Frauenrollen

Clarice van Houten spielt Melisandre in »Game of Thrones« (Bild: Thom Hoffman/wikimedia)

Seit längerem nervt mich eine Rolle bei vielen TV‐Serien ganz besonders: die der Haus‐ und Ehefrau bzw. der Mutter. Ob bei »Homeland«, »24«, »Heroes«, »V – die Außerirdischen«, »Breaking Bad«, »the shield«, »the wire« oder vielen anderen Serien: die Ehefrau und Mutter hält stets moralische Predigten, macht Vorwürfe, jammert, heult und nörgelt was das Zeug hält.

Sie wollen das letzte Wort haben, die Männer und Kinder erziehen und kontrollieren. Sie sollen als eine Art moralischen Kompass fungieren, die den fehlerhaften Männern, ständig einen Spiegel vorhalten wollen. Es gibt zwar auch positive Ausnahmen im Serien‐Dschungel (»Game of Thrones«, »Homeland«), aber dennoch wird dieser Stereotyp immer wieder gezeigt. Können die Serienmacher, Produzenten und Autoren keine guten Frauenrollen schreiben?

Beginnen wir mit der preisgekrönten Serie »Breaking Bad«. Während die beiden männlichen Hauptdarsteller ihr Ding durchziehen und mit allen Konsequenzen leben und fertig werden müssen (und das die Serie so gut macht!), so ist Walter White´s Frau ständig am meckern, nörgeln, jammern und heulen. Eigentlich ist, in ihren Augen, alles was Walter White macht falsch und verantwortungslos. Schön, ich habe es als Zuschauer verstanden, aber warum bekommen diese Szenen dann auch noch soviel screentime, so dass ich mir das in fast jeder Folge immer und immer wieder ansehen muss?

Morena Baccarin spielt Jessica Brody in »Homeland« (Bild: Raven Underwood/wikimedia)

Homeland hat zwar eine ausgezeichnete Hauptdarstellerin (Claire Daines), die eine manisch‐depressive CIA‐Agentin spielt, die auch emotional häufiger mal durchdreht, mich nervt sie jedoch nicht, da sie auch Entscheidungen trifft und ihren eigenen Weg geht. Ganz anders dagegen, die Frau von Nicholas Brody (Damian Lewis), dem heimgekehrten Soldaten. Eigentlich ist sie, Jessica Brody (Morena Baccarin), ständig nur damit beschäftigt, ihrem Ehemann Vorwürfe zu machen und ihn als einen verantwortungslosen und generell schlechten Menschen hinzustellen.

»24« und »the shield« sind dann noch mal richtige Extremfälle: die männlichen Hauptrollen sind Karrieretypen. Logisch, dass sie eine 60 Stunden Woche und eigentlich nie Zeit für ihre Familie haben. Wenn sie dann doch mal nachhause kommen, dürfen sie sich kübelweise Vorwürfe, Gejammer und Gemecker anhören. Die Frauenrollen sind hier nicht mal inkonsequent geschrieben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass ehrgeizige Karrierekerle in bestimmten Frauenmilieus sehr beliebt sind. Schließlich versprechen sie Auto, Haus, Garten, Kohle, Urlaub, Ansehen und so weiter. Und auch das männliche Dilemma: zuviel Arbeit gleich Familienvernachlässiger und zuwenig Arbeit gleich schlechter Familienversorger, ist zwar realitätsnah inszeniert, dennoch will ich mir diesen Konflikt nicht in jeder Folge reinziehen müssen.

Vielleicht ist »Game of Thrones« auch deshalb so erfolgreich und beliebt, weil es in der Serie viele gut geschriebene Frauenrollen gibt, die nicht nur die ganze Zeit Vorwürfe machen, sondern eigene Entscheidungen treffen und auch ihre Fehler haben. Seien es die Machtfrauen Cersei Lannister und Daenerys Targaryen, das Mädchen Arja Stark, die ihren eigenen Weg geht, die rote Priesterin Melisandre oder die weibliche Ritterin Brienne. Es sind gut geschriebene Frauenrollen jenseits typischer Stereotypen. Das ist sehr erfrischend und macht Spaß anzuschauen.

Die soap‐artigen Jammer‐Nörgel‐ und Heul‐Dialoge der Ehefrauen und Mütter in vielen TV‐Serien kann man sich größtenteils sparen. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: natürlich sind emotionale Konflikte ein wichtiger Bestandteil unseres zwischenmenschlichen Alltags. Diese können in Serien auch spannend inszeniert werden, aber bitte nicht so! Ich habe wenig Spaß daran, mir in jeder Folge heulende, jammernde und vorwurfsvolle Frauen und Mütter anzuschauen. Abgesehen davon, welches Frauenbild wird hier eigentlich vermittelt?

4 Gedanken zu “Frauenrollen

  1. @Eike

    Du meinst einfach mal »abschalten«? Generell eine gute Idee. Manche Serien, wie »Homeland« oder »Breaking Bad«, finde ich jedoch durchaus gelungen und sehenswert. Mit Ausnahme der vorwurfsvollen und stereotypen Heulbojen.

  2. »Sie wollen das letzte Wort haben, die Männer und Kinder erziehen und kontrollieren. Sie sollen als eine Art moralischen Kompass fungieren, die den fehlerhaften Männern, ständig einen Spiegel vorhalten wollen.«

    Naja , so realitätsfern ist das nicht...

    Und wenn in einer Serie die Frauen noch ihre alten Rollen spielen und die Männer etwas Anderes als das althergebrachte Karriere‐ oder Macho‐Ding , dann ist auch das nicht so aus der Luft gegriffen , wenn vielleicht auch überzeichnet dargestellt.

    Wir haben tatsächlich eine Tendenz , in der Frauen ganz selbstverständlich neue Rechte einfordern , aber selber an ihrem alten Rollenverhalten festhalten wollen , insbesondere in den eigenen vier Wänden.

    Aber natürlich ist es nicht sehr spannend , immer nur Abbildungen der Realität zu verfolgen , daß das in immer mehr Formaten geschieht , ist auch Spiegel der Fantasielosigkeit der Autoren , oder dem Umstand geschuldet , daß auch im Unterhaltungsbereich kaum noch kritische Inhalte erwünscht sind.

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