Der Planet Emotio IV

wallcoo.net

wallcoo.net

Im Jahre 4.000 nach Christus entdeckte die raumfahrende Insekten‐Spezies, die Asslani, einen seltsamen blauen Planeten namens Emotio IV. Auf ihm lebten über 10 Milliarden humanoide Lebewesen. Die Emotioner hatten eine für sie sehr fremdartige Kultur. Die Asslani waren überrascht, dass eine Zivilisation eine so hohe technologische Entwicklung erreicht hatte, obwohl sie sich dabei hauptsächlich von ihren Gefühlen treiben und steuern ließen.

Während die Asslani stets das kollektive Gemeinwohl der gesamten Bevölkerung -als das höchste Streben der Masse und jedes Einzelnen‐ sowie als eine große zivilisatorische Errungenschaft betrachtet hatten, so hielten die Emotioner den individuellen Eigennutz und den Egoismus in Kombination mit Konkurrenz‐ und Wettbewerbsdenken, für Fortschritt. Die Asslani ignorierten den Planeten, da er für sie keinen kulturellen oder strategischen Wert besaß. Doch noch bevor die Forschungsschiffe der Insektenspezies wieder abfliegen konnten, wurden sie von den Emotionern beschossen und vernichtet. An Bord waren mehr als 5.000 Asslani‐Zivilisten. Die Zweibeiner hielten wenig von Kommunikation und Diplomatie. Stattdessen wollten sie die fremdartige Alien‐Technologie erbeuten.

Nach einem jahrzehntelang andauernden Krieg beider Rassen, wurden die Zweibeiner am Ende besiegt und fast vollständig ausgelöscht. Die Insektenspezies verzichtete jedoch darauf, die uncharmanten Egowesen zu vernichten. Sie ließen sie am Leben und halfen ihnen sogar beim Wiederaufbau ihrer Zivilisation. Für sie war jedes Leben wertvoll und erhaltenswert. Der Krieg war für sei eine tragische, aber leider unvermeidliche Angelegenheit. Sie hegten keine weiteren Rachegefühle, sondern fühlten sich verantwortlich für die schwierige Kommunikation der beiden Völker und somit für die vielen Toten auf beiden Seiten. In den Herzen der Emotioner jedoch brodelte es.

Nachdem die Asslani den Emotionern über 50 Jahre lang halfen, ihre Zivilisation wieder auf zu bauen und nachdem die Zweibeiner die Alien‐Technologie studiert hatten, begannen die Egowesen einen erneuten Konflikt in Form eines Guerilla‐Krieges. Dieses Mal töteten sie alle Insekten, verfolgten sie bis zu ihrem Heimatplanten und schlachteten gnadenlos alle ab. Heute sind die Asslani ausgestorben. Auch im Jahr 4.500 nach Christus weigern sich die Emotioner diesen Akt der Barbarei als Völkermord zu bezeichnen. Es sei Selbstverteidigung gewesen, so der Anführer der Emotioner.

4 Gedanken zu “Der Planet Emotio IV

  1. Ui, Klasse, endlich mal Gesellschaftskritik ohne die üblichen intellektuellen Logik‐Klischeedenkerposen aus’m Staubkarton. Bei dem leicht überbetonten negativiertem »Emotio« bekomm ich allerdings dabei Nasenjucken, denn auch die Asslanier würden sicher die dem Gesamtwohl zuträglichen Emotionen berücksichtigen und fördern. Ich rieche unbewusst dabei immer diesen merkwürdigen Hegelschen Schnitt durch den Hals zur Trennung des vermeintlich vernünftigen Kopfes vom Körper, — eine essentielle linke Grundlast zwischen Automat und Lebewesen. Ich sehe nicht Emotionen als Problem an, — sondern ihre Art. Wenn es allerdings an Frank Herberts Hellstrom’s Brut anknüft, dann ist es wirklich schwer gelungen.

  2. Schön geschrieben! Ich geh mal stark davon aus, dass wenn es da draußen so hoch entwickelte Spezies gibt, die die interstellare Raumfahrt beherrschen, werden sie (wie z. B. die Vulkanier) um die Erde nen großen Bogen machen; da reicht schon der Empfang von einem Tag deutschen TV‐Programms, um die Menschheit endgültig als »primitive Lebensform mit final‐suizidalen Tendenzen« einzustufen. Avatar oder auch Alien basieren ja auch ein wenig darauf, wie es laufen könnte, würde die Menschheit (= kapitalistische Heuschrecken) irgendwann ihren Heimatplaneten verlassen. Ne Welt ohne Emotionen ist aber auch nicht so dolle; siehe z. B. den Film »Equilibrium« mit C. Bale. ;)

  3. @eb

    Frank Herberts »Hellstrom’s Brut« ist wegen seinem Dune‐Zyklus weniger bekannt, aber dennoch klasse.

    @Dennis82

    werden sie (wie z. B. die Vulkanier) um die Erde nen großen Bogen machen; da reicht schon der Empfang von einem Tag deutschen TV‐Programms, um die Menschheit endgültig als »primitive Lebensform mit final‐suizidalen Tendenzen« einzustufen.

    :KICHER:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.