erniedrigt, gedemütigt, diskriminiert

Aus aktuellem Anlass, der tödlichen Messerattacke auf eine Jobcenter‐Mitarbeiterin, ein ZG‐Beitrag vom April 2011. Ergänzt werden sollte noch: »möchte menschenwürdig behandelt werden«.

Die Überflüssigen

Mann mittleren Alters, unsportlich, in einer 1 Zimmer‐Wohnung lebend, kein Job, kein Geld, kein Auto, möchte respektiert und geliebt werden.

Kleinkind, neugierig auf die Welt, spricht, lacht und weint lebensfroh, tobt und spielt gerne in der Wohnung, möchte respektiert und geliebt werden.

Rentnerin, herzkrank, langsam im Gehen und Denken, graue Haare und viele Falten, herzlich, fürsorglich, möchte respektiert und geliebt werden.

Politisch interessierter junger Mann, tierlieb, leider ohne Wohnung, alkoholkrank, möchte respektiert und geliebt werden.

17 jährige Vollwaise, rundlich und dick, lebt im Jugendheim, zeichnet gerne Pferde, besitzt leider nur second hand Kleidung und hat kein Handy, möchte respektiert und geliebt werden.

Flüchtling aus Libyen, kinderlieb, verantwortungsbewusst, leider ohne Lohnarbeit, Wohnsitz und gültigen Pass, möchte respektiert und geliebt werden.

Sehschwache Frau, mit Down‐Syndrom, kreativ, philosophisch, möchte respektiert und geliebt werden.

15 Gedanken zu “erniedrigt, gedemütigt, diskriminiert

  1. Die Jobcenter‐Mitarbeiterin aber auch, denn nach neuesten Angaben war die nur ein »Zufallsopfer«:

    »[...]Die in einem Jobcenter in Neuss erstochene Mitarbeiterin ist offenbar zufällig Opfer der Bluttat geworden[...]«

    Quelle und kompletter Text:
    http://www.morgenpost.de/printarchiv/panorama/article109513459/Erstochene-Jobcenter-Mitarbeiterin-war-ein-Zufallsopfer.html

    Soll heißen, der eigentliche Täter lebt noch, der den Arbeitslosen ausrasten ließ, und hat sicher kein Mitleid mit beiden — seiner Kollegin und seinem »Kunden«.

    Interessant auch immer wieder — bei solchen Fällen — das Nichteinsehen, dass es solche Fälle vor den »Reformen« von Rot‐Grün nicht gegeben hat, und dass es nicht daran liegt, dass Hartz IV gescheitert ist, sondern die zynischen Kommentare der BA, die darauf hinauslaufen, dass die Opfer selbst schuld an ihrer Lage sind.

    Manchmal frage ich mich, warum ich nicht nach Frankreich auswandere, denn dort sieht der Umgang mit Arbeitslosen, und Jocenter‐Mitarbeitern immer noch menschlich aus, ganz im Gegensatz zum Deutschland von Rot‐Grün bzw. Schwarz‐Gelb.

    Wieviel Menschen müssen eigentlich noch sterben, egal ob durch Aggressionen verzweifelter Einzelner (Jobcenter‐Mitarbeiter) — oder einfach nur durch unterlassene Hilfeleistung (erneuter Fall einer verhungerten HartzIV‐Empfängerin — gebt mal in eine x‐beliebige Suchmaschine »Verhungert« und »Hartz IV« ein ihr werdet schnell fündig) sterben, bis eine Kanzlerin — oder auch nur ein Minister hinsteht sich öffentlich entschuldigt, und das Gesetz als abgeschafft darstellt?

    Frägt sich
    Bernie

  2. Ergänzung — Zufallsfund:

    »[...]Ende 2004 erschien in einer Fachzeitschrift für Sozialarbeit eine Todesanzeige. Zu Grabe getragen wurde das „Bundessozialhilfegesetz“ (BSHG). Das gab den Betroffenen eine bessere und sichere finanzielle Ausstattung (samt einmaligen Beihilfen), es gab Kulanzmöglichkeiten, die Betroffenen wurden weitgehend in Ruhe gelassen. Mist und Grausamkeiten gab es natürlich auch, aber kein Vergleich mit dem Hartz IV‐Regime[...]«

    Quelle und kompletter Text:

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/toedliche-messerattacke-in-neuss-entwarnung-9001132.php

    Gruß
    Bernie

  3. Da fällt mir ein bitterböser Witz ein, den ich letzthin gesehen habe:

    Ältere Frau im Amt: »Erst habe ich meine vier Kinder groß gezogen, dann meine drei Enkel, danach habe ich den Armen und Bedürftigen geholfen und dann noch meinen alten Vater bis zu seinem Tod gepflegt.«

    Job‐Center‐Mitarbeiter: »Verstehe, sie haben also nie gearbeitet.«

  4. @W. Buck und Hartmut

    Wahrlich bitterböse und zynisch. Aber so läuft es ab. Nur finanziell hochwertig bezahlte Lohnarbeit gilt als Leistung und damit als Arbeit. Alles andere ist Privatvergnügen und Hobby.

  5. @landbewohner

    Stimme dir zu.

    Übrigens, was Christen, als Mehrheitsreligion in Deutschland, angeht, da wundere ich mich schon lange, dass in der Diskussion oft vergessen wird, dass Ex‐Theologen wie z.B. Karlheinz Deschner schon seit Jahrzehnten predigen, dass die Kirchen zur Not immer mit dem Staat sind, und nicht mit den Armen, und sonstigen Opfern — Deschner ist übrigens nicht der einzige Ex‐Theologe der auf diese paulinische Konsequenz bei sämtlichen Kirchen hinweist — Einzige Ausnahme, wenn die Kirchen selbst verfolgt werden, aber, wie Deschner einmal schrieb, »sobald die Kirche Staatskirche wurde hielt die es mit den Mächtigen der Welt«.

    Das sollte sich jeder hinter die Ohren schreiben, der meint die Kirchen sind für die Armen, und sonstige Opfer der »Reformen« da.

    Schäm, hast recht, ich vergaß ja fast bei der Agenda 2010 von SPD und Grünen steht ja auch etwas drin, dass in der Diskussion oft vergessen wird — Dr. Hartz redete einmal von den »Profis der Nation«, die helfen sollten die »Reformen« zu vermitteln. Das Internet vergißt nichts, die Menschen jedoch schon:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konzept

    Gruß
    Bernie

    PS: Unschwer zu erraten, dass für mich Schwarz‐Geld (absichtlicher Schreibfehler zuungunsten der Kohl‐Merkel‐Union), und Rot‐Grün (wollen ja via HartzIV‐Befürworten die nächste Regierung stellen) beide unten durch sind — Wie heißt es so schön in der Bibel »Nicht an ihren Worten sollt ihr sie messen sondern an ihren Taten«, dass sollten sich hier evtl. Mitlesende für 2013 hinter die Ohren schreiben ;) *grins*

  6. Wollt ihr etwas wahrlich zutiefst zynisches sehen. Eine aktuelle Kampagne in Berlin : Frostschutzengel.

    Auszüge :»Deshalb ist uns das Spendenbrot für die Frostschutzengel ein ganz besonderes Anliegen.......Gemeinsam mit der traditionsreichen Berliner Brotbäckerei Demeter werden wir ein Engelbrot auflegen.Ab Oktober wird dieses Brot erhältlich sein. 30 Ct vom Verkaufspreis jedes Brotes kommen den Frostschutzengeln zu gute....Das sind Naturkostfachgeschäfte, Bioläden, Reformhäuser, Kaufhäuser, aber auch Kindergärten, Kantinen, Hotels, und Gaststätten.

    Fragen Sie nach dem Engelbrot!«

    Jawohl, wir sind Engel, Frostschutzengel, die ein Engelsbrot verkaufen. Wir sind ganz gerührt und übermannt von unserer Menschlichkeit und unserem Anstand, frohjauchzen die Selbstzufriedenen.

    Pfui, mir ist schelcht! Wie bigott.

    Da werden Obdachlose wieder mal übel missbraucht. Diesaml nicht, wie üblicherweise, als Fußabtreter, sondern als PR‐Instument. Wann hat den einer von denen mal wirklich mit einem Obdachlosen geredet, einen Obdachlosen von sich aus angesprochen, sich ernsthaft mit einem unterhalten und tatsächlich zugehört? Einfach so. Ihm ein paar Euro zugesteckt (ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln und zu mahnen, dass er sich kein Alk holen sollte), ne Zigarette angeboten?

    Zurück zum den »Frostschutzengeln« und dem »Engelsbrot«, das Brot kostet 3,60€, davon werden 30 Cent »abgegeben«, Das ist nichts anderes als eine Beleidigung und durchsichtige Werbemaßnahme für die Bäckerei. Um eine klägliche Summe von 3000 Euro zu spenden müsste man 10.000 Brote! (im Wert von 36.000 Euro!) verkaufen. Völlig illusionär. Aber es geht natürlich nicht um Spenden, sondern um ethisch und ökonomisch ganz billige Werbung.

    »Naturkostfachgeschäfte, Bioläden, Reformhäuser, Kaufhäuser, aber auch Kindergärten, Kantinen, Hotels, und Gaststätten« ...jaha. Also die Läden die der Otto‐Normal‐Verbraucher jeden Tag besucht und die jedem Obdachlosen offen stehen. Würde mich interessieren was passieren würde, wenn tätsächlich mal ein Obdachloser einen dieser »Frostschutzengel«-Läden betritt und nach einem heissen Tee und nem belegten Brötchen fragt, wenn draussen Minusgrade herrschen. Zu 99% würde die Polizei gerufen werden.

  7. @Zoran

    Hast auch mal wieder recht, aber versteif dich nicht darauf Obdachlose und Hartz IV‐Empfänger gegeneinander ausspielen zu wollen — das wäre wirklich zynisch, da beide Opfer eines ungerechten Systems sind.

    So verstand ich nämlich diesen Satz von Dir:

    »[...]Wollt ihr etwas wahrlich zutiefst zynisches sehen[...]«

    Vielleicht hab ich den ja mißverstanden?

    Dennoch ich bleib dabei man sollte nicht den »Reformern« ihr Geschäft betreiben, und Arme gegen Arme ausspielen — und schon gar kein Zynismus‐Ranking, mit diversen Abstufungen, austellen wollen...

    Gruß
    Bernie

  8. @ Bernie
    »aber versteif dich nicht darauf Obdachlose und Hartz IV‐Empfänger gegeneinander ausspielen zu wollen« Hä? Das war nie die Intention des Kommentars. Wie kommst du darauf? Es geht um die unsägliche Kampagne »Frostschutzengel«, die scheinheilig Obdachlose vor dem Erfrieren retten will, dabei nur billigste Werbung betreibt. Wie kommst du auf Hartz IV Empfänger? Ich erwähnte diese niegends. Das ist mir wirklich ein Rätsel.

  9. @Zoran

    Tja, vielleicht habe ich auch zuviel zwischen den Zeilen gelesen?

    Sorry, aber bei dem Thema bin ich gerne ein Zwischenzeilen‐Leser ;)

    Dennoch stimme ich dir zu, was die Sauerei angeht, die hier mit Obdachlosen betrieben wird ;)
    Es wird halt immer inhumaner im Deutschland der Neotaliban der Deutschen Bank — Für mich sitzt die Regierung in Frankfurt und nicht in Berlin.

    Gruß
    Bernie

  10. Das mit den »frostschutzengeln« hatte ich auch schon irgendwo gelesen und mich über diese marketing‐kampagne geärgert. In Berlin gibt es einen bäcker, der jede woche eine brotsorte für unter 1€ anbietet, meist kostet es 95 cent. Wenn man also zur direkthilfe schreiten wollte, hätte man anstatt der lumpigen 30 cent, von denen womöglich auch noch die werbekampagne für den ganzen schmu bezahlt werden muß, also 2€65 für den nächsten obdachlosen, dem man begegnet, über.

    Natürlich ist das brot nicht nach den »demeter‐regeln« hergestellt. Die »biologisch‐dynamische landwirtschaft« nach den ideen Rudolf Steiners, der kein agrarökonom, sondern ein rassistischer idiot war, ist aber ohnehin für die ernährung der wachsenden weltbevölkerung absolut ungeeignet. Es muß einen also überhaupt nicht wundern, wenn diese anthroposophischen menschenfreunde nichts schlimmes dabei finden, daß es zwangsläufig hungerleider geben muß. Zu deren »dunstkreis« gehören übrigens philanthropen wie Otto Schily oder Götz Werner. Das sagt schon einiges.

  11. wahrlich, in Zeiten der massenhaftung Darniederrammung und Verstümmelthaltung unserer jeindividuellen Existenzexpressivität leben wir. Ein unsäglicher Schmerz durch die Aubäumung eines gewetzten Messersterns einer uniformikaten Darbungsweise. Der König Midas in inverser Form: Expressivität wird zu Darbung. Massenhaft darbende Expressivität. Kappung von Liebes‐ und Anerkennungsexpression, Hinausschleuderung in die Vereinzelung. Die Existenzexpressivität als Potentialität. Eine andere Art der Kastration. Das Leben als bloße Möglichkeit, die nie zur Wirklichkeit wird, nicht weil seinsmäßig so, sondern weil politisch so eingerichtet. Solipsistisch darben in den Spiegelkabinetten unserer Seelen.

  12. »Wieviel Menschen müssen eigentlich noch sterben, ... bis eine Kanzlerin — oder auch nur ein Minister hinsteht sich öffentlich entschuldigt, und das Gesetz als abgeschafft darstellt?«

    Keine Ahnung. Aber eines ist klar: Kein Kanzler, keine Kanzlerin und kein Minister wird sich je entschuldigen.

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