cool und obdachlos

Ein vermeintlicher Obdachloser in China ist durch seinen Kleidungsstil zu einer Stilikone geworden. Ein Fotograf habe zufällig ein paar Bilder gemacht und sie ins Internet gestellt. Schnell bildete sich daraufhin ein Hype in China um den 34jährigen Cheng Guorong.
Ob Guorong wirklich obdachlos ist oder ob dahinter PR-Leute oder sogar ein Schauspieler steckt, ist die eine Frage. Die andere ist, ob der Personenkult um einen Obdachlosen, das Thema der Obdachlosigkeit wirklich ins Zentrum rückt oder ob sich die Leute im oberflächlichen Image-Bewusstsein und der Coolness ergießen?

Vieles spricht dafür, dass Guorong wirklich obdachlos ist. Er lebe seit 10 Jahren schon auf der Straße und es gäbe ein Video wie eine Journalistin ihn interviewen wollte, er von Sozialarbeitern umringt gewesen sei und er dabei vor Verwirrung anfing zu weinen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, ist dies an Zynismus kaum zu überbieten. Es geht hier nämlich nicht um das Problem der Obdachlosigkeit, sondern darum, dass er einen »coolen Kleidungsstil« hätte. Guorong wird selbst ganz am Boden noch instrumentalisiert, nicht ernst genommen, als Faschingspuppe benutzt. Mit ihm wird Geld gemacht, Reporter und Journalisten belagern ihn,  Anhänger und »Fans« wollen Fotos von ihm machen. Es geht nicht um den Menschen Guorong, sondern um das was er darstellt. Auch die Autorin Mercedes-Lauenstein konzentriert sich in ihrem Artikel ganz auf das Phänomen des »coolen Armen«. Kein Wort zum Thema der Obdachlosigkeit.

Regisseur Jeffrey Lau sagt zu Guorong:

Sogar echte Stars laufen dieser Tage nicht viel anders gekleidet herum. Falls dem aber nicht so ist, muss er tatsächlich eine schlimme Vergangenheit haben. Es würde sicherlich eine gute Comedy abgeben, eine Geschichte über so einen öffentlichkeitsscheuen, aber legendären Könner zu machen.

Bild: Katharina Bitzl

4 Gedanken zu “cool und obdachlos

  1. Pingback: Womblog

  2. Der mir-ist-egal-was-ihr-von-meiner-Kleidung-haltet-weil-sich-die-Gesellschaft-eh-einen-Scheiß-um-mich-kümmert-Look wird sich bei den Leuten, die von der Gesellschaft am meisten Beachtung bekommen, sicher gut verkaufen.

  3. Das o.von mir verlinkte lied bezog sich auf das video, das wiederum in dem unter »stilikone« verlinkten artikel verlinkt war und indem dieser Mann verfolgt und bedrängt wurde bis er flennte und das ganze dann noch mit trauriger musik untermalt wurde. nur für diejendigen, die das nicht angeklickt haben. es ist derartig abstrus dass man selbst nur noch flennen und kotzen könnte

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