ZG‐Rückblick: Hexenjagd

Im Jahre 2011 scheinen die Hexenverfolgungen wieder Fahrt aufzunehmen. Ähnlich wie damals, reichen Anschuldigungen meist schon aus, damit der Ruf zerstört wird und um eine juristische Aufarbeitung in Gang zu setzen. Im März 2010 wurde der Journalist Jörg Kachelmann wegen des »Verdachts auf Vergewaltigung« festgenommen. Im November 2010 wurde in Schweden gegen den Wikileaks Mitbegründer Julian Assange ein Haftbefehl wegen »sexueller Vergehen« erlassen, der kurz darauf zum internationalen Haftbefehl von Interpol wurde. Und im Mai 2011 ist der IWF‐Chef Dominique Strauss‐Kahn wegen des »Verdachts auf versuchte Vergewaltigung« verhaftet worden.

Werden Vergewaltigungsvorwürfe von politischen Gegnern benutzt, um unliebsame Personen los zu werden? Oder haben sexuelle Übergriffe, von Menschen die in der Öffentlichkeit stehen, zugenommen bzw. werden sie heute einfach besser aufgedeckt als früher?

epikur
Ob und wer nun schuldig ist oder nicht, kann ich zunächst nicht beurteilen. Das ist Sache der Justiz. Für die breite Masse der Bevölkerung und für die Medien sind alle angesprochenen Personen schuldig. Widerliche Sexverbrecher. Die Art und Weise der Berichterstattung und die mediale Bild‐Inszenierung lassen für den Rezipienten keinen anderen Schluss zu. Skandale, Crime, Sex und Gewalt sorgen immer für hohe Quoten, Auflagen und Verkaufszahlen. Der Ruf der in Verdacht Stehenden dürfte aber für immer dahin sind — unabhängig davon, ob sie schuldig sind oder nicht. Interessant ist aber in der Tat, dass sich Richter und Anwälte vom Medieninteresse beeinflussen lassen, wie im Fall Kachelmann immer wieder zu sehen ist. Von einer unabhängigen Justiz kann hier keine Rede sein.

Wie manipulativ Medien sind, kann man dieser Tage wieder schön beobachten. Während also Strauss‐Kahn verdächtigt wird ein sexuelles Verbrechen begangen zu haben, wird über Sexpartys der Hamburg‐Mannheimer berichtet. Zwei Berichte die augenscheinlich wenig miteinander zu tun haben. In der Kommunikationswissenschaft nennt man diese Methode »framing«, das Einbetten von Themen in spezifischen, meist konstruierten, Themenkomplexen. Beim Zuschauer bzw. Leser macht sich dann eine gezielt gesteuerte Erkenntnis breit: »die Reichen und Mächtigen nehmen sich sexuell was sie wollen«. Ergo: Strauss‐Kahn ist schuld.

jtheripper
Kann schon sein, dass Vergiften nicht mehr die feine Art ist und man deswegen zum sexuellen Missbrauch greift, um seine Gegner loszuwerden. Vielleicht gibt es dazu ja auch die passende Verschwörungstheorie. Ich hoffe aber auch, dass sexuelle Übergriffe häufiger angezeigt werden als früher. In den letzten Tagen kamen dazu ja auch diverse Berichte im TV, wo ein Grund für das Schweigen meist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes genannt wurde... Angst kann ich verstehen, aber der Arbeitsplatz ist doch hoffentlich das Letzte, über das man sich in so einem Moment Gedanken macht. Aber was tut man nicht alles, um einen Arbeitsplatz in einem Unternehmen zu behalten, wo Straftaten gedultet werden. Bin ich vom Thema abgekommen?

todesglupsch
Ich denke es muss klar unterschieden werden zwischen der medialen Inszenierung und dem juristischen Verfahren. Die mediale Berichterstattung scheint in Deutschland im Falle von Prozessen gegen Prominente, speziell bei sexuellen Verdachtsmomenten, zunehmend unsachlicher abzulaufen. Ich glaube aber auch das Problem ist die Quantität der Berichterstattung, denn an sich ist der reine Informationsgehalt  recht überschaubar. Vor Abschluss des Prozesses ist ein Großteil der medialen Beiträge irrelevant, repetitiv oder spekulativ. Gerade die Spekulationen bis hin zu den klar parteiischen Berichten sind für die Prozessbeteiligten, allen voran den Beklagten schwierig. Wenn nun noch eine unverhältnismäßige »Kooperation« der Staatsanwaltschaft mit den Massenmedien hinzukommt, dann beginnen die Grenzen des medialen und juristischen Verfahrens zu verschwimmen. Diese Integrität der Staatsanwaltschaft scheint subjektiv nachzulassen. Das wäre besonders bedenklich, da die Staatsanwaltschaft in Deutschland, anders als z.B. in den USA, nicht nur gegen sondern auch für den Angeklagten ermitteln muss. Die beschworene Trennung der medialen Inszenierung und des juristischen Verfahrens leidet zusätzlich (zu der gegebenenfalls bereits vorhandenen medialen Beeinflussung der Prozessbeteiligten) und damit die Chancen auf einen fairen Prozess.

13 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Hexenjagd

  1. Sex and Crime läuft immer gut. Ob als Mittel um mißliebige Konkurrenten los zu werden oder als Unterhaltungsprogramm für den Spießer, der gebannt verfolgen darf, ob ein »Prominenter« jetzt für Dinge bestraft wird, die er sich nur in seiner Phantasie traut. Im Fall des Wetterfrosch scheint es so zu sein, dass sich alle Beteiligten -Staatsanwälte, Richter, alternde Emanzen und was sonst noch so medial an der Jurisprudenz parasitiert, besonders gefreut haben, dabei zu sein.
    Keine Ahnung was wirklich vorgefallen ist -hat mich nicht wirklich interessiert. Das Beste scheint mir mir zu sein, dass man schließlich doch auf Freispruch plädiert hat, da die Beweislage wohl recht dürftig und Zeugen nicht besonders glaubwürdig waren.
    Ob es früher weniger oder mehr Übergriffe gab bleibt wohl mangels verlässlicher Informationen im Dunkeln.

  2. Schon vergessen? Die erste mediale Hexenjagd der Springer & Bertelsmann‐Presse lief gegen Prinz Charles und Lady Diana.
    Der Scheidungskrieg, und der tragische Tod sind mir noch heute in Erinnerung, ebenso wie die Meinungsmache gegen das Paar Lady Di und Prinz Charles. Prinz Charles gilt, eben wegen der damaligen Meinungsmache, noch heute bei mir Anverwandten als Unperson — »Der hat doch seine Frau auf dem Gewissen, und überhaupt nur geheiratet um eine junge Frau zu haben, neben seiner Geliebten Kamilla.« So denken heute noch viele, und der Fall Kachelmann ist nur ein weiterer negativer Punkt in Richtung mediale »Hexenjagd« gegen heutige Promis — Übrigens, die Kinder von Charles und Lady Di sind heute (noch) die Lieblinge der Paparazzis, aber wehe wenn es bei Kate und William Ehestreitigkeiten, und eine außereheliche Affäre gibt, dann ist die Kacke wieder am D.... bei dt. Müttern & Schwiegermüttern — Burda, Springer und Bertelsmann sei dank — zynisch ausgedrückt.
    Gruß
    Bernie

  3. Übrigens, dass die »Hexenjagd« vor Freunden von Friede Springer, Liz Mohn & Konsorten halt macht, dafür ist die Staatsratsvorsitzende Angela Merkel das lebende Beispiel, ebenso wie deren Ministerriege. Oder ist euch ein Fall bekannt wo Neoliberale von Paparazzis verfolgt werden (worden sind) in letzter Zeit? Mal rein auf Deutschland bezogen — Ich kann mich ja irren, aber mir ist kein Fall bekannt, weder bei Merkel, noch bei Rösler oder Westerwelle, da wird alles unter den Teppich gekehrt, da man ja die Große Staatsratsvorsitzende & persönliche Freundin Maggi Merkel nicht beschädigen will.
    Zynischer Gruß
    Bernie

    PS: Von Zu Guttenberg mal ausgenommen, aber mir ist ansonsten tatsächlich kein Fall bekannt, wenn der sich nicht so strunzdämlich verhalten hat wie Von Zu Guttenberg, der von Bertelsmann, Springer & Co. via Paparazzi verfolgt wurde. Wie gesagt ich kann mich ja irren, aber so sehe ich es derzeit.

  4. Nur um des (meines) besseren Verständnisses Willen; gemäß Eurer Logik:

    Sind die ganzen (potenziellen) Opfer, die in der letzten Zeit so durch Funk und Fernsehen gingen — aber auch die vielen Ungenannten — demgemäß womöglich von Springer & Co. bzw. von den von ihnen bezahlten Paparazzi angeheuert um potenzielle, aber doch wohl irgendwie unbequeme Promis zu »vergiften« (vgl. jtheripper).

    Sind alle (potenziellen) Opfer von sexuellen Übergriffen bzw. von Missbrauchstaten am Arbeitsplatz seit neuestem unabhängige und selbstbewusste Arbeiter und Angestellte und brauchen von daher keine Angst um irgendetwas zu haben, schon gar nicht um ihren Arbeitsplatz.

    Es muss alles Erdenkliche dazu getan werden, dass ein jeglicher Angeklagter den Fängen eines Opfers seines sexuellen Missbrauchs entkommt.

  5. @pantertiger

    Du unterstellst:

    »[...]Sind die ganzen (potenziellen) Opfer, die in der letzten Zeit so durch Funk und Fernsehen gingen — aber auch die vielen Ungenannten — demgemäß womöglich von Springer & Co. bzw. von den von ihnen bezahlten Paparazzi angeheuert um potenzielle, aber doch wohl irgendwie unbequeme Promis zu »vergiften« (vgl. jtheripper)[...]«

    Wo behauptet man den so etwas? Ich bringe Springer & Co. nur als Beispiele weil diese Methoden von dieser Kamarilla so angewendet werden — Ich weiß, ich bin Anhänger einer Verschwörungstheorie und in den USA existiert kein juristischer Tatbestand der Verschwörung — alles nur meine persönliche Einbildung lieb(e)r pantertiger.

    »[...]Sind alle (potenziellen) Opfer von sexuellen Übergriffen bzw. von Missbrauchstaten am Arbeitsplatz seit neuestem unabhängige und selbstbewusste Arbeiter und Angestellte und brauchen von daher keine Angst um irgendetwas zu haben, schon gar nicht um ihren Arbeitsplatz[...]«

    Was willst Du uns denn damit sagen?

    »[...]Es muss alles Erdenkliche dazu getan werden, dass ein jeglicher Angeklagter den Fängen eines Opfers seines sexuellen Missbrauchs entkommt[...]«

    Stimmt, führen wir die Inquisition wieder ein, und die Folter gleich mit, denn es gilt nur »[...]dass ein jeglicher Angeklagter den Fängen eines Opfers seines sexuellen Missbrauchs entkommt[...]«

    Ich will jetzt hier keine Vergewaltiger verteidigen, aber deine Argumentation läuft wirklich darauf hinaus die Unschuldsvermutung nur bei Verdacht gleich fallen zu lassen — Dir ist aber schon bewußt, dass es gewisse puritanische Länder (und dies ist keine Verschwörungstheorie sondern die brutale Realität weiter Teile der USA) gibt wo nur ein anzüglicher Blick gleich als »sexueller Missbrauch« geahndet wird?

    Frägt sich
    Bernie

    PS: Die Überschrift »Hexenjagd« passt wunderbar auf ein Theatherstück von Alice Miller, dass die reale Inquisition in Salem anprangerte wo nur schon »Tanzen« und »Vergnügen« sowie »sonstige Begehrlichkeiten« ein Grund waren auf dem Scheiterhaufen zu landen — Dahin willst du aber wohl wirklich nicht zurück? Oder? Weißt du eigentlich wie die Geschichte in Salem ausging? Nein? Zum Schluß wurde es sogar den Inquisitoren zuviel weil Jeder Jeden verdächtigt hat, und die Scheiterhaufen fast den ganzen Ort ausgerottet hatten — Fazit: Auch Du wärst damals dran gewesen als »Hexe« oder »Hexer« zu brennen, und zwar wegen banaler Dinge, die zu schlimmsten Verbrechen aufgebauscht worden sind.

  6. Seitenprostitution.
    Wenn ein Strauss‐Kahn seinen Lümmel raus hängt, springen die Rechten an und die Linken vermuten Verschwörung. Wenn ein Sarkozy seinen Lümmel raus hängen würde, springen die Linken an, und die Rechten vermuten Verschwörung. Letztendlich, — hat einfach nur einer von beiden, sein Ding nicht unter Kontrolle. Ein echt menschliches Problem, — oder ???? Aber menschliche Probleme, — passen nicht ins Genre. Ich muss @Willi zustimmen. Letztendlich, — bleibt die Wahrheit im Dunkeln. Wen wunderts, -in einer Gesellschaft, — die Wahrheiten nach ihrem Marktwert bewertet?

  7. »[....]Wen wunderts, –in einer Gesellschaft, — die Wahrheiten nach ihrem Marktwert bewertet?[...]«

    Stimmt, und zudem in einer Gesellschaft, die in punkto Hartz IV immer mehr die eigene Doppelmoral enttarnt. Nach Nachdenkseiten ist es neuerdings möglich, und darüber regt sich keine Mittel‐ oder Besserverdienerin auf, als Frau als Prostituierte zu enden:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9620#more-9620

    Punkt 10 »10.ARGE Aachen vermittelt Prostituierte«

    ...wichtig, lesen — es geht nur in der Überschrift um »Prostituierte, denn eigentlich heißt es im Text:

    »[...]10.ARGE Aachen vermittelt Prostituierte

    Die Aachener Nachrichten berichten, dass einer Aachenerin von der “Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung Arbeitssuchender” (ARGE) ein Minijob als “Außendienstmitarbeiterin im erotischen Bereich” angeboten wurde. Die Stellenbeschreibung: “Aufsuchen potenzieller Kunden im Raum AC/K/D/HS, Gewinnung neuer Mitglieder für die interaktive Internetplattform.” [...] Der Leiter der ARGE Aachen, Marcel Raschke, hat den Vorfall der Zeitung gegenüber bestätigt und erklärt, es sei oberstes Ziel, auch eine Mutter mit zwei Kindern aus dem Arbeitslosengeld II heraufzuführen. Das Angebot habe ohne negative Folgen abgelehnt werden dürfen.
    Quelle: Jurablogs[...]«

    Quelle und kompletter Text:

    http://www.jurablogs.com/de/arge-aachen-vermittelt-prostituierte

    Tja, wie soll Frau Von der Leiharbeit (auch Von der Leyen, Arbeitsminsterin genannt) einmal bei Anne Will, fast widerspruchslos vor anderen Talkgästen, gesagt haben:

    »Jede Arbeit ist besser als gar keine Arbeit!«

    Fazit:

    Vergesst jegliche Moral, laßt Deutschland zur Gesellschaft des Dschungels — im negativen Sinn — verkommen: Hauptsache Arbeit!

    Wie wär’s mit Terrorist oder Profikiller? Oder Meisterdieb? Betrüger gar? — Hauptsache Arbeit, denn wie sagte schon »Bertold Brecht«? — »Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral«

    Gruß
    Bernie

  8. auch wenn ich dann heute abend einen troll‐schoppen mehr auf dich trinken muss @bernie: heisst du @epikur, @jtheripper oder @todesglupsch? oder warum formulierst du in deiner argumentation(?), als hättest du dieses post hier verfasst (die kleinschreibung aufgrund deines mörder wissens über brecht)
    ————————————————————

    Ich sehe nicht — wieder gemäß obigen Posts — wie Frauen als Opfer von (sexueller) Missbrauchstaten es gemäß Eurer (nicht @bernie´s ) Argumentation schaffen sollen sich auch nur annähernd recht zu verschaffen. Gemäß Eurer (nicht @bernie´s) Argumentation ist dies schlichtweg vollkommen unmöglich für Frauen, die von Prominenten Personen oder Arbeitgebern oder Vorgesetzten vergewaltigt wurden oder sonstwie sexuelle Übergriffe erdulden mussten. Durch diese »Vorbildwirkung« wird es dann übrigens genauso und noch schlimmer für die vielen »ungenannten« Frauen.

    In meinem ersten Kommentar wollte ich eben dies zum Ausdruck bringen und durch eine kurze Zusammenfassung überprüfen. Solcherlei Art der Statements konnte ich von Euch nicht glauben, da ich hier auf diesem Blog eben ansonsten andere Meinungsbilder gewohnt bin.

  9. @pantertiger
    Niemand von uns ist Bernie. Das wüsste ich.

    Auch hat Niemand von der ZG‐Redaktion die Absicht, die Opfer von Sexverbrechen kleinzureden oder zu verharmlosen.

  10. »[...]Auch hat Niemand von der ZG‐Redaktion die Absicht, die Opfer von Sexverbrechen kleinzureden oder zu verharmlosen[...]«

    Bernie übrigens auch nicht, aber er ist dafür immer noch die Unschuldsvermutung gelten zu lassen — Das Thema lasse ich aber, denn Roberto J. de Lapuente hat die passende Antwort eigentlich schon hier »Mannhafter Feminismus — Beitrag vom 02.06.11« geliefert:

    http://ad-sinistram.blogspot.com/2011/06/mannhafter-feminismus.html

    Übrigens, ich bin nicht mit Roberto J. de Lapuente, oder den anderen Bloggestaltern identisch, aber ich finde Ad Sinistram gibt 1:1 an was »mannhafte Feministinnen« so umtreibt.

    ....lies dort selber nach....

    ...natürlich nur insofern Du Roberto J. de Lapuente nicht die selben hanebüchenen Vorwürfe machst wie mir hier ;)

    Guten Abend noch
    Bernie

  11. @bernie
    nochmals: ich habe nicht mit dir und nicht über dich geredet — also kann ich dir auch keine vorwürfe gemacht haben. woher du dieses nimmst, weißt wahrscheinlich nur du. (mein zweiter kommentar
    kann diesbezüglich naturgemäß getrost außen vor gelassen werden) — andererseits: Dein von Dir propagiertes ad sinistram‐Post ist i.o..

    @Epikur
    Komischerweise: werden ganz schnell Argumente dafür gefunden, was so ein Opfer alles falsch gemacht hat; inwiefern sich dieses Opfer so Einiges hat zu Schulden kommen lassen. Und die fiese Presse erst und die fiese Staatsanwaltschaft.

    Ja, wahrscheinlich hat das potenzielle Opfer den potenziellen Täter zu etwas provoziert. Ihn vielleicht vor irgendeine Wahl gestellt, was womöglich sogar in Richtung Erpressung gelaufen sein könnte. Das lässt sich gut denken. Das war im konkreten Prominenten‐Fall das für Beide offensichtliche Risiko, das Beide von Anfang an eingingen. (Wobei er wohl anscheinend von Anfang an mehr über ihre »Beziehungsgrundlagen« wusste als sie. — Also doch eher ungleiches Risiko!?)

    Eine Frau hat dann allerdings sofort, blitzrasch mit erheblichen zumeist körperlichen Konsequenzen zu rechnen, was ja — gemäß Eurer Auffassung? — dann wiederum wohl auch des »Mannes« (dieses Testosteron gesteuerte Wesen) gutes (Faust-)recht ist. — Er ist nun Mal so; den kann man nicht ändern – das erzählen wir ihm auch besser nicht – weil sonst... — du weiß doch wie er ist ..., der ändert sich nicht mehr... — lass es doch, bleib ruhig... — der ist nun mal so....

    Das alles läuft dann nicht immer nur unter Sexverbrechen, nein, das läuft anders – und deshalb: haben sämtliche Schutzorganisationen und auch „Frauen‐Organisationen“ nach wie vor (und mehr denn je) ihre volle Berechtigung!! Auch wenn hier und da einiges verschroben sein mag – aber von solchen „Überreaktionen“ kann sich die „starke“ Seite schon seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten mindestens ebensowenig frei sprechen.

    Wie gesagt (s.o. Eingangsabsatz), gegen das potenzielle Opfer werden sofort Argumente gefunden. Das Erste, was es im Fall Kachelmann zu hören gab: Die Verletzungen hat sie sich selbst beigebracht.

    Das geht ganz schnell: Das war doch Eifersucht; die war doch nur auf sein Geld aus, was erwartet die denn,... und letzten Endes: die ist doch verrückt!... Dass aber auf Angeklagten‐Seite so Einiges »komisch« gewesen ist – davon keine Spur.

    Angeblich, gemäß Eures obigen Posts, hat das potenzielle Opfer, haben die Opfer immer irgendwie die Medienlandschaft für sich genutzt. Dass das auf Täter‐Seite aber noch doller betrieben wurde!? Angefangen: ich kenne die Frau nicht. Ganz zu schweigen von der Ungleichverteilung an eingesetzten Geldmitteln für Rechtsmittel (s. z.B. Austausche der Anwalts‐Teams)!? Geld kauft Recht? Oder reiner Selbstschutz?

    In der Psychologie gibt es nicht viele Erkenntnisse, die absolut gesichert sind; immerhin kann hier schon aufgrund des Gegenstandsbereiches vorwiegend mit Wahrscheinlichkeiten (und eben nicht mit Absolutheiten, wie von Euch anscheinend angemahnt) gearbeitet werden — aber auf einmal wird hier von Verteidiger‐Seite lauthals eben über die angeblich so pro Opfer eingestellte Medien‐Öffentlichkeit verkündet, dass ja die Klägerin noch nicht einmal mehr weiß wie denn nun der angebliche Tathergang genau(!) war. Das geschieht automatisch aus Selbstschutz und ist eine gesicherte Erkenntnis der Psychologie (ein Stichwort hierzu lautet u.a. Dissoziation). — Anderherum, hätte sie, die Neben‐Klägerin alles detailgetreu und komplett widerspruchsfrei wiedergegeben: So schlimm kann´s doch dann nicht gewesen sein; das war dann auch keine Vergewaltigung — so hätten dann die Verteidiger posaunt.

    Es ist sehr schwer in solchen Fällen recht zu sprechen, das ist klar. Aber was ihr hier meines Erachtens fordert ist noch schlimmer als das, was in Deutschland Realität ist: Du musst die Täterin beziehungsweise den Täter erwischen, wenn er „auf dem Opfer draufliegt“ oder „wenn er das Kind gerade aktuell nötigt (beziehungsweise missbraucht)“ … — ansonsten: in dubio pro reo.

    Ich frage mich immer, was passiert, wenn jemand so einen Fall in der eigenen Verwandtschaft oder Bekanntschaft hat und dann zusehen muss, wie wehrlos ein Opfer zumeist ist? Zum Beispiel: Fester Wohnsitz, erst Mal laufenlassen...

  12. @pantertiger

    Uns vorzuwerfen, wir würden im Falle Kachelmanns, Täterschutz betreiben, wo weder Täter noch Opfer eindeutig zu erkennen sind, ist wenig nachvollziehbar.

    Ich zumindest weiß nicht, ob Kachelmann schuldig ist oder ob es Behauptungen waren, die zu Rufmord führen sollten. Scheinbar wissen aber so einige mehr als ich, denn immer wieder wird sich auf die Eine oder die andere Seite geschlagen.Unabhängig vom Richterspruch, kann man aber den medialen Umgang und den öffentlichen Diskurs beobachten und analysieren. Genau dies haben wir versucht aufzuzeigen.

    Ich frage mich immer, was passiert, wenn jemand so einen Fall in der eigenen Verwandtschaft oder Bekanntschaft hat und dann zusehen muss, wie wehrlos ein Opfer zumeist ist?

    Solche Argumentationsmuster werden auch bei Missbrauch und ähnlichen Fällen gerne verwendet. Sicher, wäre jeder persönlich Betroffene emotional und seelisch stark verletzt und er/sie würde mir auch leid tun. Es geht aber nicht um Rache und Vergeltung. Das moderne Rechtssystem ist nicht auf dem Fundament der Rache aufgebaut. Denn das würde zu Auge um Auge, zu Lynchjustiz und letztlich zum Bürgerkrieg führen.

  13. @Epikur
    Es geht mir nicht um Rache, es geht mir darum, dass es äußerst schwer, nahezu unmöglich erscheint jenen Mit‐Menschen, die da sogleich für einen potenziellen Täter/in mit aller Macht in die Bresche springen, Empathie, im Zweifel für das Opfer, nahe zu bringen.

    Es wird, als ein praktisches Beispiel unter sehr, sehr vielen, von »Täter‐Anwalts‐Seite« sehr schnell gesagt, das ist in Ordnung, dass Gewalttäter sogleich wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil sie ja einen festen Wohnsitz haben ... — und dann steht das Familienmitglied, Bekannte/r da mit »blauem Auge« usf. — Dem Opfer wird zugemutet nun Tag für Tag in ständiger Angst vor weiteren Übergriffen weiterleben zu müssen.

    Oder: Ist jemand in der entsprechenden Position, kann dieser oder diese Jemand ganz andere Mittel einsetzen (»mit Kanonen auf Spatzen schießen«) — im Zweifel als das potenzielle Opfer.

    Ich denke, auch so etwas sollte im sogenannten Modernen Rechtssystem nicht möglich gemacht werden.

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