ZG‐Rückblick: Netzneutralität

Als Netzneutralität bezeichnet man das nicht regulierte Versenden von Daten in unveränderter Form mit einer gleichbleibenden Qualität. Unabhängig davon, woher diese Daten stammen, wer sie verschickt hat oder welche Inhalte übermittelt werden sollen. In den USA wurde bisher jeder Gesetzesentwurf zur Netzneutralität abgelehnt. Wie sieht es damit in Deutschland aus? Haben wir bald eine Internet‐Klassengesellschaft? Haben Provider ein Interesse an unterschiedlichen Bezahlmodellen? Umgehen firmeninterne Intranets die Netzneutralität?

epikur
Die Netzneutralität ist für die Demokratie und das damit verbundene Recht auf Meinungsfreiheit elementar. Gleichzeitig sind Unternehmen und Politik häufig daran interessiert, Privilegien zu schaffen. Bestimmte Dienste und Leistungen werden vorsätzlich eingeschränkt, um sich dann die Freischaltung durch Zusatzzahlungen vergüten zu lassen. Denn obwohl schnelle Leitungen vorhanden sind, werden sie teilweise vom Provider gezielt blockiert oder verlangsamt.

Die Piratenpartei setzt sich für die Netzneutralität ein. Wenn diese nicht bald gesetzlich verankert werde, dann könne man davon ausgehen, dass in der Zukunft einige wenige Konzerne, ähnlich wie in der Presselandschaft, das Internet beherrschen werden, so das wiki der Piratenpartei.

jtheripper
Da das Thema so umfangreich ist, dass man das Internet damit verstopfen könnte, finde ich es etwas schwierig, hier Stellung zu beziehen. Da halte ich mich lieber etwas neutral... Von A wie Apstream (hust) bis Z wie Zensur müsste man hier erörtern. Also es spielt die technische Seite eine große Rolle. Ob Daten gleichberechtigt behandelt werden sollen, also ob Alicia Keys »Girl on Fire« genauso schnell durch die Leitung schießen soll wie das Statusupdate von Tiffy »Herr von B. is wieder voll creepy«. Wo wir auch schon bei Social‐Networks sind, die zwar fleißig Daten von anderen Websites, Blogs, Videoportalen aufsaugen, aber diese dann nur an registrierte Mitglieder ausgeben. Und selbst die sehen nicht alles. Vom mobilen Netz will ich gar nicht erst anfangen. Das ist ja zur Zeit noch quasi der Wilde Westen was die Neutralität angeht. Kommen wir nun zu den wirtschaftlichen Aspekten – Ach verdammt ich kann hier nicht mal ordentlich in 1080p Videos streamen. Das fühlt sich ja wie die 90ziger an, nur dass das Standbild geiler aussieht.

todesglupsch
Ich würde wohl lügen, wenn ich behaupte, ich würde das Thema wirklich verstehen. Viele Nutzer sind sich einig, dass die Netzneutralität zwingend zu erhalten, bzw. zurückzuerhalten ist, um u. A. die Pluralität zu gewährleisten. Relativ schwer erkennbar sind aber die konkreten Gefahren. Denn an sich tendiert der Nutzer dazu komfortable und einfache Angebote zu bevorzugen. Das diese oft mehr oder minder mit geschlossenen Systemen verbunden sind, wird entweder in Kauf genommen oder gar nicht erst wahrgenommen. An sich wird heute bereits ein großer Teil des Informationsflusses von relativ wenigen großen Akteuren bestimmt. Selbst wenn soziale Netzwerke gemieden werden, ist die Frage, ob die Nutztung DER Suchmaschine nicht bereits die Netzneutralität unterwandern kann. Das Stichwort ist hier »Search Engine Optimization«. Denn effektiv ist das eine Googleoptimierung. Wenn also alle größeren Seitenbetreiber daraufhin optimieren, eine höhere Relevanz bei Google zu erreichen (als sie vielleicht tatsächlich für den Nutzer haben), heißt dies dann womöglich, dass ich als Nutzer gegebenenfalls nicht die für mich relevantesten Treffer angezeigt bekomme, sondern die Optimiertesten? Eine, meiner Meinung nach, schwer zu beantwortende Frage, die gerade mal an der Oberfläche des Themas kratzt und etwa meinen Kenntnisstand spiegelt.

3 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Netzneutralität

  1. Über Geld steuerbare Bevorzugungsmöglichkeiten, sollten meiner Ansicht nach, — eigentlich generell abgelehnt werden. Denn das ist es doch. Egal, aus welcher Seite man es her betrachtet. Es ist und bleibt, — ein Marktinstrument, welches einmal losgetreten, — mit Sicherheit auch seine Ausweitung und Anwendung in Richtung kontrollierbarer Kassen finden wird. Ist ein wenig doppelmoralin von den Flussfischern, (als wenn google kein Konzern -, und ein vollkommen selbstloses Suchparadies wäre), — aber doch schön, — wenn sie endlich mal wieder zu irgend was nütze sind.

  2. Sobald man sich in die Fänge von Datenkraken wie Facebook oder Google+ begibt ist Netzneutralität sowieso nicht mehr relevant.
    Ein sehr schwieriges Thema, da ich sogar verstehen könnte, wenn gewerbliche Anbieter gut zahlende Kunden bevorzugen würden. Unterschiedliche Tarife mit unterschiedlicher Bandbreite gibt es ja auch jetzt schon. Und Firmen/Behörden haben auch jetzt schon einen priviligierten Zugang zum Netz.
    Oder wie muss ich den Begriff »Netzneutralität« verstehen?

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