Jeder kann etwas bewirken

Es gibt Formeln, die man gern zur Beschwichtigung oder zur Tarnung der eigenen Bequemlichkeit benutzt. Dazu gehört der Satz: »Alleine kann man doch ohnehin nichts bewirken«. So oft heisst es also: »Was soll man machen?«, die Welt sei halt schlecht, »das war schon immer so und das wird auch so bleiben«. Es sind Sätze der Gleichgültigkeit, Sätze der Trägheit, der Apathie, der Resignation, manchmal auch der Feigheit. [...] Eine Demokratie kann man aber mit solchen Sätzen nicht bauen. Einen guten Rechtsstaat auch nicht. Und die Menschenrechte bleiben, wenn man solchen Sätzen nachgibt, papierene Rechte.

- Heribert Prantl, »Der Unruhestifter«, Blätter für deutsche und internationale Politik, Seite 63

Anmerkung: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer dem Hinweis auf meinen Artikel zur Politikverdrossenheit.

5 Gedanken zu “Jeder kann etwas bewirken

  1. Dem würde ich schon noch was zufügen wollen: also ich krempel jetzt mal die Ärmel hoch und gehe mal eben beim Rechtsstaat vorbei, um ihn mir nach gusto zurechtzustutzen.
    Gleich daneben haust die Demokratie. Macher und Bewirker, der ich bin, mache ich erst mal alle Novellierungen des Grundgesetzes, die es aushöhlen, so was von platt. Dann demokratisieren wir die Fabriken, und wenn das nicht gehen sollte, legen wir alle zusammen und kaufen sie uns einfach.
    Was bildet der Prantl sich eigentlich ein? Dass er JFK ist? Der den Leuten erzählte, daß sie lieber gleich freiwillig machen sollten, was sie sonst aufgedrückt kriegen?

  2. Ich glaub, Du verstehst ihn ein wenig falsch. Er hat dies als Einleitung geschrieben, zu einer Laudatio der Preisverliehung des Hermann‐Kesten‐Preises des PEN‐Zentrums an den spanischen Menschenrechtsanwalt Baltasar Garzons, der unter anderem die Pinochet‐Diktatur in Chile mit aufgearbeitet hat. Sein Leben lang hat Garzons gegen Widerstände und Fatalismus gekämpft.

    Außerdem glaube ich kaum, dass einem die ARGE oder das Jobcenter politisches Engagement »aufdrücken« werden ;)

  3. Kann man auch auf die beziehen, die beim Urnengang wieder das wählen, was sie die ganzen Jahre vorher beschimpft haben. Oder ein nicht unerheblicher Teil der Nichtwähler, die bereits schon so abgestellt haben, das sie eventuelle Neuerungen, gar nicht mitbekommen. Alles Fälle »deutscher Gemütlichkeit«, wobei ich eher Faulheit und Ignoranz darin sehe. Der Satz; »da kann man nichts machen« ist Standard hier. Und bei dem Hinweis; »das ein Volk die Regierung bekommt die es verdient« kriegen alle rote Backen.

  4. Mal ehrlich — sitzen wir nicht alle vor der Röhre unserer Rechner, Starren wie gebannt in das Weltnetz, furzen bequem in das Polster unserer Bürostühle und wünschen uns Krebs, damit sich die ganze sinnlose, apathische Warterei im Nachhinein rechtfertigen lässt?
    Worauf warten wir noch? Auf noch ein schlaues Zitat, das uns wiederum bestätigt, was wir ohnehin schon wissen?
    Auf jemanden der statt uns den ersten Stein wirft?
    Heribert fragt: Worauf wartet Ihr? worauf? worauf? worauf?

  5. Was kann man denn machen? Wichtige Frage, wie soll man eine Gesellschaft menschlich gestalten , die nur von sogenannten Sachzwängen bestimmt wird.

    Der Feind hat kein Gesicht mehr, Ackermann und Co. sind nicht die Täter, sondern nur die sichtbaren Symptome eines widerlichen Systems. Das merken die Menschen,aber ihre Wut verpufft wirkungslos. Wir werden von genialen Marketingstrategen unbewusst in die richtige Richtung gesteuert. Entseelte Arbeit und der ziellose,anonyme Konsum tun ihr übriges um jede Aktivität schon im Keim zu ersticken.

    Wir sind nur Knetmasse!

    Unsere Welt ist schon viel weiter als in den Dystopias von 1984 und Brave New World. Wir leben jetzt schon in einer Gesellschaft,die Merkmale beider Zukunftsversionen aufweist.

    Viele wissen nichts und sind glücklich, Viele merken es unterbewusst und sind unglücklich, Ein Teil spürt es und kämpft passiv dagegen an, ein kleiner Teil weiss es und kämpft aktiv dagegen an, der Rest begeht Selbstmord.

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