Neusprech: Gefährliches Halbwissen

ZG-Artikel: Neusprech HeuteAls gefährliches Halbwissen wird Wissen bezeichnet, dass nicht ausreichend oder lückenhaft vorhanden ist und letztlich zu einem fehlerhaften Urteil oder einer vermeintlich falschen Entscheidung führen kann. Der Begriff ist negativ aufgeladen und wird in der Regel gegenüber Personen abwertend verwendet. Der Terminus suggeriert außerdem, dass eine bestimmte subjektive Sichtweise zu einer fehlerhaften Einschätzung führt. Vielmehr wird ausgesagt, dass ein vermeintlich lückenhaftes Wissen zu einer Einschätzung führt, die nicht ernst genommen werden muss. Genauer: die fehlerhaft oder  falsch ist und womöglich zu schlimmen Konsequenzen führt. Halbwissen kann hierbei zu Experten‐Hörigkeit führen, zum unerschütterlichen Glauben an Zahlen sowie zum Quiz‐ und Rezeptwissen.

Halbwissen kann hierbei folgendermaßen differenziert werden:

*Situationen können eingeordnet/eingeschätzt werden, es mangelt jedoch an der Durchführungskraft und der Anwendung des Wissens

*Sachverhalte werden auswendig gelernt, ohne wirkliche Hintergrundinformationen zu besitzen

*Situationen könnnen eingeschätzt werden, ohne jedoch zu wissen, wie man an einer Verbesserung/Problemlösung arbeiten kann

*Sachverhalte werden nicht wirklich verstanden oder hinterfragt, auffällige Beispiele oder Erzählungen dienen als Aufhänger

Dabei ist die Frage, ob es überhaupt möglich ist, jemals »ganzes Wissen« statt »Halbwissen« zu erreichen? Können wir überhaupt eine Sache völlständig in seiner Gänze erfassen? Sokrates Ausspruch »Ich weiß, dass ich nichts weiß« verdeutlicht, dass wir ständig Halbwissen unterliegen. Die Frage ist also vielmehr, wozu wird das vorhandene Wissen verwendet? Wie wird mit dem Wissen gearbeitet? Folgen Konsequenzen oder Bewertungen, die unbequem oder nicht erwünscht sind, kann die Formel »Du besitzt gefährliches Halbwissen« als rhetorisches Werkzeug benutzt werden, um Aussagen zu diskreditieren. »Halbwissen« kann indes nicht gefährlicher sein  als »Vollwissen«. Schließlich haben Wissenschaftsexperten die Atombombe gebaut und keine Amateure.

Letztlich ist auch Wissen immer der Subjektivität unterworfen und kann damit getrost als relatives Wissen bezeichnet werden.

19 Gedanken zu “Neusprech: Gefährliches Halbwissen

  1. Halbwissen ist ein Mangel an Relativierungswissen. Halbwissen ist eine Aneignung von Wissen erster Stufe, eine bloße Anhäufung von Wissenspartikeln, ein Ausspreizen bestehender Sinnerzeugungsprogramme (Phänomenalisierung). Was fehlt, ist die reflektorische Zurückwendung auf eben diese Erzeugnungsstrukturen. Dadurch würde dann nicht mehr der Weg in die Wissensicherheit immer intensiver begangen, sondern der absolvierende (Ab‐solvenz, Enthebung, Lysis‐Lösung, vulgär: Distanzierung) Abweg zur Beschreitung gebracht. Je weiter der Weg begangen wird, desto mehr nimmt die Relativierungskompetenz zu, desto mehr ersteht im Hintergrund ein anderes Ethos der Begegnung mit den Erscheinungen, der Freundschaft, des Verstehenwollens, der menschlichen Kohäsion, der menschlichen Endlichkeit. Daher der Spruch: denn sie wissen nicht was sie tun. Die europäische Denke ging diesen Weg nur selten, ihre Tendenz strebte in die Überwindung des Halbwissens durch das Halbwissen hindurch (Dialektik) hin zum Wissen. Der Weg ist schwierig und grundsätzlich fragwürdig und nur wenigen gelingt es, in eine ausblancierte Form zu kommen. Daher Entlastungstrategien: Annäherung Denken‐Dinge, hie und da geschichtlich gestreckt in die Vergangenheit‐Zukunft, jedes Mal nicht Ablassen wollen.

  2. Die verlorene Fähigkeit zur Relativierung ist tatsächlich das einzig gefährliche am Halbwissen. Dadurch entsteht eine Faktengläubigkeit, durch die man sich jenen ausliefert, die als Experten diese Fakten nach Belieben generieren können.

  3. Hmmm. Das mit der Relativierung, da hab ich jetzt Schwierigkeiten mit.
    Ich behaupte, das erst die Relativierung anerkannter Grundlagen dazu geführt hat, das jetzt jeder deutet und verkauft wie es ihm gerade in den Kram passt. In keinem Umfeld kann man mehr Mumpitz verhökern, als in einem, in welchem keiner mehr gemeinschaftlich anwendbaren Grundsätzen folgt. Das was Westerwelle betreibt, ist das Resultat einer Gesellschaft, die grundsätzlich menschliche Werte relativiert hat.
    Auch das, was wir so als Klimaforschung ansehen, ist nichts anderes als die Relativierung einer Bemessungsgrundlage vormals durchaus akzeptabler Experten.
    Hypothesen, die heute als Theorie an die Wand genagelt werden, sind die Relativierung der beiden Begriffe Hypothese, und Theorie, die einstmals eine Grundlage waren, nach derer sich Menschen Vertrauen, oder Mißtrauen bilden konnten.
    Der Begriff Gutmenschen ist eine rekursive Relation einer vormals eindeutigen Bezeichnung der Eigenschaft eines Menschen.
    Das es niemals wirklich objektives Wissen gibt, sollte nicht zu der Schlussfolgerung führen das es gar kein Wissen gibt. Auch wenn dies einige als generelle Fehlentwicklung ansehen, so kommt keiner an der praktischen Einsicht vorbei, das eine ganze Welt von Menschen nun mal eine Grundlage benötigen, nach derer sie sich orientieren können. Was Adorno betrifft, sollte man einfach nicht die Tatsache übersehen, das er niemals fähig gewesen wäre, die Aufklärung ohne die Aufklärung selber in Frage zu stellen.
    Ich versuche das mal anders; Das es mittlerweile Tonnen an Experten gibt, die gar keine sind, ist ein Resultat der Relativierung des Expertentums.
    Wenn wir es nicht schaffen, wenigstens für so was wie Menschlichkeit wieder Eindeutigkeiten zu finden, dann fahren wir in einen gnadenlosen Nebel hinein, der niemandem mehr helfen wird.

  4. Der Schlußschwenk auf die Atombombe, Schöpfung von Vollwissenden (so möchte man jedenfalls meinen) war mehr als gelungen. Erstaunlich, lieber Markus, wie Du mit Deinem gefährlichen Halbwissen solche Schwenke zelebrieren kannst...

  5. da ich im moment leider keine zeit habe, mich mit der notwendigen ausführlichkeit zu deinen ausführungen zu äußern, kann ich dir nur empfehlen, dir den essay von adorno mal anzuschauen: »Theorie der Halbbildung«. Es gäbe eine reihe von punkten, in der ich dir widersprechen müsste, da eine angemessene selbstreflektierte subjektivität nun so gar nichts mit relativität zu tun hat.
    (in der einleitung zur negativen dialektik äußert sich adorno über den vorwurf der relativität vermeintlich bloß subjektiver erkenntnis: wer eine sache durchläuft, sie von innen her erfährt, dessen erkenntnis daraus ist keineswegs nur subjektiv.)

    sich relativieren kann nur heißen, sich von außen zu beobachten, sich von sich zu distanzieren und sich fragen, was mache ich hier eigentlich?

    leute, die zu sich keine distanz einnehmen können, sind in der regel auch humorlos.

    der sache, die du ansprichst, kommt man näher, wenn man weiß, dass es ein verhältnis zwischen begriff = wort und bild = vorstellung gibt. die propaganda nutzt die abwesenheit von konkretem wissen und erfahrung, um begriffe mit etwas zu besetzen, dass mit der realität nichts zu tun hat. beziehungsweise nur vereinzelt mit ihr zu tun hat. man entdeckt, dass sich ein hartz‐IV‐empfänger als serienmörder betätigt hat — und flugs behauptet diie propganda: alle hartz‐IV‐empfänger sind serienkiller.

    usw.

  6. @klaus
    Neee, nimms mir nicht krumm. Du weißt wie sehr ich deinen blog liebe, und welchen Respekt ich vor dir habe. Aber an den internen Disputen der Adorno‐Jünger werde ich mich nicht mehr beteiligen. Ich habe auch deine Bearbeitung davon gelesen. Respekt und Anerkennung. Adorno ist für mich aber schon vor zwanzig Jahren gestorben. Ob nun Dialektik der Aufklärung, Theorie der Halbbildung, Erziehung zur Mündigkeit, Minima Moralia... , Marcuse Kultur und Gesellschaft, der eindimensionale Mensch, was auch immer. Von mir aus auch Marx und die ganze vergeistigte Bagage. Alle haben den gleichen Fehler gemacht, und sich über die Menschen auf der Straße gestellt. Das sind aber die Menschen die ich liebe. Wir heben uns ab. Das hilft keinem mehr weiter. Wir vergessen die Menschen mit diesem Disput auf einem elitären Rahmen, der überhaupt nicht hilfreich ist. Es ist nicht fair, elitäres Denken anzugreifen, und selber damit zu hantieren. Es tut mir leid Klaus. Tatsächlich tut es mir sogar weh, irgendjemanden etwas vorzuwerfen, aber man hantiert nicht mit Dingen, die Menschen nicht verstehen können, die im alltäglichen Leben ganz andere Sorgen haben. Ich kann dir versichern das dies einer meiner schwersten Kommentare war, die ich je abgegeben habe. Es tut mir leid. Sieh das Problem einfach bei mir. Fehlendes Verständnis, was auch immer. Aber von diesem Denkerdenken habe ich mich schon lange verabschiedet. Ich will die Menschen fühlen, nicht erklären.

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  8. Ich glaub ich muss das noch etwas näher beschreiben, schon damit Klaus nicht meint, das ich ihm auf die Füße treten will.
    Das Wort Halbbildung und auch »gefährliche Halbbildung« sind in ihrem umgangssprachlichen Gebrauch ja nun etwas älter als Adorno. Und »Halbbildung« ist selber schon eine Relativierung des Messbereiches zwischen »Keiner Bildung« und »Bildung«. Sich von außen betrachten zu können, als Relativierung zu bezeichnen, finde ich schwierig. Das würde ich erstmal als Selbstreflektion bezeichnen, was du ja auch anfangs beschreibst. Erst wenn diese stattfindet, kann ich auch anfangen mich selber in Relation zu anderen sehen, oder eigene Eigenschaften, oder Nichteigenschaften negativ, oder positiv relativieren. Das kann man ruhig mal als Gleichnis für anderes benutzen, denn hier sehe ich überhaupt eines der größten Probleme im Umgang mit Sprache und auch Neusprech, und den Menschen generell untereinander. Es wird einfach nicht reflektiert, sondern direkt relativiert. Als wäre das ein Automatismus. Dahinter steckt aber nichts anderes als die übliche schnelle Vorverurteilung aus der eigenen Subjektivität heraus. An diesem Punkt gebe ich dir sehr gerne recht. Mit dem Punkt haben aber auch alle Schwierigkeiten die selber gerne von Selbstreflektion reden.
    Schon seit Jahrzehnten beobachte ich diese Quantifizierung von Menschen die dazu neigen, eigene Probleme anderen vorzuwerfen. (Und nochmals, damit meine ich jetzt nicht dich ). Auch die fehlende Reflektion findet ständig statt, und an dem Punkt komm ich nicht direkt zu Adorno, sondern generell zu den Anhängern alter Denker.
    Bei normalen Diskussionen, in welchen Menschen sich einer allgemeingültigen Sprache mit vielleicht durchschnittlichem ( von mir aus auch Halbbildung) Bildungskontext bedienen, und bemüht sind dabei die mitzunehmen welche nicht so ganz fit sind, kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer jemand auf den Plan und sagt; »Bei Adorno steht«, »Adorno hat gesagt«, »Allah sagt ;) , »Marcuse«, »Platon«, »Heraklit lässt alles werden«, und schon versinkt alles in Parmenides Stille des Seins.

    Was die Relativierung unseres Sprachgebrauches, und auch die Bewertung von Bildung, Wissenschaft etc. betrifft, ist nichts anderes passiert, als die gnadenlose Steigerung sowieso schon relativierter Kontexte. Etwas was wir 68iger, Spät68iger, und ganz besonders die esoterischen Ableger davon, besonders in den 70/80igern zur vollkommensten Hochblüte die möglich war getrieben haben. Unser Unvermögen einzusehen, das man kaum etwas verbessern kann, wenn man alles geistig auseinander nimmt, und beim Erkennen dieser Unfähigkeit die Einzeltteile dann einfach liegen lässt, hat geradezu den Nährboden für die alles und jeden relativierende Gesellschaft geschaffen, in welcher man nun mal phantastisch alles verkaufen kann.
    Wie gesagt, Halbbildung ist die Hälfte zwischen Keine Bildung und Bildung.
    Was wir versuchen sollten, wäre die Reflektion des Messbereiches, nicht die zusätzliche Relativierung eines von drei Möglichkeiten. Adorno würde das einfach alles abschaffen, und was neues basteln. Wäre das hilfreich?

  9. @antiferengi, no problem.
    ich kam auf die »Theorie der Halbbildung«, weil Thomas Wieczorek sie in seinem Buch »Die verblödete Republik« zitierte.
    Man sollte nicht polarisieren, also auch nicht das Volk der Straße gegen die elitären Denker ausspielen. Mein Einwand ging in Richtung epikur, weil ich meine, dass er noch studiert und eine Arbeit über Sprache schreibt.

    Ich kanns auch anders sagen, was ich meine: Als Student im ersten Semester an der Kunsthochschule in Hamburg war in einer Kunstzeitschrift ein Artikel über Sprache und Bild zu lesen. Die Linguistik als Wissenschaft kam damals gerade auf, es war 1969. In dem Aufsatz fand sich ein Beispiel: Der Erfinder der Luftdruckbremse sprach beim damals größten Eisenbahn‐Tycoon der USA vor. Dieser konnte sich nicht vorstellen, dass so etwas Leichtes wie Luft so etwas Gewaltig‐Gewichtiges wie eine eiserne Lok zum Stehen bringen könnte.

    Das Fazit des Aufsatzes zielte darauf ab, dass wir unsere Vorstellungen und die Bedingtheit dieser Vorstellungen stärker selbstkritisch reflektieren müssten.

    Und noch ein Beispiel aus dem Alltag: Streit mit meiner Lebenspartnerin entstand oft dann, wenn die Vorstellungen, die wir zu einem bestimmten Wort hatten, völlig differierten. Ein Wort, aber völlig entgegengesetzte Bedeutungen.

    Ich finde, dass hat nix mit elitär versus einfache Leute zu tun.

    PS.: Ich habe übrigens seit über 20 Jahren Adorno nicht mehr gelesen.

  10. Um von Adorno mal wieder wegzukommen ein kleines Schmankerl aus dem »Wörterbuch des Teufels«:

    Kenner, der — Spezialist, der alles über etwas und nichts über alles andere weiß.
    Als ein alter Weintrinker bei einem Zusammenstoß von Eisenbahnen zermalt worden war, goß man ihm ein wenig Wein auf die Lippen, um ihn wieder zu beleben. »Pauillac, 1873« murmelte er und starb.

  11. Aber zurück zum Thema:
    Tatsächlich finde ich Halbwissen — so wie Klaus es in seinem Beispiel mit seiner Lebenspartnerin anklingen lässt — eher kommunikationsschädigend als gefährlich.

    Am Schlimmsten ist dieses Halbwissen bei Talkshows, wenn es z. B. um »Gier« geht (letztens bei »Hart aber Fair«) und jeder der Teilnehmer etwas darüber weiß. Das Problem ist nur, dass alle aneinander vorbeireden, weil jeder unter Gier dann doch letztendlich etwas anderes versteht.

    In der akademischen Debatte lernt(e?) man, dass man sich zunächst über die Grundbegriffe einig werden muss, bevor man über Inhalte diskutiert. In der gesellschaftlichen Debatte scheint das niemandem erforderlich oder sogar erstrebenswert.

  12. @Klaus
    Ich habe übrigens seit über 20 Jahren Adorno nicht mehr gelesen.
    Echt? Na, dann kennste das ja ;)
    Sorry, wegen der Polarisierung. Das war eigentlich nicht gegen dich gemünzt, sondern ist ein mehr lokales Problem bei mir. Da muss ich nämlich leider selber relativieren, und bin auch gezwungen zu polarisieren, — auch wenn’s mir selber schwer fällt. Theorie und Praxis. Danke dir trotzdem.

  13. Gerade weil konstruktive Kommunikation die Definition bzw. die Definitionsklärung von Worten und Begriffen vorraussetzt, gibt es unter anderem auch die Neusprech‐Rubrik.

    Und ja, in der Uni lernte man zunächst die Definition von Begriffen, bevor es eine inhaltliche Auseinandersetzung gab. Leider fehlt das im Alltäglichen gänzlich.

    Meine Abschlussarbeit über »Politik und Sprache« kann ich Dir gern mal zuschicken, Klaus. Bin also fertig mit dem Studium ;)

  14. mir fällt gerade noch etwas ein: halbwissen gibt es eigentlich nicht, weil wir alle immer noch zu wenig wissen. halbwissen entsteht nur da, wo das halbe für das ganze ausgegeben wird. und wo das halbe als die wahrheit dogmatisch behauptet wird, da wird es gefährlich.

  15. @klaus
    Dreihunderprozentige Zustimmung. Perfekt reduzierte Logik auf den simpelsten Nenner gebracht. Und wenn ich mir erlauben darf noch hinzuzufügen, — So versteht das auch so eine Dumpfbacke wie ich ;)

  16. Pingback: Paranoide Paradoxien und gefährliches Halbwissen « Geheimrätins Archiv

  17. Spannende Diskussion hier!

    Mir fällt gerade auf, dass das was als Bildung bezeichnet wird — teilweise — nichts anderes ist als eine Art »gesellschaftlicher Konsens« darüber was »richtig« ist. Richtige Sprache, Ausdruck, Wissen, Benehmen, Herkunft etc. pp. Alles was man derzeit glaubt zum Leben zu brauchen.

    »Gefährliches Halbwissen« hört sich für mich an wie ein Synonym für »dumm«. Ich muss zugeben Adorno nie gelesen zu haben. Alles was ich über seine Sicht der Dinge weiß stammt vom Hörensagen.

    Gibt es ein paar Lateiner hier? Wie würde die viel beschworene »Intelligenz« heißen, wenn anstatt »wählen zwischen« die Übersetzung heißen müsste »richtig wählen zwischen«? Aber würde man dann überhaupt noch von »wählen« sprechen können?

    Ein Jäger und Sammler würde mich mit Sicherheit auch in einigen Punkten für »dumm« halten. U.a. weil ich nichts über die Essbarkeit über die in seiner Umgebung wachsenden Pflanzen weiß, nichts über Zubereitungstechniken, nichts über Jagdtechniken, etc. pp.

  18. Jemand, der Halbwissen an den Tag legt, und sich dessen nicht bewusst ist, ist kaum gefährlicher (oder gefährdeter) als jemand, der über sogenanntes anerkanntes Expertenwissen verfügt, und davon überzeugt ist. Beide Arten von Wissen wurzeln ja in der Überzeugung, dass ihr Wissen das richtige sei, in dem Sinne, dass ihr theoretisches Abbild der Welt mit dieser übereinstimme. Darüber können wir aber letztlich ohnehin keine Aussage treffen. Der Experte wird seine Sichtweise nur besser begründen können. Aber wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, kann auch dessen Wissen sich innerhalb kurzer Zeit relativieren oder gar als ungültig erweisen. Dessen sollte man sich ebenso bewusst sein, wie der Tatsache, dass man selbst in fast allen Bereichen bloß über Halbwissen verfügt, man sich aber dennoch nicht gerne den Mund verbieten lasse möchte ;)

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