ZG-Rückblick: Dschungelcamping

Vor gut zehn Jahren gab es einen Aufschrei durch die Medienlandschaft als sich ein Zlatko mit einer Menge Kameras in einem Container einschliessen ließ. Heute heißt es, aus was weiß ich für einer Quelle, jeder vierte Akademiker schaue regelmäßig das Dschungelcamp. Wobei wohl auch ergänzend erwähnt wurde, dass sich dies auf alle überhaupt regelmäßig fernsehschauenden Akademiker bezieht und wenn ich mal spekulieren darf, vermute ich auch, dass diese alle in der Medienbranche arbeiten. Wie auch immer, neulich sitzt im öffentlich rechtlichen Fernsehen Markus Lanz, seines Zeichens regelmäßig Dschungelcamp schauender Akademiker, in seiner Sendung zusammen mit einigen »Promis«, die fast alle keinen direkten Bezug zum Thema zu haben scheinen, und tauscht Meinungen über die »Camper« aus. Es scheint so, als seien wir endlich endgültig über die medienethische Diskussion hinaus und endlich können und wollen alle mitsprechen beim Thema. Wieso eigentlich? Egal, jetzt müssen die ZG’ler auch ran, ob sie wollen oder nicht.

(Nebenbei ist das ganze schon wieder vorbei und nach letzten Informationen scheint jemand »gewonnen« zu haben, dessen Namen ich noch nie gehört habe)

todesglupsch:
Irgendwann habe ich mich noch gefragt, warum Menschen diese Dinge machen, obwohl die Aussichten auf einen monetären Ausgleich so gering sind und selbst wenn, die Beträge vergleichsweise lächerlich erscheinen. Die einzige Schlussfolgerung für mich ist, es geht überhaupt nicht um Geld, sondern nur darum vor einer Kamera stehen zu dürfen. Ich habe schon überlegt, ob ich mir günstig einen Baucontainer hole, diesen mit Kameradummies ausstatte und anbiete für günstige tausend Euro wöchentlich diesen zu beziehen (exklusive Gas, Wasser, Heizung und Strom). Moralische Skrupel haben mich dann doch von dieser eleganten Geschäftidee abgebracht.

Ansonsten kann ich zum Dschungelcamp, neben den ethischen Aspekten, nur sagen, das dieses Format, ohne den Medienhype drumherum, sich einfach nur durch extreme Langeweile auszeichnet. Nun haben auch wir den Fehler gemacht dieses zu thematisieren, anstatt es verdientermaßen möglichst erfolgreich zu ignorieren. Aber wie jedes andere Medium, müssen auch wir sehen wie wir unsere Schreibvorgaben erfüllen.

jtheripper:
Die Quote, die Quote...  Roger Willemsen — zu Gast in der Sendung Riverboat — meinte, er fände es unterhaltsam, wie Mathieu Carrière es nicht schaffte, die junge Sarah zu bändigen. Diese ist vom Beruf »vor der Kamera seien« und hatte wohl für ordentlich Spannung bzw. Stimmung gesorgt. Das interessante für schauende Akademiker am Dschungelcamp könnte also sein, dass sich nun »Profis« dem Gruppenexperiment stellen und genauso versagen, wie die »Unterschicht« bei Big Brother. Oder um zu sehen, wer in der Branche komplett Bankrott ist und warum. Oder... ach egal.

epikur:
Obwohl ich solche Sendungen meide, wie der Teufel das Weihwaser, musste ich mir letzten Samstag das »Finale« anschauen. Gruppenzwang und soziale Erwünschtheit, ihr wisst schon. Abgesehen von der Dauer-Musikberieselung, dummen Gequatsche und einem hohen Fremdekelfaktor, ist es, wie todesglupsch richtig sagt, einfach nur stinklangweilig. Ich wollte den Versuch starten, die unterschiedlichen Musikeinspielungen zu zählen, aber nach ca. 20 habe ich entnervt aufgegeben. Der mediale Versuch, dass Dünnschissgelaber der Protagonisten, durch Methoden aus der Werbeindustrie aufzupeppen, wirkt auf mich sehr lächerlich.

Schließlich bin ich aus dem motzen, nörgeln und kritiseren nicht mehr rausgekommen — sehr zum Leidwesen aller  anderen Anwesenden, die sichtbar Spass daran hatten, zuzuschauen, wie andere Spinnen fressen oder wie untereinander geistige Luftnummern ausgetauscht werden. In zwei Wochen redet kein Mensch mehr darüber. Zur zeitweiligen Ablenkungsstrategie reicht es aber. Schließlich wurde gerade das Afghanistan-Mandat verlängert und keiner bekommt es mit. Ob sich Merkel und RTL da absprechen? :nene:

7 Gedanken zu “ZG-Rückblick: Dschungelcamping

  1. zur zuschauerquote sei angemerkt, daß man meiner meinung nach durchaus von einem akademischen prekariat sprechen kann, das immer häufiger anzutreffen ist und von dem ich mir gut vorstellen kann, daß es diese art von tv bevorzugt bzw spannend findet.

  2. @todesglupsch

    Wo ich es mir gerade so durch den Kopf gehen lasse....eigentlich würde ich Dich schon gerne in einem Baucontainer mit Kameras usw. sehen! Wir könnten das dann als Live-Stream auf den ZG-Blog bringen und damit unsere Besucherzahlen erhöhen! Natürlich müsstest Du für einen hohen Unterhaltungswert sorgen: Deine Socken als Handschuhe benutzen, Käfer essen, über Promis lästern usw. — Dir fällt da sicher was ein. :dafuer:

    @landbewohner

    »Akademisches Prekariat«? Meinst Du unterbezahlte und erwerbslose Akademiker? Oder im Sinne einer geistigen Verarmung unter Akademikern? Oder beides? ;)

  3. Eines Abends letzte Woche habe ich mich mal aufs Sofa gelümmelt und ziellos herum gezappt, was eher selten passiert. Zufällig blieb ich bei einer Szene hängen.

    Eine Schauspielerin, die wohl schon einmal in einer Frauen-Knast-Serie mitgespielt hat hockte hysterisch schreiend an einem Tisch vor einer Portion Spaghetti. »Oh nein! Oh Nein! Jetzt kommen die Würmer! Nicht die Würmer!...« So, oder so ähnlich kreischte sie vor sich hin. Und tatsächlich, die Spaghetti wurden weg geräumt und ein Teller mit noch lebenden Würmern (oder Tausendfüsslern?) wurde unter dem milden Lächeln der beiden »Moderatoren« hingestellt mit dem dezenten Hinweis es sei eine Gabel voll zu essen...

    Ich habe schnell wieder weiter gezappt. Die Szene blieb mir aber im Gedächtnis. Mein spontaner Eindruck war, dass sowohl die Kandidatin, als auch die beiden Moderatoren, als auch die Zuschauer die solche Szenen offenbar lieben ein ganz gravierendes psychologisches Problem haben müssen. Dieser Eindruck irritierte mich allerdings widerum. Denn wenn ein großteil der Mitmenschen verrückt erscheint liegt die Vermutung nahe, dass in Wirklichkeit man selbst der Irre ist.

    Das war alles was ich vom Dschungel-Camp mitbekommen habe. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Psychologen noch vor wenigen Jahrzehnten den Beteiligten dieser Szene eine handfeste Neurose attestiert hätte.

  4. Ach ja, das Dschungelcamp.
    Für alle möchtegern Stars von morgen und abgebrannte AB´s von gestern... ?

    Ich bin mir ziehmlich sicher, auch ich könnte irgendetwas am »Dschungelcamp« finden was mich interessiert und sei es der »Dschungel« oder die »wilden Tiere« :sick:

    Fragen stellen :mad: :dagegen:

    vs.

    Ablenkung :shock: :dafuer:

    @Buck

    »Mein spontaner Eindruck war, dass sowohl die Kandidatin, als auch die beiden Moderatoren, als auch die Zuschauer die solche Szenen offenbar lieben ein ganz gravierendes psychologisches Problem haben müssen.«

    Diese Auffassung habe ich auch. Ich vermute zumeist Schadenfreude/ Neugier dahinter.

    Klasse Beitrag
    MFG

  5. Dschungelcamp? Safarie? Fotosafarie?
    (Ich glaub, ich muss mal wieder fernsehschauen :jaja:

    (Jetzt hab ich auch das mit den Icons raus, — gibt’s die auch als Aliens? )

  6. Bin ich froh, seit fast 20 Jahren keine Glotze mehr zu haben, obwohl allein schon g**gle-news und die systempresse extrem nervig waren mit dem zeugs, ob ichs nun sehen/lesen will oder nicht, auch ohne TV kam ich nicht dran vorbei — und das finde ich weitaus ekelhafter als das, was die da so fressen müssen in diesem TV-Limbo.

  7. spinnen fressen ...
    ähm da wurden keine spinnen gefressen^^
    wieviel »Wahrheit« ist noch extrem subjektiv verzerrt worden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.