Knast fürs Schwarzfahren

In der Strafanstalt Plötzensee in Berlin sitzen inzwischen ein Drittel aller Häftlinge wegen sog. »Beförderungserschleichung« (passender Kandidat für die Neusprech‐Rubrik) ein, wie die Junge Welt berichtet. 140 Tage und mehr verbringen dort vor allem Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Suchtkranke hinter Gittern, weil sie nicht nur die Fahrtkosten, sondern auch die Mahngebühren und Bussgelder nicht bezahlen können. Um die 1500 Euro kommen so zusammen, die der Schwarzfahrer blechen muss. Kann er dies nicht, wird er eingebuchtet. Und obwohl die Schwarzfahrerquote in Berlin seit Jahren rückständig ist, verfolgt die BVG diese gnadenlos. Applaus für die BVG! Eine wahre Heldentat, Menschen die meist eh schon am Boden liegen, noch einmal richtig zu treten!

7 Gedanken zu “Knast fürs Schwarzfahren

  1. obwohl die Schwarzfahrerquote in Berlin seit Jahren rückständig ist,

    Rueckstaendig? Du meinst, es wird seit Jahren zuwenig schwarzgefahren — oder wie soll das verstanden werden?

    ;)

  2. Der Schwachsinn an der Sache ist, daß diese Personen auch in Zukunft weiter schwarz fahren werden. Und es kostet den Staat einiges, etwa zwischen 80 und 220EUR pro Tag. Gehen wir von einem Durchschnittswert von 150,-EUR aus, bei 140 Tagen sind das schlappe 21.000,-EUR. Das ist Geld, was der Staat nie wieder zurückbekommt! Und dazu noch das Geld, welches die ganzen Zivilverfahren kosten. Irgendwie scheint die BVG sehr schizophren zu sein. Gleichzeitig habe diese Schwachmaten ihre Züge mit dem Cross‐Border‐Leasing finanziert, wofür sie Rückstellungen von 157 Millionen EUR gebildet haben.

    Viel sinnvoller wäre es vielleicht, jedem Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Suchtkranke eine Dauerkarte zur Verfügung zu stellen. Dieses sollte allein schon aus Gründen der Menschenwürde von Staatsseite automatisch erfolgen, denn auch Mobilität sollte ein Grundrecht sein.

  3. was heißt hier, mobilität sollte ein grundrecht sein? vom staat mit hartz IV alimentierte, haben keine grundrechte mehr zu haben. die DDR‐bürger konnten auch nicht reisen, wohin sie wollten.

  4. Hi, Leute! Ich bin Sozialausweisinhaber in Mainz und fahre seit dem 25. Januar durchgehend ohne gültiges Ticket Busse & Bahnen, weil das Sozialticket, das mit dem Nachweis der Berechtigung durch den Sozialausweis 49,50 Euro kostet, während im Hartz‐IV‐Regelsatz nur 15,97 Euro für Mobilität aller Art vorgesehen sind! Irre! Meine Forderung: Sozialticket für 15 Euro oder gleich den Gratis‐ÖPNV für alle! Fahrpreisnacherhebungen, Mahnungen, Rechtsanwälte — juckt mich alles nicht: Ich bin es, der Recht hat und der auch Recht bekommen wird — sonst ist ohnehin Widerstand nach Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz angesagt!

    Das Ganze nenne ich »Schwarzfahren für Gerechtigkeit« — ist aber gar kein Schwarzfahren, also »Beförderungserschleichung«, weil ich der Mainzer Verkehrsgesellschaft MVG vorab den Plan und den Starttermin mitgeteilt habe und stets eine Plakette an mir trage, die darauf hinweist.

    Natürlich können sich alle anderen Sozialausweisinhaber in Mainz der Aktion anschließen. Selbstverständlich darf auch jeder andere, »schwarzfahren«, der sich an solchen Machenschaften »ihres« oder »seines« Verkehrsbetriebes nicht beteiligen und schuldig machen will, um den Druck auf die MVG zu erhöhen! DANKE!

  5. Pingback: Kein Ticket: Ab in den Knast >> Quellennachweis, Berlin, Schwarzfahrerquote, Jahren, Kann, Euro, Bussgelder, Applaus >> Womblog [Worte oder mehr]

  6. sind tatsächlich Schwarzfahrer kriminell oder sind es die Verkehrsmittelbetriebe? Wurden die Bürger ihrer öffentlichen Verkehrsmittelbetriebe durch Privatisierung beraubt? Was würde heute
    ein Fahrticket kosten, wenn die Verkehrsmittelbetriebe weiterhin in öffentlicher Hand wären? Würde es dann immernoch so viele Schwarzfahrer geben?

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