Wahlplakate 2013 — Teil 4: Die Grünen

Am 22. September sind Bundestagswahlen und die Straßen sind bereits zugemüllt mit Phrasen, Versprechungen, Lügen und Verdrehungen. Ich habe einige Wahlplakate fotografiert und möchte sie hier kurz kommentieren. Heute stelle ich mich den etablierten Grünen.
Die Grünen, die endlich oben angekommen sind und dabei all ihre Prinzipien, Ideale und politischen Ziele dem Machtstreben geopfert haben, versuchen sich nun als lustige Kabarett‐Gruppe. Manche mögen das womöglich humorvoll finden, wenn man verdrängt, dass die Grünen längst keine Oppositionspartei mehr sind. Denn für Privilegien, Pöstchen und Regierungsbeteiligung sind für sie alle Inhalte verhandelbar.

Die direkte Anrede »Und Du?« wirkt auf mich seltsam befremdlich. Soll ich mich den Grünen verbunden fühlen, wenn ich diese Ansicht teile? Warum werde ich geduzt? Sind die Grünen, deren Wähler seit langem mehr verdienen, als die der FDP, etwa meine Kumpels? Oder soll das vermeintlich witzig‐anarchohafte an die alte Sponti‐Zeit erinnern? Frei nach dem Motto: die Grünen seien sich treu geblieben? Zwar angepasst, zu jeder Schandtat und Regierungsbeteiligung bereit, aber dennoch irgendwie rebellisch?

Hier wird der Bundesregierung Ahnungslosigkeit unterstellt. Abgesehen davon, dass für das Klima vor allem die Natur zuständig ist und sich die Politik höchstens für den Klimaschutz engagieren kann (Ja, die semantische Feinheit ist wichtig!), werden von den Grünen keine eigenen Inhalte transportiert. Warum auch? Das würde die Wähler womöglich zum Nachdenken anregen und könnte Verantwortlichkeiten grüner Regierungsbeteiligung ans Licht bringen. Die Grünen inszenieren sich lieber als lustige Oppositionspartei.

Während mit der SPD radikaler Sozialabbau, mit der CDU und der FDP vor allem unternehmensfreundliche Politik  verbunden wird, leben die Grünen bis heute davon, nicht großartig negativ aufgefallen zu sein. Die Agenda 2010, Sozialabbau und deutsche Kriegsbeteiligungen werden der SPD angelastet, obwohl die Grünen damals alles mitgemacht haben. Für den Koalitionsfrieden, versteht sich. Außer ein paar heißen Diskussionen und einem Christian Ströbele hat man auch den Afghanistan‐Einsatz der Bundeswehr via Fraktionszwang abgesegnet. Die Partei, die aus der Friedensbewegung entstanden ist, hat gleich drei Kriege mitgetragen (Jugoslawien, Afghanistan, Irak — Deutschland war Kriegspartei!).

Wir wollten natürlich vor allem auch die Stellung der Frauen verändern, für Demokratie und Menschenrechte sorgen.

- Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, am 27. Juli 2010, taz.de, zum Thema Afghanistan‐Einsatz der Bundeswehr.

Frauen zuerst, danach Demokratie und Menschenrechte. Männer ganz am Ende. Auch das ist typisch »grün«. Bis heute findet zudem die Mehrheit der Grünen‐Politiker Hartz 4 richtig und auch in den meisten anderen politischen Fragen sind sie mit CDU, SPD und FDP auf neoliberaler Mitte‐Linie. Das Nachhaltigkeits‐, Bio‐ und Öko‐Image in Kombination mit leicht vergesslichen Wählern, wird auch 2013 dafür sorgen, dass die Giftgrünen vermutlich ein vergleichsweise gutes Ergebnis einfahren werden. Völlig unverdient, wenn man mich fragt.

» Wahlplakate — Teil 1: CDU
» Wahlplakate — Teil 2: SPD
» Wahlplakate — Teil 3: FDP

8 Gedanken zu “Wahlplakate 2013 — Teil 4: Die Grünen

  1. Beim Marsch durch die Institutionen haben Die Grünen, nachdem sie ihre »Urväter und Urmütter« erfolgreich eliminiert hatten, eindrucksvoll »Reformeifer« bewiesen; hinderliche Prinzipien und Anschauungen wurden sukzessive zugunsten einer neolibertären Politik aufgegeben.
    Bei den Plakaten drängt sich unweigerlich die Vermutung auf: Das grünlackierte Establishment gibt sich volkstümlich.
    Diese saturierten Scharlatane, Ausnahmen bestätigen die Regel, erinnern an die Frankfurter Spontitruppe, die die letzte Gelegenheit, den Aufzug nach oben zu besetzen, erfolgreich mittels Okkupation genutzt hat.
    Ihre urspünglichen Zielsetzungen haben sich zudem auf einen Minimalkonsens verengt, der jene überproportional belastet, die ihn sich einfach in dieser Rigidität nicht leisten können.

  2. Diese »Und du«-Kampagne ist unsäglich und bedient genau jene Klischees , die den Ökos immer nachgesagt wurden und die so nie gestimmt haben , also dieses ganze Oberlehrerhafte, wobei da Viele die Grünen mit der Öko‐Bewegung in einen Topf werfen.

    Die Kritik an der Sozialpolitik der Grünen ist berechtigt , und auch die Frau‐vor‐Mann -Kritik , allerdings scheint es mir den Grünen da auch wie allen Parteien zu gehen‐ an der Basis gibt es gar nicht so wenige Leute , die nicht so vollständig einverstanden sind mit dem , was die Spitzen so verbrechen , und sie finden offenbar genausowenig ein Mittel dagegen.

    Es gibt in der Partei immerhin auch eine breite Minderheit , die einem BGE sehr offen gegenübersteht , aber sobald es ein Zipfelchen Macht zu ergattern gibt , kippt nur die SPD noch schneller aus den Latschen als die grüne Partei , und wie in der SPD obsiegt dann in der Basis die Parteidisziplin.
    Seltsam nur , daß kaum einer sieht , daß es genau dieses Verhalten war , daß die rot‐grüne Macht wieder gekostet hat , und zwar deulich vor der Zeit , und daß der Bruch der rot‐grünen Koalition vermutlich besser für die Partei gesen wäre , der Vertrauensverlust kann sich auch langfristig auswirken , die Grünen sind da noch lange nicht übern Berg , geanusowenig wie die SPD.

  3. Allein dafür ‚dass diese pädophilen Gutmenschen seit Jahren wissentlich Milliarden an Steuergeldern für ihre unsäglichen Windrad‐und Solar‐Abenteuer sinnlos versenken,gehören die hinter Gitter wegen Veruntreuung,Lug und Betrug,wegen Volksverarschung der Spitzenklasse.Das ist nur ein Grund,weshalb die unwählbar sind.

  4. »unsäglichen Windrad‐und Solar‐Abenteuer sinnlos versenken«
    Wieso sinnlos? Es stehen überall Windräder herum, welche Energie erzeugen. Die Frage ist, was die Alternative zur Windenergie wäre? In meinen Augen ist die Energiepolitik der Bereich wo die Grünen noch am besten aussehen. Da würde ich die Sozialpolitik oder Bekenntnisse zur Homöopathie deutlich kritischer sehen.

  5. Es ist schon seltsam, wie die Grünen sich die Deutungshoheit über die erneuerbaren Energien gesichert haben.

    Das EEG(Erneuerbare Energien Gesetz) wurde vor allem von der SPD initiiert, einer der Verantwortlichen war Hermann Scheer (2010 verstorben). Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die Pervertierung des heutigen EEG miterleben müßte. Das heutige EEG ist nichts weiter als ein Unterstützungsprogramm für die Energiekonzerne und die Steuereinnahmen auf Kosten der Bürger. Schauen wir nach Baden‐Württemberg, da sehen wir, daß auch die Grünen mit an diesem Programm arbeiten.

    Die Grünen sind neoliberaler als die FDP.

  6. Nein, die Grünen bedienen den Markt, so einfach ist das. Im Sinne des eigenen Profits, gilt auch nichts anderes. Ist bei den anderen Parteien nicht viel anders. Guckt euch die Firmengeflechte an. Das läuft nicht anders, als bei den Banken (ist ja auch kein Wunder, wenn man sich die Redner bei den Institutionen to big to fail anschaut). Abmelken ist angesagt. Politik ist nunmal auch ein Geschäft, auch wenn es nicht ganz so gut läuft, wie Investmentbanking. Schaut doch mal nach, welcher Wirtschaftsanwalt wo sitzt. Woll Ihr natürlich nicht. Sofern man natürlich noch zur Mitte zählt, ist alles geritzt. Die Frage ist nur: Wie lange?

  7. Frauen zuerst, danach Demokratie und Menschenrechte. Männer ganz am Ende. Auch das ist typisch »grün«. Hat diesen Artikel ein Mann verfasst? Ich glaube, man sollte die Wahlkämpfe lockerer sehen und das Lachen nicht vergessen? Dafür sorgen alle schöne Wahrplakate! ;) Schöne Grüße aus dem Norden

  8. @Günter

    Ich sehe das Leben so locker, so dass ich erstmal Deinen kommerziellen »Beauty‐ und Wellness‐Reisen buchen« — Link entfernt habe. Wir sind keine Werbeplattform, wo ihr eure Geld‐Mach‐SEO‐Links hinkacken könnt! Begreift das endlich! :PROF:

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