ZG‐Rückblick: Gonna Occupy Them All!

Am 15. Oktober sollte nun endlich ernst gemacht werden mit einer weltweiten Bewegung, die endlich die Welt zu ihrem Besseren veränderm sollte. Attac hat aufgerufen. Was soll denn überhaupt erreicht werden? Und wie erfolgreich war dieser Tag? Und überhaupt, macht dieses Vorgehen überhaupt Sinn?

todesglupsch sagt:
Ich muss zugeben, dass die konkreten Ziele der Bewegung vor allem über die klassischen Medien wenig transportiert werden und deshalb vor allem das Internet als Medium herhalten muss. Trotzdem ist inzwischen nicht nur die klassische Zielgruppe für Protestkultur auf den entsprechenden Veranstaltungen anzutreffen. Es scheint doch ein recht guter Querschnitt durch die Gesellschaft sichtbar zu werden. So auch unsere Wenigkeit. Das ZG‐Team, quasi als Vertreter des nicht besonders schwarzen Blocks (Blogs), hat geschlossen am 15. Oktober (fast) alles gegeben um die Welt endlich in sinnvollere Bahnen zu leiten. Entsprechend unseres Engagments ist die Erwartung natürlich groß. Ich rechne fest mit einer deutlichen Verbessung der allgemeinen Lage und auch der Speziellen innerhalb der nächsten drei Monate, so dass ich mein T‐Shirt mit der Aufschrift »Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden« außer Dienst stellen kann (oder zumindest nur noch als mahnendes Beispiel aufbewahren muss).

jtheripper:
Die Demonstrationen als globale Aktion war schon eine tolle Sache, da es aber primär um das Umdenken geht, hätte ich mir ein paar innovativere Aktionen gewünscht, als nur der Lauf durch die Stadt. Ich kann ja nur von Berlin reden, aber wenn so ein Trupp schon auf der Vorzeigestraße »Unter den Linden« demonstriert hätte man hier z.B. die ganzen »Style‐Shops« doch mit einbeziehen können (Wer bitte geht denn in ein Nivea‐Store???).

epikur:
Es ist leider wie immer bei Demonstrationen: sind sie zu leise und zu friedlich, werden sie von den Massenmedien ignoriert oder kleingeschrieben. Sind sie zu laut und zu wild, wird der Protest als Chaoten‐Randale denunziert. Es ist offensichtlich, dass nicht demonstriert werden soll. Wir leben schließlich auch in einem Rechtsstaat, mit Menschenrechten, Demokratie, Gewaltenteilung — was maßen es sich Menschen an, da zu protestieren? Sollen die doch nach drüben gehen!

Auch die offizielle Zustimmung der Occupy‐Bewegung von Merkel, vielen Politikern und von einigen Medien ist an Verlogenheit kaum zu überbieten. Es liegt schließlich in ihren Händen, die Finanz‐ und Bankenwelt zu regulieren und dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Und falls Horst Seehofer doch Recht hatte mit seinem Satz...

Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt wurden, haben nichts zu entscheiden.

...dann sollen gefälligst alle Politiker abtreten und Ackermann soll zukünftig die Weihnachts‐ und Neujahrsansprache halten. Dann können wir uns den ganzen Politik‐Zirkus sparen.

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Gonna Occupy Them All!

  1. Und ich bin mal wieder hin‐ und hergerissen zwischen meiner Sympathie für eine undogmatische Massenbewegung welche den Namen durch die »99 %« auch zu verdienen scheint, aber andererseits bin ich überzeugter Misanthrop und Snob. Zu den 99 % gehören nämlich auch viele, Gartenzwergpolierer, Nazis, Sonntagsmorgensmitdemeiskratzeramautorumkratzer, Hipster, Sportlehrer und auch der ein oder andere Karnevalist, also so ziemlich das widerlichste, was man auf der Welt finden kann und eigentlich will ich mit solchen Leuten nichts zu tun haben.

    Aber ich bin auch Deutscher und daher...

    ENDLICH TUT MAL EINER WAS!1

  2. Das mit den konkreten Zielen, ist eigentlich gerade das Armutszeugnis der Hilflosigkeit gegenüber dem Ganzen. Eine durch und durch strukturierte Gesellschaft, wo jeder sich sein Zimmerle der Gerechtigkeit aufgrund vorhandener Strukturen baut. Das sich neue Ziele ergeben könnten, ist das wirklich Unheimliche für die meisten. An einigen Stellen, tönt mitunter mal durch, ob man das Ganze mit einer 68iger Bewegung vergleichen könnte. Ob dem so ist, naja, .... schwierig. Und letztendlich genauso muffig. Aber eine einzelne Deckungsgleichheit, gibt es trotzdem. Das Unwohlsein gegenüber vorgegebenen Strukturen, die egal ob links oder rechts, nur noch pragmatisch nach Muster reagieren. Ein Unwohlsein, erkennbar vor allen Dingen bei den Jüngeren. Was sich eben auch darin äußert, dass parteipolitische Bekundungen eigentlich rundweg abgelehnt werden. Und plötzlich stimmt auch die Welt nicht mehr, für das kritische Establishment, welches natürlich furchtbar gerne federführend wäre. Mit all seinen Antworten, all seinen Erklärungen, — aus dem eigenen Schuhkarton. Ich denke, das macht es irgendwo aus. Deshalb sehe, natürlich genauso subjektiv, ich die Sache nicht nur sehr positiv, sondern auch unaufhaltsam. Möglich, dass es zeitenweise wieder in der Versenkung verschwindet. Aber letztendlich, ist da eine Gärung vorhanden, die man mit unseren gewohnten Erklärungen, nicht mehr totreden kann.

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