Arbeit macht gesund!

Arbeit ist für viele das Tor in die Gesellschaft. Sie strukturiert den Tag und vermeidet, dass sie in Krankheiten und Süchte abgleiten.

- Reiner Sans, »Was Ein-Euro-Jobs wert sind«, Aus: »Sozialcourage«, Caritas Niedersachsen/Bremen, Ausgabe 2/2011, S. 17

Die Behauptung, dass Lohnarbeit nicht krank machen würde, ist mehr als realitätsfremd und einseitig propagandistisch. Die jährlichen Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen lagen im Jahre 2008 bei 43,9 Mrd. Euro (Quelle: BKK Bundesverband). Zu den häufigsten Erkrankungen durch die Lohnarbeit gehören:  Depressionen, Burn-Out, Glieder- Gelenk- und Rückenschmerzen, Kreislauferkrankungen, Muskelerkrankungen und Nervenerkrankungen.

Auch die Zahl der Arbeitsunfälle ist im Jahre 2010 deutlich gestiegen: »Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist 2010 um 7,7 Prozent auf 954.459 gestiegen. 519 Arbeitsunfälle endeten tödlich, das sind 63 mehr als im Vorjahr.« (Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Weitere exemplarische Beispiele für krankmachende Lohnarbeit:

- Schicht- und Akkordarbeiter leiden häufiger unter Krebserkrankungen.
— Bauarbeiter, Umzugshelfer, Maler usw. halten kaum bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durch. Die meisten fallen vorher gesundsheitsbedingt aus, weil sie sich kaputt geschuftet haben.
— Bürokräfte bekommen durch das stundenlage Sitzen häufiger Rückenkrankheiten.
— Millionen Deutsche nehmen Aufputschmittel ein, um fit und wach bleiben zu können. Vom übermäßigen Kaffeekonsum ganz zu schweigen.
— Erzieher, Lehrer und Pädagogen schaffen es nur selten bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter
— Die Angst um den Job, Mobbing und Leistungsdruck sorgen dafür, dass Millionen Deutsche Depressionen erleiden.

Erwerbslose sind nicht anfälliger für Süchte, wie Lohnarbeiter. Der Caritas-Mitarbeiter und Katholik Reiner Sans schreibt dies besonders den Erwerbslosen zu. Der Alkoholismus z.B. ist in allen gesellschaftlichen und arbeitenden Schichten verbreitet (von anderen Drogen ganz zu schweigen). Gerade in besonders stressigen Berufen wird nach Feierabend gerne noch einen gebechert. Es finden sich viele verschiedene Süchte bei der lohnarbeitenden Bevölkerung (Raucher-Pausen, Kaffee-Wachmacher, Frusttrinker etc.). Lohnarbeit ist kein Garant dafür, Süchte oder Krankheiten zu vermeiden. Vielmehr kann sie sogar der Auslöser dafür sein.

»Caritas« ist übrigens lateinisch und bedeutet »Nächstenliebe« bzw. »Hochschätzung«. Davon ist bei Herrn Sans wenig zu spüren, wenn er als Mitarbeiter eines katholischen Wohlfahrtsverbandes über Erwerbslose spricht. Vielmehr unterstreicht er das Gerechtigkeitsprinzip einer Leistungsideologie: wer lohnarbeitet ist drin, wer das nicht tut, ist außen vor und anfällig für Süchte und Krankheiten, eben weil er nicht lohnarbeitet, d.h. nichts für die Gesellschaft leisten würde. Fast so, als wäre es gottgefällig, dass wer nichts leistet, als Strafe auch krank werden solle.

Ich vermute, viele im mittleren und hohen Management haben ein wenig intaktes und erfüllendes Privat- und Familienleben. Gründe könnten sein: Karrieregeilheit, Erfolgsdruck, Leistungsstreben, pathologischer Narzissmus, Profilierungssucht, Unfähigkeit zur Selbstreflexion usw. Ist das etwa gesund?

21 Gedanken zu “Arbeit macht gesund!

  1. Allerdings macht auch Erwerbslosigkeit krank. Wer bleibt dann eigentlich gesund? Offensichtlich macht das Leben in der kapitalistischen Gesellschaft krank. Je ärmer man ist, um so stärker ist man betroffen.

  2. chriwi
    auch erwerbslosigkeit kann krank machen, aber es ist da nicht der mangel an arbeit, sondern der mangel an geld und gesellschaftlicher anerkennung.

    ansonsten arbeit macht nicht nur krank, arbeit kann auch morden.
    und da muss man nicht gleich auschwitz bemühen, sondern nur an all die staublungenkumpels, asbestopfer oder böhringer-malocher denken, die ja nun zumindest mit wohlwollendem wissen der unternehmer vorzeitig ins jenseits befördert wurden und das auch noch ohne sondervergünstigungen wie toplöhne und extraschnaps wie weiland die wismut-arbeiter in der ddr »diktatur«.
    und zur caritas und dem herrn sans: auch schon bei der vernichtung der indios durch arbeit in den goldminen südamerikas stand die katholische kirche mit ihrem stab den mördern hilfreich zur seite.

  3. Ein armer Tropf, der der seinen ganzen Tagesablauf, sein kompeltes Leben, sein Sein durch Arbeit »strukturieren« lässt. Am Ende dieses strukturierten Lebens heisst es dann, man war stolz auf seine Arbeit .... man hatte sonst nichts.
    Die »Arbeit«, nicht als Mittel zum Zweck , sondern als den Lebenssinn und (Selbst)Zweck verstehend, verbringt diese Gesellschaft ihren Lebensabend eines unerfüllten Lebens. Dieser ubiquitäre Fetisch, der intergraler Bestandteil jeder Ideologie ist, zeigt die Unzulänglichkeit des menschlichen Geistes.

  4. Wir sollten lernen, uns der Rolle im Hamsterrad zu entziehen. Kein Mensch braucht in unserer Gesellschaft mehr als 4 Stunden täglich zu arbeiten. Es ist nicht eine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Aber so lange wir die Einstellung haben, daß nur die Erwerbsarbeit und der Konsum uns eine Lebensberechtigung geben, werden wir wohl immer die geschorenen Schafe bleiben.
    Der Andreas Claus hat das so schön ausgedrückt: »Es gibt in Deutschland kein Gesetz, daß es verbietet, keinen Gewinn zu machen!«.
    Wir müssen lernen, diesem System die Energie zu entziehen, bzw. die Energie umzuleiten. Das bedeutet, daß wir uns mehr um uns selbst und unsere Freunde und Verwandten kümmern müssen. Wir sollten wieder regionaler werden. Das heißt, unsere Nahrungsmittel vielleicht beim Bauern unseres Vertrauens kaufen, unsere Sachen selbst machen — angefangen mit Nähen bis zum Möbelbau und allgemein mehr tauschen als kaufen.
    Bei Lesen des Buches von Bernd Senf — Die Wiederentdeckung des Lebendigen — hatte ich als Quintessenz einige Leitlinien definiert. Wir brauchen:
    — die Freiheit der Nahrungsmittelerzeugung:
    Hier können wir solche Sachen wie Terra Preta (Schwarze Erde),
    effektive Mikroorganismen, Urban Farming etc., nutzen.
    — die Freiheit der Energieerzeugung:
    Da können wir unseren Strom selbst erzeugen, z.B. mit
    Windrädern, Photovoltaikanlagen, Erdwärme, Wasserenergie,
    DryCells bis zur freien Energie aus Neutrinos und Nullpunktenergie
    — die Freiheit der Gesundheitsversorgung:
    Beispielsweise durch Kräuter, Ernährung, alternativer
    Heilmethoden bis hin zur Para- und Geistmedizin.
    — die Freiheit der Produkterzeugung:
    Erzeugen von Produkten über 3D-Drucker bis zum Einsatz
    der Nanotechnologie.
    — die Freiheit des Geistes:
    Akzeptanz von alternativen Gedanken, Theorien und Hypothesen.

    Wenn wir das alles im Kleinen für uns und unsere Lieben machen, entziehen wir dem Schuldgeldsystem massiv die Energie und zwingen es, Farbe zu bekennen. Denn 50–70% unserer Erwerbstätigkeit arbeiten wir für Zinsen — Zinsen für eigene Kredite, aber vor allem für Zinsen von anderen. Fallen diese Zinsen weg, so brauchen wir nicht mehr als 2–4 Stunden pro Tag einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

  5. @gerhardq

    »Wir sollten lernen, uns der Rolle im Hamsterrad zu entziehen. Kein Mensch braucht in unserer Gesellschaft mehr als 4 Stunden täglich zu arbeiten.«

    Dieser Satz trifft den Nagel auf den Kopf!

    Ich würde nur das Wort »Hamsterrad« mit dem Wort »Kapitalverhältnis« ersetzen, dem es sich zu entziehen gilt. Das kapitalistische System als Ganzes ist zu hinterfragen, natürlich lassen sich Demagogen nicht gern selbst in die Karten schauen, tun es unabsichtlich aber doch (bestes Beispiel: hedonische Preisindex).

    Die Diskussion um die Zinsknechtschaft finde ich an der Stelle allerdings deplatziert und führt genau in die falsche Richtung, gerade diese — auch durch Zinsen — verursachte »Vorabkapitalisierung« hat — nach der technisch-industriellen Revolution — das System am Laufen gehalten.

    Die neoliberal-kapitalistisch geprägten Apologeten schätzen das System, weil »Waren produziert werden, um die Menschen mit Gütern zu versorgen«. Jedes Kind sieht hier schon ein Problem, Unternehmen produzieren doch keine Waren um Menschen mit Gütern zu versorgen, sondern um aus Geld noch mehr Geld zu machen, die Zinskritik ist da mehr eine Verschleierung der ursächlichen Probleme.

    Am Besten lässt sich das Argument der warenproduzieren Gesellschaft FÜR die Gesellschaft mit den 10 Millionen Hungertoten jährlich vorführen. Denn — z.B. in Afrika — wird der Bedarf an Waren, erst durch Geld zum Bedarf, somit haben die Hungernden dieser Welt keinen Bedarf an Waren.

    @epikur

    »Die Behauptung, dass Lohnarbeit nicht krank machen würde, ist mehr als realitätsfremd und einseitig propagandistisch.«

    100% Zustimmung.

    Der Witz daran ist, dass Arbeitende und Arbeitslose absichtlich segregiert wurden. Der ehemalige Notenbanker Sir Alan Budd fasst das dann so zusammen:

    »The nightmare I sometimes have, about this whole experience, runs as follows. I was involved in making a number of proposals which were partly at least adopted by the government and put in play by the government. Now, my worry is . . . that there may have been people making the actual policy decisions . . . who never believed for a moment that this was the correct way to bring down inflation.

    They did, however, see that it would be a very, very good way to raise unemployment, and raising unemployment was an extremely desirable way of reducing the strength of the working classes — if you like, that what was engineered there in Marxist terms was a crisis of capitalism which re-created a reserve army of labour and has allowed the capitalists to make high profits ever since.

    Now again, I would not say I believe that story, but when I really worry about all this, I worry whether that indeed was really what was going on.«
    http://www.newstatesman.com/blogs/the-staggers/2010/07/class-war-budd-thatcher-cuts

    Interessant, nicht?

    Bei der Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass die gesteigerte Produktivitätsentwicklung immer mehr Arbeitskräfte überflüssig macht und eine — ironischerweise — Expansion der Warenproduktion auf weitere Bereiche nötig macht, diese allerdings immer ins Extremere gezogen werden muss, da weniger Arbeitnehmer und somit weniger Abnehmer der an Mehrwert produzierten Waren nötig macht!

    Mehr als Schade, dass dies bei ALLEN LINKEN keinen Anklang findet, da heißt es bei diesen – mit Verlaub – selbst systemnahen Spinnern dann, „wir wollen humane Arbeit, Arbeit die sich wieder lohnt“. Alles klar. (FAIL)

    Am Besten lässt sich die widersprüchlich-warenproduzierende Gesellschaft in den USA erkennen, die — so schreiben Alan Popelard und Paul Vannier in Le Monde diplomatique 08/2012 — sich nicht nur von einer industriell-produzierenden Gesellschaft hin zu seiner reinen Konsumgesellschaft entwickelt hat.

    Am Beispiel Las Vegas schreiben die Beiden Autoren folgendes:

    »Die mangelnde Urbanität von Las Vegas hat auch mit der lückenlosen Ausnut zung der Zeit zu tun. In einer Stadt, die die vollkommen freie Zeiteinteilung zum Lebensstil erklärt hat, werden den Bürgern die gemeinsamen Orte und Momente genommen. Die Architekten Robert Venturi und Denise Scott Brown haben dieses Phänomen bereits Anfang der 1970er Jahre anschaulich beschrie ben: „Fast alles ist hier ein Hinweiszeichen. Ein großes Hinweisschild taucht auf, um den Autofahrer mit dem Einkaufszentrum zu verbinden, etwas weiter werben die großen amerikanischen Hersteller auf riesigen, der Autobahn zugekehrten Tafeln für ihr Kuchenmehl oder Waschmittel. Das grafische Zeichen im Raum ist zur Architektur dieser Landschaft geworden.“9 Die Raumplanung in Las Vegas inszeniert den Triumph des Konsumenten und verbannt den Arbeiter, sei es bei Walmart oder in den Casinos, auf die Hintertreppe des wirtschaftlichen Geschehens.«

    Besser kann das System — wenn auch ohne ursächliche Abkehr der zuständigen Probleme hin zur Aporie — nicht beschrieben werden.

    Ich hoffe mal, dieser Post findet mehr Anklang als mein letzter Beitrag.

    LG

  6. Was für ein Unsinn ! Im Umkehrschluß hieße das, freie Zeit macht krank.... Was für ein krankes Hirn kann so etwas behaupten...

    Es gibt nur eine Arbeit, die nicht krank macht: die selbstbestimmte Arbeit — im Gegensatz zur Lohn- bzw. fremdbestimmten Arbeit !

  7. @gerhardq

    »Es gibt in Deutschland kein Gesetz, daß es verbietet, keinen Gewinn zu machen!«.
    Das ist die juristische Sicht, die mehr und mehr die einzige Legitimierung für Handlungen/Widerhandlungen in unserer Gesellschaft ist. Dererlei »Schlupflöcher« werden, wenns um Profiterhöhung geht, auch weidlich gefunden und genutzt. Darum werden so viele Verbrechen auch nicht als Verbrechen geahndet, sondern als innovativ gelobt, zumindest aber als clever bezeichnet. Solange es nicht gegen ein Gesetz verstößt, ist alles erlaubt (Kein Wunder auch, dass die Gesetzgebung immer schwammiger wird), auch in entgegengesetzter Richtung jemanden in »die Pflicht« zu nehmen, ihm »artfremde« Arbeit zusätzlich aufzubürden oder materiell haftbar zu machen.
    Wie sieht es aber mit dem Menschen aus? Wie stark muss mensch sein, um sich der Ideologie entziehen zu können, dass nur der etwas wert ist, der Arbeit hat und arbeiten kann (was dann Leistung genannt wird)? Dass nur der »mitreden« kann, der etwas vorzuweisen hat und sich die Gesellschafts-Teilnahme leisten kann (Erfolg Karriere, Besitz, auch Kultur)? Dass Mitgefühl zu zeigen als Schwäche ausgelegt wird und der als Dummkopf verlacht wird, der nicht sein Tun prinzipiell an der eigenen Vorteilsnahme misst?
    Ich bin davon überzeugt, dass beileibe nicht alle,aber doch eine Mehrzahl von Menschen in der Lage ist zu trennen zwischen der wettbewerbsgesteuerten Berufswelt und ihrem Privatleben. Die Frage ist nur, ob das dann tatsächlich Auswirkungen auf die absurde gesellschaftliche Tendenz haben kann, wenn es im öffentlichen Leben doch vor allem darauf ankommt, wie gut man seine zugedachte oder auch gewählte (Arbeits)Rolle zu spielen in der Lage ist, wie gut jeder sich verkaufen kann. Was soll eine eigene »Verweigerung« heutzutage bewirken, außer dass derjenige »Lehrgeld« bezahlen wird. Sicher wird es immer auch eine Menge Menschen geben, die versuchen werden, sich selbst »treu« zu bleiben, aber ich befürchte, dass die Gehirnwäsche, der wir ausgesetzt sind, so groß ist, dass es sehr vielen Menschen in Fleisch und Blut übergehen wird. Fragen Sie mal ihre Mitmenschen, wer von ihnen die Welt um sich her und sich selbst noch in der Lage oder Willens ist zu reflektieren und zu hinterfragen. Ich wäre die Letzte, die sich nicht freuen würde, wenn eine Mehrheit das bejahen würde. Meine persönlichen Erfahrungen sehen da leider anders aus. Ich möchte das aber nicht in erster Linie als Vorwurf aufgefasst wissen. Ich denke, das »Belohnungs- und Bestrafungsprinzip« in einer Gesellschaft (man könnte es auch Werte nennen) prägt das Verhalten aller Gesellschaftsmitglieder in sehr großem Maße. Wer ist schon gerne das »schwarze Schaf«, freiwilliger Einzelgänger oder gilt gerne als vielleicht sogar sympathischer, aber eben doch Loser in seinem sozialen Umfeld?
    Denkbar schlechte Zeiten für humane Utopien!

  8. @Frau Lehmann:
    Ich stelle fest, daß es immer mehr Menschen gibt, die sich systemkritisch informieren. Allerdings gibt es auch viele Menschen, die einfach nicht an dem System zweifeln wollen. Sie wollen keine Veränderungen und schon gar nicht eine Änderung der eigenen Einstellungen. Die Devise lautet: »Das will ich gar nicht wissen«.

    Interessant ist auch, daß es vor allem die Älteren sind, die merken, daß etwas nicht stimmt. Die Jungen sind häufig viel zu sehr mit Urlaub, Shoppen, Facebook u. Co., Selbstdarstellung und Lohnarbeit beschäftigt.

    Vor Jahren habe ich einmal den Spruch gelesen: »Wer acht Stunden am Tag arbeitet, der hat keine Zeit mehr, Geld zu verdienen«. Ich will es mal anders ausdrücken: »Wer acht Stunden am Tag arbeitet, der hat keine Zeit mehr nachzudenken«. Wir werden nämlich auch deswegen im Hamsterrand gehalten, damit wir nicht über uns nachdenken.

  9. @gerhardq

    Ja, diese Beobachtungen kann ich nur bestätigen. Die Älteren haben die Veränderungen bewusst miterlebt, darum können sie die negativen Entwicklungen konstatieren, während die Jüngeren es nicht anders kennen und darum viel leichter die jetzigen Zustände als gegeben akzeptieren. Das ist m.M.n. ja das Fatale, dass die Entdemokratisierung und die Abkehr vom »Solidaritätsprinzip« bei vielen jungen Menschen bereits verinnerlicht ist. Dieser seit 30 Jahren schleichend vorangetriebene Prozess hat leider tatsächlich »Früchte« getragen.
    Wenn ich die Aussage Reiner Sans‹ lese, wird mir übel, gerade auch, weil sie so selbstverständlich positivistisch daherkommt (»Wir« wollen doch nur »euer« Bestes!), dass, weil es von überall genauso tönt, kaum noch ersichtlich wird, wie Menschen verachtend diese Denke in Wirklichkeit ist. Und sie bietet so viel Platz, sich selber als wertvoller und in der Rolle des Gönners zu fühlen. So spaltet man heute, und das stets und ständig. Ich finde das nur noch absurd und sowas von abartig — es widerspricht doch jeglichem gesunden Menschenverstand.
    Natürlich werden wir absichtlich im Hamsterrad gehalten, nur wir sollen es darüber hinaus auch noch als einzige Sinnstiftung in unserem Leben annehmen. So stelle ich mir die Zeiten des Feudalismus vor, als es noch nicht den »Bürger« gab, sondern den unmündigen Leibeigenen, für den der Feudalherr wie ein strenger Vater selbstverständlich alles enscheiden durfte und musste.

  10. Hmmm, ich konnte erst in meiner Arbeitslosigkeit mit dem Trinken aufhören. Und eine Struktur bekomme ich auch in den Tag.
    Seit dem ich nicht mehr glücklich sein will, bin ich vollkommen zufrieden.

  11. »Millionen Deutsche nehmen Aufputschmittel ein, um fit und wach bleiben zu können. Vom übermäßigen Kaffeekonsum ganz zu schweigen.«
    Ganz wesentlicher Punkt , und dramatisch unterschätzt.

  12. Wir sind in einem ökologischen Feudalismus oder wie Frau Merkel das ausdrückt, in einer marktorientierten Demokratie. Was nichts anderes bedeutet, daß alle Bereiche des menschlichen Lebens dem ökonomischen Denken und Verhalten unterworfen werden.

    Die Neoliberalen reden immer von einem Arbeitsmarkt. Dieses ist aber kein Markt, sondern eine neofeudalistische Ordnung, die von den »Arbeitvergebern« beherrscht wird. Arbeitgeber und Arbeitnehmer begegnen sich nicht auf Augenhöhe. Das ist ein Verdienst der neoliberalen Politik, beginnend vor allem durch die Rot-Grüne-Regierung unter G. Schröder.

  13. Seit ich vor 10 Jahren in Rente — also ohne Arbeit — bin, bin ich also krank. Meine inneren Werte (Blutdruck, Cholesterine usw.) sind so verheerend, dass ich es schon bereue, nicht erst mit 67 in Rente gegangen zu sein. Da wäre ich ja viel gesünder. (Ironie aus) Wie bin ich froh, nicht mehr in diesem Hamsterrad mitlaufen zu müssen.

  14. @Frau Lehmann.
    Denkbar schlechte Zeiten für humane Utopien!
    Tja, — dem ist wohl so.
    Mir würde es allerdings fürs erste reichen, wen dem Humanismus überhaupt erst mal wieder eine Chance gegeben würde. Trotz Rückenschmerzen, Lesebrille, Gichtschulter und ebenso berufsbedingter sonstiger Zipperlein. (Meine Güte, nehmt mich doch endlich in den Arm :-) Aber ich denke generell, dass man das Pferd nicht von hinten aufzäumen kann. Wenn die Basis fehlt, ist auch nix mit Utopien drin. Mir sind in dieser Gesellschaft, zu viele humanisierende Systemtheoretiker unterwegs. Das kann nicht funktionieren. Eins von beiden, geht dabei flöten. Was wird dies wohl sein? Denn beides, geht nicht zusammen.

  15. @ eb
    Humanismus und Systemtheorie? Nein. Da geht nichts zusammen. Richtig blöd nur, dass heutzutage so viele Menschen irgendwelchen Theorien quasi hinterher hecheln, weil die ja immerhin etwas (wissenschaftlich) zu »begründen« scheinen, und das meist in verräterisch »kompetenter« Wortwahl. So wird nicht zuletzt echte Kreativität ersetzt, aber nicht selten als solche verkauft.

    Was heißt das also jetzt? Keine Utopie, sondern: Bitte nehmt einander in den Arm? Das mach ich doch glatt. :-)
    Aber ich versteh schon, denke ich. Und ich lass es mir auch nicht ausreden, dass Menschlichkeit sich nicht ausmerzen lässt. Dafür brauchts aber wirklich keine Theorie. Wir sind ja schließlich lebendige Menschen, praktisch gesehen. ;-)

  16. Arbeit macht wirklich gesund. Viele Arbeitgeber bestätigen das, indem sie eine angenehme Atmosphäre beim Arbeiten erschaffen. Auch ist es bewiesen, dass diejenigen, die keinen Job, kein Praktikum oder keine Lehrstelle haben und sich stetig auf Arbeit Suche befinden, eher zu Depressionen neigen, als diejenigen, die zufrieden ihren Job erledigen. Es gibt bei der Arbeit selbstverständlich auch die Kehrseite, d.h. diejenigen, die zu viel arbeiten, werden durch ihre Arbeitsstelle eher krank.

  17. @Arbeit

    Und es gibt selbstverständlich Leute, die ihre kommerziellen Links hier reinposten und denken, es bekommt niemand mit. Zudem wird mit der Arbeitslosigkeit und mit Arbeitslosen eine Menge Geld verdient (Arbeitsvermittler, Weiterbildungsindustrie, Bildungsgutscheine, Bewerbungscoacher usw.). Dein Geld-Mach-Werbe-Link wurde entfernt. Danke!

  18. Pingback: Bundesagentur für Arbeit macht 2012 mehr

  19. arbeit kann sehr krank machen und man merkt es nicht mal, weil man denkt es gibt keine alternative. aber es gibt immer eine. ich habe mich mit 57 jahren selbstständig gemacht und habe heute sehr viel spass an meiner selbst gewählten arbeit. kann über mich frei bestimmen und fühle mich freier wie in lohnarbeit.

  20. Ihr Blog ist gut gelungen und zeigt den Weg für alle die Arbeit vergeben können und die welche Arbeit suchen um dann zum Zielspurt anzusetzen. So wie in vielen Sportarten, ob bekannt oder unbekannt. Genauso kann das Arbeitsleben auch sein. Es ist nicht nur eine Finanzelle Verbesserung welchen einem vorschwebt. Jugend ist unsere Zukunft, egal welchen Weg sie zuerst verfolgen. Die Idee sollte immer stehen, darum gehen alle immer auf Ideentour vor jeder Entscheidung. Eine Endgültigkeit gibt es nur in den seltenen Fällen.
    Mit freundlichem Gruß Reimann

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