ZG‐Rückblick: Weähm

Die Fußball Weltmeisterschaft ist im vollen Gange; überall Schwarz, Rot, Gold; jeder ist ein Fußball‐Fan. Ein Ereignis, welches so viele Leute begeistert, kann doch nur positiv sein. Oder hat es etwa auch Nachteile, wenn man sich einen Monat lang nur mit einem Thema beschäftigt? Zumindest ist so das Thema für diesen Rückblick einfach gefunden.

jtheripper:
Die Bundesliga verfolge ich jetzt schon lange nicht mehr. Ich fande es irgendwann langweilig immer das gleiche Gekicke und die Spieler wechselten die Vereine öfter als ihre... aber egal. Zur WM/EM lasse ich mich auch ein wenig anstecken, schaue aber in kompletter Länge, mit wenigen Außnahmen, nur die Deutschlandspiele. Was man aber ganz sicher mitbekommt, ist das Drumherum, Pressekonferenzen, wer welches Aua hat und das der Jogi mit einem gutem Gefühl aufgestanden ist. Denn das wird in so ziemlich jeder Sendung gezeigt, auch wenn sie noch so wenig mit Fußball zu tun hat. Nachrichtensendungen haben die Tage auch nur die gleichen Themen: Präsidentenwahl, BP und dann ganz viel Fußball. Irgendwie habe ich das Gefühl, als würde ich da draußen etwas verpassen. Ich weiß nur nicht was.

Foto: thomas pieruschek / aboutpixel.de

Foto: thomas pieruschek / aboutpixel.de

todesglupsch:
Ich denke Fußball ist in seiner Essenz immernoch eine der attraktivsten Sportarten überhaupt. Die Strukturen des organisierten Sports, die mediale Omnipräsenz zur WM oder die Mengen an Geld die in dieser Sportart stecken sind sicher alles Ansatzpunkte für eine kritische Betrachtung.  Aber all das ändert Nichts daran, dass ein gutes Fußballspiel trotz allem großartige Unterhaltung und erstklassigen Sport bietet.

Erstaunlich ist aber, dass, obwohl vor allem kommerzialisiert und globalisiert, der Fußball immernoch eine starke nationale Identifikation stiftet. Die Nationalmannschaften erfordern zwar entsprechende Papiere von den Spielern, aber vor allem die spielerische und taktische Philosophie ist kaum mehr nationenspeziefisch. So erkennt man die Brasilianer unter Dunga auch nur noch an ihren Trikots. Ein wenig hat man das Gefühl die südamerikanischen Mannschaften spielen zwar besonders erfolgreich, aber nicht besonders südamerikanisch. Wie so oft im Leben, so auch im Fußball, ist vor allem der Erfolg ausschlaggebend für die Identifikation und nicht wie dieser erreicht wird. Aber trotz allem kann ich nicht bestreiten, dass ich solange ich die deutsche Mannschaft für authentisch im Bemühen guten Fußball zu spielen halte, mit dieser mitfiebere.

epikur:
Als Berufskritiker und Freizeitnörgler muss ich natürlich auch bei diesem Thema wieder anecken. Das habe ich an dieser Stelle bereits getan. Vielleicht ist meine Diagnose ein wenig übertrieben gewesen. Verharmlosen sollte man den Party‐Nationalismus aber auch nicht.Viele kommen mit einer Einstellung daher, die besagt,  endlich wieder »stolz auf Deutschland sein zu dürfen« ohne dass ihnen eine rechte Gesinnung vorgeworfen wird. Bei der Fussball‐WM darf man das eben, ist der weitläufige Tenor. Für mich ist das nur eine Frage der Zeit, bis dieser  neu entfachte und öffentlich gezeigte Nationalismus instrumentalisiert wird.

Für viele ist die WM außerdem, so wie Silvester, die Loveparade usw., nur eine Rechtfertigung in der Öffentlichkeit ungeniert rumzugröhlen und rumzusaufen. Denn was so schön als »Party« deklariert wird, ist Proletentum in Reinform. Nicht, dass ich ein Partymuffel wäre, aber steht irgendwo geschrieben, dass es jedesmal so völlig hirnloses rumgesaufe sein muss?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.