Igod ist tot

Der Übervater, der Held der Helden, der Rächer der Enterbten; kurz: Gott ist tot! Verbeugt euch, kniet nieder und bittet um Vergebung!

Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph unserer Zeit.

- SpiegelOnline

Es ging Steve Jobs um die permanente Erneuerung des Lebens und des Denkens.

- FAZ

Der Mann war ein Pionier, Erfinder, ein Visionär.

- Süddeutsche

Jetzt ist der Religionsführer Jobs tot...

- Frankfurter Rundschau

Die Kritik an den unmenschlichen Produktionsbedingungen von Apple‐Produkten in China, ist nur die Propaganda der Konkurrenten.

7 Gedanken zu “Igod ist tot

  1. Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, den die überzogene Berichterstattung über S.J. nervt. Zum Kotzen. Mir tun nur die armen führerlosen Sektierer leid... nee, nicht wirklich. Was sind wir für eine armselige Gesellschaft geworden?

  2. Nein, darauf, dass er zum Segen der Menschheit Herausragendes geschaffen hat und ihm dadurch nun die gebührende Würdigung zuteil wird. Hinter der Weigerung dies anzuerkennen steht mit Sicherheit der Wunsch, das Wissen um die eigene Un‐Bedeutsamkeit und das Unbehagen, das es bereitet, zu verdrängen. Seid doch ehrlich — Ihr wollt doch auch, dass euch solch ein Abgang beschert wird?

    Jetzt mal im Ernst. Die oben angeführten Zitate sind derart lächerlich, dass mir kaum eine ernsthafte Reaktion darauf einfallen will. Mir scheint, als ob die Rezeption seiner Person der Auswuchs einer tiefgehenden Überzeugung ist, dass mit Technik die Probleme des Lebens zu lösen seien, (Ich will mal davon absehen, dass die Medienwelt sich eh auf jedes ausschlachtbare Ereignis stürzt, gerade, wenn’s emotional wird) oder vielmehr noch symptomatisch für den grenzenlosen Konsumismus ist, der in Fragen der gegenwärtig zu lösenden Probleme die Definitionsmacht besitzt (selbstzerstörerische Wirtschaftsweise, riesige gesellschaftliche Verwerfungen überall, zunehmende Isolierung und Vereinsamung, existenzielle Orientierungslosigkeit u.n.v.m.; man darf sich aussuchen, was dabei Henne und Ei ist).

    Allein diese Sprache, diese Wortwahl (»Visionär«, »Philosoph«, »Religionsführer«) macht mich wundern, was denn überhaupt die Probleme derer sind, die sie benutzen. Schätze jedenfalls nicht, dass es jene sind, denen sich Menschen wie Fromm, Adorno, Huxley etc. widmeten. Für die, die sich mit anstrebenswerten Arten des Zusammenlebens, des Denkens, der Kommunikation etc. beschäftig(t)en und dafür weitaus weniger Beachtung geschenkt bekommen, ist das doch ein Schlag in die Fresse. Mir jedenfalls haben o.g. Personen mehr bei der Bewältigung des Lebens geholfen, als irgendein Technikschnulli es jemals könnte. Ich will sie nicht negieren, die Rolle, die die Technik auch in meinem Leben spielt. Aber wenn ich sehe, wie mein Umfeld bspw. (um mal beim Thema zu bleiben) auf neue Apple‐Produkte reagiert (»Muss ich haben!«), ohne auch nur einmal deren unterstellte Notwendigkeit geschweige denn der gesellschaftlichen und ökologischen Folgen dieses Tech‐Hypes zu hinterfragen, muss ich annehmen, dass jeglicher Sinn nach Sinnhaftigkeit längst abhanden gekommen ist.
    Und da die meisten diesen für sich eh schon abgeschrieben haben, darf auch ich mich einreihen und die Neiddebatte in den Raum werfen. ^.-

    P.S.: Davon mal ganz abgesehen kommt auch wiedereinmal wunderbar zutage, wie wenig wir in der Lage sind, mit dem Tod umzugehen. Sich auf der einen Seite in heuchlerischer Betroffenheit baden (wenn über jeden sterbenden Menschen mal soviel Aufriss gemacht werden würde, könnte das ja die Aufmerksamkeit auf wichtigere Sachen lenken) und auf der anderen Seite kühl kalkuliert mit emotionalem Gefasel in der Generalverwurstung mitmachen und mit seinem Tod Kohle machen. (Tollstes Beispiel bietet wie immer die d‐Bil: http://www.bildblog.de/34028/was-von-steve-jobs-uebrig-bleibt/)

  3. Toll, was der Mann so geleistet hat: er hat Milliarden von Menschen davon überzeugt, unbedingt überteuerten und überflüssigen Mist kaufen zu müssen, der — nebenbei bemerkt — genauso unausgereift und fehlerbehaftet ist wie das Zeugs von Macrodoof.

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