschen als auch Menschengruppen kann man ja recht beliebig in Schubladen sortieren oder ihnen imaginäre Schilder um den Hals hängen. Als Mensch ist man ja allgemein wirklich meist nur noch eine W...vorlage — für die Bedienung gar lebensnotwendiger, weltbilderhaltender Vorurteile!

    Arme, die »keine Flüchtlinge wollen« sind in der Tat ein erbärmliches »Pack«. Weil sie sich lieber mit den »Reichen« der gleichen Abstammung »solidarisieren«, nach oben buckeln und nach unten treten — anstatt ein Ländergrenzen überschreitendes Klassenbewusstsein zu entwickeln, sich mit den anderen Ausgebeuteten und imperialen Kriegsopfern zu solidarisieren und so vielleicht mit den anderen »Armen« (Flüchtlingen) etwas Grundsätzliches daran zu ändern! Nö — man hat lieber Angst, die Fachkraft nehme einem den Job weg — sagt eigentlich doch genug über den »Wert« der eigenen »Fähigkeiten« als zu verwurstendes Humankapitalobjekt aus. Nach der Logik funktioniert auch der ganz allgemeine Hass auf den »deutschen« Hartzer — auch er senkt durch seine alleinige Existenz den Lohn der jetzt noch Schuftenden — da ausweisen keine Option ist, lässt man ihn halt totalsanktionieren oder vollkommen psychisch kaputtmanagen...!

    Das lässt sich allgemein gut unter der weit verbreiteten »Nimby«-Kultur verbuchen. Wenn man zwar auf der Autobahn schnell an den Schallschutzwänden der anderen vorbeibrettert — aber sich selbst sowas natürlich niemals gefallen lassen wird!

    BTW — ich hielt Telepolis grade wegen der Kommentare im Forum lange Zeit für eine Oase in der Wüste — inzwischen hat auch dort »das Pack« Einzug gehalten... »Wir« und »Die« so einfach; so bezeichnend, warum sich in diesem Land niemals linke, menschenfreundliche Politik durchsetzen wird...!

    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47975/1.html

    @epikur — Obamas Besuch in Hannover fehlt vielleicht noch im Presseblick: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48026/1.html ;)

  5. @ Dennis82
    Du hast nichts von dem verstanden, was ich meinte.
    Ich schreibe »Gutsituierte«, weil ich Gutsituierte meine.
    Wenn das mit dem ewig repitierten Jargon vom »Gutmenschen« nicht zusammenpasst, dann ist das nicht mein Problem.
    Ich bin die ewig gleichen Phrasen, die man sich seit mehr als einem Jahr in jeder Kommentarspalte gegenseitig schenkt, satt und nenne lieber Dinge bei einem konkreten Namen.

  6. Oh, #luxleaks bleibt nicht ohne Konsequenzen.
    Der französische Journalist, der zuerst darüber berichtte und die mutmaßlichen Whistleblower stehen jetzt vor einem Luxemburger Gericht. Wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen. Wo kämen wir den da hin, wenn wir das kriminelle Gebaren der Mafia öffentlich kund täten.

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