ZG‐Rückblick: Massenveranstaltungen

Tote bei Massenveranstaltungen scheinen immer wieder vorzukommen. Auf dem Musikfestival in Roskilde 2000 starben neun Menschen und nun auf der Love Parade über 20. Beide Veranstaltungen waren schon seit Jahren etabliert. Sollte die Erfahrung in der Organisation solcher Veranstaltungen nicht solch ein Ereignis verhindern können oder sind riesige Menschenmengen einfach eine Gefahr die in gewissem Maße unberechenbar ist? Sind Menschen tatsächlich in einer solchen Situation rein Instinktiv gesteuert und nicht mehr verantwortlich für ihr handeln? Ist die Schlussfolgerung aus solchen Ereignissen, dass die Vermeidung von großen Menschenmengen nötig ist oder eher die Organisation von großen Menschenmengen verbessert werden muss, bzw. möglicherweise überhaupt stattfinden muss?

todesglupsch:
Ich glaube nicht das ich beurteilen kann, ob und in welchem Maße riesige Menschenmengen »steuerbar« sind. In sehr jungen Jahren, ich denke ich war sieben oder acht Jahre alt, kann ich mich erinnern bei einer Großveranstaltung beim Versuch des Verlassens durch offensichtlich zu klein dimensionierte Ausgänge in einer großen Menge Menschen »festgefahren« zu sein. Da scheinbar kurzfristig weitere Ausgänge ermöglicht wurden ging dies glimpflich aus, aber es zeigt, dass solche Organisationsprobleme vermutlich häufiger auftreten, nur glücklicherweise nicht immer so dramatische Folgen haben, bzw. durch schnelles Handeln seitens der Organisatoren das Schlimmste verhindert werden kann. Nun reizen mich die meisten Massenveranstaltungen wenig, aber persönlich vermeide ich es gegebenenfalls trotzdem zumindest direkt in riesen Menschenmengen aufzuhalten.

jtheripper:
Ich habe noch keine schlechte Erfahrung in größeren Menschenmassen gemacht, aber ich meide sie ebenfalls. Auch bleibe ich immer sehr gelassen und ruhig, wenn es denn mal so eng wurde, dass keine individuelle Fortbewegung mehr möglich war. Es drohte aber auch keine Gefahr und ein wenig positive Stimmung zu verbreiten, scheint mir dann immer ganz passend. Witze über Sardinen kommen meist ganz gut an. Bei den oben genannten Veranstaltungen hätte das aber ganz sicher nichts gebracht. Ich kann mir vorstellen, dass ein unerfahrener Veranstalter schnell übersehen kann, wie sich die Masse an Menschen in manchen Situationen verhält. Dass es in einem überfüllten Tunnel zu einer Massenpanik mit tödlichen Ausgang kommen kann, ist jeder Ameise klar...

epikur:
Massenveranstaltungen haben Konjunktur wie nie zuvor. Ich bezweifle, dass der Unfall, die Katastrophe -oder wie auch immer man den Vorfall in Duisburg bezeichnen mag‐ daran groß etwas ändern werden. Es wird öffentlich geheult und geschluchzt werden, dann werden Schuldige gesucht, sie öffentlich vorgeführt, Trauerminuten abgehalten und wenig später wird zur Tagesordnung übergegangen. Das erleben wir doch immer wieder. Zuletzt bei dem Robert Enke‐Fall. Der Status Quo darf eben nicht angetastet werden.

Massen‐Events, so hat es Roberto auf ad sinistram mal gut formuliert, sind so etwas wie ein Hafen für vereinsamte, verlorene Seelen, die sich im Massenrausch wieder wohlig warm, geborgen und solidarisch fühlen dürfen. Und am nächsten Tag wird der Ellenbogen wieder ausgefahren. Tote und Verletzte bei solchen Events, sind für alle Beteiligten und Angehörigen zwar tragisch, aber aufgehört wird deswegen noch lange nicht. Bestes Beispiel: Roskilde. Die Loveparade‐Veranstalter sprechen zwar jetzt davon die Loveparade für immer einzumotten, wer weiß aber, wie das in zwei Jahren aussieht. Da gibt es dann ein neues, ultimativ innovatives Konzept.

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Massenveranstaltungen

  1. Schon kleine Events sind nicht kalkulierbar. Es ist ein Wunschtraum schlechthin,
    Ansammlungen von Menschen sicherheitstechnisch 100Prozent abschützen zu können.
    Es hat schon gnadenlose Unglücke, auch in den verantwortungsvollsten Einrichtungen gegeben. Ganz besonders Computersimulationen über Menschenströme offenbaren den kalkulatorischen Unsinn dahinter. Man kann ohne Garantien grob optimieren, auch geografisch, dass ist aber auch alles. Man kann sich vielleicht auf die Schulter klopfen, und alles menschenmögliche versucht zu haben, aber auch dies nur in dem Bewusstsein, dass es niemals ausreichen wird.

    Spätestens bei Besuch von Demonstrationen sollte jedem klar werden, wie unkalkulativ sich Menschen verhalten können, und was alles, selbst aus Kleinigkeiten heraus passieren kann. Die größten Menschenansammlungen dieser Art stehen mengenmäßig sogar noch im Verhältniss von 1 zu drei zu den heutigen Massenevents. Und dies sind erst die Möglichkeiten ohne äußere Einflüsse. Was ist mit den großen Sachen. Wetterumschwünge, Feuer, Stromausfall bei Nacht, .....?

    Natürlich kann man versuchen zu optimieren. Eines davon ist z.B. niemals auch nur daran zu denken, solche Menschenmassen überhaupt räumlich zu begrenzen. Schon aus Notfallgründen heraus. Und sie durch irgenwelche Nadelöhre zu treiben, ist ganz bestimmt nicht helle. Was in einer Stadt aber auch niemals anders möglich sein wird. Und tatsächlich zu glauben, das hier alle sich verantwortungsbewusst verhalten werden, oder alles kalkulierbar, — ist irrwitzig. Die rein quantitative Nichtkalkulation der Möglichkeiten, betrifft Organisatoren genauso wie Eventteilnehmer.

    Für mich bestehen hier höchstens Schuldigkeiten im blinden Glauben darin, dass es überhaupt möglich sein könnte. Bei solchen Sachen, kommt man unweigerlich immer an den hässlichen Dreiklang der Fragestellung zwischen Sicherheit, Freiheit und Risikoakzeptanz. Es geht leider nicht anders. Und diese Fairness, sollten wir uns alle gönnen.

  2. Pingback: Public-Viewing – Massenansturm – Panik vermeiden « FunTas Blog

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