Der kleingeistige Glaspalast

Wie groß ist Deine Wohnung? Wieviel Zimmer hast Du? Und wie teuer ist die Miete? Welches Auto fährst Du? Wieviel verbraucht er so? Und wie teuer war er? Welches Handy hast Du? Nokia? Vertrag oder Prepaid? Ach, ein iphone hast Du auch? Hast Du schon den neuen Actionfilm mit Vin Diesel im Kino gesehen? Was machst Du so beruflich? Welchen Schulabschluss hast Du? Und wieviel verdienst Du? Hast Du einen Garten oder eine Laube? Ach, Du hast ja neue Klamotten? Von Esprit oder C&A? Hast Du einen PC und auch eine Playstation 3? Und warste am Wochenende mal wieder bissl feiern? Wodka oder Becks? Hast Du eine/n Freund/in? Wohin fährst Du in den Urlaub? Vollpension? Hast Du DSDS im Fernsehen gesehen? Habendenken als Normalzustand.

10 Gedanken zu “Der kleingeistige Glaspalast

  1. Ich habe nen alten Twingo, der fährt gut, braucht kaum 7 Liter und es passt einiges rein. Ich hab weder iPhone noch iPad. Wozu auch? Brauchen tu ich es nicht und Schnick Schnack der mir Zeit kostet habe ich schon genug ...

    Immer wenn ich andere Treffe, die den neuen Audi, das neueste iPhone oder ein iPad haben mit denen sie allerelei Gimmicks vorführen habe ich immer das Gefühl ich müsste mich dafür entschuldigen, dass ich dem aktuellen Hype nicht nachkomme. Die Ärmsten sehen immer etwas belämmert aus wenn ich nicht staunend daneben stehe (warum sollte ich Staunen vortäuschen schließlich ist Informatik meine Arbeit und ich bin up to date...)..irgend wie tun sie mir leid und erinnern mich an Bilder von afrikanischen Stämmen die damit prahlen die größte »Untertasse« in der Unterlippe zu tragen oder den längsten ringgeschmückten Giraffenhals zu haben. Wir machen uns über diese Menschen (zu unrecht) lustig. Dabei investieren wir viel mehr Geld, Energie und Zeit für unseren hirnlosen Status‐Symbole.

  2. Tote Dinge anzubeten ist seit jeher nicht folgenlos. Es läßt Menschen in einem Zustand geistiger Schläfrigkeit zurück, weil Götzen eben nicht mit dem Menschen sprechen können, weil von diesen keine Anregung ausgeht.

    Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind. Nicht jene, die sich für ihre materiellen Bedürfnisse aufopfern.

    MFG

  3. Ansätze zum Folgenden:
    taz — Rainer Kreuz — Zurück in die Wirklichkeit
    als‐ob‐leben ? — assoziation: von bleiernen zeiten und ihrem dahinschmelzen (9)

    ——————–

    Leichter gesagt als getan. Das soziale Leben, die daraus resultierenden Anerkennugen und Momente der Zufriedenheit sind gekoppelt an gesellschaftliche Moves und ein elementares Gefühl der Zugehörigkeit (die höchste logische Ebene menschlichen Seins) — ein Zuwiderleben bedeutet regelmäßig einen selbstgewählten Ausschluß aus der Gesellschaft. Das allein mag noch positiv gelebt werden können, die Folgen der Isolation hingegen sind negativ und machen aus Menschen krude Gestalten.

    Ich bezweifle, daß es sich noch lohnt, an »den« gesunden Menschenverstand zu apellieren.

  4. Pingback: Soziale Zwänge und Niederlagen im Ökofaschismus - vor und zurück

  5. schauderhaft wie klein das Hamsterrad schon geworden ist. Mir wäre jetzt nichts eingefallen, was man dringend hinzufügen müßte. Wenn man heute diese fragen alle durch hat, meint man einen Menschen wahrscheinlich schon gut zu kennen. Es ist natürlich schwachsinnig.

  6. @shock

    Schlimm nur, wenn ein Gespräch so anfängt und auch so endet, wie oben beschrieben. Und ich wage zu behaupten, dass dies nicht selten der Fall ist ;)

    Darüber hinaus ging es mir nicht primär um smalltalk, sondern um Sprache und Denken der Habenkultur.

  7. 100m², 4 Zimmer, ca. 900, keins, nichts, auch nichts, Samsung, Prepaid, Nein, forschen, Abi, das sage ich nicht, nein, h&M, pc ja ps3 nein, nein auch nicht, Becks, ja, USA, nein.
    und wen interessiert das jetzt? Vielleicht sollte man aber auch mal darüber nachdenken ob man sich denn überhaupt ständig unterhalten muss. Ich denke daher, dass Habendenken und smalltalk schon in die gleiche Richtung gehen.
    Weil mit den Menschen mit denen ich keinen smalltalk betreibe sondern mich unterhalte, mit denen rede ich auch nicht über solche Sachen.

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