Presseblick (5)

Die Aktion Mensch hat eine interessante Studie zum Thema berufliche Teilhabe und Einstiegshemnisse von behinderten Menschen herausgebracht: »Als größte Barriere bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung identifiziert die Studie Bedenken der Arbeitgeber über eine geringere Leistungsfähigkeit«. Auch sei der Anteil an arbeitslosen Akademikern mit Behinderung zwischen 2009 und 2012 um 17 Prozent gestiegen. Zeitgleich sank die Zahl der arbeitslosen Akademiker ohne Behinderung um rund vier Prozent. Noch Fragen?

Auf faz.net wurde die Schönheitschirurgin Cynthia Ann Wolfensberger interviewt: »Unsere Gesellschaft ist sehr pubertär. Wie Menschen, die noch nicht ganz erwachsen sind, wollen heute alle wie die anderen aussehen«. Tja, aber vom erwachsen werden, vom sich selbst lieben und akzeptieren lernen verdienen Schönheitschirurgen ja nichts, oder? Vielmehr würden ihnen dann die Kunden ausgehen. Heuchlerische Doppelmoral, die uns hier aufgetischt wird. Gerade diese Branche nährt sich, wie ein Blutsauger, an den Minderwertigkeitskomplexen der verunsicherten Massen.

Die Psychologen Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer erklären auf sueddeutsche.de: »Einer Gesellschaft, die ihre Intelligenzreserven nicht ausnutzt, droht Stillstand und Abstieg«. Außerdem sei Intelligenz vor allem eine Sache der Gene und nicht der Sozialisation. Na dann Feuer frei für die embryonale Stammzellenforschung und für die Heranzüchtung der Intelligenz‐Elite. Was wir dann zukünftig mit den Dummen machen, behalten wir Psychologen erstmal für uns.

Hochwasser. Menschen verlieren ihre Häuser, werden obdachlos und sind verzweifelt. Aber wen interessiert das schon ernsthaft im marktradikalen Deutschland? Hauptsache die Kasse (und die Wahlkampfstimmung) klingelt. So sagt der Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Baugewerbeverbandes, Klaus Bertram, im Handelsblatt: »So wie nach der Flut an Elbe und Mulde im Jahr 2002 könnte die Branche in den betroffenen Regionen unterm Strich von dem Naturereignis profitieren«. Profit, profitieren, daraus Kapital schlagen. Des einen Leid, ist des anderen Freud. Sie nennen es Solidarität.

Auf derbund.ch wird der Präsident der International Advertising Association (IAA), Faris Abouhamad, interviewt. Auf die Frage, ob die Werbeindustrie nicht verantwortlich für den immensen Alkohol‐ und Zigarettenkonsum sei, antwortet Abouhamad: »Viele Regierungen dieser Welt machen uns Werber für das Übel und Leid verantwortlich, die beispielsweise Alkohol oder Zigaretten anrichten. Das ist aber zu einseitig. Es kann doch nicht sein, dass wir die Konsumenten beschützen müssen.  Die Konsumenten handeln in Eigenverantwortung«. Das ist die Argumentation von Drogendealern.

2 Gedanken zu “Presseblick (5)

  1. »Intelligenzreserven «
    Die Psychologen können weder Intelligenz noch deren Messung eindeutig festlegen. Dennoch können sie globale Schlüsse ziehen.

    »Das ist die Argumentation von Drogendealern.«
    Die Werbeindustrie kommt, moralisch gesehen, kurz vor oder hinter der Finanzindustrie. Ich bin mir nicht ganz sicher.

  2. Interessante Auswahl diesmal‐
    »Arbeitgeber«-ein Unwort allererster Güte
    Schönheitschirurgen‐brauchen wir unbedingt
    Psychologen‐der Herr Dr.Postel lässt grüssen
    Ein Gangst...ähh »Geschäftsführer‐immer wieder eine tolle Spezies
    last but not least‐ein Werbe‐Fuzzi‐das sind die die den Müll,den sie verzapfen immer der »Bedürftigkeit« des Kunden und der verblödeten Masse anrechnen,nie sich selbst.Wo kämen wir denn da hin.

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