Die totale Gleichschaltung

Ich glaube, es wird wieder einmal Zeit, die mediale Gleichschaltung zu thematisieren. Dieser Tage soll im Iran eine Trauerfeier des kritischen Geistlichen Großayatollah Hussein Ali Montaseriim stattfinden. Interessant ist die völlig gleiche Wortwahl, die sich durch viele Artikel unserer Leitmedien zu dem Thema ziehen. Wird nur noch abgeschrieben?

Spiegelonline: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Süddeutsche: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

FAZ: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Bild.de: »Auf Websites der Opposition wird von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.

Handelsblatt: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Berliner Zeitung: »Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen.«

Was ist eine Pressefreiheit wert, wenn alle das Gleiche schreiben?

9 Gedanken zu “Die totale Gleichschaltung

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  2. Interessant. Bei den oben verlinkten Artikeln/Quellen ist bei der FAZ und der Berliner Zeitung der Satz auf einmal nicht mehr zu finden. Heute Nachmittag stand er noch drin!

    Die Bild hat den Satz auf einmal ein wenig variiert: Auf einer Oppositions‐Website wurde von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Steine werfenden Demonstranten vor dem Haus des Verstorbenen berichtet.

    Aber vermutlich unterliege ich nur einer Verschwörungstheorie ;)

  3. @epikur
    Nee, nee, unterliegst du nicht.
    So Sachen passieren nun mal wenn man auf die Schnelle abschreibt, und sich die Sache plötzlich in eine andere Richtung bewegt.
    Aber unter Umständen lesen die vielleicht sogar noch Zeitgeist, und fühlen sich jetzt in der Berufsehre der Abschreiber gekränkt :)
    Bei mir im Dörfle und seiner Medienlandschaft, ist mir jedenfalls so was schon mal im kleinen lokalen Rahmen passiert.

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  5. Das hat mit Abschreiben im klassischen Sinne nichts zu tun. Vermutlich wurde dieser Satz von einer Nachrichtenagentur geliefert — von dort werden einzelne Sätze mitunter übernommen, um eine aktuelle Berichterstattung zu ermöglichen und um rechtlich gesehen auf der sicheren Seite zu sein. Wer bei Formulierungen zu sehr variiert, kann schnell fehlgedeutet und verklagt werden. Ist leider Gottes so...wenn die Medien nicht schnell genug nachrecherchieren können, ist es für sie besser, einen Satz der Nachrichtenagentur zu übernehmen.

    Aber denn Sinn und die Qualität einer freien Presse an einem einzelnen Satz zu hinterfragen, das ist sicher der falsche Weg.

  6. @sarah

    wenn die Medien nicht schnell genug nachrecherchieren können

    Wird überhaupt noch groß recherchiert oder sich eben hauptsächlich nur noch bei den Nachrichtenagenturen bedient? Wie würdest Du es nennen, wenn der Satz komplett übernommen wird? Kreatives Übernehmen statt Abschreiben?

    Der Satz ist nur ein Beispiel von sehr sehr vielen. Alleine was inhaltlich rüberkommt ist bei SpiegelOnline, Bild oder der Süddeutschen stets der gleiche Inhalt. Ob die Anti‐Ypsilanti‐Kampagne, die allgemeine Hetze gegen die Linke oder die ständige Hofberichterstattung — wirkliche Unterschiede sind kaum zu erkennen. Und ja, es gibt einen Heribert Prantl — Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Wenn Du Dir ein halbes Jahr jeden Tag so um die 10 bürgerliche Medien anschaust (genau das habe ich beruflich gemacht), wirst Du sehen, dass es kaum bis gar keinen Unterschied in der Berichterstattung gibt. Insofern kann ich meine Frage nur wiederholen: Was ist eine Pressefreiheit wert, wenn alle das Gleiche schreiben?

  7. Mich FREUT es ja auch immer, wenn ich vorm Fernseher sitze, und schön durch Kanäääle zappe!
    Immer wieder das gleiche Gehetze! :d
    Ach, mittlerweile ist es schon fast LUSTIG!
    :d :d :d

    Ich wünschte nur, wir würden auf eine ernste Ebene zurückkommen, uns nicht mehr mit banalen Sachen ablenken und... selber recherchieren.
    Das ist ja durchaus möglich.

    Alles Gute weiterhin,

    Susanne

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