Elite, Bewusstsein und Elitebewusstsein

Vor gut einem Jahr sprach sich Bundespräsident Horst Köhler dafür aus, dass wir mehr »Elite« in Deutschland brauchen würden. Wozu ein Elitebewusstsein führen kann, zeigt die Analyse einer ehemaligen Elitetruppe Deutschlands: die Schutzstaffel (SS) — der NSDAP. Im folgenden typische Verhaltensmuster der ehemaligen Schutzstaffel und zum Problem der »Elite«.

Die Psychologie der SS wurde von einem Elitebewusstsein und einem nicht vorhandenen moralischen Gewissen bestimmt. Dogmatische, nationalsozialistische Ideologie war das psychologische Schema, in der sich alle Entscheidungen und Überlegungen der SS‐Mitglieder abspielten. Selbstkritische Überlegungen fanden nur insofern statt, wenn z.B. Mitleid empfunden wurde. Diese menschlichen Gefühlsregungen wurden jedoch als »inneren Schweinehund« und als »Humanitätsduselei« betrachtet, d.h. Mitleid sollte unterdrückt werden. Und jedes SS‐Mitglied sollte sich solcher Gefühle schämen und sie unterdrücken. Menschliche Grausamkeit wurde für nützlich und erforderlich gehalten. Menschliche Normen und christliche Ideale galten, wenn, dann nur innerhalb der SS, wie unter Verbrechern mit einem Ehrenkodex.

Anhand einzelner Lebensläufe von SS‐Offizieren lässt sich schnell erkennen, dass viele Unzufriedene, Nichtbegabte und Nichterfolgreiche dabei waren, die ihre sozial gescheiterte Existenz durch den Beitritt in die SS auszugleichen versuchten. Dieses tiefsitzende Minderwertigkeitsbewusstsein vieler SS‐Mitglieder wurde durch übersteigerten Hass, Ehrgeiz und Überheblichkeit kompensiert.  Die Ideale der SS bestanden aus Härte, Draufgängertum, Gehorsamkeit, Pflichterfüllung, Disziplin sowie einen unerschütterlichen Glauben an die Thesen des Nationalsozialismus. Wissen und Bildung war bei den SS‐Mitgliedern eher weniger vorhanden, stattdessen war Glaube, Wille und Haltung gefragt. Für die Ziele der SS war Wissen indes nicht erforderlich, zumal es ein kritisches Denken hervorbringen konnte und somit die eigenen Handlungen in Frage gestellt werden konnten. Vielmehr war ein ausgeprägtes Bewusstsein der SS‐Mitglieder vonnöten: ein Elitebewusstsein, ein »Herrenmenschenbewusstsein« sowie ein Freund‐Feind Schema.

Ohne ein ausgeprägtes Gewissen und ohne eine moralische Instanz wurden die SS‐Ideale die einzige Kontrolle und Kritikebene des Verhaltens. Zudem sah sich die SS nicht als Täter, sondern als Opfer, »da dies Schlachten seien, die zukünftige Generationen nicht mehr zu schlagen hätten«. Die Täter nahmen so eine vermeintliche Pflicht auf sich und wurden zu Opfern, da sie sich für die große Aufgabe hergaben. Indessen wurden die eigentlichen Opfer zu Tätern gemacht, denn wer die Zwangsarbeit oder die Exekutionen kritisch sah, wurde zum »Mörder am eigenen Blut« gemacht.

Ein Elite‐Denken und ein Elite‐Staat ist zutiefst undemokratisch. Die Macht geht hierbei nämlich nicht vom Volke, sondern von sich selbst rekrutierenden Eliten aus. Im klassischen Sinne entsteht so eine Autokratie oder schlimmeres. Wielange wird es dauern, bis sich die neue »Elite« in Deutschland, das Bewusstsein des vermeintlich »besseren  und wertvolleren« Menschen zu eigen machen? Welche Konsequenz wird  auf Dauer dann solch ein Bewußtsein im Handeln dieser Eliten haben?

2 Gedanken zu “Elite, Bewusstsein und Elitebewusstsein

  1. und ich dachte immer, »elite« sei ein Joghurt .. ;)

    Spass beiseite:
    Mag sein, dass Wissen und Bildung bei der Masse der SS Angehoerigen keine Rolle spielten -das ist freilich ueberall so wo man Massen auf ein »gemeinsames Ziel« einschwoert, also z.B. im ganz »normalen« Arbeitsleben ... Fuer die Eliten in der Elite galt und gilt dieses aber nicht:

    »Bei der rassistischen Bauernideologie war es kein Wunder, daß sich die Mannschaften der SS vor allem aus landwirtschaftlichen Gebieten rekrutierten. Die Führungsspitze setzte sich dagegen hauptsächlich aus Akademikern zusammen, die von der »Rassenwissenschaft« besessen waren. Ende 1938 waren 12.000 Akademiker Mitglied der SS. [219] Adelige stellten 9 % der Führungskräfte ab dem Oberst und waren damit relativ gut vertreten. Auch bei den Nürnberger Prozessen fiel der hohe Akademikeranteil bei den angeklagten SS‐Führern auf. [220] Eine Untersuchung der sozialen Zusammensetzung der Führerkorps der Waffen‐SS zeigte deren hauptsächlich mittelständische Prägung, wobei die Mehrheit aus dem gehobenen Mittelstand kam. [221] Viele dieser Mittelständler oder Intellektuellen konnten auf eine gescheiterte Karriere in der Weimarer Republik zurückblicken und vertraten mehr aus »Idealismus« als aus sozialen Gründen den Siedlungsgedanken.«
    Quelle

    Vermutlich wird man auch zwischen »Wissen« und »Bildung« noch unterscheiden muessen oder sogar festzustellen haben, dass sie — wie so vieles — eben kein »Wert an sich« sind. Auch Joseph Goebbels warbekannt;ich ein Dr. phil., Georg Elsner hingegen nur(?) ein »ungebildeter« Handwerker.

  2. Hallo,

    die Konsequenzen dieses bei uns wiedereingeführten Elitebewusstseins sind bereits deutlich zu merken.
    Die Masse der Bevölkerung soll ständig auf schlechte Zeiten eingeschworen werden. Das wird uns von allen (gleichgeschalteten) Medien täglich eingeimpft. Wir, das heißt die Bevölkerung, müssen Opfer bringen. Es kann nicht so weitergehen wie bisher usw.
    Allerding gelten diese Opfer nur für die breite Masse.
    Unsere »ELITEN« bringen auch Opfer. Indem sie immer mehr von dem, was immer weniger Menschen erwirtschaften, in ihre Taschen stecken. Darauf müssen sie dann aufpassen, damit ihnen nichts mehr weggenommen werden kann. Zum Beispiel durch ungerechte Steuern, oder sogar durch Sozialabgaben. Diese Abgaben würden dann, zumindest ein kleiner Teil davon, wieder der Bevölkerung zugute kommen. Deshalb müssen unsere ELITEN viel dafür tun, damit diese »Ungerechtigkeiten« weiter abgeschaft werden.
    Das haben sie zu einem großen Teil, auch unter Mithilfe der Bevölkerung, bereits geschafft. Die Gehirnwäsche hat schon funktioniert.
    Welcher Vermögente, der automatisch zur ELITE zählt, zahlt denn noch »gerechte« Steuern. Sozialabgaben zahlt eh nur der »kleine Mann«. Dafür haben die Handlanger unserer Eliten schon gesorgt. Die Gesetze werden einfach nach den Vorgaben der ELITEN geändert und so vormuliert, dass die Mehrheit der Bevölkerung das nicht versteht.
    Damit kommen wir zur Bildung. Warum schaffen es unsere »Volksvertreter« eigentlich nicht, eine Bildungspolitik für ALLE hinzubekommen.
    ANTWORT: Das wird von unseren ELITEN nicht gewünscht. Die bleiben lieber unter sich. Da haben sie auch lange drauf zugearbeitet. Wo kämen die denn hin, wenn jeder die gleiche Bildung genießen würde. Da würde doch der Bürger anfangen wieder nachzudenken. Das muß mit allen Mitteln verhindert werden.
    Nachdem die gesetzliche Rente, zum größten Teil erfolgreich, zerstört wurde, kommt nun die gesetzliche Krankenversicherung an die Reihe. Wozu braucht der Pöbel auch eine gute Gesundheitsversorgung? Die breite Masse soll arbeiten. Für wenig Geld und so lange bis sie nicht mehr können. Dann....., das soll sich jeder selber ausmalen. Menschenmaterial gibt es schließlich genug.

    Aber, wir wollen es doch gar nicht anders. Wir haben uns unsere Schlächter schließlich selbst ausgesucht.

    Also weiterhin viel Spass damit !!!

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