Welche Krise hätten´s denn gern?

Bankenkrise? Finanzkrise? Wirtschaftskrise? Eurokrise? Griechenlandkrise? Haushaltskrise? Währungskrise? Demografiekrise? Spanienkrise? Syrienkrise? Staatsschuldenkrise?

Die Krisen in Deutschland werden derzeit politisch und wirtschaftlich instrumentalisiert, um die Interessen und Ziele der Reichen und Mächtigen noch besser durchdrücken zu können. Das erfolgreiche Bewältigen der jeweiligen Krise erfordert eben diese und jene Maßnahmen (meist finanzielle Einschnitte), so heißt es dann. Insofern bergen Krisen, gleich welcher Art, politisch und wirtschaftlich große Chancen, endlich Dinge umzusetzen, die sonst als schwer »vermittelbar« gelten. Die »Gürtel‐enger‐schnallen« – Polemik z.B., wird dann gerne verwendet.

Die Globalisierungsgegnerin Naomi Klein hat das in ihrem Buch »die Schock‐Strategie« eindrucksvoll bewiesen. Darin schreibt sie:

Damit die wirtschaftliche Schocktherapie uneingeschränkt angewandt werden kann [...] ist stets ein großes kollektives Trauma vonnöten, das demokratische Praktiken entweder vorübergehend außer Kraft setzt oder sie völlig unterbindet.

- Naomi Klein, Die Schock‐Strategie, Fischer Verlag 2007, S. 23

Als Beispiele kollektiven Traumas nennt sie den 11. September 2001 in den USA, Chile Ende der siebziger und China Ende der achtziger Jahre. Heute ist es wohl die europäische Wirtschaftskrise. Der allseits in den Medien besprochene sog. »Fiskalpakt« beschneidet z.B. das Budgetrecht des Bundestages in ganz massiver Weise. Zukünftige Regierungen werden hiermit zum Sparen und damit zum Kürzen gezwungen.

Warum denkt eigentlich niemand mehr daran, dass Politik und Wirtschaft nicht dazu da sind, damit sich einige Wenige auf Kosten der Mehrheit endlos bereichern können? Regierung, Markt und Eigentum sollten der Bevölkerung dienen und zum Wohle aller da sein. Bin ich jetzt ein Kommunist, Sozialromantiker oder Träumer?

4 Gedanken zu “Welche Krise hätten´s denn gern?

  1. - weder Kommunist noch Sozialromantiker oder Träumer -
    sondern hier ein ganz klarer Realist mit gesundem Menschenverstand.

    Der Sinn der Krisenschürung liegt darin den Menschen Angst zu machen. Das beherrschen fast alle Medien meisterhaft. Es gibt immer weniger Medien, die aufklären und wachrütteln. Zwei Strategien beherrschen die Medien : Meinungsmache und Befriedigung der Sensationsgier der Massen.

    Ich denke viele Menschen sind mit dem jetzigen System des Neoliberalismus nicht einverstanden. Nur, occupy und auch die vielen kritischen blogs scheinen machtlos gegen die Übermacht des Kapitals und der Politik.
    Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass der sich stetig wachsende Widerstand lebenswerte und menschenwürdige Verhälnisse für die notleidenden Menschen durchsetzt. Hier ist mein Vorbild Mahatma Gandhi.

    Dieses unmenschliche System hat sich zwar weitgehend automatisiert, doch, es ist von Menschen geschaffen worden, daher brauchen wir Parlamente mit menschlichen Politikern, die bereit sind, das Bestehende zu ändern. — Darüber hinaus brauchen wir entscheidungsbefugte Politiker, die sich gegen die bestimmende Macht des Kapitals durch‐ und für das Volk einsetzen.

  2. nein. Dass Politik und Wirtschaft ideologische Apparate sind, ist keineswegs abwegig. Bei der Wirtschaft wird man es leicht sehen. Bei der Politi ist es manchmal schwieriger. Sie wird ja oft gerade als Lösung verkauft. Ihr Problem ist jedoch die Repräsentation. Freilich, fest eingwoben in das Bestehende, erscheint das Bestehende als das LEgitime. Repräsentation ist aber keineswegs etwas Natürliches. Repräsentation ist Teil des Problems. Von wo her scheint das so? Von der Autonomie her. Es ist Autonomieentzug. Eingewoben in das Bestehende, sind wir aber leider auch soziopsychophysiologisch jämmerliche Krüppel, was Organisationsformen jenseits der Repräsentation angeht.

  3. Da interessiert mich die Frage, — Und wenn du ein Kommunist, Sozialromantiker oder Träumer wärst? Was wäre daran jetzt so schlimm? Ich meine, — andere erklären gleich den Nichthumanismus zum Kunsttempel. Die einen haben Angst vor systemischen Unordnungen und beschimpften alles kritische was das Zeug hält, — die anderen dürfen fröhlich in aller Öffentlichkeit und sogar noch weltweit, — mal eben so gleich die ganze Menschheit in Frage stellen. Ich befürchte etwas viel schlimmeres. Vollkommenes Fehlen jeder Relation und Verhältnismäßigkeit. Die Spinner dürfen spinnen was das Zeugs hält, und die Denker dürfen die Klappe halten. Also im Ernst, (ich weiß, — ne Phrase ;) aber deine Träume, flößen mir jetzt eher weniger Angst ein.

  4. 1% der Menschen hat sich das Recht genommen und Herrscht über den Rest. Warum? Weil der Rest an die Sklaverei glaubt und nicht frei sein will. Ich habe die Hoffnung, dass die 99 aufwachen. Dann kann etwas geschehen. Wir werden sehen. :PROF:

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