Vampirgesellschaft

Eigentlich leben wir schon in einer Gesellschaft voller Vampire. Jedoch keine romantisierende Verwirklichung eines Bram Stokers Dracula oder eines pubertären »twilight«, sondern vielmehr von eiskalten, berechnenden, blutsaugenden und eigennützigen Vampiren. Das allgemeine geschäftliche Credo lautet:

»Je schlechter es dem Anderen geht, umso besser geht es mir!«

In den Nachrichten erfahren wir von Hungernden weltweit, von toten Soldaten, von Toten und Verletzten durch  Unfälle und Katastrophen oder von Hartz4‐Empfängern, auf die medial gespuckt wird. Solange wir uns nicht zu einer solchen Gruppe zählen müssen, fühlen wir uns besser. Des anderen leid, ist unsere Freud.

9 Gedanken zu “Vampirgesellschaft

  1. Das hast Du gut und passend gesagt, das ist auch meine Ansicht!

    Es muss einen wohl erst selbst schlecht gehen, das man die Welt mit anderen Augen sieht, das ich‐denken prägt die Zeit....leider!

  2. Am schlimmsten sind für mich die Energievampire.
    Sie saugen Deine Energie auf, indem sie dich mit ihren Interessen/Problemen/Anliegen belasten, ohne daß sie in irgendeiner Form eine Gegenleistung bringen.
    Man merkt es, wenn man mit solchen Menschen zusammengewesen ist, es geht einem hinterher deutlich schlechter. Oft findet man diese Vampirform in bürokratischen Einrichtungen wie Behörden oder Ämter. Sie sind alle vom Schlage »Nimm und gib nichts zurück«. Die Auswüchse, die Du beschrieben hast, sind im Grunde nur die Spitze des Berges.

  3. ich habe es dieser tage schon indirekt gesagt: zecken, die meiner katze blut saugen, dann allerdings von meiner katze wieder gefressen werden.

    »je schlechter es dem andern geht, desto besser geht es mir.«

    der satz trifft es sehr genau und ist die exakte umkehrung des kantschen kategorischen imperativs.

  4. Nein, es muss einen selbst nicht schlecht gehen, um die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mir ging es noch nie schlecht. Es reicht, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, um sich für andere einzusetzen. Wenn man sieht, dass ein hungriger Junge sich an unseren Tisch setzt und sich freut, unsere Reste essen zu können. Dann vergisst man diesen Moment nie. Wenn man sieht, welche Exzesse in der Welt der Schönen und Reichen passieren, wird man wütend und im Gegensatz dazu Kinder als Schuhputzer sieht. Wütend macht es einen, wenn auf Menschen gespukt wird, sie für ihr Schicksal selbst verantwortlich macht, nur weil sie Langzeitarbeitslose sind. So etwas ist nicht im Namen der Humanität hinzunehmen! Egal, wie es einen selbst geht. Man kann nicht akzeptieren, dass auf andere rumgetrampelt wird, die es schwerer haben. Man muss nach den Ursachen fragen und die werden m.E. verwischt und diejenigen, die den Finger drauf legen, als Utopisten denunziert oder noch schlimmer.

  5. Auch Menschen denen es schlecht geht, wissen oft nichts besseres, als auf denen rumzutrampeln denen es noch schlechter geht. Ich seh dahinter nichts weiteres, als die blöde Eigenart von Menschen sich ihr Selbstbewusstsein auf der Schwäche anderer aufzubauen. Solange gesellschaftlich ein Verlangen, und eine Produktion dieses Selbstbewusstseins auf Gewinnerbasis stattfindet, bleibt das leider auch so. Aber @PeWi hat recht. Es gibt schon Menschen, die das ganz anders sehen. Egal, ob es ihnen gut, oder schlecht geht.

  6. Wieso wohl werden derzeit kinomäßig wieder Werwolf‐; Vampir‐ und Zombie‐Mythen ausgelutscht? Hängt es vielleicht damit zusammen, dass diese Mythen‐Wesen bestens zur heutigen Wolfsgesellschaft des Neoliberalismus passen? Übrigens: Im angelsächsischen Sprachraum sollen schon Bücher mit dem völlig zutreffenden Titel »Zombie‐Kapitalismus« kursieren. Der Kapitalismus wurde ja wieder einmal vom Steuerzahler gerettet, und darf nun als Untoter weiter existieren — mit all den furchtbaren Folgen für die ausgesaugten Nicht‐Untoten.
    Gruß
    Bernie

  7. Vielleicht müßte man noch die Hirntoten, außerhalb des Netzes, mitzählen, die den gescheiterten Neoliberalismus so verteidigen als wäre er noch lebendig — Insofern eine zutreffende Parallele, wie hier schon einmal jemand erwähnt haben soll, zum autoritären Staatssozialismus alter sowjetischer Prägung — Einziger Unterschied: Der war pleite — Die Neoliberalen eben nicht, die finanzieren, via Steuerzahler und abhängigen Regierungen, über ihre Lobbyisten, diese Ideologie bis zum Sankt Nimmerleinstag.
    Gruß
    Bernie

  8. Ja, das vorherrschende gesellschaftliche System will die Menschen dazu bringen, immer über den anderen stehen zu wollen, dass man sich nur wohl fühlt, wenn es einem besser geht als den anderen und dass man sich als etwas besseres sieht als sie. Und das wird dann als notwendiger Wettkampf zur allgemeinen Lebensregel gemacht. Wie klaus baum hier so schön geschrieben hat, als eine Umkehrung des Kategorischen Imperativs. Der Neoliberalismus will jegliche Solidarität, jegliches Mitgefühl mit den Schwächeren, letztlich jegliche Moral zerstören. So etwas hindert doch nur den Stärkeren an seiner freien Entfaltung.

  9. @Guardian of the Blind

    »[...]Der Neoliberalismus will jegliche Solidarität, jegliches Mitgefühl mit den Schwächeren, letztlich jegliche Moral zerstören. So etwas hindert doch nur den Stärkeren an seiner freien Entfaltung[...]«

    Hört sich wirklich an wie die Thesen des SS‐Mörders Heinrich Himmler.
    Insofern ist der Neoliberalismus nichts anderes als ein Erbe des NS‐Faschismus, und fällt gerade in Deutschland auf frucht‐ und furchtbaren Boden — bei den neoliberalen Enkeln der SS, SA und anderer NS‐Faschisten.

    Wo bleibt hier eigentlich der Aufschrei? Frei nach dem Motto: »Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!« — Ich weiß letzteres hat sich dank Von Zu Guttenberg endgültig erledigt, und erstes wird wohl bald auch Geschichte sein, wenn nicht irgenwann einmal die Linke......nicht allein die Partei selbigen Namens....aufwacht.....und Widerstand organisiert....

    Gruß
    Bernie

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