ZG‐Rückblick: Gleichberechtigungsdebatte

Rainer Brüderle soll sich gegenüber einer Journalistin inadequat in sexistischer Form geäußert haben. Das ist der Anlass für eine Debatte quer durch alle bürgerlichen Medien. Ist diese Debatte das Symptom eines schwelenden Konflikts, innerhalb unserer Gesellschaft, oder einfach nur die nächste Sau die durchs Dorf getrieben wird? Ist diese Debatte überhaupt eine, ist die Form wie sie geführt wird zielführend?

epikur
Zunächst einmal würde ich schon von einer Sexismus‐Debatte, statt von einer Gleichberechtigungsdebatte sprechen. Wenn auch diese, bei der derzeitigen Diskussion, die Bezeichnung nicht wirklich verdient hat. Was nun genau am besagten Abend und/oder an weiteren Abenden zwischen der Stern‐Journalistin und Rainer Bürderle vorgefallen ist, werden wohl nur Eingeweihte genau wissen. Der einzige Unterschied zwischen einem »normalen« betrunkenen Vollidioten, der am Freitag abend in einem Club eine Frau anbaggert und dafür eine Abfuhr, oder im besten Fall eine gescheuert bekommt, und Rainer Brüderle ist, dass er ein öffentliches Amt bekleidet und bekannt ist.

Quelle: Titanic‐Magazin

Diese unsäglichen Sexismus‐, Gender‐ und Feminismus‐Debatten in Wissenschaft und Medien, sind für mich meist wenig zielführend. Allzu häufig sind sie Alibi‐ oder Ablenkungsstrategien, Luxus‐Themen, die gleichzeitig für Spaltung  und Entsolidarisierung zwischen den Geschlechtern sorgen. Die existenziellen Sorgen und Nöte der meisten Menschen haben damit wenig zu tun.

jtheripper
Es ist einfach nur anstregend, wenn man sieht wer sich alles zu dem Thema äußern muss. Sicher ist es an sich wichtig, aber die Debatte dazu kann man ja, wie epikur schon schreibt, nicht ernst nehmen. Wie so oft habe ich erst auf Twitter davon mitbekommen, als plötzlich von alltäglichem Sexismus  erzählt wurde, die viele Fauen abbekommen.

Das hat für mich einen größeren Informationswert, als die zig Artikel pro Tag, die von großen Nachrichtenportalen rausgehauen werden. Thema Verschrieben.


todesglupsch
Was mich besorgt, bei der entlang konkreter Äußerungen geführten Debatte ist, dass die Folge bei »Erfolg« nur eine Verschärfung der Politischen Korrektheit sein kann. Diese ist aber vor Allem eine Art (Zerr-)Filter zwischen einer tatsächlichen Person und ihrem öffentlichen Bild. Sie macht es mir, z.B. ungleich schwerer Politiker und deren Integrität zu beurteilen. Teilweise führt es bei mir zum Umkehrschluss, dass Leute die sich öffentlich politisch unkorrekt äußern in meiner Wahrnehmung als per se integerer angesehen werden. Vor allem aber führt es zu einem langsamen aber stetig vergifteten gesellschaftlichem Klima indem auch Menschen, ohne im öffentlichen Raum besonders exponierte Stellung, ihre Äußerungen auf politische Korrektheit prüfen müssen.

Das Thema Sexismus ist ja nicht die einzige Baustelle. Es gibt, z.B. auch das Bestreben das Wort »Neger« aus Kinderbüchern zu entfernen. Mir ist nicht klar, welche Vorstellung hinter solchen Bestrebungen steckt. Glaubt man wirklich die Einschränkung der Sprache verändert die Einstellung die diese hervorbringt. Ist es nicht so, dass verantwortungsvolle Eltern ihren Kindern erklären sollten was es mit entsprechenden Begriffen auf sich hat und Kinder mit »weniger« verantwortungvollen Eltern mit und ohne solche Eingriffe gekniffen sind? Sollten Kinder nicht wenn sie denn irgendwann mit dem Wort (unfreiwillig) konfrontiert werden dieses in einen Kontext setzen können, ggf. auch dadurch, dass es ihnen in der Literatur bereits begegnet ist. Wenn also Jim aus den »Tom Sawyer«-Romanen demnächst als »stark pigmentierter Zwangsarbeiter mit unfreiwilligem Migrationshintergrund« oder Ähnlichem bezeichnet wird, macht das die Umwelt für Kinder besser oder vielleicht doch auch weltfremder?

Das wichtige ist doch weniger was, als denn wie (und in welchem Kontext) es gesagt wird. Hier muss man halt zugeben, dass für öffentliche Personen das Probelm ist, dass das »Wie« in den Massenmedien weniger transportiert wird, bzw. auch gezielt verfälscht wird (aber das ist noch ein eigenes Thema).

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Gleichberechtigungsdebatte

  1. Sexismus mag allgegenwärtig sein, aber wo hört er denn auf? Dort wo die ihn ausführenden Menschen einem »irgendwie« genehm sind.Es ist also im wesentlichen nur das Messen mit zweierlei Maß.

  2. Gute Beiträge zu einem echten Ätz‐Thema.

    Auffällig , daß immer nur dann ein shitstorm entsteht , wenn Frauen in einer guten Position »betroffen« sind.
    Die Hetze gegen Hartz 4 — Empfänger/innen interessiert diese »engagierten« Kreise hingegen nicht die Bohne.

    Dieser Eliten — Feminismus ist ein Verwandter des Neoliberalismus und hat mit liberalem und linkem Denken längst nichts mehr zu tun.

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