Presseblick (28)

Kindheit
Im Jahr 2013 wurden von den Behörden in Berlin fast 10.000 Verfahren  wegen Kindeswohlgefährdung eingeleitet, berichtet die Berliner Morgenpost. Bei zwei Drittel der akuten Fälle geht es vor allem um Vernachlässigung. Kinder leiden demnach eben nicht am häufigsten unter Missbrauch (3,9 Prozent), Gewalt oder Drogen (wie es RTL und die Springer‐Medien so gerne skandalisieren), sondern schlicht daran, dass sie ständig wegorganisiert und allein gelassen werden. Lohnarbeit, Konsum und Karriere stehen bei den meisten Erwachsenen an erster Stelle. Für die Kinder bleibt dann wenig Zeit.

Social Media
Harald Czycholl behauptet auf abendblatt.de: »Schon ein Foto bei Facebook kann den Job kosten«. Dabei geht es eben nicht darum, wie so oft behauptet, um die berühmt berüchtigten Sauf‐ und/oder Partybilder, sondern um die Kritik am Arbeitgeber: »So wurde einem Auszubildenden aus Bochum gekündigt, nachdem dieser seinen Arbeitgeber auf seinem privaten Facebook‐Profil als Menschenschinder und Ausbeuter bezeichnet hatte.« Also selbst wenn diese Behauptung stimmen sollte, spielt das in unserem »Rechtsstaat« keine Rolle. Ein Unternehmen hat man nicht als Ausbeuter zu bezeichnen, selbst wenn es seine Angestellten wie Dreck behandeln sollte.

Weltweite Kriege? Hungernde? Armut? Ausbeutung? Überwachung? Wen interessiert das schon im rosaroten Prinzessinnen‐Bunker Deutschland. Die selbsternannten »Checkerinnen« klagen auf Facebook den Service und die Kundenfreundlichkeit eines bekannten deutschen Discounters an. Ganze 12 Minuten werden hanebüchene Alltagsbeispiele aufgezählt. Warum viele Menschen (ja dazu gehören auch Verkäufer) keinen Grund zum Lachen haben (Lohn, Mobbing, Arbeitsklima etc.) und keine Freundlichkeits‐Roboter sein können und wollen, interessiert die Damen nicht. Aufwachen! Ihr lebt nicht im Ich‐bin‐wichtig‐Märchen.

Arbeit
Das Institut für Arbeitsmarkt‐ und Berufsforschung (IAB) hat am Donnerstag, den 7. August via dpa verkündet: »Mehr als eine Million offene Stellen in Deutschland.« Dies seien 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr.  Das die eine Million offenen Stellen, die natürlich alle sozialversicherungspflichtig sind und existenzsichernd entlohnt werden (Mini‐Jobs, Leiharbeit, akademisches Prekariat, befristete Stellen etc.), auf ungeschönt 6–7 Million Erwerbslose in Deutschland treffen, wird natürlich nicht thematisiert. Ganz im Gegenteil werden auch in diesem Jahr weiterhin überall Stellen abgebaut, um kurzfristig den eigenen Aktienwert anzuheben. Nicht zu vergessen die ständig fortschreitende Automatisierung und Technisierung, welche Arbeitskräfte restlos ersetzen.

Banken
Mit wie viel krimineller Energie unsere Banken ihr Alltagsgeschäft betreiben, kann man an der Auflistung der Strafzahlungen sehen, welche die FAZ veröffentlicht hat. Dies dürfte aber nur die absolute Spitze des Eisberges sein. Wenn wir die Banken nicht endlich bändigen und an die Leine legen, bekommen wir niemals einen funktionierenden Staat bzw. ein funktionierendes Wirtschaftssystem hin. Von sozialer Gerechtigkeit ganz zu schweigen.

Games
Die Huffingtonpost titelt reißerisch: »Sexuelle Gewalt in Videospielen: Der neue Trend bei Grand Theft Auto ist Vergewaltigung«. Die Avatare anderer Spieler sollen sexuell belästigt und vergewaltigt werden. Das geschehe dann so: »Als ihren Charakter wählen sie einen Mann, der keine Hose trägt oder ganz nackt ist. Dann suchen sie sich einen anderen Spieler, positionieren ihren Charakter hinter seinen und spielen eine Animation ab, sodass es so aussieht als bewege sich der Penis vor uns zurück.« Echt übel! Wie wäre es mit einer Internet‐Taskforce, um das Problem in den Griff zu bekommen?

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