Presseblick (36)

In Zypern und Bulgarien wurden die Menschen geschröpft, damit die Banken und Vermögenden gerettet werden konnten. Ähnliche Szenarien und Ideen lauern bereits in der Giftschublade der EU: »Bundesbank stimmt Zwangsabgabe auf Sparguthaben zu.« Außerdem soll Bargeld zunächst diffamiert und dann irgendwann abgeschafft werden, damit man die Bürger leichter kontrollieren kann: »Der entscheidende Vorteil für die Staaten bei der Einhebung einer solchen Zwangsabgabe ist heute, dass alle Bankgeschäfte online durchgeführt werden.« Die Enteignung der EU‐Bevölkerung hat gerade erst begonnen. Der Cyberpunk ist eine ganz reale Dystopie geworden.

Medien
Der WELT‐Reporter Daniel D. Eckert empört sich via Twitter: »Früher war der Leninismus die größte Herausforderung für das kapitalistische System, heute im Internet‐Zeitalter, der Ablehnenismus« (6.457 Follower, rund 10 Retweets). Da sehnt sich wohl ein gutbürgerlicher Mittelschichtler wieder zurück zu der guten alten Zeit, wo es nur vereinzelte Leserbriefe gab, die man auch nicht abdrucken musste. Wird WELT‐Online als nächstes die Leserkommentare schließen? Schließlich treiben sich hier eh nur Hasstrolle, Putinversteher und Verschwörungstheoretiker herum, nicht wahr?

Die Koch‐Bloggerin Mel Buml versteht nicht, warum es Blogleser nicht gut finden, wenn man mit dem bloggen Geld verdienen will und behauptet: »Fast könnte man annehmen, dass diese Leser eigentlich lieber behumpst werden möchten.« Was auch immer das bedeuten soll. Klar war und ist für mich immer gewesen: wer sich bezahlen lässt, macht sich abhängig von seinen Geldgebern und schränkt seine Schreib‐ und Gedankenfreiheit ein. Das gilt für die Mainstream‐Medien, die abhängig von ihren Anzeigenkunden sind, ebenso wie für Blogger, die beispielsweise Amazon‐Links einbauen und es dann nicht wagen, etwas kritisches zu dem Lohndumping‐Unternehmen zu schreiben.

Religion
Die Verunglimpfung von Papst Franziskus ist in vollem Gange. Ein Papst, der die Reichtums‐Verteilungsfrage stellt, den Kapitalismus kritisiert und behauptet »diese Wirtschaft tötet!« kann natürlich nicht als glaubwürdiges religiöses Oberhaupt gelten. Unsere neoliberale Speichellecker‐Presse muss ihn daher bestmöglich denunzieren. Ganz vorn dabei ist natürlich das ehemalige Nachrichtenmagazin: »Äußerung zu Gewalt in der Erziehung: Der Papst hat einen Hau.«

Frisch. Frischer. Eat fresh. Das Schlüsselwort für alle, die nicht wahrhaben wollen, dass unser Essen aus industriell gefertigter Massenware besteht. Berlin, Dezember 2014.

Liebe
Sybille Berg macht in ihrer Kolumne auf spiegel.de auf die erwähnenswerte Unterscheidung zwischen Liebe und Leidenschaft aufmerksam. Diese sind nicht zwingend Gegensätze oder stehen sich diametral entgegen, sie können sehr wohl zusammen gehören oder sich bedingen, aber eben auch einzeln nebeneinander existieren. Für viele scheinen sie jedoch untrennbar miteinander verbunden zu sein. Dadurch entstehen dann solche Floskeln wie: »Am Anfang war alles so schön und jetzt?« Leidenschaft ist eben flüchtiger und vergänglicher als die Liebe. Das zu erkennen und zu akzeptieren, könnte viele zwischenmenschliche Probleme lösen helfen.

Arbeitsmarkt
Das Institut für Arbeitsmarkt‐ und Berufsforschung (IAB) zeigt was es drauf hat in der Forschung: »Jedes Grad unter null schafft 14.000 Arbeitslose.« Hauptsache die Ökonomie irgendwie quantifizieren, das genügt heutzutage, um eine Schlagzeile zu erzeugen und um gesellschaftlich »relevant« zu sein. Absurd. Peinlich. Lächerlich. Nach der Logik dürfte es in Afrika und in der Sahara ja gar keine Arbeitslosen mehr geben. Und wieso haben gerade die Südeuropäer (Griechenland, Spanien, Italien) eine steigende Erwerbslosenzahl zu verzeichnen? Unter diesem Aspekt ist das Abschmelzen der Polkappen ja eine arbeitsmarktfördernde Initiative von Mutter Natur.

Jetzt wissen wir auch, warum ständig Menschen ihre Lohnarbeit verlieren und damit ihre finanzielle Existenz zerstör...pardon, warum Firmen und Konzerne sich verschlanken, sanieren, umbauen, rationalisieren, und gesundsparen müssen. So nennt man das heutzutage. Das Wetter ist schuld und nicht der Wachstumsfetisch (nur eine kleine Auswahl):

Telefónica Deutschland: bis 2018 sollen über 1.600 Stellen wegfallen.
Sony: Streichung von weiteren 1.000 Arbeitsplätzen.
SMA Solar: 1.600 Jobs sollen gestrichen werden.
Ebay: Rund 3.000 Arbeitsplätze fallen weg.
Commerzbank: bis 2016 werden rund 5.200 Mitarbeiter entlassen.
Karstadt: mindestens 3.000 Mitarbeiter dürfen gehen.
Siemens: mehr als 7.000 Arbeitsplätze sollen für den »Umbau« geopfert werden.

Und diejenigen, die noch eine Lohnarbeit haben, dürfen sich kaputt schuften, wie beispielsweise bei Netto. Die Hartz4‐Drohung wirkt.

Social Media
Der Guardian titelt: »British army creates team of Facebook warriors.« Die »77th Brigade« der britischen Armee soll in den sozialen Netzwerken PR‐Aufgaben übernehmen, wie es heißt. Man könnte es auch Propaganda, die Abwertung von Andersdenkenden oder verdeckte Medien‐Kriegsführung nennen. Aber das wäre verschwörungstheoretisch. Auch die »Embedded Journalist« wollten und wollen doch nur wahrheitsgetreu von der Front berichten.

Armut
Die unternehmerfreundliche Wirtschaftswoche titelt: »Mehr junge Menschen wachsen ohne Hoffnung auf« und thematisiert den Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverband. Rund 12,5 Millionen Menschen in Deutschland seien von Armut betroffen. Auch hier kann man getrost von weitaus mehr ausgehen, die in der Statistik jedoch nicht berücksichtigt werden. Der Artikel beginnt mit einem typischen und immer wieder gern verwendeten Narrativ: »Angesichts einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland«. Die Formulierung suggeriert, als wenn das alles nur halb so schlimm wäre, schließlich würde es ja »wachsen«. Dabei ist die millionenfache Armut in Deutschland knallharte Gegenwart. Heute. Und nicht erst morgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.