Faschismussprech

Es scheint bei einer schwarz-gelben Bundesregierung kennt die bürgerliche Presse kein Halten mehr. Mit aller sprachlichen Härte versucht nun, z.B. die WELT, faschistisches Denken massentauglich zu machen:

Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht. Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung.

Besondere Beachtung sollte man dieser Tage wieder einmal auf die Wahl der Sprache legen. In dem Artikel wird von »Gebäranreizen«, »das bildungsferne Kind der Sozialhilfemutter«, »Elterngeldbabys«,  »Ausbildungsfähigkeit«, »Transferbabys«, und von »Massenkindhaltung« gesprochen. Der Autor Gunnar Heinsohn, seines Zeichens Professor für Soziologie und Ökonomie gibt sich ganz seinem Selektionsdenken hin. Faschistischer kann ein Artikel bald nicht mehr sein. Mit aller sprachlichen Gewalt spuckt er Gift und Galle auf vermeintlich finanziell schwächere Menschen. Ohne jede Achtung vor der Menschenwürde degradiert der Professor finanziell schwächere Menschen nicht nur zu Menschen zweiter Klasse, sondern stellt sie auch als überflüssigen Ballast der Gesellschaft dar:

Niemand zweifelt an der zukünftigen Fortpflanzungsfähigkeit des Zusatznachwuchses. Infrage steht seine Ausbildungsfähigkeit.

Bis zum nächsten Schritt der offiziellen Wiedereinführung der Zwangsarbeit, harten sozialen Einschnitten ist es dann nicht mehr weit. Die bürgerliche Presse bereitet schwarz-gelb den Boden vor, wie man wieder einmal an den Kommentaren lesen kann:

szgmk sagt:
Wer Auto fahren will braucht einen Führerschein um im Straßenbverkehr nicht zur Gefahr zu werden. Da sollte man mal beim Kinderkriegen ebenfalls darüber nachdenken ob es nicht Sinn macht etwas ähnliches einzuführen.

jeanette sagt:
Die eigentliche Frage ist doch wie kann man verhindern, dass sich die Unterschicht in Lichtgeschwindigkeit vermehrt. Kann man eben nicht! Vielleicht sollte man ihnen besser Geld im Monat geben, dass sie auf Kinder verzichten

Gute Nacht Deutschland! Der Faschismus steht vor der Tür!

Mit Dank an Klaus Baum für den Hinweis!

11 Gedanken zu “Faschismussprech

  1. Wir waren wohl alle zu gutgläubig. Ich war zu gutgläubig. Da glaubt man, ahnt man, was kommt, und glaubt man könnte es aufhalten, und wird selber davon überholt. Ich wahr wohl auch etwas naiv ob der Schnelligkeit wie sich Denken breit machen kann.

  2. Dabei sind die beiden angeführten Kommentare noch relativ »harmlos«.

    Vom Sarrazin interview, über die Ausdünstungen eines gewissen Norbert Bolz bei Anne Will (der sich Kommunikationswissenschaftler und Religionsphilosoph schimpft) bis hin zu den entsprechenden Artikeln in der WELT, BILD und anderswo. Es fällt auf, das unmittelbar nach der Bundestagswahl menschenverachtende Argumentationsstränge in der logik des Dritten Reichs Konjunktur haben.

    Sehr interessant hierzu übrigens eine Dokumentation im Ersten heute Abend (04.11 23:30) »Moneten und Propheten« in der auch dargestellt wurde, wie der Trick mit dem Demografischen Wandel (oder besser Demagogischen Katastrophe) bereits zur Kaiserzeit und in den 30er Jahren funktionierte. Die »Wissenschaftler« der 30er sagten aufgrund der mangelnden »Gebärunfreudigkeit »gesunder, junger Mädchen« voraus, dass die Bevölkerung Deutschland bis 1980 halbiert würde. Das schafften selbst die NAZIS mit ihrer »Mutter aller Kriege« sammt folgendem Pillenknick nicht. Auch damals wurde gewarnt »Arbeitsscheue« und »Geisteskranke« würden sich viel schneller vermehren als die »Gesunden«.

    Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, die Parallelen zur Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Aufblühen des Faschismus danach sind aber erschreckend. In jeder Hinsicht!

  3. Es ist schon interessant, daß Menschen die beispielsweise den Holocoust leugnen, von der deutschen Justiz unbarmherzig verfolgt werden, daß aber Menschen, die, als Wissenschaftler getarnt, das gleiche Gedankengut verfolgen, ihre braune Brühe in aller Öffentlichkeit präsentieren können.

  4. Als ich den Artikel vorgestern laß kam es mir hoch, ich war wirklich erschrocken wie so etwas selbst bei Springer stehen kann. Wenn ich kotzen will schaue ich bei Welt rein, wenn ich einen richtig masochistischen Tag habe lese ich auch noch die Leserkommentare. Traurig was da dann noch steht, hast ja zwei nette Kommentare vorgestellt. Es gibt dann auch noch die Kommentare die mit Hinweisen auf PI enden, sind auch recht nett.
    »Interessant« fand ich auch, dass diese unwerten Kinder 91 Prozent im Jahre 2007 ausmachen. Hallo? Was rechnen die denn dann als Karrierefrau? Merken die Kommentatoren eigentlich noch was oder sind sie komplett schmerzbefreit? Ich gehe davon aus, dass deren Kinder oder zukünftige Kinder mehrheitlich nicht zu den 9% gewollten gehören.

    Mir ist auch aufgefallen, wie der Ton rauer wird. Es wird ja schon seit längerem gehetzt was das Zeug hält, langsam nimmt es aber, wie Du sagst, faschistische Züge an.
    Bertelsmann, Springer und Konsorten haben da was ganz großes in der Mache sag ich und nur weil man paranoid ist, heißt das noch lange nicht, dass man nicht verfolgt wird.

  5. ja es ist erschreckend wie schnell und widerstanslos die sog. wissenschaftler und die medien offenen faschismus predigen. statt rassen- nun rassen- und klassenhygiene. der faschismus droht nicht, er ist da. fast wissenschaflich widerlegt wird der ganze schwachsinn bei weissgarnix.

  6. Das Kinder unterschiedlich wert sind, ist doch nur logisch. Schließlich werden heutzutage auch Erwachsene unterteilt, kategorisiert und unterschiedlich gewertet. Wieso da bei Babys haltmachen. Sicherlich wird finanziell von staatlicher Seite aus (noch) kein Unterschied gemacht von wem das Kind kommt, aber der Sprachgebrauch deutet sowas schon an. Schließlich werden aber Menschen ja auch nicht nach ihren Fähigkeiten bezahlt, sondern nach ihren Abschlüssen und Beziehungen. Da ist die Krankenschwester halt weniger wert, als ein Mensch der das Geld einiger Weniger verwaltet.
    Das Schlimme ist, das sich die Regierung außer finanzielle Anreize (das Menschen auf Anreize reagieren ist ja auch ein wirtschaftliches Gesetz) offenbar keine andere Möglichkeit mehr sieht, Frauen zu überreden schwanger zu werden. Das es bei weitem nicht nur am Geld, sondern auch an dem gesellschaftlichen Klima liegt, das man keine Kinder will, das ist egal. Aber schließlich ist doch alles käuflich — also auch Menschen bzw. Kinder. Ich denke man wird sich an die Anwendung von wirtschaftlichen Sprachgebrauch gewöhnen müssen. Und die sog. Intelligenz macht mit.

  7. Der Begriff ist längst geprägt, doch die dazugehörige Wirklichkeit fällt jetzt erst vielen genauso auf: Ökonomiefaschismus™ ist das Verständniswort.

    Und der beherrscht nicht erst seit gestern unsere Lebenssituation, er läßt aber seine grausame Fratze nun immer öfter ganz schamlos fallen.

    Schauen wir ›mit offenem Visier‹ hinein, denn der Feind hat Angst, er wird unsere Blicke, Einblicke und Phantasie irgendwann nicht mehr ertragen!

    Dann ist es Zeit, sich solidarisch zur Wehr zu setzen. Sofern noch jemand weiß, was dieses Wörtchen einmal bedeutete...

    Toleranz bedeutet allerdings, jedem sein Welt-Bild zu lassen, das er ›für richtig hält‹...

    mfg PvS

  8. Der Lack der Zivilisation war wohl insgesamt etwas dünn und blättert gerade ziemlich ab. Allerdings sollte man nicht zu erschrocken sein, denn wer jahrzehntelang sauber zwischen erster, zweiter und Dritter Welt unterscheiden kann und dementsprechend ein Ranking des Überlebensrechts mit formuliert, hat wohl nie unter einem Übermaß an Zivilisiertheit gelitten.
    Jetzt, wo es knapp wird verlagert sich die Teilung in die westliche Industriegesellschaft hinein, mit dem gleichen Ergebnis: Die Privilegierten beanspruchen ihren Vorrang beim Überleben und überlegen, wie sie es verhindern, rein Zahlenmäßig überrollt zu werden und bei der Verteilung der Ressourcen vorne zu bleiben. Alles nicht neu wie W.Buck richtig bemerkt.
    Gut auch der Hinweis auf Wissgarnix etwas weiter oben. Denn witzigerweise sagen die Statistiken etwas anderes aus. Aber wenn wir schon überall auf der Welt Phänomene bekämpfen, die erfunden sind, warum dann nicht auch gegen eine schmarotzende Unterschicht losschlagen. Wen interessiert dann noch, dass nur etwa 20% bei dem Spiel die Gewinner sind...

  9. Pingback: Mein Politikblog

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