ZG‐Rückblick: Spieler sind Sexisten. Spielerinnen auch?

Die Bloggerin und »Kulturkritikerin« Anita Sarkeesian hat per crowdfunding die erkleckliche Menge von 160,000 $ eingesammelt um in einer Videoreihe weibliche Stereotypen in Videospielen zu analysieren. Anvisiert waren 6,000 $. Das sie nun mehr als das 26‐fache zur Verfügung hat, hängt wohl auch mit dem Shitstorm zusammen, den Sie auf sich gezogen hat und damit auch der starken Polar‐ und Solidarisierung.

Ist Seximus in Spielen tatsächlich ein Problem? Wenn ja, ist dieses ausgeprägter als in anderen Medien? Zeigt eine solch emotionale Reaktion auf den Versuch einer Thematisierung, dass hier tatsächlich etwas schief läuft oder wirkt hier das Netz nicht nur für das Crowdfunding als Multiplikator?

todesglupsch:
Es lässt sich schwerlich abstreiten, dass stereotype und auch sexistische Darstellungen in Spielen weit verbreitet sind. Eine Analyse und Thematisierung kann sicherlich Sinn machen, Not tut sie allerdings nur bedingt. Die Frage ist inwiefern sich Sexismus in Videospielen von anderen Medien unterscheidet, bzw. auswirkt. Sollte es hier zu besonderen Erkenntnissen kommen in Sarkeesians Analyse, dann ist das Geld sicherlich sinnvoll investiert. Als Spieler muss ich sagen, dass zwar Spiele eine so weit entwickelte Erzählungsstruktur aufweisen, dass man an sie ähnlich hohe Anforderungen stellen könnte wie an andere Medien. Ich persönlich spiele aber immernoch primär wegen der tatsächlich, spielerischen und interaktiven Elemente des Mediums und  kann somit ggf. durchaus einiges an Schwächen, was die Geschichte und Figuren betrifft, verzeihen (also auch sexistische Darstellungen).

Ohne das vollständig überschauen zu können, habe ich das Gefühl, dass z.B. das Problem von Stereotypen und auch von Sexismus in Indiespielen deutlich weniger vertreten ist. Das könnte ein Indiz dafür seien, dass wir es womöglich vor allem mit einer Sekundärfolge der Kommerzialisierung zu tun haben, denn Sexismus verkauft sich erfahrungsgemäß auch schon in anderen Medien gut. Damit möchte ich nicht, wie  schon vereinzelt auch auf dieser Seite vorgekommen, das Phänomen als gesamtgesellschaftliches Problem darstellen, welches seine Ursache wie vieles Schlechte im Kommerz zu verorten hat, sondern darauf hinweisen, dass eine gute Analyse von Sexismus in Videospielen vor allem solche Dinge erst einmal ausschließen muss und das spezifische Phänomen nachweisen und dessen Wirkung beschreiben.

jtheripper:
Ich denke auch, dass die sexistische Darstellungen in Spielen aus dem gleichen Grund in Filmen, TV oder Printmedien eingesetzt wird. Aber mit der Kohle muss sie jetzt schon ein bisschen mehr vortragen. Und dabei bitte nicht in die gegenteiligen Clichés abrutschen, dann würde ich mich auf eine sehr interessante Game‐Doku freuen. Die Spiele die mir sofort zu dem Thema einfallen sind natürlich Super Mario, Tomb Raider, jedes Beat’m Up, Chainsaw Lollipop. Vorbildliche Beispiele fallen mir nicht wirklich ein. Rollenspiele wo die Wahl des Geschlechts für die Hauptfigur beim Spieler liegt, könnte man hier nennen, da die Geschichte hier ja gleichberechtigt funktioniert. Also Skyrim oder Dragon Age: Origins. Naja gut, ich bekomme dafür ja kein Geld. Soll sie sich mal die Arbeit machen.

epikur
Viel Lärm um Nichts, würde ich fast behaupten. Mit dem Sexismus verhält es sich ähnlich, wie mit Klischees, Rollenzuweisungen und Vorurteilen. Sie strukturieren und filtern unser Denken. Damit will ich nicht behaupten, dass Sexismus eine tolle Sache ist, man wird ihn jedoch nie ganz ausrotten können. Genauso wenig wie Vorurteile oder Klischees.

Hinzu kommt, der Sexismus funktioniert, gerade auch in PC‐ und Konsolen‐Spielen in beide Richtungen. Männer werden meist auch nur als starke, muskelbepackte und oft eiskalte Superhelden dargestellt. Zeigen männliche Avatare in Ego‐Shootern Gefühle, wenn ihre Freunde sterben? Weinen sie etwa? Haben männliche Avatare Versagensängste oder sind unsicher, bei dem was sie tun? Für mich ist jegliche eindimensionale Darstellung von Mann oder Frau Sexismus. Das Games meist sexistisch sind, liegt wohl daran, dass die Entwickler eine große Zielgruppe ansprechen wollen. Und da die meisten Menschen ihre Vorurteile und Klischees hegen und pflegen, wie kaum etwas, ist das eine gängige Marketing‐Strategie.

jtheripper:
Nachdem ich nun Anitas Youtube‐Kanal geschaut habe, bin ich natürlich auch auf ihr Promo‐Video gestoßen. Da dachte ich mir, das bette ich doch noch eben schnell mal ein.

Ein Gedanke zu “ZG‐Rückblick: Spieler sind Sexisten. Spielerinnen auch?

  1. Na klar, — sind Computerspiele voll von Sexismus. Ich mag die Titten von Lara Croft immer noch. Heilige Scheiße auch .... (Was man mit 500 Pixel alles machen kann, — ist einfach unglaublich). Man kann sich auch die Hölle für den Himmel erklären. ( Oder andersrum). Die Dinger leben doch nur so von Klischees. ( Was sind muskelbepackte Helden, anderes als Klischees, -und sogar sexistische ? ) Damit allerdings ein Crowfunding zu veranstalten, und auch noch einzusacken dabei, — haut dem Fass die Krone aus. ( Ob ich mich in der Richtung mal mit Kulturkritik in Richtung Wissenschafts‐Blogging versuchen sollte? Männliche, — oder weibliche Stereotypen? Meine Güte ...... )

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