Es gibt keinen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz

»Es gibt keinen von der Bevölkerung tatsächlich regierten Kapitalismus, keinen Kapitalismus, indem der Wille der Bevölkerung über den Imperativen von Profit und Akkumulation steht [...] Auch dass es niemals eine kapitalistische Gesellschaft gab, in der Reichtum nicht einen privilegierten Zugang zur Macht garantierte, ist hinlänglich bekannt«

- Ellen Meiksins Wood, »Die Grenzen des Kapitalismus«, Blätter, Ausgabe Dezember 2011, Seite 55

Anmerkung: Viele glauben, wenn die SPD wieder auf den sozialen Pfad geführt werde, der Kapitalismus gezähmt werde und die Unternehmen wieder mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, ja dann, werde alles irgendwie wieder gut. Das obige Zitat verdeutlicht, dass der Kapitalismus nie in erster Linie an den Menschen gedacht hat, es ging und geht immer nur um den Profit einiger Weniger, auf Kosten der Masse. Damit will ich nicht sagen, dass der Sozialismus besser bzw. somit anzustreben sei. Dennoch muss der Kapitalismus überwunden werden, wenn der Mensch im Zentrum jeglicher Politik stehen soll.

11 Gedanken zu “Es gibt keinen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz

  1. Darüber gilt es nach zu denken, Alternativen zu formulieren und einfach mal los zu spinnen. Ich habe jetzt kein Patentrezept und wenn doch, würde es in der Luft zerissen werden, weil dies und das und jenes ja eh nicht funktionieren würde und so weiter und so fort.

    Mir geht es darum, zu begreifen, dass der Kapitalismus nie zu einer auf den Menschen fixierten Gesellschaftsstruktur führen wird. Das wurde in Vergangenheit und Gegenwart hinlänglich bewiesen. Insofern gilt es, ihn zu überwinden und Alternativen zu finden.

  2. Die Überwindung kann auch nur ein Prozess sein. Die Menschen müssen erkennen, dass es wichtigere Dinge als Profit und Konsum gibt. Bis das geschieht wird einige Zeit vergehen.

  3. Ich denke, die Erfahrung der zweiten Hälfte des 20. Jhs. scheint gezeigt zu haben, dass Kapitalismus sich zähmen lässt durch das Bedrohungsszenario eines kommunistischen Umsturzes — real oder nicht.

    Die Frage ist nur, ob man das Zähmung nennen kann, denn der moderne Kapitalismus hat sich seit seiner Entstehung im 18. Jh. als überaus vielgestaltig und anpassungsfähig erwiesen. Ich hätte kein Problem mit einer sozialen Marktwirtschaft, zum Beispiel nach skandinavischem Vorbild (ein im Kern kapitalistisches System, wenn auch stark reguliert), habe aber ein großes Problem mit dem momentanen hochspekulativen Finanzkapitalismus (auch ein kapitalistisches System).

    Nur eines ist sicher: Nix bleibt für die Ewigkeit. Und die Wahrscheinlichkeit, dass demnächst was crashen könnte, ist so hoch wie lange nicht — fragt sich nur zu wessen Nutzen...

  4. Oh Herr!

    Wieder diese Debatte ob wir Kapitalismus oder Sozialismus wollen...

    Ist das alles?

    Ich pfeife auf eine allherrschende LEITKULTUR!

    Es gibt in diesem Land 80 Mio Lebensentwürfe, diese Leute wollen in kein Loch fallen (Kapitalismus) oder jeden Besuch in der Furzbude abstempeln lassen (Planwirtschaft) sondern sich — je nach Wesensart — die Rosinen rauspicken.

    Und alle Gangarten dieses »Spektrums« sei es neoliberal oder sozialdemokratisch sind eigentlich auch nur abgeschwächte Formen einer solchen Leitkultur, wobei diese dann (nur etwas langsamer natürlich) ebenso in den Kapitalismus münden, da der ja imperialistisch (Rohstoffe, Billiglöhner) ist, während der Kommunismus (real) einfach nur verwaltet.

    Ich will aber weder verwaltet werden noch mich von Illusionen Freiheit blenden lassen.

    Ich will einfach nur meine Ruhe haben und wenn ich was brauche komm ich schon und den Anteil am »Sozialprodukt« leiste ich schon ab; nur morgens halt fünf Minuten später.

    Und wer anders fände das »langweilig« oder gar »stressig«

    Am besten hat es da m.E. die APPD verstanden, die Deutschland in 3 SBZs einteilen wollen; eine für die Genießer, einer für die Workaholiks und die letzte für die Asis.
    Überzeugt mich mehr und verdeutlicht die erbärmlichkeit der »Konzepte« unserer ach‐so‐weisen Eliten

  5. Ich glaube nicht daran, dass Systeme den Menschen in den Vordergrund stellen (können). Ich denke Systeme haben an erster Stelle immer die Priorität sich selbst zu erhalten. Der erfolgreiche Selbsterhalt wird von den Befürwortern dann meist als Legitimation für das was sie für die dahinterliegende Ideologie halten (oder uns als solche verkaufen wollen) herangezogen.
    Nur die Menschen die das System mit Leben erfüllen können den Menschen in den Vordergrund stellen.

  6. @todesglupsch

    Sehe ich sehr ähnlich. Deswegen sollte man die zwischenmenschliche Ebene, die Mentalität der Menschen, ihren Glauben, ihre Werte, ihre Vorstellungen von Liebe, Freundschaft, Familie usw. auch häufiger thematisieren. »Wir« linke Blogger vernachlässigen das zu oft und konzentrieren uns zu sehr auf Politiker, Parteien, Reden, Parteiprogramme usw.

  7. Naja, mit Leben erfüllen die Menschen auch den Kapitalismus, wie sie bis jetzt jedes System mit Leben erfüllt haben.

    Tut mir ja leid, aber ohne Menschen, die ein System tragen, ist es nun mal keins.

    Von Menschen heißt nun aber nicht unbedingt für Menschen.
    ... und das wird mE so bleiben, so lange wir unsere ›Geschicke‹ in die Hände anderer Menschen delegieren und uns nicht jeder selbst da irgendwie auch persönlich einbringen wollen.

    Das unter den jetzt gegebenen Umständen nicht so recht zu können, ist nur das eine — wollen ›wir‹ das überhaupt?^^

  8. Noch immer nicht verstanden?
    Eingangs wird geschrieben, daß der Mensch den Kapitalismus überwinden muß, um im Mittelpunkt der Politik zu stehen. Der Mensch in Deutschland will aber gar nicht im Mittelpunkt der Politik stehen. Er weiß nichts mit seinen Rechten und Freiheiten anzufangen. Der Mensch in Deutschland ist denkfaul und kümmert sich nicht um Geschichte. Eventuell wird deshalb die Nazivergangenheit nicht richtig aufgearbeitet. Aber das ist eine andere Baustelle. Nehmen wir die letzten 10 Jahre!!! Wenn der Mensch in Deutschland sich mal die Mühe machen würde und rausbekäme, wer in den vergangenen letzten Jahren politisch für »WAS« verantwortlich ist — müßte er sich schämen und bitterlich weinen. (wegen seiner Wahlgänge) Unser Wirtschaftsdesaster, die 2‐Klassengesellschaft, Lobbyismus, Lügen und die vehemente Verfolgung von Funktionären anderer Parteien haben wir dem Duo SPD und Grüne zu verdanken. Wer jetzt laut »Nein« ruft, hat noch nicht recherchiert. Und genau diese Schwachmaten in SPD und bei den Grünen schaffen es immer wieder an die Macht. Weil der deutsche Mensch (Zitat von vorne) sie wieder wählt. Solange die Menschen in diesem Land zur Wahl rennen ohne sich mit Geschichte befasst zu haben, wird alles so bleiben wie es ist und schlimmer werden. Schmeißt die Sprücheklopfer bei der nächsten Wahl aus dem Parlament und kontrolliert die Neuen. Leute, die ihre Umfragen nur dadurch aufpäppen, indem sie andere in den Schmutz ziehen, dürfen es nicht einmal in den Landtag schaffen. Also, — was ist denn alles in den letzten 10 Jahren passiert? Wer weiß es?

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